Als Beach-Inspector auf Kreta

Wer braucht eigentlich Freizeit? Völlig überwertet, dieser Überschuss an Zeit in der man sich selbst Gedanken machen muss, wie man den Tag am sinnvollsten gestaltet! Die sicherste Methode dem zusätzlichen (Freizeit-)Stress aus dem Weg zu gehen, ist ganz einfach keine Freizeit zuzulassen 😀 Und genau das habe ich mir im letzten Jahr auch gedacht… wenn auch ungewollt und nicht wirklich so geplant…

Wie ich ja bereits erwähnt hatte, war ich im letzten Jahr nicht nur mit einem Full-TIme Job beschäftigt! Neben meinem Job als Tourguide und Jeep-Guide war das ganz große Projekt des Jahres 2017 die Arbeit als „Beach-Inspector“!! Beide Jobs haben im Endeffekt mehr Zeit gekostet als erwartet und so kam es, dass ich von Mitte April bis Ende Oktober nahezu 7 Tage die Woche gearbeitet habe. Um zu erklären, wie ich zu meiner Arbeit als Beach-Inspector gekommen bin, muss ich etwas ausholen…

Wie ich Beach-Inspector wurde
Alles begann im Frühling 2016 als ein Haufen lustiger Vögel motiviert in die Vorbereitungsphase startete um wenig später den ROBINSON Club Kalimera Kriti eröffnen zu können. Dass dies alles mehr als abrupt ein Ende fand, konnte man ja in meinen Berichten nachlesen… Das Jahr verging also mit einem Intermezzo im Amazonas Park von Kreta und vielen spannenden Reisen zu Orten, die ich schon lange besichtigen wollte. Leider erst am Ende der Saison kam dann der entscheidende Hinweis von meiner Mama, dass sie einen Bericht über die Arbeit als Strandtester gesehen hat und die doch tatsächlich Mitarbeiter suchen würden. Ich hatte bereits davon gehört, mich aber nie genauer damit befasst. Also im Internet recherchiert, Gefallen an der Sache gefunden und ganz spontan einfach mal beworben. Die Tatsache, dass ich auf Kreta lebe, hat die Entscheidung wohl erleichtert, denn einige Emails und ein Telefonat später war es bereits beschlossene Sache, dass ich Teil des Beach-Inspector Teams sein würde 🙂

Kreta BI

Es wurde eine lange Liste von Stränden zusammengestellt, die ich besuchen und erheben sollte und schon konnte die Arbeit starten. Dachte ich zumindest… Denn zum einen spielte das Wetter nicht wie erwartet mit und zum anderen hatte ich einfach nicht das richtige Equipment um die perfekten Aufnahmen zu machen. Und auf Kreta an gutes technisches Equipment zu kommen ist eher schwierig oder mit langen Lieferzeiten verbunden. Ich lieferte zwar 2-3 Probestrände aber so richtig war das alles nichts… Zum Glück hatten die Macher in Berlin Vertrauen in mich und meine Arbeit und wir verschoben das ganze Projekt aufs nächste Jahr. Also nutzte ich den Winter um mich mit einer neuen Kamera, Stativ, Mikrofon und sämtlichen Schnick Schnack auszurüsten und recherchierte schonmal nach geeigneten Filmmotiven und Insider Tipps. In der Zwischenzeit wurde spontan entschieden, dass zu den Stränden auch noch Orte und Städte erhoben werden sollten und so reiste ich mit brandneuem Equipment und einer langen To Do Liste nach Kreta. Für die Erhebung aller Strände hatte ich völlig optimistisch (und völlig unrealistisch 😀 ) 2-3 Monate angesetzt. Ich wollte im Frühling starten und später neben dem Job als Tourguide weitermachen und dann spätestens im Sommer durch sein 😀 Aber daraus wurde nichts…

Zur Arbeit eines Strandtesters
Die Reaktion meiner Mitmenschen auf die Aussage, ich würde als Strandtester arbeiten, war eigentlich immer gleich. Fragezeichen in den Augen gefolgt von Gelächter und einem Gesichtsausdruck á la „Was kann daran schon anstrengend sein?“. Fast niemand hatte bisher von der Jobbezeichnung gehört, geschweige denn von dem Start-Up Unternehmen, welches ihn ins Leben berufen hat. Und rückblickend ist das genau die selbe Reaktion als wenn ich erzähle, was ich studiert habe. Ja, ich habe „Angewandte Freizeitwissenschaft“ studiert! Ganze 3,5 Jahre lang mit Bachelor Abschluss und Nein, man bekommt die Zertifikate nicht hinterhergeworfen oder spielt Topfschlagen in der Prüfung 😀 Dafür, dass es ein Nischenstudiengang ist, der nur 1x in Deutschland existiert, kann ich ja auch nichts!

IMG_0240Aber zurück zum Beachinspector. Nachdem man die Online Tutorials zum richtigen Umgang mit dem Equipment und den gewünschten Medien-Ergebnissen absolviert hat, folgt die eigentliche Arbeit. Jeder Strand sollte optimalerweise vorher recherchiert werden um die besten Locations für Bilder und Videos zu finden und Besonderheiten zu Wind und Wellen zu kennen. In meinem Fall ging das sehr schnell, da ich 90% der Strände bereits besucht hatte. Bereits die Anfahrt zum Strand wurde gefilmt um einen Eindruck über die Wegbeschaffenheit zu vermitteln. Am Strand angekommen verschaffte man sich einen kurzen Überblick und dann ging es los. Von allen möglichen Perspektiven wurden Foto- und Videoaufnahmen gemacht, Schwenkpanoramas aufgenommen und ständig war man auf der Suche nach kleinen Special Aufnahmen. Fischer bei der Arbeit, Boote beim An- und Ablegen oder Tiere über und unter Wasser waren immer super, genau wie sportliche Action am Strand und im Wasser oder einfach eine Momentaufnahme vom Wellengang und den Füßen im Sand.

IMG_1610Wenn das im Kasten war, folgten die beiden „schwierigsten“ Aufgaben. Erst einmal musste ein Local gefunden werden, der bereit war, vor der Kamera über seinen Strand zu berichten und was ihn denn besonders machen würde. Auf Englisch versteht sich, denn mit Griechisch hätte das Ganze nicht viel gebracht 😀 Abschließend folgte der für mich herausforderndste Teil, das Selbstinterview. In maximal 1-2 Minuten sollte ich den Zuschauern „hinter der Kamera“ erzählen, wo ich mich befinde, was diesen Strand ausmacht und was zu beachten ist – in Deutsch und Englisch! Nachdem ich den Text stichpunktartig notiert hatte, folgten unzählige Versuche, das Geschriebene ohne Versprecher, Aussetzer oder störende Hintergrundgeräusche und Passanten aufs Band zu bekommen und nicht selten war ich dabei einem Ausraster seehr nah… 😀 Gegen Ende der Saison wurde auch noch das Mikrofon zum Risikofaktor, da es sich zeitweise einfach abschaltete und das Meeresrauschen lauter war, als meine Stimme. Im Schnitt kamen je Sprache mindestens 15-20 Clips zusammen, bis ich endlich 1-2 zufriedenstellende Aufnahmen dabei hatte.

Soviel zum Praktischen Teil… Damit war es natürlich noch nicht getan, denn der nächste große Teil der Arbeit folgte am Computer mit stundenlanger Schreibarbeit. IMG_4353Zu jedem Strand mussten unzählige Faktoren bewertet und Tabellen mit Werten gefüttert werden. Wie ist die Wegbeschaffenheit zum Strand? Welche Qualität haben Wasser und Strand? Welche Besucher findet man vor Ort? Wann kommen sie und aus welchen Nationalitäten? Sind es eher Familien mit Kindern oder Singles? Kommt man eher zum Party machen oder zum Entspannen? Gibt es Duschen, Imbiss und Liegen zu mieten? Und so weiter… Wenn das erledigt war, musste zu jedem Punkt noch ein kleiner Text geschrieben werden sowie ein großer Haupttext, in dem der Leser die wichtigsten Infos auf nur einer Seite präsentiert bekommt. Gegen Ende der Saison lief das Ganze zwar etwas flüssiger, aber trotzdem gingen Stunden dabei drauf. Nebenbei musste auch noch das komplette Film- und Fotomaterial gesichtet, sortiert und auf den Server geladen werden.

Mein alltäglicher Wahnsinn
Und das waren nur die Erhebungen der Strände!! 😀 Von den Ortserhebungen haben wir ja noch gar nicht geredet 😀 Hier war die praktische Arbeit zum Glück schneller erledigt, da von den Städten und Sehenswürdigkeiten nur unkommentiert Aufnahmen gemacht wurden. Die zugehörigen Texte waren dafür umso umfangreicher. Bis Mitte Oktober habe ich mir damit die Nächte verkürzt. Durch den eigentlichen Hauptjob als Tourguide sah mein Tagesprogramm ab Juli ungefähr so aus: 5:00 Uhr aufstehen, schnell frühstücken und bis ca. 6:30 Uhr an Texten und Uploads arbeiten. Dann schnell umziehen, zur Arbeit fahren, von meistens 7:00 bis 19:00 Uhr Touristen über die Insel führen und dann wieder nach Hause. Nach einem kurzen Abendessen widmete ich mich wieder dem PC und fiel gegen zehn, spätestens elf Uhr schließlich todmüde ins Bett. An den Tagen, an denen keine Touren anstanden (also alle 7-10 Tage) stand ich je nach Entfernung des Strandes genauso früh auf um einen weiteren Strand zu erheben. Ja, das war ziemlich stressig und deutlich intensiver als ich je gedacht hätte. Aber ich habe beiden Jobs zugesagt, mir haben beide von der Sache her viel Spaß gemacht, also zog ich beides auch bis zum Ende durch! Und das Gefühl, als am Ende endlich alles fertig war, IMG_8207war einfach nur unglaublich und voll mit Stolz und Freude gespickt. Meine Geheimwaffe zum besseren Schreibfluss habe ich leider erst am Ende entdeckt. Auch wenn Viele jetzt lachen werden, meine besten Begleiter waren tatsächlich der hausgemachte Raki und ein Livekonzert von Eros Ramazotti aus Rom im Hintergrund 😀 An manchen Textstellen kann man sogar erkennen, wie viele Rakis ich bereits getrunken haben musste 😀 😀 Und der Fairness halber muss ich auch sagen, dass mir ein paar Strände im äußersten Westen durch meinen Kollegen Christian abgenommen wurden. Allein wegen der Fahrtzeit von mindestens 4 Stunden, hätte ich die Strände in dem Jahr wohl nicht geschafft. Also nicht wundern, wenn unter den Stränden von Westkreta auf einmal Christians Name und Gesicht zu finden sind 😀

Nun habt ihr einen Eindruck bekommen, wie der Job als Strandtester so aussieht. Und hoffentlich belächeln ein paar von euch die Arbeit etwas weniger, wenn sie sehen, mit wie viel Aufwand das Ganze verbunden ist. Im Nachhinein bin ich einfach nur froh und glücklich, den Job angetreten und so meine Insel noch besser kennen gelernt zu haben. Was bleibt, sind viele Videos über die Strände von Kreta, seeehr viele neue Bekanntschaften durch Interviewpartner und die Erkenntnis, dass man mit genügend Fleiß und Ehrgeiz fast alles schaffen kann! 🙂

Doch bekanntlich sagen Taten mehr als 1000 Worte 🙂 Also habe ich ein paar meiner Lieblingsstrände zusammengestellt, natürlich mit den dazugehörigen Links zum Strandvideo und den ausführlichen Strandbeschreibungen. Viel Spaß dabei!

Eure Viola von Beach-Inspector 😉

Vorweg ein kurzer Trailer, der erstellt wurde, als ich ungefähr die Hälfte meiner Strände gefilmt und eingereicht hatte.

 

Eine tolle Übersicht über alle getesteten Strände von Kreta findet ihr auf beach-inspector.com!

Der Norden
IMG_4328Die getesteten Strände im Norden grenzen allesamt an die bekannten Urlaubsorte wie Malia, Hersonissos oder Ammoudara. Natürlich ist hier während der Saison einiges los aber man muss auch zugeben, dass es sich bei allen um lange Sandstrände mit traumhaft schönem und flachen Wasser handelt. Klar, dass es gerade hier Familien mit Kindern hinzieht. Schöne Beispiele sind die Strände von Fodele (Foto), Ammoudara oder Stalida und Malia!

Der Süden
IMG_1851Die Strände im Süden liegen fern ab von den Touristenzentren im Norden und könnten unterschiedlicher nicht sein. Zu den bekanntesten gehören Chrissi Island und Matala, wo vor allem zur Hochsaison sehr viel Betrieb ist, man aber trotzdem mal gewesen sein sollte! Und dann gibt es die (noch) Geheimtipps wie den Red Beach, der nur wenige Wanderminuten von Matala entfernt ist und Agiofarango (Foto), wo man nur nach einer kurzen Schluchtenwanderung hingelangt.

Der Osten
IMG_9846Der Großteil der bekannten Strände im Osten befindet sich hauptsächlich in der Region um Agios Nikolaos und Elounda. Durch ihr klares, flaches Wasser und die unglaublich türkisen Farbtöne bestechen vor allem der Almiros (River) Beach (Foto) und der Voulisma (Paradise) Beach. Und auch wenn er touristisch immer aktiver wird, ist der Palmenstrand von Vai immer noch die lange Fahrt in den Osten wert. Außerdem ist man von dort in nur wenigen Minuten am Windsurfspot in Kouremenos.

Der Westen
IMG_3301Die offiziell schönsten Strände findet man ausschließlich in Kretas Westen. Dazu gehören definitiv Elafonissi, Balos und Falassarna, die Christian für mich übernommen hat. Meine persönlichen Favoriten befinden sich alle im Südwesten, da sie oftmals erst nach einer Fahrt durch beeindruckende Schluchten zu erreichen sind. Da gibt es die langen und immer noch ruhigen Strände wie Frangokastello, Triopetra oder Sweet Water Beach und die deutlich bekannteren wie Preveli (Foto), Plakias und mein Lieblingsdorf auf Kreta Loutro.

 

Und zum Abschluss ein paar meiner liebsten Strandbilder 😉

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Kategorien: 2018/2019, Beiträge Apr-Nov | Hinterlasse einen Kommentar

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