Und schon wieder ging es auf Tour. Wieder mit Schwimmlehrerin Nadja, die schon ihren letzten Tag auf der Insel hatte, da sie leider nur für einen Kurzeinsatz hier war.
Wir fuhren wieder Richtung Westen an Heraklion vorbei zu unserem ersten Stopp, dem „Kloster Arkadi“, meinem persönlichen Lieblingskloster und Kretas Nationalheiligtum. Auch wenn ich die Anlage inzwischen bestimmt 5 Mal gesehen hab, ist sie doch immer wieder beeindruckend schön.
In jeder Ecke lauert ein neues traumhaftes Fotomotiv und alles sieht so harmonisch und friedlich aus. Wenn man bedenkt, dass das Kloster mal Schauplatz der Rebellion gegen die Osmanen war und sich unzählige Frauen und Kinder 1866 im Pulverfass in die Luft sprengen ließen, um der türkischen Belagerung zu entgehen…
Einige Zeit später mussten wir uns wieder vom Kloster verabschieden. Und wieder einmal ist es komisch an Orte und Plätze zu fahren, die man mehrmals im Laufe der Kindheit gesehen hat und immer die Familie dabei war. Und nun auf einmal steht man dort alleine oder mit Freunden und erinnert sich an die Situationen, die man dort zusammen erlebt hat…
Um daran anzuknüpfen fuhren wir weiter nach Rethymno, Kretas dritt größter Stadt. Auch hier waren wir mehrmals mit der Familie, das letzte Mal erst vor 2 Jahren.
Die Stadt Rethymno, in der Antike Rethymna genannt, wurde unter anderem von den Venezianern und ab 1645 von den Türken erobert. Beide Kulturen haben ihre Spuren im Stadtbild hinterlassen. Die Altstadt von Rethymno ist mit ihren vielen Moscheen und Minaretten, engen Gassen und Häusern mit typisch türkischem Holzerker und mit Teilen der alten Stadtmauer noch sehr gut erhalten. Schnell verläuft man sich in den kleinen Gassen, in denen an jeder Ecke neue kleine Geschäfte oder Tavernen warten.
Durch Zufall trafen wir auf den Rimondi Brunnen im Zentrum der Altstadt. Einer der wenigen venezianischen Brunnen unter all den türkischen. Der Brunnen aus dem Jahre 1623 mit 3 Wasser spuckenden Löwenköpfen zwischen ein paar Säulen war ursprünglich von einer Kuppel überdacht, die für eine Straßenerweiterung jedoch weg musste.
Nächster Halt war nach einem leckeren Eis der venezianische Hafen der Stadt, wo früher die Schiffe der Serenissima geankert haben. Der Hafen war ein „Gemeinschaftsprojekt“ der Besetzer. Die Venezianer bauten den Hafen, die Osmanen den Leuchtturm. Viele der Häuser am Hafen stammen aus dieser Zeit und haben die typischen Holzbalkone und teilweise erkennt man sogar das alte Adelswappen an den Häuserfassaden. Die vielen Fischtavernen am Hafen entlang sehen zwar niedlich aus, sind aber so dicht gedrängt, dass man kaum vorbei kommt.
Weiter ging es zum Stadtpark, der grünen Oase der Stadt. Der Park liegt an der Grenze zwischen Alt- und Neustadt und sobald man den Park betritt, spürt man die Ruhe und Entspannung. Dort blieben wir eine Weile sitzen und träumten vor uns hin.
Danach spazierten wir an den Mauern der Venezianischen Burg „Fortezza“ aus dem 16. Jh. entlang, zurück zu unserem Auto. Unsere super geplante Route durch die Altstadt hindurch zurück auf die Autobahn funktionierte leider nicht, weil es in der Altstadt kaum für Autos befahrbare Straßen gibt. Also wählten wir doch den ausgeschriebenen Weg und fuhren zurück Richtung Heimat.
Kurz vor Sonnenuntergang schafften wir es nach Bali zu kommen, dem kleinen Fischerörtchen, in dem wir die ersten Jahre Urlaub gemacht hatten. Ja, das war irgendwie ein „Zurück-in-die-Vergangenheit-Tag“…
Unsere „Blue Pig Tavern“, die eigentlich Psaropoula Taverna heißt, war die einzige noch geöffnete Taverne im Örtchen. Nahezu alle Hotels und Geschäfte dort hatten schon mit der Saison abgeschlossen. Die Jungs in der Taverne erkannten mich gleich wieder und kamen mit der Fotowand an den Tisch, auf dem unsere Fotos von Verena und mir mit den Kellnern zu sehen waren. Auf den ersten Fotos waren wir vielleicht gerade mal 6 und 9 Jahre alt. Schön, dass es sie immer noch gibt und sie einen immer wieder erkennen, egal mit wem ich dort hin komme.
Nach einer Vorspeisenplatte und einer Meeresfrüchteplatte waren wir gut gefüllt und traten nun die endgültige Heimreise an. Zu Hause angekommen war ich echt müde und fand mal wieder nur den direkten Weg ins Bett.
Ein toller Tag mit vielen alten Erinnerungen und neuen Eindrücken und einer netten Begleitung 🙂
Viel Spaß mal wieder bei den Fotos.
Eure Viola