Sister Act 3.0 goes Asia!
Der dritte Tag unserer Tour fing entspannt mit dem Besuch eines Botanischen Gartens an. Die „Royal Botanical Gardens“ wurden 1824 von den Briten errichtet und befinden sich in Peradeniya, Sri Lankas größter Universitätsstadt.
Und wieder bekamen wir einen Führer hingesetzt. Was war eigentlich so schwer daran zu verstehen, dass wir KEINE Führungen mehr haben wollten? Unser Fahrer meinte nur, es gäbe eine kurze Führung und danach hätten wir Zeit, selbst den Garten zu erkunden. Ja nee, is klar!
Trotzdem hatten wir Glück gehabt und einen ruhigen, älteren Guide bekommen, der sogar einigermaßen Deutsch konnte. In aller Ruhe schlenderte er mit uns durch Beete und Gärten, über Wiesen und Parkanlagen und erklärte uns jede einzelne Blumen- und Baumsorte mit ihren kleinen Geschichten. Geduldig ließ er uns Fotos machen, plauderte mit uns über den Urlaub und das Leben in Sri Lanka und legte eine kleine Picknick-Pause unter einem riesigen Baum ein. Glück gehabt.
Der Garten war wirklich schön gestaltet mit Palmen aller Art, bunten Blumenbeeten und großen Sträuchern und Bäumen, die wir bei uns nur als Topf- und Zimmerpflanze kennen. 🙂 Unsere Mama hätte sich hier wie im Paradies gefühlt. Unser Papa nur halb, dafür war der Rasen zu sehr wilde, gemähte Wiese statt englischer Rasen 😀
Zum Ende der Tour konnten wir uns noch in einem Souvenir Shop umsehen und dann waren wir auch schon wieder am Ausgang. So viel zum Thema selber den Park ansehen… Zum Glück war die Führung wirklich gut und wir wussten eh nicht, was wir uns noch hätten ansehen wollen.
Die Fahrt ging nun kontinuierlich bergauf was man gut an der veränderten Vegetation sehen und an den Temperaturen spüren konnte. Die Kokosnusspalmen wurden durch wirklich riesige Nadelbäume abgelöst und statt Reis wurde hier Tee in großen Mengen angebaut. Unterwegs hielten wir an einem Straßenstand und probierten eine King Coconut, die rötliche Variante der Kokosnuss. Der Inhalt war fast ohne Geschmack, sorgte aber trotzdem für eine leckere Erfrischung. Wieder eine neue Erfahrung 🙂
Außerdem hielten wir an vielen kleinen und großen Wasserfällen, damit kann man mich ja immer begeistern! Clever wie die Sri Lankenesen sind, nutzten viele das Wasser um mit Autowäschen Geld zu verdienen. Über die Wasserkosten braucht man sich immerhin keine Gedanken zu machen 😀 Um den großen Wasserfall von Ramboda in 1.000m Höhe zu erreichen, mussten wir erst durch ein Hotel durchlaufen, wo man aber scheinbar den Durchlaufverkehr gewohnt war. Der Weg zum Wasserfall war ja schon schön, aber der Wasserfall übertraf ihn dann doch noch – dabei war er einfach nur hoch und laut :).
Als nächstes stand der Besuch einer Teefabrik auf dem Plan. Ceylon Tea ist ja nicht umsonst weltbekannt. Dazu steuerten wir die „Blue Field Tea Gardens“ in Ramboda an. Keine 2 Minuten nach Ankunft stand schon eine nette Führerin, eine junge Singhalesin, für uns bereit. Ok, hier sehe ich die Notwendigkeit einer Führung ein 😉 Die Führung startete und aus dem Nichts kamen noch eine Familie aus Dänemark und eine kleine Gruppe aus Indien dazu. Ich war tatsächlich sehr froh, mal keine Privatführung bekommen zu haben!
Sie erklärte uns den Weg vom Pflücken der Blätter bis zum Tee in der Tasse und erklärte die unterschiedlichen Teesorten. Wusstet ihr, dass es eigentlich nur 4 Teehauptsorten gibt? Schwarzen, weißen, grünen und gelben Tee – dabei ist die Farbe von der Art der Verarbeitung und der genutzten Blätter des Teestrauchs abhängig. Kleines Beispiel: Beim grünen Tee werden die Teeblätter nur getrocknet und dann verarbeitet, beim schwarzen Tee werden die Pflanzenzellen der Blätter durch Rollen und Quetschen zerstört wodurch es zur Oxidation kommt und die Teile sich dunkel färben. Kurz Fermentierung 😀 Wieder was gelernt!
Während der Führung konnten wir alle Arbeitsschritte genau verfolgen, da es sich um eine laufende Fabrik handelte und der Tee in großen Mengen hier produziert wurde. Eine sehr interessante Führung und zum Abschluss gab es natürlich den hauseigenen Tee zum Probieren. Anschließend stürmten wir noch den kleinen Shop und deckten uns mit Teepackungen für die Familie ein.

Tee soweit das Auge reicht
Auf der Weiterfahrt hielten wir einige Zeit später an einer Teeplantage um Fotos zu machen. Höflich fragten wir die Pflückerinnen, ob wir ein Foto machen dürften was sie bejahten. Nachdem wir uns bedankt hatten, kam dann aber nach „Now make a foto!“ die zweithäufigste Aussage der Sri Lankenesen: „Money, money!“. War ja wieder klar, die Lehrerin in der Schule hatte ja auch nicht nur aus Nächstenliebe ihre Klassenzimmer präsentiert ;).
Warum wir ausgerechnet an dieser Plantage halten mussten, wo auch noch Arbeiterinnen waren, man also nicht einfach so durchlaufen konnte, verstanden wir leider nicht. Schuld war bestimmt wieder die schlechte Kommunikation… In der Teefabrik hatte die Führerin angeboten, dass wir uns nach der Teeverkostung mal die Plantage ansehen könnten. Das erzählte ich unserem Führer, damit er weiß, dass er noch etwas warten muss. Scheinbar verstand er aber nur Tea Farm, woman und Plantage. Denn seine Antwort war, er fährt uns zu einer Teefarm wo wir den Frauen bei der Arbeit in der Plantage zusehen können… Arr ist aber auch schwer, wenn man merkt, man wird nicht verstanden.
Naja wie dem auch sei schraubten wir uns weiter bergauf auf gute 2.000m Höhe und erreichten die Kleinstadt Nuwara Eliya, zu Deutsch: „Stadt des Lichts„. Da es hier ganzjährig recht frisch ist, sollen in den heißen Monaten die gut betuchten Sri Lankenesen hier ihren Urlaub oder das Wochenende verbringen. Wir waren zu einer relativ warmen Zeit dort und hatten knappe 16°C, in den kälteren Monaten werden tatsächlich die Kamine angefeuert und nachts die Wärmflaschen mit ins Bett genommen. Hier ist was los! Da wundert es auch nicht, dass jeder Zweite mit Fleecejacke herumläuft und an jeder Ecke Pullis verkauft werden. Viele der Gebäude zeigen den langjährigen britischen Einfluss wie das Postamt im englischen Landhausstil und viele Gebäude aus rotem Backstein mit Kamin. Manche, vor Allem teure, Hotels pflegen die englischen Sitten sehr und achten auf exakt geschnittenen Rasen im Garten oder Stil und Etikette beim Essen. Der Golfplatz der Stadt soll einer der Besten in ganz Asien sein.
Doch die so malerisch erscheinende Stadt entpuppte sich bald als DER Flop unserer Reise…
Bevor wir in unser Zimmer in einem alten, englischen Backsteinhaus konnten, mussten wir in einer großzügigen Lobby warten. Dort entdeckten wir auch das Brettspiel Carrom und waren nach einer kurzen Eingewöhnungsphase voll dabei. Das Spiel funktioniert wie Billard, nur dass man statt Kugeln Mühlensteine hat und diese Finger schnipsend in den Löchern des Spielbretts versenken muss. In Indien und den Nachbarländern ist das Spiel überall zu finden, in Deutschland gibt es dafür sogar Meisterschaften!
Irgendwann konnten wir dann unser Zimmer beziehen. An sich ein schönes Zimmer im englischen Landhausstil mit hohen Decken und Holzbalken, einem Kamin und schweren Möbeln. Für das Bett gab es mal kein Laken zum Zudecken sondern dickes Federbett und es war ziemlich frisch, sodass wir erst mal die Flip Flops gegen Socken und feste Schuhe tauschen mussten.
Aber auch hier denkt man leider, dass ein gemachtes Bett für ein sauberes Zimmer reichen muss. Auch hier waren wieder Flecken auf den Kissen, die Handtücher waren definitiv nicht frisch, zumindest rochen sie nach mehrmals benutzt und vom grün-gelb-braun gefleckten Duschvorhang mal ganz abgesehen. Da suchen wir echt wochenlang nach einem tollen Hotel in Sri Lanka und verbringen die Nächte dann stattdessen in zugewiesenen Hotels, die nicht annähernd gleichwertig waren. Klar, zum Einen selbst schuld, aber das kann ich als Hotel doch nicht ernst meinen…
Da wir noch etwas Zeit bis zum Essen hatten, fuhren wir noch einmal in die Stadt, natürlich immer begleitet durch unseren Fahrer. Traut man uns nicht zu, hier alleine klarzukommen? 😉 Wir starteten am Calamander Lake Gregory, der mit seiner gepflegten Parkanlage drumherum und den Bootsstegen wie aus einer Grafschaft in England wirkte. Schick gekleidete Sri Lankenesen liefen mit Sonnenschirmen aus Spitze am Wasser entlang und einige tobten sich tatsächlich beim Schwan-Tretboot oder Jetski fahren aus. Verrückt, vor Allem wenn man weiß, was wir danach gesehen haben…

Postamt in Nuwara Eliya
Erst mal ging es weiter zum bereits erwähnten Postamt, einem rot-weißen Ziegelbau, der überfüllt mit Asiaten war (also den vorranging aus Japan kommenden Touris). Schöne Postkarten zum Verschicken haben wir hier aber nicht gefunden also wechselten wir zur Hatton Bank, die ebenfalls klassisch britisch aussah.
Das war es dann aber auch schon mit den schönen Seiten der Stadt. Am Bale Basar an der Main Street soll man angeblich stressfrei einkaufen können z.B. Jacken, Hosen und Pullover. Also wenn dich vor jedem Stand jemand anspricht und dir fast den Pulli ins Gesicht drückt, finde ich das nicht stressfrei. Überall am Straßenrand versuchten Händler Krims Krams zu verkaufen und noch nie in Sri Lanka hatte ich so viele Bettler gesehen, die ihre unmöglichsten Missbildungen an Hand und Fuß hinhielten um damit Geld zu erbetteln. Generell sahen die Menschen hier sehr mager und arm aus. Schon krass, wenn man bedenkt, dass im selben Ort die obere Mittel- und Oberschicht des Landes Urlaub machen.
Der Höhepunkt kam, als Roshan mit uns durch die Markthalle laufen wollte. Hier wurden Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse verkauft – von Kühlsystemen keine Spur! Alles lag offen auf Pappunterlagen und die Hühner in den Käfigen hatten direkten Blick auf ihre bereits kopflos auf der Pappe liegenden Artgenossen. Also sowas schlimmes hab ich ja noch nie gesehen!! Wie kann man denn hier ernsthaft einkaufen, wenn wir selbst mit Pulli vor Mund und Nase nicht mal atmen konnten, ohne dass uns das Ekelgefühl übermannte?? Also ich bin ja echt tolerant aber dieser Anblick war echt abstoßend! Kann man nur hoffen, dass das Fleisch für unser Abendessen vom Großhändler und nicht vom Markt kam …
Apropos Essen… An sich hat es ganz gut geschmeckt, es gab das Standard 3-Gänge Menü bestehend aus Tomatensuppe, wahlweise Currygericht, Fleisch oder Fisch und zum Nachtisch konnte man zwischen Eiscreme, Obstsalat und Pudding wählen. Der Service lässt hier allerdings echt zu wünschen übrig. Neulich hab ich in einem Beitrag auf Holidaycheck gelesen, dass man das „asiatisch engagiert“ nennt, also sehr hilfsbereit und freundlich, aber unorganisiert 😀 Ein Beispiel: Ich bin ja bekannter Weise ein langsamer Esser, Verena hingegen überhaupt nicht. Als sie also mit ihrem Hauptgang fertig war, kam sofort der sehr junge „Kellner“ angeflitzt um den Teller abzuräumen. Eingeläutet wurde dies immer mit einem „Madame Finish?“ bei dem er den Kopf nach unten senkte, als wäre wir die Queen, der er nicht zu lange in die Augen sehen dürfte 😀 Dann fragte er mich, ob ich auch fertig sei – ich hatte Messer und Gabel noch in der Hand und wollte mir gerade einen Happen reinschieben – also NEIN ich war offensichtlich noch nicht fertig.
Kurze Zeit später bekam Verena ihre Eiscreme serviert, ich war übrigens immer noch am Fisch essen! Aber wir waren (besser sind 🙂 ) ja gut erzogen und da wartet man, bis der Andere aufgegessen hat. Also bat sie den Kellner, das Eis nochmal kalt zu stellen.
Ich hatte Messer und Gabel keine 10 Sekunden abgelegt, da stand er schon wieder da und fragte, ob ich fertig sei. Er stand übrigens die gesamte Zeit über hinter uns am Eingang des Raumes und beobachtete alles genau, wir waren ja auch die einzigen Gäste hier..
Naja das Eis kam dann wie erwartet angefroren mit Eiskristallen aber geschmeckt hat es trotzdem, bei Vanilleeis aus der Packung ja nicht schwer 😀
Direkt nach dem Essen gingen wir ins Bett und konnten mal wieder den lautstarken Telefonaten der Zimmernachbarin lauschen. Sind die Wände hier alle aus Pappe gebaut? Mit dicken Socken und Flugzeugdecke als Unterlage brauchten wir lange, um in dem kalten Zimmer einzuschlafen.
Die Nacht war kurz, denn noch vor Sonnenaufgang sollte es am nächsten Tag losgehen!
Wohin, das erfahrt ihr im nächsten Bericht …
Verena und Viola

die Haltepunkte an Tag 3