Tagesarchiv: 11/06/2016

Gavdos Part 2 – verloren auf der südlichsten Insel Europas

Am Morgen des zweiten Tages wachte ich in völliger Stille auf und konnte trotz einiger Wolken am Himmel bis nach Kreta hinübersehen. Die Wolken brachten zwar etwas frische Luft, trotzdem lagen die Temperaturen wieder über 30°C. Wie machen die Leute das hier im Sommer nur??

Für den zweiten Tag war die Erkundung des gesamten Nordens geplant. Hier sollen sich super viele Strände befinden und unter ihnen auch der zweitschönste der Welt nach einem Strand in Hawaii (sagt man… ). Laut meiner Wanderkarte schienen alle Strände zu Fuß gut erreichbar zu sein, aber das werden wir noch sehen…

Auf jeden Fall war erst mal ein Frühstück nötig um den Tag auch zu überstehen. Bei einem kleinen Bäcker in der Nähe gab es leckere mit Frischkäse gefüllte Teigtaschen, was die Griechen dann Käsekuchen nennen 🙂 Dort habe ich auch Birgit kennen gelernt, die ebenfalls alleine auf der Insel ist, aber schon mehrmals dagewesen war. Leider hat sie meine tolle Laufstatistik etwas durcheinander gebracht, weil sie mich die ersten Kilometer mit dem Auto mitgenommen hat 😛

DSC02904Erstes Ziel war nämlich der Leuchtturm etwas südlich von Ambelos welcher in 368m Höhe liegt, was wieder einen anstrengenden Aufstieg bedeutet hätte. Der kleine Leuchtturm wurde 1880 von den Franzosen gebaut und „Überraschung“ 1942 von den Deutschen zerbombt… Damals konnte man sein Licht ganze 42 Meilen weit sehen, womit er seinerzeit die zweit längste Reichweite weltweit hatte. 2003 wurde alles wieder aufgebaut und nun kann man sich Leuchtturm inklusive Café ansehen. Beides war aber mehr als verlassen bei meinem Besuch.

DSC02944Also spazierte ich weiter zum ersten Strand des Tages, dem Potamos Beach im Nordwesten von Gavdos. Die Strecke war mit rund 1,5 Std Laufzeit und laut App als leicht zu erwandern ausgeschrieben. Laut der offiziellen Wanderkarte allerdings zählte sie zu Stufe 3 also lang und/oder mit starkem Anstieg. Na mal sehen… Zunächst führte uns der steinige Weg durch einen Pinienwald immer bergab und mit einem tollen Ausblick auf die vorgelagerte kleine Insel Gavdopoula. Serpentinenreich ging es Meter um Meter nach unten wobei man die beeindruckenden Felsen bewundern konnte. Die schichtartigen Klippen waren unglaublich und ich kann es kaum richtig beschreiben – am besten seht ihr euch die Bilder dazu an 🙂 Der Strand selbst ist ziemlich lang und von Pinien und Zedern gesäumt, weshalb er bei Campern beliebt sein soll. Einen einzigen habe ich tatsächlich gefunden. Der feine Sandstrand ist rötlich, sehr weich und fällt sehr flach ins Meer ab. Hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre ich soo gerne hier baden gegangen.DSC02957
Beim Aufstieg merkte ich dann knallhart die angekündigte Stufe 3 der Wanderroute. Es ging kontinuierlich bergauf, über große Steinstufen und immer in der prallen Sonne. Immerhin war der Ausblick beeindruckend … Schon beim Abstieg wusste ich, dass der Rückweg kein Kinderspiel werden würde. Ich feierte jeden Baum am Wegesrand, der mir etwas Schatten bot und musste immer häufiger und längere Pausen machen. Meine 1,5 l Flasche war dann auch fast leer, was für ein Start in den Tag.

DSC02962Zurück in Ambelos wollte ich einen weiteren Wanderweg nach Pyrgos nehmen. Auf der Karte war er klar eingezeichnet, in der Realität war er aber kaum aufzufinden. Ich lief zwischen irgendwelchen Ruinen hindurch und fand dann doch noch ein kleines Schild mit einem Wanderer drauf und glaubte mich sicher. Ich folgte dem Trampelpfad quer durch die Walachei und fand mich auf einmal im Nirgendwo wieder. Kein Weg war mehr zu erkennen, Schilder gab es sowieso nicht und um mich herum nur Berge, Thymianbüsche und steinige Landschaften. :O Ohje dachte ich mir, jetzt hast du ein Problem. Denn auch meine Offline Karten oder die App kannte den Weg nicht und so musste ich per GPS bei google maps die Landschaft nach einem Weg absuchen und dann auch noch dorthin finden. Keine Ahnung wie, aber nach einer guten Stunde Wanderung, selbstverständlich ohne Mensch oder Tier zu begegnen, traf ich tatsächlich auf den ausgeschriebenen Wanderweg. Zwar nicht der, den ich erwartet hatte, aber er führte auch zum Pyrgos Strand 😀 Nochmal Glück gehabt … Da sagt mal einer, Frauen haben eine schlechte Orientierung und kommen alleine nicht in der „Wildnis“ klar 😛

Auf dem Weg zum Strand traf ich endlich mal wieder Menschen, ein holländisches Paar, welches ebenfalls die Nordküste ablaufen wollte. Denen folgte ich dann einfach mehr oder weniger. Der Pyrgos Strand befindet sich versteckt in einer großen Bucht zu der man die Felsen hinabklettern musste und war wie die meisten Strände hier menschenleer.

DSC02975Es folgten die beiden flachen Strände von Stavrolimni und Lavrakas, beide menschenleer und teilweise steinig. Aber gerade dadurch sah das Wasser so kristallklar und blau aus, dass es schon fast unnormal war. Hier gönnte ich mir auch endlich mal eine kurze Pause und machte es mir am Wasser gemütlich.

Und auf einmal war es nur noch ein Katzensprung zum Agiannis Beach, dem angeblich weltweit zweitschönsten Strand, na mal sehen … Der Strand war tatsächlich ziemlich groß und breit und seeeehr feinsandig. Zum Landesinneren hin befindet sich ein großer Zedernwald unter dem viele Camper ihre Zelte aufgeschlagen haben und dort teilweise monatelang leben. Das Wasser war wirklich sehr klar und hatte eine tolle Farbe allerdings ging es sehr flach ins Wasser, sodass man ewig weit laufen musste. Ich weiß nicht, ob ich den Strand jetzt als fast schönsten der Welt bezeichnen würde, aber trotzdem war er mehr als beeindruckend und die Euphorie ist durchaus nachzuvollziehen 🙂
DSC03006Dummerweise hatte ich vorher von den paar Wanderern, die ich getroffen habe, erfahren, dass am Agiannis Strand eine Unterkunft und eine Taverne sein soll. Also lief ich am Strand vorbei auf der Suche nach dem eigentlichen Agiannis Beach. Zu schade denn die Taverne und das Hotel befanden sich am Nachbarstrand Fetife Beach, der nur eine kleine, steinige Bucht war, in der ein Aussteiger selbstgemachten Schmuck in einer Hippiehöhle verkaufte. Zurücklaufen wollte ich nicht nochmal und so konnte ich leider nicht in den Genuss eines Bades an diesem tollen Strand kommen 😦

Nun hatte ich drei Möglichkeiten. Eine davon war zum Agiannis Beach zurück zu gehen und zu baden, aber dazu hätte ich feinsandige Dünen durchqueren müssen. Dann stand noch der 1 Std entfernte Sarakiniko Strand zur Auswahl und die Möglichkeit, mich von Birgit zurückfahren zu lassen. Die habe ich nämlich am Agiannis Beach wieder gefunden. Aber da ich ja wandern wollte, fiel Auto fahren schon mal weg. Agiannis wäre wohl die bessere Entscheidung gewesen um sich auszuruhen und zu baden und trotzdem entschied ich mich für den Sarakiniko Beach um wirklich alle Strände der Insel gesehen zu haben. Vorher stärkte ich mich aber bei einem Obstsalat in der kleinen Taverne und besorgte mir endlich mal Wassernachschub. Ohne den kleinen Brunnen irgendwo unterwegs wäre ich echt verloren gewesen…

Und so lief ich wieder weiter und weiter an der schmalen Straße entlang und genoss den Ausblick über die Nordküste und die steinigen Klippen. Unterwegs kamen zwei Mopedfahrerinnen und ein Autofahrer vorbei und wirklich alle fragten, ob sie mich mitnehmen sollen. Überrascht aber erfreut lehnte ich ab und lief gemütlich weiter, wenn man durchschnittlich 6 km/h als gemütlich bezeichnen kann 😀

DSC03015Der Sarakiniko Strand ist relativ gut mit dem Auto zu erreichen und daher auch der belebteste Strand der Insel. Hier findet man Unterkünfte, mehrere Bars und Tavernen und sogar eine Auto- und Mopedvermietung. Die Gebäude dort wurden einfach in den Sand gebaut und gleichen ein bisschen einer Westernstadt so ohne System und Wege. Mir war das dann schon wieder zu viel Betrieb nach den ganzen einsamen Stränden zuvor. Der Sarakiniko Strand war tatsächlich schön groß, flach und kieselig. Leider hatte sich der Himmel etwas zugezogen, sodass man das blaue, klare Wasser nicht mehr so gut sehen konnte und auch die Lust zum Baden war damit leicht vergangen. Wäre ich mal doch am Agiannis Beach ins Wasser gehüpft! Aber ich habe den Strand gesehen und kann nun wirklich alle Strände der Insel beurteilen.

Im kleinen Supermarkt des Ortes traf ich dann Filippos wieder, am Morgen hatte er noch in dem kleinen Bäcker die Mauer verputzt und nun bot er mir an, mich mit dem Auto zurückzufahren. Eigentlich musste er gar nicht nach Kastri, aber bei einer Fahrt von 10 Minuten war das auch egal und er freute sich riesig darüber 😀 Und eigentlich wollte ich ja gar nicht mit dem Auto fahren. Meine Wanderstatistik haute dann nicht mehr hin und ich hab extra die Zeit für den Rückweg einkalkuliert und mir daher viel weniger zeit für Agiannis und Co genommen. Muh.. Und dann war ich schon mehr als eine Stunde früher als erwartet zurück in meiner Unterkunft und wusste nichts so recht damit anzufangen. Allerdings entdeckte ich dann einige Blasen an den Füßen und war dann doch ganz froh … Am Ende des Tages sind es dann immerhin etwas über 30km geworden, die ich gelaufen bin und so habe ich mich auch gefühlt 🙂

So blieb mir viel Zeit, den Sonnenuntergang und den letzten Abend in Ruhe und Einsamkeit zu genießen. Generell muss ich sagen, dass mir die Ruhe und die vielen einsamen Stunden unterwegs sehr gut getan haben und mir viel Zeit zum Nachdenken und Überdenken vieler Dinge gegeben haben 😉
Später ging ich noch zum Essen in die andere Taverne, die ich am Vortag gefunden hatte – ich wollte ja beiden eine Chance geben. Leider war dies die falsche Entscheidung, denn das Essen war nur aufgewärmt, nicht annähernd so lecker wie bei der Omi und noch dazu tat sie mir leid, weil sie sich so auf mich gefreut hatte 😦 Für’s nächste Mal weiß ich Bescheid!

DSC03023Und so stolperte ich im Dunkel der Nacht zurück nach Hause, sah mir noch eine Weile die Sterne an und fiel dann wieder einmal müde ins Bett. In der Nacht zog allerdings starker Wind auf und es pfiff nur so um die Hausecken. Am nächsten Morgen hielt sich der starke Wind immer noch und ich bekam ein bisschen Bammel, ob die Fähre überhaupt fahren würde. Aber zunächst einmal genoss ich den Sonnenaufgang über dem Meer bei einem leckeren Frühstück auf meiner Terrasse und ließ den Tag ganz entspannt angehen bevor ich mich zu Fuß auf den Weg zum Hafen machte – waren ja nur knapp 4 km, die schaffe ich nun auch noch!

Am Hafen traf ich auch Birgit wieder und Carlos, einen Italiener, der mir schon auf der Hinfahrt auf der Fähre aufgefallen war, weil er wahnsinnig tolle Bilder von der Landschaft in sein Notizheft gemalt hatte. Auch er hatte die Ruhe gesucht und fährt dafür jedes Jahr für 2 Wochen alleine weg und schaut sich die griechischen Inseln an. Mit beiden unterhielt ich mich bis die Fähre mit fast einer Stunde Verspätung  endlich ankam. Das wäre mir an sich egal, wenn ich nicht in Agia Roumeli umsteigen müsste und dafür nur eine Stunde Zeit blieb.
DSC03053Unsere Fähre kämpfte sich mit aller Kraft gegen 2-3m Welle und 4-5 Windstärken über das Meer und kam dabei nur sehr langsam voran. Man konnte sich auch nur im Innern aufhalten, weil die Gischt nur so durch die Gegend flog und wirklich alles überflutete. Ich bin ja eigentlich nicht anfällig für Seekrankheit aber bei diesem Seegang und dem Geschaukel war ich wirklich kurz davor!

Zum Glück wartete die Fähre in Agia Roumeli und ich konnte auf das nächste Schiff umsteigen und war eine halbe Stunde später endlich wieder in Sougia. Zusammen mit ein paar hundert Touristen, die in Roumeli zugestiegen waren und vorher die Samaria Schlucht durchwandert hatten. Ich gönnte mir noch ein leckeres Abendessen in der tollen Anchorage Taverne und dann musste ich auch schon die 4 stündige Heimfahrt Richtung Norden antreten.

DSC03111Die erste Stunde ging wieder serpentinenreich durchs Landesinnere nach Norden und obwohl die Sonne schon am Untergehen war, konnte ich sie immer wieder einfangen, weil ich mich immer wieder in den Bergen nach oben schraubte 🙂 In Chania an der Nordküste angekommen war es dann schon fast dunkel und die letzten 3 Stunden Autobahnfahrt im Dunkeln damit wenig spektakulär. Nach wirklich genau 4 Stunden Fahrt, kurz vor Mitternacht war ich endlich wieder zu Hause und fiel geplättet ins Bett. Was für eine Reise!

Jetzt muss ich mich erstmal wieder an „so viele“ Menschen auf einmal gewöhnen und das gesamte Foto- und Videomaterial aufarbeiten. Also seid gespannt auf die Aufnahmen!! Viel Spaß damit und mal sehen, wo es mich als nächstes hinführt …

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Kategorien: 2016, Beiträge Mär-Nov | Hinterlasse einen Kommentar

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