Holguín und Santiago de Cuba – Tag 1

Tag 1 – Kubanische Lebensweisen und bunte Kolonialbauten

Der erste Tag unserer Rundreise startete unerwartet früh. Aus den möglichen 9 Stunden Schlaf wurde nämlich nicht viel, da uns die innere Uhr schon mitten in der Nacht hellwach sein ließ. IMG_4874aGegen 6 Uhr hielt ich es dann aber nicht mehr aus und spazierte zusammen mit Verena und meiner Kamera zum Strand. Wir erfreuten uns an unserem ersten, karibischen Sonnenaufgang und dem hellen, weichen Sand sowie dem warmen Wasser.  Im Hellen stellten wir auch überrascht fest, dass unser Zimmer ja fast direkt am Strand lag. 🙂 Zurück im Zimmer packten wir noch schnell unsere Koffer, nahmen das amerikanische Frühstück mit und statteten der CADECA einen Besuch ab. So heißen hier die Geldwechselstuben, die im Innern einem Kühlschrank gleichen… Der Wechsel funktionierte problemlos und so hielt ich meine ersten CUCs in den Händen. Dazu muss man wissen, dass es in Kuba zwei Währungen gibt!! Einmal die kubanischen Pesos CUP, die Hauptwährung der Einheimischen und die Pesos konvertibles CUC, die hauptsächlich den Touristen vorbehalten sind. Das Verhältnis CUP zu CUC ist ungefähr 25:1. 

Die Kubaner bekommen ihren Lohn in CUP bezahlt, womit sie aber nur bestimmte Lebensmittel und Produkte kaufen können. Alles andere muss man in speziellen Geschäften in CUC bezahlen, an die man aber nur kommt, wenn man im Tourismus arbeitet oder irgendeinen Weg findet, Geld von den Touristen zu bekommen. Der Durchschnittslohn der Kubaner beträgt umgerechnet gerade einmal 14-20 CUC – das sind nicht einmal 20€ im Monat! Zwar sind das Gesundheits- und Bildungssystem für alle kostenlos und es gibt Lebensmittelkarten, mit denen man sich genau zugeteilte Mengen an Reis, Fleisch, Mehl etc. sehr günstig abholen kann. Aber das alles reicht gerade einmal für gut 2 Wochen. RG (54)aFür uns selbstverständliche Produkte wie Seife kosten dort gleich mal 1,50 CUC also schon 1/10 des Monatslohns. Und so kommt es, dass fast jeder Kubaner noch „etwas extra“ macht, wie unser Guide Eduardo so schön sagte. Die einen versuchen mit Gesang und Musik an das begehrte Touristengeld zu kommen, die anderen mit frisch aufgeschnittenem Obst, Mandeln oder spontan gezeichneten Portraits. Hier zeigt sich mal wieder die Kreativität der Kubaner!! Und allgemein sind Jobs im Tourismus das Non plus Ultra. So viel zum Thema Geld in Kuba. Ich könnte noch ewig darüber schreiben! Da denkt man gleich ganz anders über sein Konsumverhalten und den Wert von Geld nach – zumindest ist das bei mir so!

Aber kommen wir mal wieder zurück zu unserer Rundreise! Punkt 9:00 Uhr wie geplant waren alle Koffer wieder im Bus verstaut und der Bus am Rollen. Erster Halt war das Hotel in Playa Pescero, wo ein Teil der Gäste untergebracht war. Wir haben sie später in die „Komfortgruppe“ umbenannt, da sie meist in höherwertigen Hotels untergebracht waren als der Rest, dafür aber auch einen ordentlichen Aufpreis bezahlt haben. Wir fuhren also los Richtung Holguín und erfuhren gleich zu Beginn, dass Hitchhiking in Kuba unglaublich beliebt ist. Überall stehen Menschen an der Straße und den Kreuzungen und wollen mitgenommen werden. Wer es besonders eilig hat, wedelt sogar mit dem Geldschein. Da das Land ein Transportproblem und nicht genügend Transportmittel für den Nah- und Fernverkehr hat, sind auch Kutschenfahrer und Busse mit Leerfahrt dazu angehalten, die Leute mitzunehmen. Während die staatlichen Transportmittel frei sind, müssen diese Extrafahrer aber bezahlt werden. Sehr oft wurden LKWs, ob überdacht oder offen umgebaut und nun zum Transport von Menschen genutzt. Und häufig sieht man auch Personen, die nur dafür da sind, Busse und Autos anzuhalten und die wartenden Menschen darauf zu verteilen. Weiterhin lernten wir ein paar der Hauptpalmenarten auf Kuba kennen. Zum Beispiel den Nationalbaum Kubas – die Königspalme – mit ihrem silbrigen Stamm, die bis zu 40m hoch werden kann. Sie steht für die Unbeugsamkeit der Kubaner, da sie auch heftigsten Stürmen standhalten kann. Und weiter Richtung Westen und nur dort im Viñales Tal findet man die Barrigona oder auch schwangere Palme. Eine ebenfalls große, schlanke Palme, die in der Mitte aber einen verdickten Stamm hat und damit einem dicken Bauch (dt. barrigona) gleicht. Insgesamt gibt es auf Kuba übrigens rund 70 Mio. Palmen, womit auf Kuba die weltweit höchste Dichte an Palmen zu finden ist!!

Der erste Halt unserer Tour war die „Loma de la Cruz„, der Hügel des Kreuzes. Ein wunderbarer Aussichtspunkt mit Blick auf die Stadt Holguín und die umliegende Landschaft. IMG_4910aFrüh morgens um 10 Uhr hatten wir bereits 30°C und cremten uns sicherheitshalber gleich mal mit Sonnenschutz ein. Vorher hatten wir bereits eine Stadtrundfahrt durch Holguín bekommen. Die viertgrößte Stadt des Landes (300.000 Einwohner) ist munter und lebendig und durch den Flughafen ein wichtiges Drehkreuz im Osten. Auffällig sind hier das sehr parallel angeordnete Straßennetz und die vielen „Vogelkäfighäuser“. Den Namen haben wir erfunden für die Häuser, die nahezu alle einen vergitterten Eingangsbereich haben. Was auf den ersten Blick etwas abschreckend wirkt ist jedoch nicht nur eine Sicherheitsmaßnahme, sondern irgendwann einfach ein Architekturmerkmal geworden. Außerdem gibt es unglaublich viele Parks in der Stadt. Nachdem wir den Aussichtspunkt erklommen hatten, fuhren wir noch einmal in die Stadt hinein und bekamen eine Stunde Zeit um uns selbst umzuschauen. Da gab es den Zentralplatz „Plaza Galixto García„, benannt nach Galixto García, durch den die Stadt 1872 kurzzeitig von den Spaniern befreit und damit wichtiges Zentrum der IMG_4929aUnabhängigkeitskriege wurde. Außerdem das Theater „Eddy Suñol“ und das Kino „José Martí“ sowie eine Kathedrale und viele bunte Kolonialbauten. Außerdem fanden wir hier einen TDR Caribe. Das sind Minimärkte, in denen die Kubaner gegen CUP und CUC importierte Ware kaufen können. Wir statteten uns nur mit Wasser aus aber es war durchaus interessant, die Preise zu vergleichen. Rum z.B. ist hier viel günstiger als bei uns im Gegensatz zu Hygieneprodukten und Öl oder Bekleidung. Selbst eine große Flasche Wasser ist mit 0,70 CUC für uns recht billig (ca. 60ct), für Kubaner mit einem Monatslohn von vielleicht 15 CUC aber super teuer.

Auf der Weiterfahrt erfuhren wir von Eduardo allerhand interessante Fakten zum Leben in Kuba. Über das Einkaufen und die damit verbundenen Schwierigkeiten bestimmte Produkte zu bekommen, Geld und Löhne im Allgemeinen und auch darüber, wie die Kubaner den Lebensalltag meistern. Schon recht complicado das Leben hier! Ein paar Tage später zeigte er uns auch eine dieser Lebensmittelkarten, Libreta genannt, auf denen man genau sehen kann, wie die Lebensmittel portionsgenau zugeteilt werden. Seitdem bekomme ich jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn ich beim Einkaufen nach Lust und Laune die Produkte in den Wagen packe und dann auch noch die Wahl zwischen 20 Puddingsorten habe.

Unsere Mittagspause verbrachten wir auf einem kleinen Bauernhof am Straßenrand. „La Ceiba“ nannte sich das Lokal, nach dem Ceiba-Baum oder auch Kapokbaum. RG (87)aEin riesiger Baum mit unglaublich großer Krone und großen, bretterartigen Wurzeln. Die Familie hatte hier alles Mögliche aufgetischt und uns mit Reis, Bohnen und Hühnchen (natürlich), frittierten Bananen, und Stücken von Papaya, Kokosnuss und Melone versorgt. Dazu gab es Mojito Sauce, die nichts mit Mojito zu tun hat, sondern aus Wasser, Öl und Knofi besteht und frischen Mango- oder Maracujasaft. Der Hof selbst war sehr grün und bunt bewachsen. Es gab ein Gehege mit Schweinen, Hühnern und Bananenstauden nebenan, eine schöne Hängeschaukel im Grünen und das Highlight für die Männer: einen hübschen Oldtimer. RG (31)aAls der Besitzer dann die Motorhaube und die Fahrertür öffnete, gab es kein Halten mehr und nicht nur die Männer hatten sich um das Auto versammelt. 🙂 Vor der Abfahrt erklärte uns Eduardo noch die verschiedenen Bananenarten. Da gibt es die kleinen, sehr schmackhaften „Essbananen“, die man überall am Straßenrand kaufen kann und die Kochbananen, die wie bei uns groß, dick und grünlich und nur nach entsprechender Verarbeitung genießbar sind. Typisch in Kuba sind zum Beispiel Tostones, doppelt frittierte Kochbananen-Scheiben. Sehr nahrhaft und tatsächlich echt lecker! Und dann gibt es noch die normalen, großen Bananen, die wir auch von zu Hause kennen.

Unsere Fahrt ging weiter. Vorbei an satter, grüner Landschaft mit Palmen und Bananenplantagen und Dörfern mit sehr einfachen Wohnverhältnissen und Lebensstandards. Hauptverkehrsmittel auf den Dörfern ist hier tatsächlich das Pferd bzw. die Kutsche, denn Autos kann sich hier kaum jemand leisten. Ungefähr 20km vor Santiago de Cuba erreichten wir den Ort El Cobre, der nicht nur Wallfahrtsort ist, sondern auch Zentrum des Kupferabbaus war (Cobre = Kupfer). Am Wegesrand werden immer wieder kleine Holzfiguren, gelbe Sonnenblumen und andere Opfergaben angeboten. Sie werden der Virgen de la Caridad gebracht, der Jungfrau der Barmherzigkeit und Schutzpatronin Kubas. Die hölzerne Figur ist im Innern der weißen Basilika von 1686 zu finden und ist gerade einmal 40 cm groß. IMG_4979aDer Legende nach fanden 3 Fischer, die alle Juan hießen, im Jahre 1612 ein Holzbrett im Meer während sie mit einem heftigen Sturm kämpften. Sie zogen das Brett mit der Inschrift „Ich bin die Jungfrau der Barmherzigkeit“ (natürlich auf Spanisch) an Bord und zack hatte sich der Sturm gelegt. Sie bekam einen eigenen Schrein, später eine ganze Kirche gebaut und wurde vom Papst selbst zur Schutzpatronin geweiht und die Kirche von „El Cobre“ vom Vatikan sogar zur „kleinen Basilika“ ernannt. 
Die Virgen wird gleichermaßen von den Katholiken wie den Anhängern der Santería Religion verehrt. Letztere ist die afroamerikanische Hauptreligion Kubas, in der die Götter Orishas heißen. Da die Anhänger der Santería damals ihre Religion nicht offiziell ausleben durften, nahmen sie einfach die katholischen Götter und gaben ihnen andere Namen und meist auch eine dunkle Hautfarbe. Die Virgen de la Caridad heißt hier zum Beispiel Ochún und wird noch heute gleichermaßen verehrt.
Aufgrund unpassender Anzugsordnung durften ein paar der Frauen, mir inklusive, leider nicht in die Kirche (hätte ich mir aus Griechenland auch denken können…) aber auch von außen hat sich der Anblick gelohnt. Dazu der Ausblick auf die grünen Hügel im Umland – ein Traum!!

Und als fast alle vom Besuch der Kirche zurück waren, verzögerte sich unsere Abfahrt ganz spontan durch einen alten, gelben Bus, der direkt neben uns parkte. Der Fahrer stieg aus, legte sich gekonnt unters Auto und begann mit Wartungsarbeiten. Dass er dabei den Blick auf den abenteuerlich verbauten Motor und das Innenleben freigab, war natürlich wieder ganz im Interesse der Männer unserer Gruppe. Ein paar Jahre jünger und oberkörperfrei hätte er bestimmt auch die Frauen um sich gehabt 😀

Kurze Zeit später erreichten wir unseren Zielort des Tages – Santiago de Cuba im Süden Kubas. IMG_5004aWir stiegen direkt vor der imposanten Kathedrale am Parque Céspedes aus, dem Hauptplatz der Stadt, benannt nach dem ersten kubanischen Präsidenten Carlos Manuel de Céspedes. Für den Platz selbst blieb kaum Zeit, denn wir spazierten schnurstraks in eine der Seitenstraßen zur Casa de la Trova, ein sogenanntes Musikhaus. In den oft kleinen Räumlichkeiten bekommen die vielen Gruppen und Musiker eine Bühne um ihre Musik zu präsentieren. Bis spät in die Nacht wird hier bei Mojito und schwül-warmer Luft vor allem zu Salsa, Rumba und dem kubanischen Son getanzt. Wir bekamen eine Sondervorstellung einer tollen, kleinen Gruppe mit den Klassikern wie denen vom Buena Vista Social Club. Der Mojito schmeckte zwar super, half den steifen Deutschen aber nicht dabei, sich locker zu machen und das Tanzbein zu schwingen… Auch wenn unser Reiseleiter sein Bestes gab, uns zumindest zum Klatschen zu bekommen, blieben die meisten leider einfach nur ruhig sitzen. Wie kann man bei der Musik denn stillsitzen?? Ich hätte noch ewig hier bleiben und der Musik lauschen können. Generell wäre ich gerne noch länger in der Stadt geblieben, die ja den Beinamen „Stadt der Musik“ trägt. Aber es war Zeit zum nächsten Hotel aufzubrechen. 

Nachdem die „Komfortgruppe“ im Zentrum von Santiago abgesetzt war, wurden wir in ein Hotel gebracht, das etwas außerhalb und auf einem grün bewachsenen Hügel lag. Von hier konnte man bis zur Stadt hinuntersehen! Nach dem Check In stürmten wir wieder direkt zum Essen, wo wir diesmal zwischen Huhn, Schwein oder Rind wählen konnten. Neben dem großen Stück Fleisch fiel die Alibi Gurkenscheibe kaum auf 😀 Aber es schmeckte gut und damit waren wir glücklich. Auf dem Weg zurück zum Zimmer versuchte „Showtime Joe“ alles, um uns für das Animationsprogramm am Abend zu begeistern, aber vergebens, denn wir waren alle zu müde und verschwanden direkt im Bett. Zum Einschlafen gab es leises Vogelgezwitscher von draußen und das eine oder andere Schnarchen vom Zimmernachbarn. Denn alle Räume waren oben durch einen gut 10 cm breiten Schlitz zum Nachbarzimmer geöffnet und damit offen für jede Art von Geräuschen und Gerüchen 😀

Und damit ging unser erster aufregender und vollgepackter Tag der Rundreise zu Ende. Allein am ersten Tag habe ich unglaublich viel über Kuba, seine Menschen und Lebensumstände und die Geschichte und Traditionen erfahren. Unser Reiseleiter machte von Beginn an einen super Job!

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Was wir am nächsten Tag in Santiago de Cuba und Umgebung erlebten, erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag. Bis dahin viel Spaß mit den Bildern!

 

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