Die Spirit of Betty Tour Teil 2

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schnell man sich für ein neues Hobby begeistern kann. Ende 2016 war das Thema „Yachtsegeln“ noch so weit entfernt für mich und waberte nur als kleine Wolke in meinem Kopf herum. Und nur ein paar Monate später kann ich gar nicht genug davon bekommen.

Mit der Anmeldung zur theoretischen Prüfung im Januar gab es kein Zurück mehr. IMG-20170331-WA0002Die Prüfung konnte mehr als zufriedenstellend gemeistert werden und dann stand nur noch die Praxis aus. In meinem letzten Beitrag gab es ja eine ausführliche Beschreibung zu unserem Ausbildungstörn im Revier der Kanaren. Ein körperlich anstrengender und intensiver Törn bei dem wir von Yachtnovizen zu richtigen Starkwindjunkees geworden sind. Bereits nach wenigen Tagen war das Feuer in mir entfacht und schnell war klar, dass es nicht bei diesem Törn bleiben wird. Schon auf dem Flughafen von Madrid, auf dem Rückweg vom erfolgreichen Ausbildungstörn, schrieb ich eine Mail an Schoenicke Skipperteam um nach möglichen Terminen für den Herbst zu fragen. Und auch wenn es erst schwierig aussah, wurde noch ein zusätzlicher Termin ins Programm aufgenommen und unserem nächsten Törn stand nichts mehr im Wege. Zu klären war noch die Frage, ob wir uns jeder eine Koje buchen oder gleich die ganze Yacht chartern wollen. Doch wir waren uns schnell einig, die Spirit samt Betty und Andreas soll uns gehören 🙂

Und dann begann sich das große Crewkarussel zu drehen. Auch wenn es 8 Plätze gab, wollten wir nur 7 belegen. Zum einen, um Skipper Andreas eine Einzelkoje zu bieten und zum anderen, weil sich 7 Leute einfach besser am Tisch gemacht haben als 8 😀 Unser Doraden Thomi hatte sich ja selbst direkt aus der Gruppe verabschiedet, also wäre die Crew komplett gewesen. Doch dann stieg erst Tobi aus, der beruflich verhindert war und auch bei Falko und Alex stand die Teilnahme lange auf der Kippe. Für Tobi fanden wir zum Glück Ersatz, da sich meine „Soma Bay Bekanntschaft“, die liebe Dani sehr schnell begeistern ließ und noch eine Woche frei bekam. Falko konnte etwas später seine Zusage geben und auch bei Alex sah es zunächst sehr gut aus bis er verletzungsbedingt doch wieder absagen musste. So ein Pech aber auch und mega schade für ihn. Aber wieder einmal hatten wir Glück und Falko brachte Elena mit ins Team. Damit waren wir komplett und die Frauenquote ausgezeichnet. 🙂

Das ganze Prozedere erstreckte sich über fast ein halbes Jahr in dem ich die gesamte Planung übernahm. Wir blieben zum Glück alle in Kontakt und hielten uns immer wieder mit Fotos von Urlauben, Segeltouren oder einfach netten Grüßen von wo auch immer bei Laune. Die Planung lief problemlos und Mitte November saßen wir alle wieder im Flieger auf dem Weg nach Teneriffa. Relativ spät am Abend erreichte ich als Letzte die Marina und war super glücklich, alle auf der Spirit wieder zu treffen. Immerhin hatte ich die Jungs seit gut einem halben Jahr nicht mehr gesehen. Und auch wenn ich mit Dani immer wieder im Kontakt war, hatten wir uns seit unserem Kennenlernen im Robinson Club Soma Bay Anfang 2016 nicht mehr gesehen. Am Abend gingen wir jedoch noch einmal schön essen, stellten fest, dass mexikanisches Essen durchaus scharf sein kann 😀 und Gambas in heißem Knofiöl einfach unverzichtbar sind!

TAG 1
Am nächsten Morgen ging es direkt los und da sonntags niemand im Hafenbüro arbeiten wollte, fuhren wir eben ohne bezahlte Hafengebühr davon. IMAG3439Wenn sie unser Geld nicht wollen, dann eben nicht 😛 (Bei unserer Rückkehr am Ende der Woche haben wir das natürlich nachgeholt 😉 ) Unser erstes Ziel war wie immer der Hafen von San Sebastian in La Gomera. Schließlich wollten wir mal wieder bei den Marineros „Hallo“ sagen und sehen, ob sie sich noch an uns erinnern konnten. Wir schipperten also gemütlich los, setzten bald die Segel und ganz gemütlich ging es über den Atlantischen Ozean. Auch Elena und Dani durften ans Ruder und waren glaube ich ganz glücklich damit. Dani ist ja bereits eine super Kat-Segelerin und nach dieser Woche war auch sie vollkommen mit dem Yachtvirus infiziert und ist nun auf dem Weg zum SKS Schein. Wieder eine Skipperin mehr wuhuu. Natürlich kamen wir auch diesmal wieder in die Düse vor La Gomera nur mit dem Unterschied, dass wir diesmal richtig Freude daran hatten. Diesmal stand ich tatsächlich am Ruder und hatte so einen Spaß daran, die Spirit in Schräglage durch die Wellen zu pflügen. Noch vor einen halben Jahr war ich heilfroh, dass Tobi am Steuer stand und ich mich ganz klein auf der Bank zusammenrollen konnte 🙂

Rund 55km (ca. 30sm) und 6,5 Stunden später erreichten wir San Sebastian und legten gleich ganz entspannt am ersten Steg auf unserem altvertrauten Platz an. IMAG3501Andreas hatte uns schon „vorgewarnt“, dass sie hier nun einen deutschen Marinero hätten, einen Bayer. Und wozu habe ich dann auf Spanisch die Marina angefunkt um uns anzukündigen? Der Seppl-Marinero war dann tatsächlich da, gab uns das Zeichen, wo wir anlegen sollten und staunte nicht schlecht, als wir perfekt eingespielt und top vorbereitet die Leinen zum Steg warfen und ratz fatz angelegt hatten. Das war mal ein gelungener Einstand. Auch unser Freund Julio war wieder da. Als ich ihn um die Dusch- und Türkarten bitten wollte, telefonierte er zwar noch, doch als wir anschließend ein paar Worte wechselten erkannte er mich tatsächlich wieder und die Freude war auf allen Seiten groß. Er konnte sich sogar noch daran erinnern, dass ich in Griechenland lebe und erkundigte sich wie die Saison gelaufen sei. Man war das schwierig diesmal. Eine knappe Woche vor Törnbeginn war ich erst aus Kreta nach Deutschland gekommen und nun musste ich schon wieder auf Spanisch umschalten.

Am Abend folgte dann zumindest für mich das erste kleine Highlight der Reise. Während wir Mädels bereit zum Essen am Ausgang der Marina warteten, lief auf einmal ein Mann an uns vorbei. Nichts Besonderes eigentlich, wenn er mir nicht sofort bekannt vorgekommen wäre. Ich hatte auch sofort den Namen im Kopf, aber an so viel Zufall hatte ich einfach nicht geglaubt und daher erstmal nichts gesagt. Er sprach uns dann jedoch an und wir stellten fest, dass unsere beiden Boote vom Skipperteam kamen und wir am Steg sogar sehr dicht beisammen lagen. Das war ja schon mal ein lustiger Zufall, doch es wurde noch besser. Auch er wartete auf seine Crew und als diese dann kam, entdeckte ich ein weiteres bekanntes Gesicht und dann war ich mir 100% sicher. Es müsste Ende 2015 gewesen sein, als ich Olli und Dirk als Robinson Gäste bei uns im Kalimera Kriti kennen lernte. Die beiden waren gute Katamaran Segler und kannten Andi schon sehr lange und noch aus Lyttos Zeiten (dem vorigen Club auf Kreta). Und genau diese beiden Nasen treffe ich auf einer kleinen Insel mitten im Atlantik genau in den 10 Minuten, in denen wir auf unsere Männer gewartet haben. Was für ein erfreulicher Zufall die Beiden hier wieder zu treffen!

Unsere beiden Crews machten sich also getrennt auf zum Abendessen und da Andreas gesundheitlich sehr angeschlagen war, kehrten wir auch bald zum Schiff zurück. Mit einer Cola bewaffnet stattete ich der Saphir aber noch einen Besuch ab, dem Schiff auf dem meine beiden wieder getroffenen Segler waren. Wir plauderten eine ganze Weile über alte Erinnerungen und aktuelle Pläne und stellten fest, dass wir eine ähnliche Route vor uns hatten. Dass wir uns ab da jeden Abend im Hafen begegnen würden, konnte ja keiner wissen 😀

TAG 2
Am 2. Törntag hatten wir eigentlich vor, zur kleinen Insel El Hierro im Südwesten zu segeln. Foto 21.11.17, 19 57 53Um Andreas zu schonen, gingen Dani und ich diesmal zum Brötchen holen und nach dem Frühstück meldete ich mich mutig für das Ablegemanöver. Ganz entspannt verließen wir so den Hafen. Der Wind war leider schwach und so entschieden wir uns spontan dazu den Hafen von Valle Gran Rey auf der Westseite von La Gomera anzusteuern. Hätten wir gewusst, was uns dort erwartet, wären wir sicher lieber in San Sebastian geblieben 🙂 … Der Weg nach Valle Gran Rey war trotz allem sehr abwechslungsreich. Erst verabschiedete sich der Wind immer mehr und wir spielten mit dem Gedanken, eine kleine Badepause einzulegen. Doch dann tauchten auf einmal ein paar Bojen im Meer auf und eine kleine schwarze Flosse, die immer wieder drum herum schwamm. Ein kleiner Zipfelhai – na sehr schön. Wir fuhren ein paar Mal um ihn herum und entschieden uns ganz spontan gegen die Planschpause 😀 Später erblickten wir sogar noch ein paar Delfine! Ein paar Meilen vor Gran Rey frischte der Wind nochmal richtig auf und wir nutzten unsere Chance. Segel hoch und ab dafür. Bei ziemlich sportlichem Wind übten wir einfach ein paar Manöver um uns wieder einzuspielen und so wurde doch noch ein guter Segeltag draus. In 8 Std kamen wir so auf ganze 75km (ca. 42sm).

Das Anlegen in Gran Rey war schon eine Herausforderung für sich. Hier gab es nämlich nur eine riesige Mauer, an der wir festmachen mussten. Das Schlimme daran – eine Mauer steht fest und gleicht die Wasserstände bei Ebbe und Flut folglich nicht alleine aus. Man musste also die stark schwankenden Wasserstände beim Leinenbefestigen mit einkalkulieren. Wir befanden uns auf halber Höhe der Mauer als wir unsere Seile festmachten und bekamen zum Glück Hilfe von der Crew der Saphir. Die Marineros übten sich hier eher in mürrischen Kommentaren und halfen nur sehr wenig. Beim Abendessen mussten wir diesmal leider auf Andreas verzichten, der sich auskurieren wollte. Wir spazierten also durch die bergigen Gassen von Valle Gran Rey und fanden nach langem hin und her ein kleines aber super volles Restaurant. Wieder einmal gab es Gambas in Knofisauce, leckere Papas Arrugadas und Fisch und ein Gratis Didgeridoo Konzert. 🙂 Als wir zurückkamen, lag unsere Spirit so weit unten, dass die Mauer neben uns riesig erschien. Eine richtige Marina gab es hier auch nicht, also nutzten wir zum ersten Mal intensiv die Waschräume auf unserem Schiffchen.

Die Nacht war der pure Horror!! Der Wind war so stark, dass es nur so durch die Wanten pfiff und Wind und Welle schubsten das Boot wie eine Nussschale hin und her. Immer wieder wurden wir durch den lauten Knall wach, den der Anker beim Zusammenstoß mit der Kaimauer erzeugte weil der dicke Fender nicht alles abhalten konnte. Andreas schlief gleich angezogen auf dem Sofa um regelmäßig Leinen und Fender zu überprüfen und auch ich konnte keinen Schlaf finden und sprang immer wieder auf dem Deck rum. Dazu kam noch, dass Andreas immer noch stark angeschlagen war und eigentlich schlafen müsste um Kraft zu tanken. Zum Glück war die Nacht irgendwann vorbei!

TAG 3
Am Morgen zogen Dani und ich wieder los um Brötchen zu holen. Wir waren zwar etwas zu früh dran aber so bekamen wir die Chance, ein wenig durchs Örtchen zu laufen und uns umzusehen. Wenn der Hafen nicht so schlimm gewesen wäre, hätte man hier echt ein paar chillige Tage verbringen können. Doch so fiel uns der Abschied immerhin nicht schwer. 🙂 Mit Andreas und Dani ging es noch zum Hafenbüro um die Liegegebühr zu zahlen, die unverschämt hoch war und dann machten wir uns auf schnellstem Wege vom Acker. Ziel des Tages war eigentlich wieder die kleine Insel El Hierro, doch nach kurzem Telefonat mit der Marina dort mussten wir den Plan umschmeißen, denn sie hatten keinen freien Liegeplatz für uns. Ob wir es jemals nach El Hierro schaffen?? Die Frage entwickelte sich immer mehr zum Running Gag 😀

So entschieden wir uns kurzerhand für La Palma und segelten stundenlang auf langsamen Vorwindkurs hoch noch Norden. Foto 19.11.17, 16 05 52Unterwegs bekamen wir sogar noch Besuch von einem Wal. Was man nicht alles so trifft auf dem Meer. Inzwischen war es auch zur Gewohnheit geworden, dass sich immer ein bis zwei Leute fanden, die Brötchen für alle schmierten und so die Mittagspause versüßten. 🙂 Auf La Palma steuerten wir nach rund 90km (ca. 50sm) und knappen 8 Stunden die Marina von Santa Cruz de la Palma an. Ein relativ kleiner Hafen mit Schwimmstegen – juhuu keine Mauer 😀 . Zunächst einmal hieß es wieder Parking am Wartesteg und erst als Andreas und ich alle Formulare und Ausweise eingereicht hatten, durften wir an unseren Schlafplatz umziehen und Uli seine Anlegekünste unter Beweis stellen. Und Überraschung.. wieder einmal lag die Saphir fast neben uns am Steg. Frisch geduscht zogen wir etwas später Foto 21.11.17, 21 50 02durch die Stadt von Santa Cruz, aßen leckere Tapas mitten in der Altstadt und sahen uns den riesigen Nachbau der Santa Cruz an. Das Schiff, mit dem Kolumbus 1492 zur Entdeckung Amerikas aufbrach. Die Altstadt hat mir persönlich super gefallen. So viele schöne, alte und traditionelle Häuser im Kanarischen Stil, breite Einkaufsstraßen und kleine Gassen – da müsste man eigentlich nochmal bei Tag hinkommen um sich alles genau anzusehen.
Die Nacht in La Palma war überraschend ruhig. Durch die ungewöhnliche Windrichtung rollten die Wellen genau in die Marina hinein und wir hatten uns auf eine schaukelige Nacht eingestellt. Doch auch wenn es ein wenig schaukelte, war das eher angenehm und endlich konnte man mal wieder durchschlafen. Mal abgesehen von dem kleinen Regenguss mitten in der Nacht bei dem ich wach wurde und freundlicherweise die Handtücher oben an Deck einsammelte. 🙂

TAG 4
Tag 4 unseres Törns war angebrochen und wir hatten Großes vor! IMAG3448Heute sollte es nun endlich nach El Hierro gehen!!! 😀 😀 Die Windvorhersage war super, der Liegeplatz war reserviert und ohne zu frühstücken liefen wir kurz nach Sonnenaufgang aus. Diesmal stand Dani sogar am Steuer und fuhr ihr erstes Ablegemanöver! Die Vorhersage sollte Recht behalten! Bei astreinen Segelbedingungen düsten wir ab gen Süden und pflügten nur so durch die Wellen. Ich schmierte ein paar Nutella Brötchen und Uli kochte Kaffee und Tee. Die Cornflakes aßen wir vorsichtshalber direkt aus der Tasse und selbst das war gar nicht so leicht bei der Schräglage. Nicht nur das Essen war ein Abenteuer, auch das Stullen schmieren unter Deck war eine große Herausforderung für den Magen.. Man steht in 45° Schräglage gegen den Schrank gelehnt und sieht über sich im Fenster nur das Wasser vorbei ziehen. Ab und zu guckt vielleicht mal ein Fisch zum Fenster rein 😀 und wenn man nicht alle paar Minuten mal hoch an Deck geht, wird einem echt schnell übel.. Aber das alles war es vollkommen wert. Denn während sich die Männer der Saphir einen schönen Landtag machten, nutzten wir die tollen Segelbedingungen und freuten uns schon auf El Hierro.

Aber naja was soll ich sagen.. El Hierro und wir werden wohl keine Freunde mehr werden. IMAG3465Denn auf halber Strecke verließ uns leider wieder der Wind. Mit Fingerspitzengefühl versuchte ich noch uns an La Gomera vorbeizusteuern doch nach langem hin und her einigten wir uns darauf, doch wieder nach San Sebastian in La Gomera zurück zu kehren. Bei dem aktuellen Tempo wären wir noch 17 Stunden unterwegs gewesen und auf Nachtfahrten hatte irgendwie keiner Lust. Schade aber nagut.. Irgendwann verließ uns der Wind dann ganz und fast genau zwischen La Palma und La Gomera blieb uns nichts anderes übrig, als das Beste aus der Situation zu machen und baden zu gehen. Kurzerhand warfen wir also die Abrissbirne über Bord und hüpften ins Meer.

Wieder dieses seltsame Gefühl, unter sich Massen von Wasser zu wissen, der Boden in unerreichbarer Ferne und auch zum nächsten Ufer war es noch ein ganzes Stückchen. Wir wärmten uns anschließend OLYMPUS DIGITAL CAMERAin der angenehmen Nachmittagssonne und bekamen etwas später einen traumhaften Sonnenuntergang zu sehen mitten auf dem Meer! Dazu schöne Musik und der Tag war wieder einmal perfekt. Unsere Nachtfahrt bekamen wir trotzdem noch, denn bei ruhigem Wasser und schwarzem Himmel tuckelten wir an der Küste entlang bis nach San Sebastian. Es war eigentlich eine wunderschöne Tour. Über uns tauchten Millionen von Sternen auf während wir in Decken gekuschelt auf den Bänken saßen und warmen Tee tranken.

Der Abend hätte so entspannt enden können, wenn wir nicht das Problem des Anlegens gehabt hätten. Zunächst einmal legten wir an der Tankstelle an um die Lage zu checken. Der Marinero erklärte uns dann, dass nur noch ein enger Platz frei sei. Wir wären ja auch an der Tankstelle liegen geblieben, doch dann hätten wir sehr früh am Morgen schon ablegen und umparken oder auslaufen müssen, und darauf hatten wir nun keine Lust. Also sicherten wir uns den letzten freien Platz, der es echt in sich hatte. Einstimmig bestimmten wir Andreas für das Anlegemanöver und auch der hatte seine Schwierigkeiten in die enge Lücke zu kommen. Die Lücke an sich war ja nicht schmaler als sonst, aber um dort hinein zu kommen musste man sich irgendwie an den anderen Schiffen vorbei drehen und schlängeln und es lag schon ein wenig Anspannung in der Luft. Doch die Betty Crew war super in Form und die Spirit lag etwas später sicher am Steg. Der Marinero wollte nicht mal unser obligatorisches Anlegebierchen haben. Dani und Stefan hatten schon während der Hafenanfahrt Nudeln gekocht und eine leckere Sauce vorbereitet und so konnten wir direkt nach dem Anlegen Essen. Was für ein Tag! Mit 13,5 Stunden und 112 gefahrenen Kilometern (ca. 62sm) war es eindeutig der längste Segeltag der gesamten Tour. Die Windvorhersage für den nächsten Tag sah eher schwach aus und so schliefen wir mal wieder richtig schön aus.

TAG 5
Als dann alle endlich wach waren, wir gefrühstückt hatten und abfahrbereit waren, war wieder hohe Kunst gefragt. Foto 23.11.17, 14 24 21Irgendwie mussten wir aus dieser engen Lücke ja auch wieder rauskommen. Gerade rausfahren und dann schnell drehen ging nicht und so probierten wir zusammen mit Andreas ein ganz neues Ablegemanöver aus. Mal sehen ob man das jetzt nachvollziehen kann.. Also wir legten wie immer vorwärts ab, mit dem Unterschied, dass wir die linke Mittelleine befestigt ließen. Dadurch drehte sich das Schiff um die Stegspitze herum wie ein Zirkel und im richtigen Moment gelöst, kommt man so auch gerade aus dem Stegbereich heraus. Erstaunlicherweise hat das super geklappt und vorsichtshalber hatten wir uns für den Abend einen Platz auf der anderen Seite gesichert, wo man leichter An- und Ablegen konnte 😀 Bei super warmen Temperaturen und kaum Wind segelten wir nur ein paar Meilen an der Küste entlang zu einer Bucht in der wir ankern wollten. Aus irgendeinem Grund gelang dies jedoch nicht und wir fuhren immer wieder hin und her. So richtig kann ich das gar nicht beschreiben, denn bei dem leichten Geschaukel und dem schönen Wetter bin ich doch glatt auf der Rückbank eingeschlafen 😀 .

Naja der Wind frischte dann doch noch ein wenig auf und wir übten ein paar Manöver. Andreas zeigte uns dann auch zwei neue Betty über Bord Manöver, die sich viel besser zum Retten eignen, als die im Lehrplan stehenden. Und während wir so hin und her fuhren und die Betty einfingen, ließ der Wind immer mehr nach. Als wir uns dann schließlich dazu entschlossen hatten, die Manöver abzubrechen und umzukehren, hätten wir doch fast vergessen, die Betty wieder mitzunehmen :O Das geht natürlich nicht und Andreas hatte schon ein ganz schlechtes Gewissen. Also ab zur Betty und die Beziehung war wieder gerettet 😀 Foto 23.11.17, 18 32 35Am Nachmittag waren wir schon wieder zurück in der Marina, diesmal wieder auf unserer Lieblingsstegseite und Falko legte ganz cool rückwärts in der engen Lücke an. So langsam hatten wir es echt drauf 😀 Diesmal waren wir nur rund 4 Stunden unterwegs und sind dank Betty Manöver immerhin auf süße 20km (11sm) gekommen. Der restliche Nachmittag stand uns zur freien Verfügung und zusammen mit Dani, Elena und Falko spazierte ich ein wenig durch San Sebastian und hinauf zum Aussichtspunkt. Von hier hatte man einen tollen Blick auf die Marina und die kleine, bunte Stadt. Irgendwann muss ich wirklich mal ohne Schiff zurückkommen und mir die Inseln in Ruhe vom Land aus ansehen und die super schöne Natur genießen!

Am Abend waren endlich (fast) alle angeschlagenen Betty Fans wieder auf den Beinen (Uli blieb etwas erkältet auf der Spirit zurück) und wir kehrten in unserem Lieblingslokal vom ersten Törn ein, dem La Tasca. Die Gambas durften natürlich nicht fehlen! Dazu gab es leckeren Käse, frischen Fisch, saftiges Fleisch und den einen oder anderen Wein. Ein schöner Abend, den wir zum Abschied unserer Reise in der Seglerbar bei ein paar Cocktails und der lokalen Spezialität, dem Barraquito ausklingen ließen. Der Barraquito besteht aus einem Espresso, Kondensmilch, aufgeschäumter Milch, Likör und Zitronenschale. Klingt komisch, sieht aber super aus und soll wohl auch ganz gut schmecken. Andreas konnte jetzt endlich selbst sehen, wie wir ihn und die Betty auf der Wand verewigt hatten und es war wirklich ein schöner, vorletzter Abend. Zurück in der Marina waren inzwischen auch die Männer der Saphir angekommen, die erst heute den Weg von La Palma nach La Gomera genommen hatten bei seehr wenig Wind.

TAG 6
Am nächsten Morgen sollte es wieder zurück nach Teneriffa gehen. Wir bedankten uns wieder mit etwas Bier und Pralinen bei den Hafenmitarbeitern – wir wollen ja schließlich wiederkommen und dann ging es los. Die Windvorhersage war wieder einmal recht gut und ein paar Minuten nach der Saphir verließen wir schließlich die Insel. Doch nur kurze Zeit später, als wir hinter der Mole aufs Meer steuerten erblickten wir sie bereits wieder. Ziemlich dicht vor der Mole und in Warteposition. Was war da denn los?? Brauchten die etwa Hilfe oder stimmte etwas nicht? Es kam jedoch kein Zeichen oder Signal und so hissten wir die Segel und steuerten nach Osten in Richtung Teneriffa. Dann tat sich auf einmal etwas auf der Saphir und das Schiff war wieder in Fahrt. Und dann machte es auch bei uns Klick! Die Männer hatten auf uns gewartet und somit das Rennen eröffnet, wer denn als erstes in Teneriffa ankommen würde. Die Herausforderung nahmen wir gerne an!

Langezeit segelten wir dicht beieinander, teilweise sogar so dicht, dass die Männer vor Angst die Abrissbirne holten, um sich abzusichern 😀 Foto 24.11.17, 11 42 44Nee Spaß, so eng war es nun doch nicht, aber mehr als eine Schiffslänge stand manchmal wirklich nicht zwischen uns. Nach einigen Stunden begangen wir zunächst einen Taktikfehler und wendeten zu früh, konnten dies aber sofort korrigieren und segelten nun auf einem ganz anderen Kurs als die Saphir. Am Ende war dies der entscheidende Punkt und wir konnten uns den Vorsprung sichern. Wir wären auch tatsächlich als erstes ins Ziel gekommen, wenn die Saphir nicht kurz vorher aufgegeben hätte 😛 . Als sie nämlich den Motor dazu schalteten war klar, dass sie ihren Nachteil eingesehen hatten und nun schnellstmöglich in den Hafen wollten. Mit einem lauten mööööp aus dem Nebelhorn gaben wir unseren Sieg bekannt und während sie nun an uns vorbeischipperten, zogen auf einmal alle den Hut vor uns. Eine schöne Geste, Männer!! So kamen sie auch vor uns im Hafen an und hatten schon angelegt, als wir ebenfalls die Marina erreichten. Wir mussten jedoch erst im Päckchen mit einem riesigen Wikinger Schiff liegen um unseren Tank aufzufüllen. Von da wies man uns einen weiteren Päckchenplatz ganz hinten im Hafen zu und dann konnten wir einfach nicht anders.. Während wir so an der Saphir vorbei fuhren, gaanz langsam natürlich, spielten wir in voller Lautstärke „We are the Champions“ ab und winkten freundlich 😀 Jaa, das muss dann auch mal sein 😛 Immerhin hatten wir in einem fast 8 stündigen Rennen über 75km (42sm) das bessere Durchhaltevermögen bewiesen.

Das Anlegen im Päckchen war dann wieder eine Sache für sich.. Wir mussten über zwei andere Schiffe klettern um überhaupt an Land zu kommen. An eine Stromverbindung zum Land war da gar nicht erst zu denken. Aber auch das haben wir überlebt. Von Dirk bekam ich schließlich die Nachricht, dass sie einen Tisch für uns reserviert hätten und die Einladung konnten wir natürlich nicht ausschlagen. So saßen wir am letzten Abend alle beisammen, werteten den Tag und die vorangegangenen Tage und Erlebnisse aus und stellten glaube ich insgeheim fest, dass jeder in der richtigen Crew beim richtigen Skipper gelandet war 😛 Es wurden Bilder ausgetauscht, weitere Pläne besprochen und immer wieder mit frischem Bier oder Wein angestoßen. Ein schöner letzter Abend wenn auch recht kurz. Denn wir waren alle recht müde und zogen uns bald zurück in unsere Kojen. Ich verabschiedete mich noch von Dirk und Olli und war immer noch begeistert von dem Zufall, die beiden genau hier wieder getroffen zu haben.

TAG 7
Am letzten Morgen war emsiges Treiben auf der Spirit angesagt. Die Taschen wurden gepackt und das Schiffchen wieder auf Hochglanz poliert. Foto 25.11.17, 11 35 19Auch wenn es etwas umständlich war, legten wir eine Schlauchverbindung über die anderen beiden Boote hinweg um wenigstens an frisches Wasser zu kommen. Diesmal ging auch niemand über Bord, wie bei unserem ersten Törn 😀 Zum Nachmittag hin hieß es dann leider Abschied nehmen 😦 Stefan blieb als Einziger zurück, da er mit der Spirit gleich wieder in See stechen würde um bei einem weiteren Ausbildungstörn endlich seine praktische Prüfung nachzuholen. Die übrigen Betty Fans machten sich auf den Weg zum Flughafen, wo wir noch ein ausgiebiges Mittagessen einnahmen und uns dann leider nach und nach in alle Richtungen verteilen mussten.

Und auch wenn die Betty Crew diesmal in einer anderen Zusammensetzung unterwegs war, hat der Törn genauso viel Spaß gemacht und war sogar noch etwas entspannter als der Erste. Denn diesmal hatten wir nicht den Lernstress und Prüfungsdruck im Nacken. Elena hat als Neuling ausgiebig Seeluft schnuppern können und war glaube ich auch sehr glücklich mit ihrer Entscheidung. Und Dani war inzwischen Feuer und Flamme und konnte es kaum erwarten, ihren SKS Schein zu machen und dann wieder mit uns in See zu stechen. Dann müssen jedoch Tobi und Alex auch wieder mit am Start sein, so viel steht fest! Zur Not muss eben einer draußen an Deck schlafen 😀

Foto 25.11.17, 13 15 07So, das waren sie nun, meine beiden Berichte zu unseren Abenteuern im Atlantischen Ozean auf der Spirit. Danke Dani für das Auffüllen der Erinnerungslücken und danke an alle für die bereitgestellten Fotos! Ein weiterer Törn soll auf jeden Fall folgen, gerne dann auch länger als eine Woche. Doch bis dahin wird es sicher noch ein Weilchen dauern, denn momentan sind wir alle irgendwie ziemlich zugeplant wie es scheint.

 

Bis dahin erfreuen wir uns einfach an den vielen Fotos und Erinnerungen an unsere kleine Kanarenrundfahrt von knapp 240sm 🙂

Schiff Ahoi vom Fendergirl!

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