Jippi, wieder stand eine große Tour mit dem Auto an.
Schon am letzten freien Tag hatte ich mir die Route zusammengebastelt, bestehend aus einigen Höhlen, meinem Lieblingskloster dem Kloster Arkadi und ein paar Künstlerdörfchen.
Los ging es Richtung Westen, vorbei an Iraklio und Bali ( <3) bis nach Fodele, dem ersten Stop und Geburtsort von Doménikos Theotokópulos, den die Meisten sicher nur als den Maler „El Greco“ kennen werden. Sein Geburtshaus wurde als kleines Museum umgebaut und zufälligerweise findet diese Woche auch noch das EL Greco Festival statt. Der Eintrittskartenverkäufer vom Museum, Dimitris, hat mich doch gleich mal eingeladen, vorbeizukommen und hat mir alle nötigen Infos, inkl. seiner Nummer gegeben 🙂 Läuft ja gut hier, aber Fodele ist mir für einen spontanen Abendbesuch zu weit.
Das Dörfchen war zwar klein aber seehr süß gestaltet und an allen Ecken saßen alte Frauen und haben mit Makramé (Häkeltechnik oder so) kleine Taschen, Westen und Tischdecken hergestellt. Und alle waren soo freundlich, haben selbstgemachte Kekse angeboten und mir teilweise sogar ihr Haus mit alter Olivenpresse gezeigt.
Nächster Stop sollte eigentlich die Sfendoni Höhle sein, laut Karte konnte man die eigentlich nicht verfehlen. Wenn man sich aber an den Straßenschildern orientiert, die teilweise nicht vorhanden sind, statt an der Straßenkarte, kommt man natürlich nicht an… Und so fuhr ich weiter bis ich halt zur anderen Höhle, der Melidoni Höhle im Norden der Insel kam. Der Weg war sogar erstaunlich gut ausgeschildert. Für nur 3€ Eintritt hat man hier den Eintritt + eine Flasche Wasser und einen Höhlenplan bekommen.
Die Höhle war echt schön anzusehen. Bei ersten Anblick der beleuchteten Stalagmiten und -titen und den ganzen Lichtern an den Laufwegen dachte ich mir nur „WOW“! Alles war perfekt ausgeleuchtet und man wusste gar nicht, wo man hingucken sollte.
In der Tropfsteinhöhle hatten sich 1824 ein paar hundert griechische Frauen, Kinder und Widerstandskämpfer vor den Türken versteckt. Leider entfachten die Türken ein Feuer in der Höhle und räucherten die Griechen gnadenlos aus. In einem Sarkopharg in der Höhle wurde ihre Gebeine aufbewart. Oha..
Kurz nach der Höhle trifft man auf die Olivenölfabrik Paráskis, wo mir die Inhaberin Ioanna eine tolle Führung über das Gelände und die verschiedenen Prozesse der Ölgewinnung gegeben hat. In ihrer Fabrik werden die Oliven aller umliegenden Olivenhaine gepresst und weiterverarbeit, was natürlich viel Stress und 7 Tage-Wochen in der Hauptzeit also November bis Februar bedeutet. Etwa 400 t Olivenöl werden hier jeden Winter gepresst.
Nachdem wir unser Pläuschchen über die Arbeit in Griechenland und das Leben ansich 😀 beendet hatten, schilderte sie mir noch, wie ich nun zu meiner Sfendoni Höhle komme und verabschiedete sich.
Glücklicherweise habe ich dank ihrer Anweisungen tatsächlich den Weg zu Höhle gefunden und kam genau richtig zum Beginn der Führung, die auf englisch (für 3 Polen) und auf griechisch (für den Rest der Anwesenden, alles Griechen) gegeben wurde. Die Höhle ist wohl eine der größten Tropsteinhöhlen Griechenlands mit 550m Länge. Sie war zwar auch beleuchtet aber mit ständig wechselnden und unnatürlichen Farben, was es schwer machte, schöne Fotos zu bekommen und den Eindruck leider auch etwas schlechter aufallen ließ. Die Atmosphäre war nicht annähernd so begeisternd wie in Melidoni.
Mein nächstes und letztes Ziel sollte mein Lieblingskoster Arkadi sein. Leicht wäre es gewesen, von der Sfendoni Höhle im Inneren des Landes zurück zur Hauptstraße und von dort bis zur Abfahrt nach Arkadi zu fahren, um zum Kloster zu kommen. Aber was soll ich mit einfach, wenn ich auch alle, also wirklich ALLE kleinen Dörfer unterwegs mitnehmen kann? Jede Straße, die links und rechts ein paar Häuschen zu stehen hat, bekommt hier schon ein eigenes Ortseingangs- und -ausgangsschild. Verrückt. Aber bei den Entfernungen brauch man ja Namen für die Siedlungen. Naja, ich kenne nun fast alle Dörfchen dort oben in den Bergen und habe mal wieder festgestellt, wie toll die Landschafte der Insel doch ist. Links und rechts Olivenhaine, Orangen- und Limettenplantagen und Weinreben, und überall blüht und grünt es. Einfach toll.
Schlussendlich habe ich das Kloster nun doch gefunden und kam an, als die gesamte Anlage menschenleer war. Perfekt! Und dann kam das Dejavú… Im Laufe der letzten 18 Jahre, in denen wir auf Kreta waren (oder berichtigt mich liebe Familie!), haben wir das Kloster mindestens 2 Mal besucht, aber jedes Mal als Familie mit den obligatorischen Familienfotos vorm Eingang der Anlage. Und nun stand ich ganz alleine am Eingang und mir kamen erstaunlich viele Erinnerungen, als ich mir die verschiedenen Ecken des Klosters angesehen habe…
Das Kloster ist Kretas Nationalheiligtum und war damals Schauplatz der Rebellion gegen die osmanische Hersschaft. Auf der Anlage gibt es auch ein Pulvermagazin, in dem sich, laut meiner Reisebibel, dem Marco Polo, 1866 die Frauen und Kinder in die Luft sprengen ließen, um den türkischen Belagerern zu entgehen. Wenn das mal nicht gruselig ist.
Nun sollte es eigentlich nur noch Richtung Heimat gehen, aber ich habe natürlich die falsche Abfahrt genommen und hatte auf einmal das Meer an meiner rechten Seite, statt auf der Linken. Also abgebogen, durchs Stadtgewimmel gewurschtelt und zurück auf die Autobahn und diesmal in die andere Richtung.
So schnell wie nie war ich zurück im Hotel und bevor ich was essen gehen konnte, die Kekse zum Mittag waren jetzt nicht so stärkend, wurde ich von unserem Pförtner und dem Kofferfahrer direkt am Gate aufgehalten und dufte erstmal zwei Gläser Wein mittrinken. Na das geht ja gut weiter. Und nachdem wir über dies und das geplaudert hatten, schaffte ich es endlich zurück ins Zimmer und war erstmal platt.
Mal wieder ein toller, erlebnisreicher und abwechslungsreicher Tag auf dieser schönen Insel!
Und nun werde ich mir mal den Sternenhimmel genauer ansehen und hoffentlich wieder ein paar Schnuppsterne erwischen 😀
Hier nochmal die Route von rund 290 km!
