Ein Jahr als Tour Guide auf Kreta

Nun stecken wir schon mitten drin im Jahr 2018 mit Ausflügen rund um Kreta und anderen Geschichten und keiner hat bemerkt, dass außer den Reiseberichten aus dem vorigen Winter gar kein Wort über das Jahr 2017 verloren wurde. :O Und dabei ist doch mehr als genug passiert! Immerhin hatte ich gleich 2 Jobs gleichzeitig und war ständig auf Achse – was wohl auch der Grund für die große Berichtslücke ist… 😀 Dann wollen wir uns mal dran machen, diese Lücke wieder aufzufüllen!

Zum einen gab es da diesen Job, der anfangs so vielversprechend, aufregend und spannend war und mich am Ende fast ein paar meiner Freunde kostete. Aber immer der Reihe nach.

Da die voran gegangene Saison mit dem plötzlichen Robinson-Aus und den nachfolgenden Ereignissen eher etwas holprig verlief, war ich nun umso motivierter, in die neue Saison zu starten und begann Mitte April meinen Job als Tourguide bei einem kleinen Ausflugsanbieter. Das Aufgabenfeld war recht breit und abwechslungsreich und reichte von Jeep Safaris quer über die Insel bis hin zu privaten Minibus Touren nach Ost und West sowie Schluchtenwanderungen. Wenn es gut lief, stand jeden Tag ein anderer Ausflug auf dem Programm und man konnte täglich quer über die Insel düsen und nebenbei nett mit den Gäste quatschen 🙂

Aposelemis Schlucht

Die Wanderung durch die Aposelemis Schlucht zum Beispiel zählte zu den entspanntesten Tagen. Nicht, weil sie am frühen Nachmittag schon vorbei war, sondern weil man einfach mal nur in der Natur unterwegs war ohne Technik, Motoren und Straßenverkehr. Früh am Morgen sammelten wir unsere Wanderer ein und fuhren alle zusammen zum Örtchen Kalo Horio, wo unsere Wanderung auf gut 290m Höhe startete. Kalo Horio bedeutet übersetzt übrigens Gutes Dorf – ein perfekter Ausgangspunkt also 😀

DSC08682Zunächst folgten wir einem einfachen aber gut befestigten Weg immer bergab bis wir schließlich den Startpunkt der eigentlichen Wanderung erreichten und uns nur noch 100m über dem Meeresspiegel befanden. Den Weg dorthin säumten Unmengen an Oliven- und Johannisbrotbäumen. Wusstet ihr eigentlich, dass die Diamanten- Einheit „Karat“ vom Johannisbrotbaum kommt? Nein? Ok, dann die Kurzfassung: Die Bohnen ähnlichen Früchte des Baumes tragen viele Samen in sich, die mehr oder weniger alle exakt das selbe Gewicht haben. Früher nahm man die Samen als Gegengewicht für den Diamanten und setzten das Gewicht eines Samens mit einem Karat gleich. Und da der internationale Name des Baumes Carob-Tree ist wurde von Carob das Wort Karat abgeleitet 😉 Wieder was gelernt bei mir!!

Von unserem Startpunkt an spazierten wir ganz entspannt durch den dichten Wald aus Laub- und Nadelbäumen gepaart mit wilden Sträuchern und duftenden Kräutern wie Salbei und Thymian. 20170910090518_IMG_0795Immer wieder nahmen wir uns Zeit um Fotos zu schießen, die Natur zu bewundern oder einfach um kurz durchzuatmen (und zu schauen, ob noch alle dabei waren 😀 ) Nach der ersten großen Frühstückspause ging der Wald in den trockenen Teil und damit in die Schlucht selbst über. Die Aposelemis Schlucht ist zwar eine eher kurze Wanderung, die aber trotzdem recht anspruchsvoll ist, da man nicht einfach nur spaziert, sondern einige Male auch klettern und über große Steinsbrocken kommen muss. Anhand der rundgelutschten Felsen und den geschwungenen Verläufen des Flussbettes kann man sehen, dass hier mal ordentliche Wassermassen durchgeflossen sein müssen. Leider fließt hier nur noch Wasser, wenn es mal langanhaltende heftige Regenfälle gibt, was eher selten passiert. Interessant sind hier nicht nur die vielen verschiedenen Sedimentschichten in den Felsen, sondern auch die Tatsache, dass trotz Trockenheit immer noch unheimlich viele Pflanzen hier überleben können. Neben Ziegen und Echsen, manchmal auch Schlangen sieht man vor allem Gänsegeier am Himmel schweben, die mit ihrer riesigen Flügelspannweite von bis zu 2m zu den größten Vögeln der Welt zählen.

Das Ende der Schlucht oder besser gesagt das Ende des Abschnittes, den wir bewanderten, liegt unterhalb des Highways nach Heraklion auf nur noch 10m „Höhe“. Hier hatten die Kollegen bereits die Autos geparkt, mit denen es nach Analipsi zum Mittagessen ging. Bei einer großen Auswahl an Vorspeisen wie gefüllten Weinblättern, Fleischbällchen, Salat und Knofibrot konnten alle wieder etwas entspannen und sich von der 2,5 stündigen Wanderung erholen, die immerhin knapp 7km lang war. Und auch hier hatte man, wie schon während der Wanderung, wunderbar Gelegenheit, sich mit den Gästen zu unterhalten bevor alle wieder in die Hotels gebracht wurden und der freie Nachmittag für mich begann 🙂 Zusammenfassend ist die Aposelemis Schlucht echt eine schöne Wanderung, die man logistisch besser als geführte Tour unternimmt und die zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert ist!

Minibus Exkursionen

Ganz anders gestalteten sich dagegen unsere Minibus Touren, die ein guter Mix aus Kultur, Local Life und Naturerlebnissen waren. Diese Touren waren eigentlich immer sehr angenehm, da man maximal 8 Gäste in der Gruppe hatte, sich meistens in Deutsch oder English unterhielt und es viele kleine Pausen gab, um sich auch selbst etwas zu entspannen.

Der Klassiker war ganz klar die Tour nach Spinalonga. Für mich war das die einfachste Tour, da ich sie fast genauso mit jedem meiner Besucher auf Kreta unternommen habe um ihnen die nähere Umgebung zu zeigen 🙂 IMAG2916Der erste Halt war immer oberhalb des Binnensees von Agios Nikolaos, dem Voulismeni Lake. Übersetzt bedeutet der Name „bodenlos“ da man aufgrund seiner Tiefe lange angenommen hat, er wäre endlos. Dementsprechend gibt es eine Vielzahl von Mythen und Gerüchten nach denen schon Göttinnen wie Aphrodite dort gebadet haben sollen um ihre Schönheit zu bewahren. Und es soll auch unterirdische Verbindungen zu den Gewässern von Santorin geben.. Nun gut, nachdem ausreichend Fotos gemacht wurden fuhren wir durch die Stadt hindurch und immer an der Küste entlang bis nach Elounda, wo die Gäste entweder den Wochenmarkt oder die versunkene Stadt von Olous besuchen konnten. Beide boten uns Guides eine gute Gelegenheit für eine morgendliche Verschnaufpause und freitags auch die Möglichkeit für den Obst- und Gemüseeinkauf auf dem Markt.

Von Elounda aus war es nur noch ein Katzensprung zum kleinen Fischerörtchen Plaka ganz im Norden der Bucht von Elounda. IMG_1081 KopieHier bestiegen wir eines der kleinen Holzboote, die uns nach Spinalonga brachten, zur sogenannten Leprainsel. Während die Gäste die Insel erkundeten und sahen, wie die Menschen damals auf der Insel gelebt haben, gönnten wir uns ein kühles Getränk und ließen den Blick über das türkis blaue Wasser streifen. Zurück in Plaka folgte die Mittagspause und alle verteilten sich im kleinen Örtchen um das leckere Essen der Tavernen zu probieren und in den bunten Geschäften zu stöbern. Bei uns endete das meistens mit viiiel Stöbern und dann schnell noch was essen 😀 Auf dem Heimweg hielten wir schließlich noch in der Olivenfabrik von Vasilakis wo erklärt und hautnah gezeigt wurde, wie das Öl aus der Olive bis in die Flasche kommt. Am besten war natürlich immer die Verkostung sämtlicher Ölsorten, Pasten und Marmeladen und anderer Leckereien. Auch bei den ganzen Cremes und Sprays musste man sich echt zusammenreißen, nicht jedes Mal den halben Laden aufzukaufen 🙂
Abschluss unserer Tour bildete das Selinari Kloster, welches sich direkt am Straßenrand auf dem Weg zurück nach Hause befindet. Auch wenn es relativ klein ist und man schnell alles gesehen hat, ist es doch immer wieder einen Besuch wert und mit seinen ganzen Blumen und gepflegten Gebäuden ein echter Hingucker.

Zweitbeliebteste Tour war die Knossos-Wein Tour, bei der es in den zentralen Norden Kretas und in die Hauptstadtregion ging. Früh am Morgen steuerten wir direkt den Palast von Knossos an, wo wir unsere Gäste den Guides vor Ort übergaben, welche sie dann fachkundig durch die Ausgrabungen führten. Somit gab es für uns wieder ein Päuschen mit leckeren Säften und Gebäck vom Knossos Café, wo man uns nach kurzer Zeit schon kannte und freudig erwartete. Tatsächlich habe ich hier auch ein paar ganz neue Freunde kennen gelernt, zu denen der Kontakt immer noch hält 🙂 Nach gut 1,5 Stunden kamen unsere Gäste dann von ihrer Tour zurück und haben wieder viel Interessantes über die griechische Geschichte und die Entwicklung der Zivilisation gelernt.

Im Anschluss folgte der landschaftlich schönste Teil des Tages. Hinter Heraklion Richtung Süden befindet sich nämlich eines der größten Weinanbaugebiete auf Kreta und genau da ging es hindurch. IMAG3219Die Fahrt war wirklich immer wieder toll vorbei an Weinbergen, kleinen Dörfchen und Wahnsinns Ausblicken. Gegen Mittag kamen wir schließlich auf einem kleinen Weingut an, wo die Gäste durch die Weinfelder geführt wurden, während wir das Mittagessen vorbereitet haben. Neben griechischem Salat und Tzatziki gab es Souvlaki Spieße vom Grill und geröstetes Brot. Bis alles fertig war durften sich unsere Gäste durch sämtliche Weinsorten probieren, dazu leckeren Käse und Obst futtern und hinterher die eine oder andere Flasche mit nach Hause nehmen. Alles in Allem war dies ein echt angenehmer Stopp, auch wenn wir neben Fahrern und Guides nun auch noch zu „Köchen“ und Tellerwäschern wurden… Aber es war schön ruhig dort, der Ausblick war wunderbar und im Anschluss waren alle entweder super gut gelaunt oder angenehm ruhig und schläfrig 😀 Entsprechend spannend war dann auch immer der letzte Halt in einer Töpferei im „Töpferdorf“ Thrapsano, wo der Besitzer erst sein Können vorführte und in Null komma Nichts aus einem Klumpen Ton Vasen, Karaffen und andere tolle Sachen zauberte. Im Anschluss durften dann die Gäste ran was nicht immer so grazil aussah, aber definitiv unterhaltsam war. Vor allem nach dem ganzen Wein war die Kreativität mancher Gäste mehr als beeindruckend 😀

Und dann gab es da noch eine meiner Lieblingstouren, da ich sie selbst entwickelt hatte und sie Kultur und Natur am Besten verband – die Knossos Lassithi Tour. Wieder einmal verbrachte ich den Morgen damit in Knossos meinen Saft zu schlürfen und mit den Kellnern zu plaudern, während sich die Gäste über Zeus, Minotaurus und andere Gottheiten informieren ließen. Im Anschluss steuerten wir auf dem Weg in die Lassithi Ebene den Ort Mochos an und besuchten meinen Freund Nikos, der dort seine Taverne Lythos erfolgreich betreibt. Das Essen dort ist einfach unbeschreiblich lecker und noch dazu ist er einer der besten Gastgeber und Tavernen Besitzer, die ich in ganz Kreta kennen gelernt habe. Wenn ihr also mal in Richtung Lassithi Ebene fahrt und durch Mochos hindurch kommt, haltet unbedingt mal bei ihm an und probiert sein selbstgemachtes Tzatziki und Olivenöl und die leckeren Fleischgerichte aus dem Steinofen! Nachdem ich meine Gäste durch Mochos geführt und ihnen die Besonderheit der großen Dorfkirche erklärt hab, war es zwar jedem selbst überlassen, ob und wo er sein Mittagessen zu sich nimmt, am Ende landeten aber doch alle bei Nikos in der Taverne und bereuten es nie 🙂

Frisch gestärkt traten wir dann die Fahrt in die Berge und das Lassithi Plateau an. Kontinuierlich schraubten wir uns Serpentine für Serpentine bergauf und genossen dabei die wunderbare Aussicht bis wir schließlich das Lassithi Plateau erreichten. IMAG3085Die Ebene breitete sich vor uns aus wie ein großer Flickenteppich aus Grün und Gelb und durch die umschließenden Berge hat man immer das Gefühl, in einem Kessel zu stehen. Die Ebene ist auch tatsächlich eines meiner liebsten Fotomotive auf Kreta! Auf dem Weg zum nächsten Stopp bewunderten alle die Natur, entdeckten das einfache Leben in den Bergdörfern am Rande der Ebene und staunten über die große Vielfalt von Obstbäumen. Dann hatten wir uns endlich zum Parkplatz heraufgeschraubt, von dem es hoch zur Zeus Höhle ging. IMAG3088Der Mythologie zu Folge wurde Göttervater Zeus als kleines Kind in der Höhle versteckt gehalten um ihn vor seinem Vater zu schützen. Heutzutage ist es einfach eine riesige, wunderschöne Tropfsteinhöhle für die sich jeder Schweißtropfen lohnt, den man beim Aufstieg zum Eingang vergießt. Immerhin muss man gute 200m Aufstieg in der prallen Sonne überwinden um sich mit dem Anblick der Höhle sowie dem Panoramablick auf die Ebene belohnen zu dürfen.

Etwas geschafft aber glücklich und voll mit neuen Eindrücken und haufenweise Fotos auf der Speicherkarte verließen wir dann die Ebene. Natürlich nicht, ohne vorher bei der kleinen Erdbeerfrau anzuhalten, die für kleines Geld die leckersten Erdbeeren weit und breit verkauft! …

Und damit habt ihr schonmal einen guten Überblick über meine Arbeit im letzten Jahr bekommen. Wie man sehen kann, waren die Ausflüge sehr abwechslungsreich und nicht nur für die Gäste, sondern auch für mich immer wieder schön. Eine super Gelegenheit um Anderen die tolle Insel näher zu bringen ohne in einer großen Gruppe durch die Gegend ziehen zu müssen. Hilfreich war hierbei definitiv das umfangreiche Hintergrundwissen, dass ich inzwischen zur Insel habe und die vielen kleinen Geschichten und Anekdoten, die es zu den verschiedensten Plätzen zu erzählen gibt.
Zu den Jeep Safaris wird es einen extra Beitrag geben, das würde sonst den Rahmen zu sehr sprengen 😀

Also erst einmal viel Spaß mit den Bildern zu den Wanderausflügen und Minibustouren!

To be continued…

 

 

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Kategorien: 2017, 2018/2019, Beiträge Apr-Nov | Hinterlasse einen Kommentar

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