Monatsarchiv: Juni 2016

Gavdos Part 1- allein auf der südlichsten Insel Europas

Der nächste Tag brach an und endlich sollte es nach Gavdos gehen. Aber so einfach ging das auf einmal gar nicht …

Erst mal kam der Vermieter meines Hotelzimmers zu mir und meinte, er hätte nachts einen Alarm in meinem Auto „gesehen“. Und ich soll doch den Alarm „ausstellen“ oder ihm die Schlüssel dalassen, damit er keine Probleme bekommt wenn ich weg bin. Jeder Autobesitzer, der sein Auto per Fernschaltung öffnen kann, kennt doch diese rote Lampe, die neben dem Lenkrad blinkt oder?? Das war für ihn der Alarm 😀 Und wie soll ich den bitte ausschalten? Da hab ich ihm erst mal erklärt, wozu die rote Lampe da ist, und wie das aussieht bzw. sich anhört, wenn wirklich der Alarm losgeht. Klar, zeigt die rote Lampe an, dass der Alarm eingeschaltet ist aber das soll er ja auch. Sonst bringt es ja nichts, wenn ich weg bin und jemand seelenruhig einbrechen kann weil der Alarm nicht losgeht… Und die Schlüssel lasse ich mit Sicherheit nicht da wenn ich 3 Tage weg bin – nicht, dass der damit noch spazieren fährt.

Vor Abfahrt der Fähre wollte ich mir gerne nochmal den Strand von Sougia ansehen und spazierte dazu samt Gepäck bis zum Ende der Bucht und fand eine kleine Campergemeinde, die sich dort niedergelassen hatte. Seelenruhig nahmen sie splitternackt ihr morgendliches Bad im Meer oder unter der Dusche und kochten an ihren Campingkochern 🙂 Was ich nicht erwartet hatte, war der Altersdurchschnitt von um die 65 Jahre. Warum auch nicht?!

DSC02739Als ich schließlich an dem kleinen Hafen angekommen war, gab es erst mal Schwierigkeiten ein Ticket zu bekommen. Das Schiff hielt vor Gavdos noch in Agia Roumeli also bei der Samaria Schlucht und scheinbar wollten mehr Autos plus Insassen auf die Fähre, als der Ticketverkäuferin lieb war. Und dabei haben wir noch nicht mal Hochsaison! Ich durfte meinen Namen dann auf eine Warteliste schreiben (die kurz danach übrigens verloren ging 😀 ) und hoffen, dass ich mitdarf. Aber als das Schiff dann mit leichter Verspätung ankam, bekam ich auf einmal doch ein Ticket und alles war gut. Das ging ja gut los.

DSC02751Auf dem Schiff machte ich dann gleich die ersten Bekanntschaften und traf zwei Bremer, die auf Durchreise und völlig begeistert von Kreta waren, vor Allem das Essen hier hätte sie zu enormen Gefühlsausbrüchen verleitet 😀 Und dann traf ich noch ein englisches Paar aus Oxford, welches die absolute Ruhe auf Gavdos suchte und bereits ins den 80ern schon dort gewesen war. Leider habe ich sie auf Gavdos nicht mehr wieder gesehen.
Die Überfahrt war traumhaft! Es herrschte beinahe Windstille und in der Morgensonne zeigte sich das Meer in allen Blautönen. Vor allem entlang der Küste waren die Blau- und Türkistöne unbeschreiblich. Mal abgesehen davon, dass die Südküste sowieso beeindruckend aussieht mit ihren Bergen, Klippen und traumhaften Buchten, die man alle nur per Boot erreicht. Und um den kleinen Hafen in Gavdos zu erreichen bekamen wir gleich noch eine kleine Rundfahrt um die Nordküste der Insel.

Auf Gavdos angekommen wurde ich von meiner Vermieterin Maria empfangen und mit dem Auto zum Apartment gebracht. Sie ist eine von den gerade einmal 50 Einwohnern, die permanent auf der Insel leben und ist damit auch sehr zufrieden.
Gavdos ist gerade einmal 30 km² groß, liegt im Schnitt 35 km vom Festland entfernt und ist geografisch gesehen die südlichste Insel Europas. Viel hat die Insel nicht zu bieten. Landwirtschaft und Viehzucht sind wegen der geringen Niederschläge beinahe unmöglich und die Vegetation besteht überwiegend aus niedrigen Büschen und Krüppelkiefern. ABER, jetzt kommt’s, auf Gavdos sollen sich ein paar der schönsten Strände des Landes und der Welt befinden und abgesehen davon kann man hier wunderbar wandern und seine Ruhe finden, vor allem jetzt in der Vorsaison. Kein Wunder also, dass sich hier viele Aussteiger niederlassen und an den Stränden campen.

DSC02892Meine Unterkunft in Kastri war ein kleines Steinhaus oben auf dem Berg mit tollem Meerblick und schlichter aber moderner Innenausstattung. Echt gut, wieviel man aus vielleicht 20 m² zaubern kann. Wer mal nach Gavdos kommt, dem kann ich „Kalypso Apartments“ in Kastri nur empfehlen!
Auch wenn ich von Maria gleich zum Strandbesuch mit ihren Freunden eingeladen wurde, musste ich leider ablehnen, denn ich wollte ja die Insel erkunden. In meiner Unterkunft gab es dafür auch einen guten Wanderplan der gesamten Insel und nach kurzer Verschnaufpause startete ich direkt in mein kleines Abenteuer.

Ziel des ersten Tages war die Umrundung und Erkundung des Südens. Also lief ich einfach mal los und lief Kilometer um Kilometer ohne auch nur einem einzigen Menschen zu begegnen. Serpentinenreich ging es zunächst noch ein Stückchen bergauf auf gute 250m und dann Stück für Stück immer weiter bergab vorbei an tollen Felsformationen, kleinen Wäldern aus Krüppelkiefern und wenigen Ziegen, die erstaunt schienen, einen Menschen zu sehen 🙂 Das schöne bei dieser kleinen Insel ist der Meerblick, den man von fast überall aus hat. Mal blickt man steile Felshänge hinab auf kristallklares, türkises Wasser und mal sieht man feine Sandstrände hinter den Steinen und Büschen hervorkommen.

DSC02806Mein erstes Ziel war der Strand Tripiti ganz im Süden der Insel. Hier ist also der südlichste Punkt Europas!! Am Ende des Strandes befindet sich eine tolle Felsformation mit drei Bögen die wie Löcher im Felsen aussehen. Daher hat der Strand auch seinen Namen, denn Tripes heißt auf Griechisch „Löcher“. Auf dem Felsvorsprung steht ein großer Holzstuhl auf den man klettern und die Weite des Lybischen Meers genießen kann.
Landeinwärts gesehen befindet sich direkt neben dem Strand ein flacher Salzsee an dem viele Vögel auf der Durchreise DSC02822nach Afrika im Winter Halt machen. In der restlichen Zeit des Jahres ist er aber ausgetrocknet und sieht umso spektakulärer aus, vor allem, weil man hindurch laufen kann.
Am Strand von Tripiti habe ich neben einem einsamen Menschen, der am Strand lebt und nackig in der Sonne lag 😀 auch ein gestrandetes Schiff mit arabischer Aufschrift gefunden. Es scheint noch nicht lange da zu liegen und wie ich später erfahren habe, soll es sich dabei um ein gestrandetes Flüchtlingsboot handeln :/

DSC02857Von Tripiti aus wanderte ich wieder durchs Landesinnere und erreichte ca. eine Stunde später den Strand von Lakoudi. Der Abstieg zum Strand ist sehr steil und Felsenreich und sowieso war die Aussicht von oben viel schöner. Also blieb ich oberhalb des Strandes auf einem Felsen sitzen und genoss die Aussicht. Hier kommt man vermutlich deutlich besser mit einem Boot hin.

Mein letztes Ziel des Tages war der Strand von Korfos an der Ostseite und nur einen Kilometer vom Hafen in Karave entfernt. Hier war mal wieder so etwas wie Zivilisation zu erkennen, denn Korfos kann man auch mit dem Auto erreichen und demnach fand ich hier auch eine Taverne und ein paar Nackedeis in gehobenem Alter. Und endlich, nach 3 Stunden Wanderung, war Zeit für eine Erfrischung gekommen. Das Wasser war nicht ganz so klar und blau wie sonst, immerhin gab es hier auch Sandstrand, aber trotzdem muss ich immer wieder sagen, dass sich das Lybische Meer ganz anders und viel weicher anfühlt. Sonderlich schön war Korfos Beach aber nicht.

DSC02873Der Rückweg führte wieder steil bergauf zunächst durch einen Nadelwald hindurch und über steinige Wege hinweg und später entlang einer schmalen Straße, die serpentinenreich und ohne Erbarmung nur noch bergauf ging. Schon blöd, wenn man auf 230m Höhe seine Unterkunft hat. Aber wie geplant erreichte ich noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang mein Ziel und sank geplättet auf der Couch nieder. In knapp 4 Stunden hatte ich  beinahe 18km zurück gelegt, also fast einen Halbmarathon 😛 und das bei Anstiegen, die mich echt zum Keuchen brachten und Temperaturen über 30°C! Und ich muss sagen, dass der Großteil der Wanderwege auf der Insel sehr gut ausgeschildert und markiert waren! Da hat es echt Spaß gemacht die Insel zu erwandern.
Das gute bei diesen Temperaturen, auch bei 3 Litern Wasser intus schwitzt man alles einfach wieder aus und erspart sich somit die Suche nach nicht vorhandenen Toiletten 😀 Und wie erwartet bin ich nicht mehr als 5 Menschen begegnet, hatte also gaaaanz viel Ruhe und Zeit für mich und meine unzähligen Gedanken. Denn irgendwie hatte ich ja gehofft, auf Gavdos nicht nur Ruhe zu finden, sondern auch meinen Kopf ein wenig frei zu bekommen und abzuschalten.

DSC02897Nach so einer Wanderung ohne Nahrung, abgesehen von 3 Litern Wasser war ich mehr als hungrig und da kam mir die kleine Taverne ganz recht, die ich auf dem Hinweg entdeckt hatte. Nur ein paar Minuten Fußweg von meiner Unterkunft entfernt befanden sich ein kleines Hotel mit Restaurant und eine MiniTaverne die von außen nach nichts aussah. Genau der wollte ich eine Chance geben und es war ein Volltreffer!! Die „Taverne“ hieß „To Zteki tis Gogos“ und wurde von der Mutter von Maria betrieben, wie ich erfahren habe. Der Innenraum war eigentlich die Terrasse ihres Hauses, die mit Planen umrahmt und mit bunten Stühlen und Tischen bestückt war. Die Dekoration war sowas von authentisch und liebevoll, dass man sich wirklich wie bei ihr zu Haus gefühlt hat. Speisekarten gibt es hier nicht und da sie gerade Ziege gekocht und frischen Salat gemacht hatte, nahm ich das einfach mal.

Und dann stellte sich die liebe Omi an den Herd, kochte das Fleisch und servierte mir dann ein unglaublich leckeres Abendessen. Der Salat bestand aus selbst hergestelltem Ziegenkäse, allen möglichen Kräutern, die am Wegesrand wachsen und leckerem Gemüse gewürzt mit Meersalz – der Wahnsin!! Selten hab ich so einen leckeren Salat gegessen! Dann kam das Fleisch, ein großer Teller mit Rippchen, Filet und Schenkel von der Ziege und Ofenkartoffeln. Einfach himmlisch!! Die gute Frau konnte leider kein Englisch aber ich war selbst erstaunt, wie weit ich mit meinem Griechisch kam und wir haben uns tatsächlich den ganzen Abend gut unterhalten – andere Gäste gab es ja auch nicht 🙂 Zum Nachtisch gab es noch eine Kuchen aus Baklava, Pudding und Zimt und einen Raki und dann war es auch Zeit zu gehen. Sie verabschiedete sich sehr herzlich und gab mir noch ihre Telefonnumer weil ich ja den ganzen Tag alleine herumlaufe und sie Angst hatte, dass mir etwas passieren könnte und ich niemanden zum Helfen hätte. Und dann lud sie mich auch gleich für den nächsten Tag ein, was sie dann anbieten kann, wird sie spontan sehen 🙂 Toll

Zurück in meinem Häuschen blieb ich noch eine ganze Weile auf der Terrasse sitzen. Da es beinahe keine Straßenbeleuchtung auf Gavdos gibt, ist der Sternenhimmel hier einfach überwältigend! Der klare Himmel war über und über mit Sternen bedeckt, dazu diese Stille, die durch nichts außer ein paar Zikaden gestört wurde und der Tag fand seinen perfekten Ausklang!

Soviel zum ersten Teil meines Kurzurlaubs – nun lasst mal die Bilder auf euch wirken!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Kategorien: 2016, Beiträge Mär-Nov | Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.