Jetzt hatte ich mich so sehr daran gewöhnt in Begleitung unterwegs zu sein, dass mein erster Ausflug nach langer Zeit ganz alleine schon ungewohnt war. Dabei war das bisher eigentlich fast immer der „Normalzustand“ 😀
Heute sollte es mal wieder nach Westen ins Landesinnere gehen und zwar nach Patsos. Die Region um Patsos und Amari südlich von Rethymnon gilt als eine der vegetationsreichsten und war tatsächlich beeindruckend grün und vielfältig. Alle Haltepunkte an diesem Tag habe ich in meiner neuen „Kreta-App“ entdeckt, da meine tolle Reisebibel doch nicht jeden Insider Tipp kennt.
Erster Halt war der Staudamm von Potami, etwas oberhalb von Patsos. Hier soll im vergangenen Jahr ein ausgesetztes Krokodil herumgeschwommen und die Ziegen und Schafe der Region verputzt haben… Die Medien hier und auch im Ausland haben darüber berichtet. Meine Familie und einige Freunde in Deutschland wussten davon sogar eher als ich 😀 Der Staudamm scheint dem Kroko aber zu langweilig geworden zu sein, zumindest hat man es im Winter (glaube ich) tot aufgefunden … Schade aber auch 😀
Auf jeden Fall bin ich auf dem riesigen Staudamm von links nach rechts spaziert und habe den See im weiteren Streckenverlauf fast einmal ganz umrundet.
So und nun wurde es spannend… Mein nächstes Ziel war das verlassene Kloster Antoni, auch Veni genannt. Vom Dörfchen Voleones soll man 3,5km auf einer „Dirt road“ fahren und dann zu einem Kloster oben auf dem Berg kommen. Nach dem Ortsausgangsschild führte eine eigentlich passable Straße Richtung Kloster, ich habe mich schon gefragt, was daran die „Dirt road“ sein soll.. Aber dann kam die Erkenntnis ziemlich eindeutig. Zwei Kilometer lang ging es nur noch über Schotterpisten und unebenes Gelände und das steil bergauf. Wie sehr habe ich mir Andis Auto gewünscht mit Automatik und Offroadtauglichkeit. Keine Ahnung wie mein Chevi das wieder hinbekommen hat. Irgendwo im Nirgendwo kam ich dann an eine Weggabelung und entschied mich mehr als spontan, das Auto stehen zu lassen und zu Fuß weiter zu gehen. Welch weise Entscheidung 😀
Ein paar Minuten später erreichte ich auch schon die verlassene Anlage. Mal wieder alleine, irgendwo auf einem Berg im inneren des Landes und in einem verwachsenen Kloster. Super!! Es soll von den Byzantinern errichtet und später von den Venezianern eingenommen worden sein bis die Türken sich einmischten und 3 mal versuchten, das Kloster abzubrennen um eine Konzentration von Rebellen zu vermeiden. Ahja… wieder was gelernt 😉 Die Gebäude waren teilweise eingefallen oder verwüstet aber irgendwie doch sehr interessant. Die riesigen Berge des Psiloritis (eines von 3 Bergmassiven auf Kreta mit mehr als 2.000m Höhe) gaben die perfekte Kulisse dazu ab.
Auf dem kleinen Gelände gab es auch eine Höhle welche sehr tief sein und „heiliges Wasser“ sowie die Knochen ehemaliger Mönche beinhalten soll. Alleine habe ich mich aber nicht hinein getraut, da der Eingang mal wieder klein und der Innenraum dementsprechend dunkel war
Ehe es mir zu gruselig wurde ging ich lieber zum Auto zurück. Immerhin musste ich noch die gesamte Strecke auf der tollen dirt road hinter mich bringen, diesmal steil bergab. Aber keine Sorge, hat alles gut geklappt. Ich fahre ja nicht zum ersten Mal im Nirgendwo Kretas herum 😀
So, nun stand endlich Patsos auf dem Plan, genauer gesagt die Schlucht von Patsos, auch Agios Antonios genannt. Die Wanderung durch die Schlucht soll sehr einfach sein, seitdem der „Forest Service“ Hand angelegt hat. Dazu aber später..
Am Eingang der Schlucht befindet sich eine riesige Taverne in der genau an dem Tag eine große Feier stattgefunden hat. Die Menge an Menschen und Autos war dementsprechend groß. Zum Glück wollten die nicht alle in die Schlucht!
Gleich auf den ersten Metern findet man auf der linken Seite einen wunderschönen Picknickplatz direkt am Flusslauf. Rechts davon befindet sich die kleine Höhle von Agios Antonios. Archäologen haben bewiesen, dass die Höhle ein wichtiges Zentrum für die Gottesdienste der Spät-Minoa gewesen sein soll und daher einen religiösen Charakter hat… heute befindet sich in der Höhle die Mini Kleine Kirche vom heiligen Antonios. Mehr als ein paar Ikonen und Kerzen findet man dort aber nicht.
Jetzt wurde die eigentliche Schlucht in Angriff genommen. Eigentlich soll es eine Art Rundweg geben mit den einen oder anderen Abzweigungen. Eigentlich.. Eigentlich war ich auch der Meinung auf diesem Weg unterwegs zu sein, aber irgendwann wurde der Weg immer kleiner und war nicht mehr wirklich als Weg zu identifizieren. Also Rückzug und auf in die andere Richtung. Hier lief zunächst alles nach Plan. Über Stock und Stein und Wasserläufe hinweg lief ich durch einen unglaublich grünen Wald mit tollen Hängebrücken und kleinen Wasserfällen. Immerhin gab es genug Schatten.
Etwas später ging es zu einem Aussichtspunkt von dem aus man einen tollen Blick auf die Schlucht hatte. Nur dumm, dass Aussichtspunkte immer so weit oben liegen und daher mühsam zu erreichen sind. Fix und fertig kam ich oben an aber der Ausblick entschädigte!
Wieder unten angekommen folgte ich, dachte ich jedenfalls, weiterhin dem vorgegebenen Weg und kletterte bergauf und bergab. Irgendwann kam dann eine Hängebrücke, die zu einem tollen Wasserfall und einem großen Fragezeichen bei mir führte. An dem riesigen Felsen neben dem Wasserfall konnte ich mich noch vorbeiquetschen, doch danach führte eine Strickleiter durch einen kleinen Fluss bergab, durch ein Loch im Felsen hindurch und dann wieder mal ins Nichts. Soll das der vorgegebene Weg sein?? Von allen möglichen Seiten versuchte ich einen Eindruck von dem zu bekommen, was hinter dem Felsen kommen könnte, aber mehr als eine Schlucht konnte ich nicht erkennen.
Meine Schuhe wollte ich auch nicht unbedingt einweichen, also musste ich mal wieder umkehren.
Eigentlich müsste ich damit die gesamte Schlucht abgelaufen sein, auf jeden Fall fühlte ich mich so, also muss es wohl so gewesen sein 😀 Keine Ahnung, wie ich als Kind die Samaria Schlucht geschafft hab…
Etwas entspannter spazierte ich zum Auto zurück und sah mir am Parkplatz noch einmal die Infotafeln und Wegführungen an. Auf die Idee, den Wegeplan abzufotografieren hätte man ja auch vorher mal kommen können.
Ziemlich fertig machte ich mich auf den Heimweg. Und weil es so günstig liegt und die Fahrtzeit von 2,5 Stunden am Stück zu langweilig war, hielt ich noch in Stalis bei unserem Freund Jannis. Bei leckeren frittierten Zucchinis plauschten wir mit seiner Frau Evy über die aktuellen Geschehnisse und was diese Saison wohl zu bieten hat und zum Abschied durfte ich mir noch eine große Portion selbstgemachte Knofibutter einpacken. Lecker!!
Nun wollte ich eigentlich nur noch schnell einkaufen und dann ab nach Hause und ins Bett. Der Plan funktionierte soweit ganz gut, wenn wir nicht noch in der Taverne vor meiner Wohnung gegessen und uns zu „einem“ Drink in der Bar am Ende von Milatos überreden lassen hätten. Der Abend wurde mysteriöser Weise länger als gedacht und natürlich blieb es nicht bei einem Drink.
Aber immerhin schaffte ich es noch vor Eintreten der Helligkeit ins Bett und bekam endlich meinen wohlverdienten Schlaf. Mal wieder ganz schön anstrengend so ein Tag auf Tour. Aber zum Glück habe ich ja genug Zeit zum Ausschlafen, so ohne Arbeit 😀
Also viel Spaß mit den Bildern und sonnige Grüße aus Kreta!!