Imbros Schlucht – Wiederkehr nach 10 Jahren

Seit gut 4 Wochen treibe ich nun schon als TUI Reiseleiter mein Unwesen in den Hotels der Umgebung. Nicht schlecht bisher muss ich sagen! Der Arbeitsaufwand hält sich noch in Grenzen und die langen Mittagspausen verbringe ich wahlweise zu Hause oder bei den Jungs an der Waspo. Die freuen sich immer, wenn mal jemand zum Quatschen kommt und ich habe so wenigstens die Möglichkeit zu Segeln oder SUPen zu gehen. Könnte schlimmer sein 😀

Langsam kam aber der Unternehmungsdrang wieder in mir hoch und so machte ich mir Gedanken, wie und wo ich mal wieder auf Entdeckungstour gehen könnte. Bisher habe ich die freien Tage meistens mit putzen, baden oder Gartenarbeit verbracht. Doch das sollte sich nun ändern! Als Reiseleiter ist es natürlich immer von Vorteil, die angebotenen Ausflüge persönlich zu kennen und so nahm ich mir unseren Ausflugsplan vor. Die Wahl fiel auf die Imbros Schlucht im Westen vor Kreta. Vor mehr als 10 Jahren war ich das letzte Mal dort gewesen – Zeit also, um die Erinnerungen mal wieder aufzufrischen!

IMG_2569Früh am Morgen ging es los, nicht optimal für einen freien Tag… aber die Fahrt in den Westen ist halt kein Katzensprung. Punkt 7 Uhr stieg ich also in den noch leeren Bus und startete die Reise durch sämtliche Touri Orte von Malia über Stalis und Hersonissos bis zu den Orten Gouves, Ammoudara etc. kurz vor Heraklion. Einen großen Teil davon verschlief ich sicherheitshalber 🙂 Als endlich alle Wanderfreunde eingesammelt waren, insgesamt 44 Leute, stieg auch die Reiseleitung Chrissi dazu und startete mit ihrer Tour. IMG_2566aAuf dem Weg in den Westen gab es viele Erklärungen zur Natur Kretas, Einblicke in die Mythologie und auch nützliche Infos zum Alltag in Kreta. So sprach sie zum Beispiel auch das große Wasserproblem an. Im Winter hat es nämlich so wenig geregnet und kaum geschneit, das unsere Süßwasservorräte viel zu gering sind und momentan den Stand haben, den sie sonst Ende der Hauptsaison hätten. Hoffentlich regt das die Gäste auch zum Nachdenken und Wasser sparen an! Mal sehen, wie lange noch Wasser aus der Dusche kommt…

Nach inzwischen 3 Stunden Busfahrt erreichten wir unseren ersten Halt, ein kleines Lokal mitten in den Bergen. In dem winzigen, runden Steinhaus fand man allerhand Leckereien zum Probieren und Kaufen. Und zur Stärkung gab es für alle einen Bergtee mit Honig, Paximadi (das harte, Zwieback ähnliche Brot) und verschiedene Sorten Käse. Zum Abschluss noch einen Rakomelo (Raki mit Honig) und dann konnte es gestärkt weiter gehen. Während der Fahrt wurde der Verlauf der Wanderung beschrieben und nun war auch bei mir die Müdigkeit vergangen und die Vorfreude gestiegen.

IMG_2582aDann endlich kamen wir im Ort Imbros an. Von Chrissi bekamen wir unsere Tickets, und nach dem obligatorischen Pipi Stopp ging es endlich los. Das praktische an der Imbros Schlucht ist ja, dass es durchweg bergab geht. Das merkt man zwar später in den Knien und Waden, aber bergauf wäre bestimmt anstrengender. Der erste Abschnitt ging über eine Art Lichtung auf einem Wanderweg entlang, vorbei an Bäumen, die durch den Wind total gebogen waren. Dann näherten wir uns immer mehr der Schlucht und die Hänge an den Seiten wurden höher. Der Startpunkt unserer Wanderung lag auf ungefähr 720m Höhe. Nach nur 20 Minuten und einem gelaufenen Kilometer waren es nur noch 650m. Schon spannend, was meine Uhr alles aufzeichnet 😀 Unsere Reiseleitung Chrissi gab uns ca. eine halbe Stunde Vorsprung, um dann auch selbst loszuwandern und so von hinten ihre Schäfchen einzusammeln. So konnte sie sicher sein, dass auch jeder ankommen und nicht verletzt (zum Beispiel) in der Schlucht sitzen bleiben würde.

Die Schlucht ist zum Großteil recht gut bewachsen, hautsächlich mit Johannesbrotbäumen, Sträuchern und dem typischen „Schluchten-Gewächs“, dem Mönchspfeffer. Aber auch Nadelbäume wie Fichten und verschiedene Laubbäume schaffen es irgendwie hier zu überleben. Umso dichter man in die Schlucht kommt, verringert sich jedoch der Bewuchs. Dann kommen die vielen Gesteinsformationen zum Vorschein und an manchen Stellen fühlt man sich tatsächlich wie in einem amerikanischen Nationalpark. An den Felswänden konnte man wunderbar die verschiedenen Gesteinsschichten erkennen. Wie riesige Wellen schwingen sich die Wände durch die Schlucht und man kam aus dem Staunen gar nicht heraus. An der schmalsten IMG_2668aStelle ist die Schlucht nur gute 1,60m breit und man konnte beide Seiten gleichzeitig berühren.

Die Wanderung im Allgemeinen war sehr angenehm. Durch die hohen Felsen und die vielen Bäume, gab es ausreichend Schatten und bei einem Trinkpäuschen entdeckte man immer wieder neue Überlebenskämpfer am Wegesrand. Einziger Nachteil einer Schlucht ist wie immer der durchziehende Wind, aber mit Halstuch war ich ja gut vorbereitet. Die Wanderung ist mit ca. 7 km auf 2-3 Stunden Laufzeit angesetzt. Wie ich mich kenne, wäre ich da sicher in 2 Stunden durch gewesen, wenn ich nicht diese tolle, neue Kamera gekauft hätte 😀 Ich konnte gar nicht genug Fotos machen. Hinter jeder Kurve gab es ein neues, beeindruckendes Motiv und wie das bei Naturaufnahmen so ist, bekommt man aufs Foto leider nie alles drauf, was das Auge erfasst. Da hätte ich Papas Weitwinkelobjektiv gut gebrauchen können!

Unterwegs ergaben sich immer wieder kurze Gespräche mit anderen Wanderern. Keiner von denen wusste jedoch, dass ich quasi inkognito als Reiseleiter unterwegs war – sehr gut! So war ich halt einfach eine allein reisende, junge Frau, die am Sissi Bay Hotel dazu gestiegen war 😀 Nur am Ende flog die Tarnung auf. Kurz vor Schluss traf ich ein junges Pärchen, mit denen ich mich noch etwas länger unterhalten hatte. Im Gespräch kam dann „leider“ alles raus aber die beiden fanden es super spannend und waren außerdem nicht mit unserer Gruppe unterwegs. So gab ich ihnen noch Tipps, wie sie am besten zurück zum Auto oder zum nächsten Ort kommen können und verabschiedete mich von ihnen.

IMG_2777Nach knapp 2,5 Stunden und mehreren hundert Fotos erreichte ich den „Ort“ Komitades und damit das Ende der Schlucht. In der gleichnamigen Taverne gab es eine kleine Stärkung die bei mir als Dakos ausfiel. Fragezeichen im Kopf? Das war dieses harte, trockene Brot, bestrichen mit geriebenen Tomaten und Schafskäse sowie Oregano. Darüber kommt eine ganze Ladung Olivenöl und wenn alles durchgezogen ist, kommt ein super leckeres und sättigendes Gericht bei raus.

Anschließend stiegen alle wieder in den Bus und nur 5 Minuten später erreichten wir unseren nächsten Halt, den Strand von Frangokastello. In den letzten Jahren war ich relativ häufig dort gewesen. Erst zuletzt vor fast genau einem Jahr, als ich meine Recherchen als Beach Inspector durchführte. IMG_2791aDabei hatte ich auch Babis mit seinem Hotel und seiner Bar Korali kennen gelernt. Ganz ruhig am Ende des Strandes und in einer kleinen Bucht gelegen, findet man dieses kleine Stückchen Paradies. Dorthin führte mich auch mein erster Weg. Ich war super überrascht, dass er mich nicht nur erkannte, sondern auch meinen Namen noch wusste. Und so plauderten wir ein wenig über das vergangene Jahr, unsere Abenteuer und Reisen im Winter und das Leben allgemein 🙂 Schön zu sehen, dass sich auch die kleinen, individuellen Lokale gut halten können. Für Menschen wie Babis, die dieses kleine Fleckchen Land lieben und volle Energie in ihre Träume setzen, die beste Belohnung.

Trotz allem war ich nach der Wanderung bereit für eine Erfrischung und konnte es kaum erwarten, ins Meer zu hüpfen. Das Wasser in Frangokastello ist super flach und angenehm frisch. Beim Baden hat man einen tollen Blick auf den Strand und die große Festung dahinter, die dem Strand erst seinen Namen gab. Die Zeit war nur leider etwas knapp, nichts also mit großem Plantschen. Naja, den Pelikan hatte ich eh nicht dabei 😀 Also kurz in die Sonne gelegt zum antrocknen und dann zack wieder in die alten Klamotten und zurück zum Bus.

Auf der Weiterfahrt sah man in den Gesichtern der anderen, wie der Energiepegel langsam sank. Die Wanderung hatte manche schon ganz schön geschafft und spätestens nach der Erholung am Strand haben alle in Energiesparmodus umgeschalten. Gut, dass das IMG_2793anächste Ziel nicht allzu weit entfernt lag. Mit beeindruckenden Fahrkünsten schaffte es der Busfahrer durch die engen Dörfer zu steuern. An einer etwas breiteren Stelle hielten wir schließlich im Örtchen Sellia. Von hier hatten wir einen wunderbaren Ausblick auf die Bucht von Plakias mit ihrem langen Sandstrand. Auch hier war ich im letzten Jahr für meine Strandinspektionen gewesen und konnte nun mal aus einem ganz anderen Blickwinkel auf den Ort hinabsehen.

Von da an ging es Richtung Norden nach Rethymnon und von dort immer am Meer entlang wieder zurück in den Osten. Die ewig lange Route zu den ganzen Hotels blieb uns leider nicht erspart. Einen Teil davon schlief ich lieber schonmal für den nächsten Tag vor. Gegen 9 Uhr abends war dann endlich Rückkehr im Hotel Sissi Bay – es war vollbracht 😀 Müde und geschafft fuhr ich die letzten 10 Minuten eher intuitiv nach Hause und  auch wenn es noch nicht wirklich spät war, konnte ich nicht gegen die Müdigkeit ankämpfen und ging relativ früh ins Bett.

Mein erster TUI Ausflug war insgesamt ein echter Volltreffer! Erinnerungen wurden aufgefrischt, ich konnte endlich mal wieder behaupten, die Insel erkundet und meinen Körper in Schwung gebracht zu haben und es war mal echt angenehm, nicht fahren zu müssen und die Natur ausgiebig bestaunen zu können. Nur komisch diesmal ohne die Familie durchgewandert zu sein wie beim letzten Mal.
Die Imbros Schlucht ist echt eine Empfehlung für Wanderfreunde! Auch für nicht geübte Wanderer und Kinder ab Schulkindalter. Als nächstes steht nun die Samaria Schlucht auf dem Plan! Mal sehen, wann es zeitlich passt und ob ich das wirklich durchstehe. Nach der Imbros Schlucht hatte ich ja „nur“ einen Tag Muskelkater, nach der Samaria Wanderung soll man wohl mit bis zu 3 Tagen rechnen. Na dann mal los ..

Viel Spaß bei den Fotos und meinem kleinen Video.
Bis zum nächsten Reisebericht!

Eure Viola

 

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