Tagesarchiv: 24/08/2018

Gramvousa – auf den Spuren der Venezianer

GramvousaNach dem perfekten Start in meinen Chania-Kurzurlaub am vorigen Tag, stand nun der eigentliche Grund der Reise an. Geplant war eine Fahrt nach Gramvousa und Balos, die praktischerweise von der TUI angeboten wurde und für mich damit frei war 😀 Ich verbuche das mal als Informationsreise …

Leider starten diese Ausflüge immer so früh, dass man beim Blick auf die Uhr am liebsten noch mal die Augen zu machen würde. Aber gut, die Nacht im Hostel war erstaunlich ruhig und bequem und immerhin war so früh am Morgen kaum jemand wach. Auf dem Weg zum Abholpunkt guckte ich noch beim Bäcker vorbei, besorgte mir ein Frühstückchen und Gebäck zum Mittag und nach einem Zwischenstopp am Strand saß ich schon im Bus auf dem Weg nach Kissamos. Die Hälfte der Strecke muss ich verschlafen haben, zumindest konnte ich mich auf dem Rückweg an Vieles gar nicht erinnern 😀 In Kissamos, Kretas westlichstem Ort, erreichten wir schließlich den kleinen Hafen an dem unser Schiff schon wartete.

Von Kissamos aus fuhren wir am westlichsten Zipfel Kretas entlang und hatten einen wunderbaren Blick auf die Küstenlinie. IMG_4273Eine der wenigen von Kreta, die ich noch nicht gesehen habe. hier sah man auch wunderbar, wie sich der Wasserstand in den Jahren verändert hatte. Kreta kippt ja bekanntlich nach Osten weg was heißt, dass der Westen der Insel leicht ansteigt und der Osten leicht absäuft. Und hier an der Westküste sah man also die alte Wasserlinie, die knapp 3m über der jetzigen liegt. Schon ordentlich! An der nördlichsten Spitze angekommen umrundeten wir das Kap und fuhren schnurstraks auf die kleine Insel Gramvousa zu. Ein lang gehegtes Ziel auf meiner To-Do Liste. Gramvousa ist unbewohnt, sehr felsig und nur wenige km von der bekannten Balos Lagune entfernt.

IMG_4073aBesonders ist nicht nur der Strand mit seinem türkis leuchtenden Wasser direkt neben dem Bootsanleger, sondern auch das alte, rostige Wrack etwas außerhalb vom Strand. Im Jahre 1967 suchte das 146 Fuß lange Schiff „MS Dimitrios P“ Schutz vor dem Unwetter und ankerte in der Bucht vor Gramvousa. Als jedoch die Ankerkette brach und der Kapitän es nicht schaffte, das Schiff vom Ufer fern zu halten, lief es schließlich auf Grund und das Ende war besiegelt. Er zwei Tage später wurde die Crew von der Insel gerettet und seitdem liegt das Wrack in der Bucht und gehört mittlerweile zum Bild von Gramvousa. Wieder was gelernt 🙂

Noch interessanter als das Wrack ist allerdings die Festung von Gramvousa, wegen der ich ja eigentlich hier hin wollte. Sie wurde ab 1579 von den Venezianern gebaut und befindet sich auf einem Berg von 137m Höhe. Über unzählige Stufen gelangt man nach oben und hat dabei einen unbeschreiblichen Blick auf die Bucht und auch auf die Lagune von Balos. Wirklich beeindruckend diese Natur! Die Festung konnte bis zu 3000 Mann beherbergen und war strategisch perfekt aufgestellt. IMG_4063a1692 kam sie jedoch in türkische Hände, bis sie 1825 von Kretischen Revolutionären eingenommen wurde. 3 Jahre lang lebten bis zu 3000 Rebellen hier, denen später keine andere Wahl blieb, als sich der Piraterie anzuschließen um ihr Überleben zu sichern. Dadurch wurde der Ruf der Insel natürlich negativ geschädigt worauf man 1830 entschied, die Insel den Türken wieder zu übergeben. Solange, bis sich Kreta von den Türken befreien konnte und nun wieder den Griechen und seinen Touristen gehört. Voll der Geschichtsunterricht heute! 🙂

Soviel also zur Geschichte. Nachdem der Aufstieg geschafft war, schlenderte ich gemütlich durch die riesige Festungsanlage, bestaunte eine kleine, alte Kapelle, viele Türme und versteckte Bunker und genoss den wunderbaren Ausblick. Einfach nur herrlich. Von hier oben sah der Strand mit seinem Wrack gleich noch schöner aus. Wenn man glaubt, der Abstieg ist weniger anstrengend, hat man sich leider geirrt. Bei den ganzen Treppen fingen meine Knie wieder zu zittern und ich war echt froh als ich unten angekommen war. Dann war es auch schon Zeit auf unser Schiff zurück zu kehren und die Weiterfahrt anzutreten. Der geschichtliche Teil war damit beendet und wir steuerten die bekannte Lagune von Balos an.

Ich muss ja zugeben, dass ich diese riesigen Ausflugsboote schon immer gehasst habe, die mit Massen an Touristen die Lagune belagern. IMG_4159aMal abgesehen davon, dass man die volle Schönheit von Balos eigentlich nur sieht, wenn man von der Landseite aus den anstrengenden Fußmarsch auf sich nimmt und die Lagune von oben aus betrachtet!! Aber da ich dies bereits 2 Mal getan habe, war das nicht ganz so schlimm und der Stopp war für mich eher zum Baden und Entspannen interessant. Das Wasser in der Lagune ist stellenweise so flach, dass nicht mal mein Knöchel im Wasser steht. Aber wie schön ist das bitte, sich in dieses flache Wasser zu legen und zu dösen und dabei nicht mal davon zu treiben oder Angst vor dem Absaufen zu haben? 😀

Die Zeit war zwar nicht sonderlich lang, aber sie reichte um etwas schwimmen zu gehen, ein Schläfchen zu halten und noch ein paar Fotos für das Album zu schießen. IMG_4135aWenn man den Ausflug schon kostenfrei mitmacht, darf man auch nicht über die ganzen Touristen meckern. Ich hätte ja statt mitten in der Hochsaison auch irgendwann im Herbst mitfahren können… Aber es war alles schick soweit und hoch zufrieden und gut erholt stieg ich Stunden später wieder aufs Schiff. Wir fuhren die gleiche Strecke zurück nach Kissamos und hatten dabei ordentlich Wind und Wellengang. Für mich ja super lustig, aber manch anderen Gästen konnte man die Begeisterung eher weniger ansehen 😀 Eine gute Stunde später legten wir wieder in Kissamos an und wurden nach und nach zu unseren Hotels zurückgebracht.

Diesmal war ich wenigstens wach und bekam auch etwas von der Landschaft und den Ortschaften mit. Jetzt sah ich auch mal, wo die ganzen Hotels liegen, die ich ständig auf unseren An- und Abreiselisten sehe 😀 Ganz nette Anlagen waren dabei! Irgendwann, als Letzte natürlich, war ich dann an der Reihe und kehrte sandig, klebrig und geschafft zu meinem Hostel zurück. Nach einer frischen Dusche fühlte ich mich gleich viel besser und machte mich direkt auf den Weg in die Altstadt von Chania. Heute wollte ich mal ein Lokal in der Altstadt ausprobieren, nachdem ich am Vortag ja direkt am Hafen gesessen hatte. Ich landete in einer versteckten Taverne, die sich ums Eck gleich über mehrere Gassen erstreckte und über und über mit Bougainvillean  und Wein bewachsen war. Ich probierte mich also durch die Speisekarte, süffelte den Wein weg und bemängelte dann den gepanschten und viel zu milden Raki. Nach ein paar Ausreden des Kellners erzählte ich ihm, dass ich sonst nur von Freunden selbst hergestellten Raki trinke und der anders schmecken würde.. Dann rückte er doch mit der Sprache raus und meinte, den Touristen kann er ja nicht den „normalen“, starken Raki geben also würden sie milderen nehmen bzw. mit Wasser strecken. Ahhaaa wusste ich’s doch! 😀

Glücklich und satt spazierte ich noch einmal zum Hafen in der Hoffnung, wieder auf einen tollen Musiker zu treffen wie am Abend zuvor. IMG_4334aEin Musiker war zwar nicht da, dafür aber eine super Band, die einfach mal so open air einen Mix aus Kretischem Folk und Alternativ Pop spielte. Leider konnte ich den Namen nicht rausbekommen aber die Jungs waren echt super! Und obwohl ich total müde war, konnte ich auch an diesem Abend nicht wie geplant früh ins Bett gehen, weil ich die Musik einfach zu gut fand! 😀 Aber irgendwann brauchten die Jungs zum Glück auch mal eine Pause und gaben mir damit die Gelegenheit ins Hostel zurück zu kehren. Diesmal war mein brasilianischer Mitbewohner auch wach (und angezogen 😀 ) und wir unterhielten uns noch stundenlang. Da er in den kommenden Wochen quer über die Insel ziehen wollte, gab ich ihm reichlich Tipps und Anregungen mit auf den Weg und Ziele, die er auf keinen Fall verpassen sollte.

Damit endete der zweite Abend im wunderschönen Chania und voller Vorfreude auf den dritten Tag schlief ich endlich ein …

Viel Spaß bei Bild und Film und bis zum nächsten Mal!
Viola

Und hier meine Bilder !!

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Kategorien: 2018/2019, Beiträge Apr-Nov | Hinterlasse einen Kommentar

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