Schon wieder war eine Woche rum und schon wieder war ich auf dem Weg zum nächsten Ausflug. Diesmal sollte es in den Südosten gehen zu einer Insel, die seit Jahren auf meiner To-Do Liste steht, zu der ich es aber noch nie geschafft habe. KOUFONISI. Ein kleines Inselchen im äußersten Südosten von Kreta im Lybischen Meer.
Koufonisi liegt ca. 10 Seemeilen vom Hafen Makrigialos entfernt und ist nahezu genauso lang wie breit, nämlich rund 5,5 km. Die Landfläche beträgt trotzdem nur knapp 5,25 km². Um die Insel herum befinden sich noch 4 weitere kleine Inselchen. Der Name Koufonisi bedeutet im kretischen Dialekt „die Weiße“ und wurde aufgrund der vielen, hellen Kalkfelsen gegeben. Das Besondere an Koufonisi ist zum einen seine beeindruckende Landschaft, die stark einer afrikanischen Wüste gleicht und zum anderen seine interessante Geschichte.
Denn im Gegensatz zur heutigen Zeit war die Insel lange Zeit besiedelt und noch immer gibt es viele Spuren, die dies belegen. Im Jahr 1976 wurden Ausgrabungen gestartet bei denen nicht nur ein großes Theater mit bis zu 1000 Sitzplätzen zum Vorschein kam, sondern auch beeindruckende Badeanlagen aus dem 1. – 4. Jh. n. Chr. und ein Tempel mit Ausmaßen von 18m x 16m! Letzterer musste um 1920 leider weichen, weil der Bau eines Leuchtturms an dieser Stelle beschlossen wurde. Im Tempel selbst befanden sich auch große Reste von Statuen mit bis zu 2,50m Höhe. Tragischerweise zerstörte man die Statuen aber, um das Material für den Bau des Leuchtturms zu nutzen. Und noch tragischerer weise 😀 wurde der Leuchtturm 1944 wieder zerbombt.. Heute haben sich ein paar wenige Aussteiger und Hippies auf den Inselchen niedergelassen und leben in Zelten oder aus Treibgut gezimmerten Behausungen am Strand.
Soviel zur Geschichte – Zeit, sich das Ganze mal aus nächster Nähe anzusehen! Mit Kollegin Claudia ging es mit dem Auto quer über die Insel an die Südostküste, was ziemlich genau meinem (fast) täglichen Arbeitsweg entspricht, bis zum Örtchen Makrigialos. Der Ort an sich ist super hübsch und niedlich und eigentlich einen Besuch wert, wäre er nicht so weit weg von uns! Als TUI Tanten durften wir den Ausflug glücklicherweise kostenlos mitmachen und nachdem die Ticketfrage geklärt wurde, bestiegen wir das große Holzboot, welches einem Piratenschiff nachempfunden wurde. Für die Kinder gab es einen Piraten an Bord, welcher die Kinder schminkte oder kleine Piratenutensilien wie Holzschwerter verteilte. Als Erwachsener blieb man davon aber relativ gut verschont 🙂
Die Tour startete kurz vor 11 Uhr und führte knapp 60 Minuten an der Südküste Kretas entlang, bis wir unseren ersten Stopp auf Koufonisi erreichten.
Der Strand von Chiliaderfia im Südwesten der Insel ist ein relativ schmaler aber langer Strand und besteht eigentlich aus mehreren Abschnitten. Hier konnten wir vom Boot direkt ins erfrischende und türkis leuchtende Wasser springen und waren nur kurze Zeit später schon zum Strand geschwommen. Der Strand ist umringt von meterhohen, hellleuchtenden Felsen mit beeindruckenden Strukturen. Die Zeit reichte gerade für einen kurzen Spaziergang am Strand und ein paar Fotos
vom weichen Sand und dem klaren, türkis leuchtenden Wasser. Dann legte das Boot schon wieder ab und während wir an der Küste von Koufonisi entlangfuhren, wurde das Mittagessen serviert. Ok, serviert ist übertrieben.. Man stellte sich an der Essensausgabe an, konnte zwischen Hühnchen, Souvlaki und gefülltem Gemüse wählen und dazu gab es noch einen kleinen griechischen Salat sowie eine Flasche Wasser. Eigentlich ein recht gutes Mittagessen. Mein Hühnchen hat auch sehr gut geschmeckt! Zusätzlich konnte man noch Eis, Sandwiches oder andere Snacks und Getränke kaufen.
Und wie wir so auf dem Schiffchen saßen, das Essen vor der Nase und die tolle Kulisse vor den Augen, tauchte auf einmal eine große Grotte auf. Das Schiff näherte sich immer weiter und fuhr soweit es ging in die Höhle hinein bis man schon fast die Felsen berühren konnte. Die Gäste waren natürlich alle sofort am Bug versammelt um die besten Fotos zu schießen und tief in ihren Gedanken versunken, als der Captain es schaffte, alle mit einem Schlag wieder zurück zu holen. Wie genau, das müsst ihr schon selbst herausfinden 😉 Auf jeden Fall war das Gelächter groß, die Aufmerksamkeit schlagartig zurück und alle Gäste vom Mittagsblues erwacht.
Unsere Fahrt führte weiter entlang der Küste bis zur Südseite wo wir am Strand von Prosfora hielten, dem größten Strand der Insel.
Hier ankerte das Piratenboot und mit einem kleinen Bötchen konnte man an Land gefahren werden und so auch gleich Taschen und Handtücher mitnehmen. Denn hier gab es einen langen Aufenthalt von fast 2 Stunden. Von hier könnte man theoretisch direkt nach Afrika gucken. 😉 Es empfiehlt sich auf jeden Fall Badelatschen mit an den Strand zu nehmen, denn der weiche, helle Sand ist hier unglaublich heiß!! Wir entschieden uns dummerweise auch gegen den Sonnenschirm, den man sich am Boot hätte mieten können und grillten uns in der Sonne..
Das Wasser war auch hier wieder schön klar und erfrischend und relativ flach. Im Hintergrund befanden sich riesige Felswände mit tollen Formationen und auch direkt am Strand konnte man interessante Felsen sehen. Für mich natürlich wieder ein gefundenes Fotoparadies 🙂 Hätte man sich die Mühe gemacht und wäre die Felsen hinter dem Strand hinaufgeklettert, hätte man die Überreste des Leuchtturms sehen können, der ja auf dem alten Tempel errichtet wurde. Ach ja, vorausgesetzt, man hätte vor dem Ausflug schon davon gewusst und sich nicht erst danach informiert 😀 😀
Claudia entschied sich für ein Mittagsschläfchen und döste glaube ich die gesamte Pause durch am Strand und wechselte dabei immerhin von Bauchlage zu Rückenlage mit erfrischendem Bad zwischendurch 🙂 Mir wurde es irgendwann zu warm und ruhig und die Hummel im Hintern zeigten sich. Also schnappte ich mir meine Kamera und erkundigte den Strand ein wenig. Da kam der Beach Inspector wieder durch 😀 Als die Zeit gekommen war, fuhren wir mit dem Bötchen wieder zum Schiff zurück und hätten fast zwei Chicas zurückgelassen, die den Extraauftritt brauchten. Nachdem sie auf der Hinfahrt schon in knappen Bikinis auf dem Bug posiert hatten – die Instagram Gemeinde muss ja wissen, wo sie sind… :D, schlenderten sie in aller Ruhe am Strand entlang während die letzten Gäste schon im Boot warteten. Claudia und ich schäkerten mit dem Fahrer, der erst einen lauten Ton vom Nebelhorn abließ und dann knallhart das Boot startete und losfuhr. 🙂 Natürlich nur um 2m später nochmal anzuhalten und die beiden doch einzusammeln. Schade eigentlich.. Wäre doch eine nette Instastory geworden „Eine Nacht auf Koufonisi – zwei Blondinen ausgesetzt auf der Insel“ 😀 😀
Na schön, wie auch immer.. es ging weiterhin an der tollen Küste von Koufonisi entlang und dann auf direktem Wege zurück nach Makrigialos. Zeit um mal ein wenig über das Boot und den Ausflug an sich zu plaudern. Also das große Boot hat wohl eine Gesamtkapazität von rund 200 Personen.
Bei unserem Ausflug waren gerade mal 60 Passagiere an Bord, was natürlich optimal war! Der Ablauf von der Ticketvergabe über die Essensausgabe und die Landgänge war optimal organisiert. Lediglich im Sommer in der Ferienzeit kann ich mir vorstellen, dass es beim Essen etwas länger dauert. Toiletten gab es auch an Bord und nahezu alle Plätze lagen im Schatten. Unter den Gästen waren sowohl Familien mit kleinen Kindern im Windelalter sowie ältere Herrschaften von denen alle riesigen Spaß hatten. Super fand ich auch die Musikauswahl! Am Morgen konnte man bis zum ersten Stopp entspannter Lounge Musik lauschen und gemächlich in den Tag starten. Mittags wurde die Mittagsmüdigkeit mit lockeren Klassikern von Elvis bis James Brown aufgeheitert und am Nachmittag ging es mit chilliger Reggaemusik zurück zum Hafen.
Etwas geplättet von Sonne und Meer und mit zentimeterdicken Schichten von Salz und Sonnencreme auf der Haut erreichten wir schließlich wieder den „Hafen“ von Makrigialos. Wären wir noch etwas frischer gewesen, hätte man schön durch den Ort bummeln oder gleich in einer der Tavernen essen gehen können. Außerdem ist in Makrigialos einer der wenigen Sandstrände der Südostküste zu finden. Aber wir entschieden uns dazu, wieder in den Backofen, also mein Autochen, zu steigen und zurück nach Hause zu fahren. Was haben wir uns auf die Dusche und das frische Gefühl auf der Haut und in den Haaren danach gefreut! 🙂
Insgesamt ist mein Fazit zum getesteten Koufonisi Ausflug sehr positiv. Für Bootsausflüge aller Art bin ich ja eh immer zu haben, egal wie hoch der Wellengang und wie stark der Wind ist. Noch zählt Koufonisi zu den Geheimtipps von Kreta, da erst seit 1-2 Jahren die Ausflugsboote dorthin fahren und man neben der archäologischen Wichtigkeit auch das touristische Interesse entdeckt hat. Mein Tipp: Unbedingt in den nächsten 1-3 Jahren die Insel besuchen und einen Ausflug mitmachen! Wer weiß, wie viel in 5 Jahren dort los sein wird, siehe Chrissi Island… Ein Besuch der Insel lohnt sich in jedem Fall nicht nur der Bootsfahrt wegen sondern vor allem, wegen der beeindruckenden, hell leuchtenden Felsen und des unglaublich klaren und türkis schimmernden Wassers!!
Ein super schöner Tag, der sich doch tatsächlich wie ein Kurzurlaub angefühlt hat. Und wenn es sich ergibt, bin ich sicher wieder bei einem Ausflug nach Koufonisi dabei!
Na dann mal viel Spaß bei den Bildern!
Sonnige Grüße
Viola