Monatsarchiv: Juli 2018

Samaria – Wanderung durch Europas größte Schlucht

Die Zeit vergeht aber auch echt wie im Flug! Da ist man gerade wieder im Arbeitsrhythmus angekommen mitsamt der ganzen Fahrerei und dem Stress von Hotel zu Hotel zu huschen und dann muss man schon wieder Pause machen. Sowas aber auch.. Diesmal habe ich diesen tragischen Tag jedoch rauszögern können und an meinem eigentlich freien Freitag einfach gearbeitet um dann immerhin erst am Sonntag frei zu machen. Nochmal Glück gehabt 😀

Grund dafür war natürlich ein ganz anderer.  Denn zusammen mit meinem Kollegen Nikos hatte ich unser Vorhaben, durch die Samaria Schlucht zu wandern, schon viel zu lange aufgeschoben. Nun sollte es endlich soweit sein und da der Ausflug nur am Sonntag stattfindet, musste ich eben am Sonntag frei nehmen.

IMG_3398aDie Samaria Schlucht ist Europas größte Schlucht und befindet sich ziemlich weit im Westen Kretas im gleichnamigen Nationalpark. Dieser wurde 1962 gegründet und umfasst eine Fläche von fast 4.850 ha! Die genauen Angaben zur Länge der Wanderstrecke schwanken, aber irgendwo zwischen 16 und 20km liegt sicher die Wahrheit 🙂 Laut meiner Uhr, die mit GPS misst, waren es sogar 22,80 km. Aber wer weiß, von wo bis wo die genau gemessen haben… Auf jeden Fall war jeder Meter seine Reise wert und nach mehr als 10 Jahren war es auch endlich wieder Zeit, die alten Erinnerungen aufzufrischen! Wie sich später zeigte, konnte ich mich an sehr Vieles gar nicht mehr erinnern.

Tatsache ist auf jeden Fall, dass die Fahrt in den Westen seine Zeit braucht und es demensprechend früh los ging. Dass ich mir auch immer solche Ausflüge aussuchen muss, wo man mitten in der Nacht aufstehen muss! In diesem Fall war schon um 4:40 Uhr !!! Abfahrt am Hotel. Aber es war ein Doppeldecker Bus! Und da ich noch nie in so einem Bus saß, habe ich mir ganz vorne oben die besten Plätze gesichert und die Aussicht auf Sissi bei Nacht genossen – auch mal was Schönes. Hinter Malia also knapp 20 Min später war ich aber eingeschlafen und wurde erst geweckt, als Kollege Nikos fast 90 Min später dazu gestiegen war. Unsere Reiseleitung für den Tag kam dort auch an Bord und hielt sich mit Worten erst mal zurück. Die Meisten waren zwar noch am dösen und ihre Erzählweise auch nicht unbedingt die aufmunternste.. aber trotzdem hätte ich mir ein paar mehr Infos gewünscht. Da war der Informationsgehalt bei der Imbros Tour deutlich höher.

IMG_3143aNach gut 4,5 Stunden Fahrt von Sissi aus gesehen, kamen wir endlich im Örtchen Xyloskalo auf der Omalos Ebene an, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung. In luftiger Höhe von 1230m starteten wir unsere Tour und genossen gleich zu Beginn ein unglaubliches Panorama mit steilen Berghängen, viel Wald und tollem Morgenlicht. Von da an ging es erst mal stetig bergab. Da läuft der Start zwar leichter, aber gleich zu Anfang haben die Knie richtig was zu tun. Die Knie waren übrigens meine einzige Sorge bei der ganzen Sache, da ich ja doch etwas vorbelastet bin… aber erstaunlicherweise haben sie keinen Mucks von sich gegeben. Also spazierten wir fröhlich durch die Natur und waren ganz begeistert von so viel Grün! Ehrlich gesagt, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, dass die Samaria Schlucht so stark bewachsen war! Die ersten 2 Drittel läuft man ja nur durch üppigen Wald aus Laub- und Nadelbäumen, Sträuchern und Kräuterbüschen. Neben Zypressen, Pinien und Eichen gibt es auch zahlreiche endemische Arten im Naturpark, darunter 97 Pflanzenarten, die nur auf Kreta existieren. Davon wiederum sind 30 vom aussterben bedrohte Arten! Auch die Tierwelt ist stark vertreten. Ganze 32 verschiedene Arten von Lebewesen sollen sich hier niedergelassen haben (wo die nur alle waren?), 11 Reptilien- und 199 Vogelarten. Ein echtes Entdeckerparadies für Biologen, Geologen und wer sonst noch in der Natur herumforscht.

Kilometer um Kilometer wanderten wir also durch den schattigen Wald und mussten ständig anhalten um alles mit der Kamera festzuhalten. Und wieder einmal hätte ich Papas Weitwinkelobjektiv gut gebrauchen können! Wird wohl doch auf die Weihnachtswunschliste gesetzt werden müssen..  Immer wieder gab es Rastpunkte mit Bänken und Tischen und ganz besonders toll fand ich die Wasserstationen an denen man seine Flaschen mit original Quellwasser auffüllen konnte. Eigentlich braucht man für den gesamten Tag nur eine kleine Flasche Wasser, die man alle paar hundert Meter einfach wieder auffüllt.

Die Tour wäre eigentlich ganz entspannt gewesen, hätte mein Kollege Nikos IMG_3216anicht den Vogel abgeschossen und sich Schuhe angezogen, die er schon vor zig Jahren wegwerfen wollte.. Nach den ersten Kilometern fing die erste Sohle bereits an, sich langsam vom Schuh zu lösen. Mit etwas Schnur konnten wir das noch ganz gut aufhalten aber durch das ständige Bergablaufen löste sie sich immer mehr und verabschiedete sich irgendwann komplett. Zum Glück erst nachdem wir den ganzen Wald Part hinter uns gebracht hatten. Und aus Solidarität verabschiedete sich die zweite Sohle gleich mit 😀 Soviel zum guten Schuhwerk 😀 😀 Das war die Kurzfassung – die genaue Anzahl von Stopps zum neu Verschnüren, Sohle ankleben bzw. irgendwann abreißen und zum Verschnaufen für seine Füße erspare ich euch mal. Fakt ist, dass die Schuhe, oder was davon übrig geblieben ist (hoffentlich) auf direktem Wege in die Tonne gewandert sind und dass Nikos sich vor der nächsten Wanderung vielleicht doch Wanderschuhe zulegt 🙂

Aber mal ganz abgesehen davon hatten wir einen wunderbaren Tag. IMG_3244aEs gab nette Unterhaltungen, viiiiele Fotopausen und ab und an sind uns auch 2 TUI Kollegen aus dem holländischen Team über den Weg gelaufen. Nach etwa der Hälfte der Strecke, immer noch mitten im Wald, erreichten wir die Siedlung Samaria. Vor vielen, vielen Jahren war sie tatsächlich bewohnt und diente den Einheimischen unter anderem als Schutz vor Angreifern zur Zeit des 2. Weltkrieges. Aber auch Überreste einer Venezianischen Festung und eines byzantinischen Tempels findet man dort. Heutzutage dient das Dorf, welches größtenteils nur noch aus Ruinen besteht, hauptsächlich als Raststätte und Notfallstation. Von hier aus näherten wir uns langsam aber sicher der eigentlichen Schlucht. Auf dem Weg dorthin überquerten wir eine ganze Reihe von Brücken, die über den Quellfluss führten. Denn selbst im Sommer führt das Fluss noch Wasser und da die Wanderguides und Naturparkschützer penibel darauf achten, dass niemand seine Füße im Wasser badet, kann man jederzeit aus dem Fluss trinken oder die Flaschen auffüllen.

Und dann nach rund 4 Stunden Wanderung erreichten wir endlich den IMG_3342aKern der Schlucht mit seinen hoch aufragenden Felswänden und deutlich weniger Vegetation. stellenweise lief man zwar in der prallen Sonne aber das war nach dem ganzen Schatten vorher nicht so tragisch zumal wir mit Sonnenhut und ausreichend Wasser ja bestens vorbereitet waren. In den Felswänden konnte man die beeindruckenden Zeichen der Zeit erkennen, verschiedenste Gesteinsschichten mit unglaublichen Mustern, Farbschattierungen und Windungen. Ein Geologe hätte hier eine Menge Spaß gehabt.

Ein weiteres Highlight war nur kurze Zeit später das so genannte Iron Gate, die schmalste Stelle der Schlucht mit einer Breite von gerade einmal 3,50m. IMG_3373aIch muss zugeben, dass ich sie deutlich schmaler in Erinnerung hatte.. so in etwa 1m breit. Aber entweder kam mir das als Kind schmaler vor (was irgendwie keinen Sinn macht, weil ich ja noch einen Ticken kleiner war) oooder das Gestein bewegt sich Jahr für Jahr ein wenig und hat damit den Durchgang verbreitert. Wenn das allerdings so schnell gegangen wäre, hätten wir in 20 Jahren keine wirkliche Schlucht mehr. Aber gut, lassen wir das mal so stehen 😀

Fakt ist, dass wir einige Zeit später tatsächlich schon das Ende der Schlucht erreicht hatten und uns nun nur noch der Spazierweg zum Strand bevorstand. Von mir aus hätte es ruhig noch eine Weile weiter gehen können, jetzt wo ich in Schwung war. Aber Nikos hat inzwischen schmerzerfüllt immer mehr das Ende herbeigesehnt. Am Endpunkt der Schlucht gönnten wir uns dann jeder ein Eis bzw. eine kalte Erfrischung und beschritten damit die letzten Meter bis zum Örtchen Agia Roumeli, wo unsere Wanderung schließlich ihr Ende fand. Nach meiner Uhr waren es bis dahin genau 22,80km und exakt 6 Stunden und 30 Minuten gewesen – eine schöne Tageswanderung!

Die letzten Meter zum Ort und damit auch zum Strand nahmen wir mit Links, schließlich lockte die lang ersehnte Abkühlung. Endlich konnten wir die Rucksäcke absetzen, die verschwitzten Klamotten ausziehen und hinein ins kühle Nass springen. Das war vielleicht ein tolles Gefühl!! Die Muskeln konnten etwas gelockert werden und vor allem haben sich die Füße mal wieder entspannen können – vor allem Nikos‘ 🙂

Leider hatten wir im Bus beim Thema Treffpunkt und Abfahrtzeit nicht so ganz aufgepasst weshalb wir etwas unsicher waren. Vorsichtshalber verließen wir relativ schnell wieder das Wasser und machten uns auf den Weg zum Bootsanleger, was sich aber als Fehlentscheidung erwies.. Denn erst einmal fanden wir weder unsere Gruppe, noch die Reiseleitung, noch irgendein Hinweis auf Abfahrtzeit und Treffpunkt. Durch Zufall erkannte Nikos aber Gäste aus unserer Gruppe wieder und wir erfuhren, wo wir die Tickets bekommen und unsere Reiseleitung finden konnten. Die lief uns dann auch gleich über den Weg und nahm uns zunächst einmal gar nicht wahr 😀 Dann bekamen wir aber doch unsere Tickets und die Info, dass das Boot eine ganze Stunde Verspätung haben würde. Naaa toll… Da hätten wir noch so schön baden und relaxen können. Was soll’s, so haben wir uns eben in die Taverne gesetzt und unsere holländischen TUI Kollegen getroffen und ein nettes Pläuschchen geführt bis endlich das Boot kam.

IMG_3410aAls das große Krabbeln und Gedränge auf dem Boot überstanden war und wir unsere Plätze gefunden hatten, kam langsam ein wenig Entspannung durch. Wir fuhren an der wunderschönen Südwest Küste Kretas entlang, die mit ihren steilen Berghängen, einsamen Stränden und glasklarem blauen Wasser einfach immer wieder schön anzusehen ist. Nikos lernte seine Heimat wieder etwas besser kennen und entdeckte ganz neues Potenzial für weitere Ausflüge. 🙂 Uns schwebt da eine Kanu/ SUP Tour entlang der Südküste vor.. aber mal sehen. Zwischenhalt war in Loutro, meinem persönlichen Lieblingsort in Kreta, der nur mit dem Boot zu erreichen ist.IMG_3438a Im Licht der untergehenden Sonne einfach nur ein wunderschöner Anblick! Der nächste Halt war dann Hora Sfakion, wo wir wieder von Bord gingen und zusammen mit den ganzen Besuchermassen zum Busparkplatz strömten. Das war vielleicht ein Massenmarsch! Wo waren die ganzen Menschen den ganzen Tag über in der Schlucht?? Dort hat man eigentlich nie mehr als 10 Leute auf einem Haufen gesehen außer an den Rastplätzen.

Zum Glück fanden wir relativ schnell unseren Doppeldecker und dann ging es auch schon wieder zurück in die Heimat. Auf dem Weg kam dann auch endlich mal ein bisschen mehr Info von unserer Reiseleitung. Der Inhalt zu Mythologie, Natur und Alltäglichem war dann eigentlich ganz gut. Aber wir waren eh so geschafft und langsam am runter fahren, dass wir nicht mehr ganz so genau hinhörten. Nach und nach verließen die anderen Gäste den Bus und außer mir haben nur 2 weitere Gäste die lange Strecke bis nach Sissi auf sich genommen. Das ist schon ein ordentlich langer Tag muss man ja sagen. Vor allem wenn das wie in meinem Fall, der freie Tag ist und man eigentlich keinen freien Tag im dem Sinne hatte. Aaaber das wussten wir ja alles vorher und es hat sich zu 100% gelohnt! Durch den Muskelkater hatte ich auch noch ganze 3 weitere Tage die Erinnerungen an die Schlucht im Kopf 🙂

Mein Fazit: Also zunächst einmal ist die Wanderung unbedingt zu empfehlen und auch die lange Anfahrt lohnt sich allemal. Klar wäre es besser für die Sissi Gäste, den nächsten Urlaub im Westen zu verbringen und von dort zu starten, aber wenn man sich auf einen langen Tag einstellt, ist das kein Problem. Ich würde die Tour auf jeden Fall noch einmal mitmachen, auch in diesem Jahr. Aber erst, wenn der Muskelkater weg ist 😀

Na dann viel Spaß bei den Bildern!
Eure Viola

Hier kommt erst mal das GPS Beweis Video 😀

 

Und nun die Bilder

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Kategorien: Beiträge Apr-Nov | Ein Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.