Über die Hälfte der Saison liegt nun schon hinter uns und noch immer muss ich ganz ehrlich sagen: „Der Job gefällt mir echt gut!“ Auch wenn einige stark daran gezweifelt haben und schon Wetten abgeschlossen wurden, wann ich den Job hinschmeiße… Keine Frage, mir fehlt der Wassersport! Das ständige Salz auf Haut und Haaren, das Wasser um mich herum und einfach sein Hobby zum Beruf zu machen. Mein Job als Reiseleiter beansprucht dagegen weniger den Körper, sondern viel eher die Psyche, was echt gut ist. Ich bin selbst verantwortlich für Wochenpläne und Tagesabläufe, muss auf jeden Gast spontan reagieren können und möglichst schnell Antworten und Lösungen parat haben. Für mich als Organisations- und Listenfreak ist das wirklich super und endlich wird auch mal wieder mein Gedächtnis gefordert und nicht nur der Körper. Ein Mix aus Beidem, Wassersport und Reiseleitung, wäre ein Traum! Aber darauf muss ich wohl lange warten…
Und so habe ich endlich das Glück, mich nicht jede Woche bis zum freien Tag retten zu müssen, sondern ihn einfach nur als willkommene Abwechslung zu sehen. Inzwischen habe ich auch eine ganz gute Balance gefunden zwischen Unternehmungen und Tagen zur Entspannung. Nachdem ich den letzten freien Tag zu Hause entspannt hatte, wollte ich diese Woche mal wieder auf Tour gehen und etwas Neues entdecken. Von unserem Ausflugsprogramm waren fast alle Touren abgehakt und ohnehin war es mal wieder Zeit für einen freien Tag ganz nach Viola Manier. Ab ins Auto und quer über die Insel, ohne Zeitdruck, massigst Equipment oder andere Pflichten.
Ziel meiner Rundfahrt war der Süden Kretas, genauer gesagt die Region um Lentas. Hier fehlen mir nämlich noch Fähnchen auf meiner Landkarte 🙂 Und da mir ein Ziel allein nicht ausreicht, nahm ich gleich die Highlights am Wegesrand mit. Erster Stopp war damit die Ausgrabungsstätte von Gortys im mittleren Süden. Nicht weit von hier liegt der bekannte Hippieort Matala oder die ebenfalls bekannte Ausgrabung von Phaistos.
Die Reste des ehemaligen römischen Hauptstadt Kretas verteilen sich zu beiden Seiten der Hauptstraße und können zum Teil frei besichtigt werden.
Vormittags nahm ich mir den Eintrittspflichtigen Teil vor und bekam am Eingang gleich noch eine Infobrochüre dazu. Gleich zu Beginn steht man vor den Mauerresten der Titus-Basilika aus dem 6. Jh. Wäre bestimmt interessant zu sehen, wie die gesamte Basilika im Original ausgesehen hat. Etwas später läuft man über den alten Markplatz wo nicht mehr zu sehen ist, als alte, verwachsene Olivenbäume bis man schließlich zum alten Theater kommt.
In dem römischen Odeon wurden Musik- und Theateraufführungen abgehalten und man kann noch sehr gut die Sitzreihen und VIP Plätze sowie die Bühne erkennen. Das Highlight ist in einem überdachten Durchgang versteckt. Auf 42 Steinblöcken findet man eingemeißelt das Zivil- und Strafrecht der dorischen Stadt Gortys. Die Gesetzestafeln stammen aus der Zeit um 500 v. Chr. und sind mit insgesamt 17.000 Buchstaben abwechselnd von links nach rechts und umgekehrt beschriftet – warum so umständlich?
Damit hatte man auch schon alles besichtigt 😀 Eine verhältnismäßig kleine Ausgrabung, die meiner Meinung aber trotzdem sehr interessant und lohnenswert ist. Den übrigen Teil, der sich in den Olivenfeldern auf der anderen Straßenseite versteckt, habe ich mir für die Rückfahrt am Nachmittag aufgehoben.
Von Gortys folgte ich einer menschenleeren Strecke Richtung Süden und quer über die Messara Ebene.
Der Ausblick auf die weiten Täler voll mit Olivenhainen und seltsamen Felsformationen ist immer wieder beeindruckend. Die Straßen schlängeln sich unauffällig durch die Felder und hinter jeder Bergkuppe sieht die Umgebung wieder anders aus. Da merkt man mal wieder, wie vielseitig die Insel doch ist und wie viel ich davon auch nach Jahren der aktiven Erkundung noch nicht gesehen habe. Und wie ich so schön die Serpentinen heruntergurkte, endete die Straße auf einmal! :O Einfach so kein Belag mehr, sondern nur noch Schotterpiste. Umdrehen war leider keine Option also los. Mein armes Auto wurde so sehr zugestaubt, dass die Wäsche am Tag vorher völlig umsonst war. Keine Ahnung wo ich Letzen Endes lang gefahren bin. Auf jeden Fall nicht auf dem Weg, den ich geplant hatte und auch nicht die Strecke, die mein Handy vorgeschlagen hatte 😀
Aber ich bin trotzdem angekommen! Warum ich eigentlich nach Lentas gefahren bin? Naja ich habe in den letzten Wochen viel davon gehört und wollte mich einfach selbst
überzeugen. Von einem ruhigen, abgelegenen Ort war die Rede, perfekt für Individualtouristen mit vielen einsamen Stränden und lockerer Atmosphäre – hört sich doch gut an. Jetzt im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mir etwas zu viel erhofft hatte. Der Ort war wirklich süß mit seinen weißen Häusern, alles frei nach Laune in den Ort gebaut ohne wirkliche Straßen und Wege und mit einem kleinen Strand vor der Tür. Vielleicht ist es genau das, was die Leute mit ruhigem Leben und wenig Trubel meinten… Denn neben ein paar Tavernen am Meer, einigen Apartments und einem Minimarkt und einem Souvenirgeschäft gibt es wirklich nichts. Naja so hat man mehr Zeit für den Strand – auch ok für mich 🙂
Also habe ich ganz klassisch einen halben Tag am Meer verbracht mit ausgiebigem Plantschen im klaren lybischen Meer, viiel Sonne und viel Schlaf.
Der Strand war wie im Süden üblich sehr kieselig und steinig und dadurch auch mega heiß. Und wirklich viel Platz gab es an dem kleinen Strand auch nicht. Die Sonne war am Ende wohl auch etwas zu viel, denn als ich am Ende des Tages gemütlich in einem Café am Meer saß um meinen Joghurt mit Honig zu essen, war der Kopf schon ordentlich schwer. Aber zum Glück saß ich ja im Schatten 🙂 und hatte zusätzlich einen super Blick auf die kleine Bucht von Lentas und den mysteriösen Felsen im Hintergrund, der tatsächlich wie ein sitzender Elefant aussieht!! Überzeugt euch selbst!
Gestärkt und erfrischt machte ich mich auf den Weg zurück und der hatte es echt in sich! Wäre ich den Straßenschildern gefolgt, käme ich immer wieder an Kreuzungen ohne Beschilderung an. Macht man den Fehler und folgt dem Handynavi fährt man entweder auf normalen Straßen, die laut Handy gar nicht existieren oder das Handy schleust einen auf die unmöglichsten Offroad-Einbahnstraßen und in „Straßen“ die nicht passierbar sind, wenn sie überhaupt existieren.. Eine Zeit lang war ich echt mega verzweifelt. Erst recht, als ich Rückwärts aus einer Sackgasse rausfahren musste, die sehr eng, am Hang liegend und von Zäunen begrenzt war. Mein Gott was ist mir das Herz fast zum Hals rausgehüpft! Zurück auf der sicheren Straße habe ich dann einfach die Entscheidung getroffen, weder nach Karte, noch nach Navi zu fahren sondern einfach nach Gefühl. Und siehe da, ich bin tatsächlich ans Ziel gekommen ganz ohne weitere Schotterstraßen. Aber ein Abenteuer war das wirklich!!
Sehr erleichtert erreichte ich am späten Nachmittag noch einmal die Anlage von Gortys und nahm mir diesmal den offen zugänglichen Teil in den Olivenhainen vor.
Und was soll ich sagen, das war fast noch interessanter! Erstaunlich gut erhalten sah man hier den Tempel von Apollon (7. Jh.v.Chr.), welcher einst der größte Tempel von Gortys war sowie ein kleines Theater. Etwas dahinter befinden sich die Reste der Thermalbäder, der römische Gerichtshof mit Originalstatue eines kopflosen Römers und das Pretorium. Letzteres war ein großes, luxuriöses Gebäude aus dem 1. Jh.n.Chr., welches das Hauptquartier der römischen Provinzen Kreta und Cyrenaica war.
Noch immer sieht man unzählige Säulen und Mauern, den Marmorfußboden und einige Statuen. Dass man hier einfach so frei rumlaufen darf ist schon fast nicht zu glauben. Ich bin ja sowieso ein Fan von „alten Steinen“ und stelle mir immer gerne vor, wie das wohl damals ausgesehen haben kann und wie die Menschen dort gelebt haben. Ist doch echt unglaublich, dass die Steingravuren, die ich jetzt im Jahre 2018 mit meinen Händen berühren kann, vor mehreren Tausend Jahren von Menschen geschaffen wurden!! Quasi haben die Römer das selbe Stückchen Stein berührt, wie ich jetzt. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich finde das jedes Mal extrem faszinierend!!
Voll geflashed von diesen Eindrücken 😀 und mit der untergehenden Sonne im Gesicht trat ich dann schließlich die Heimreise an. Das war wirklich mal wieder ein freier Tag ganz nach meinem „Entdecker“-Geschmack. Kindheitserinnerungen an Gortys wurden aufgefrischt und ich habe mir endlich mein eigenes Bild von Lentas machen können. Am besten schaut ihr euch die Bilder an, und macht euch euer eigenes Bild 😉
Bis zum nächsten Mal!
Eure Viola