Tag 3 – Im „Geburtsort“ der kubanischen Nationalhymne
Nach 2 Nächten in Santiago war wieder Koffer packen angesagt. Den Osten hatten wir mit Holguín und Santiago de Cuba mehr oder weniger gesehen – Zeit also, sich Richtung Westen zu begeben. Das Frühstück war auch etwas besser und wir wurden alle satt – reicht ja 😀 Bis zur Abfahrt nutzten wir noch unsere Internetkarten ab und stellten mal wieder fest, dass sich die Welt auch ohne uns dreht und wir nichts verpasst haben 😀
Wir ließen Santiago hinter uns und fuhren in Richtung Nordwesten nach Bayamo. Auf dem Weg gab es wieder viele spannende Infos von Reiseleiter Eduardo. Diesmal ging es um Guantánamo und darum, dass der Name nicht nur für die Militärbasis der Amis steht, sondern gleichzeitig eine normale, eigenständige Provinz Kubas bezeichnet. Genauer gesagt ist Guantánamo die östlichste Provinzhauptstadt Kubas und mit 244.000 Einwohnern gar nicht mal so klein. Manche Tourenanbieter haben sogar einen Ausflug in die Stadt im Angebot mit dem Besuch des Mirador la Gobernadora, von dem aus man die Guantánamo Bay überblicken kann. Aber daran hatten wir kein wirkliches Interesse.
Die rund 2,5 stündige Fahrt bis Bayamo führte wieder durch die abwechslungsreiche Natur Kubas mit Unmengen an Palmen, vielen Flüssen und Zuckerrohrfeldern. Wir passierten einige kleine Dörfer, die allesamt sehr einfach gebaut waren. Aber es war Samstag und da sitzt man in Kuba gerne mit Freunden und Familie zusammen vor dem Haus und verputzt ein Spanferkelchen. Und so sind wir ein paar Mal an kleinen Grüppchen vorbei gefahren, die dem Ferkel beim Stangentanz zusahen und dabei genüsslich ihr Bier oder ihren Rum tranken.
Auf halber Strecke legte Rolando mal eben eine halbe Vollbremsung hin und kam an einem kleinen Straßenstand zum Stehen. In dem kleinen Pavillon gab es Unmengen an kleinen Kuba Bananen und Mandarinen oder Limetten und anderen Leckereien. Die Raucher waren natürlich die Ersten, die aus dem Bus sprangen. 😀 Doch nach und nach trauten sich auch die anderen und auch wenn Verena und ich „nur mal gucken“ wollten, sind wir mit einem ganzen Arm voller Bananen zurück gekommen. Eine wollte ich kaufen, zum Probieren… Eduardo hat nur gelacht und mir einen Haufen von bestimmt 7-8 Bananen in die Hand gedrückt und gemeint, ist doch nur 1 CUC. Nagut, wo bekommt man schon so viele Bananen für nicht mal 1€?? Und lecker waren die!!
Und dann kamen wir schließlich in Bayamo an. Hauptstadt der Provinz Granma mit rund 160.000 Einwohnern. Am Fuße der Sierra Maestra gelegen ist sie die zweitälteste, von den spanischen Conquistadoren gegründete Siedlung auf Kuba. Genauer gesagt wurde sie am 05. November 1513 durch Diego Velázques gegründet, damals jedoch als Villa de San Salvador. Auch Herr Carlos Manuel Céspedes, von dem schon so oft geredet wurde, ist hier geboren worden.
Laut Reiseleiter soll es hier vorrangig „neue Gebäude“ geben. Das heißt hier aber eher, dass es keine Kolonialbauten gibt 😀 Ein bisschen moderner als in den anderen Städten sah es tatsächlich aus. Bunte Bögen über den Straßen, kein Kopfsteinpflaster und große Blumen- und Palmenarrangements in der Fußgängerzone sind nur ein paar Beispiele. Wir spazierten allesamt durch die Innenstadt, sahen uns einen TDR Caribe von Innen an, also die Geschäfte, in denen die Einheimischen gegen CUC und CUP auch importierte Waren kaufen können. Und mir fiel auf, dass es hier so gut wie keine bettelnden Menschen gab. Egal wo wir bisher angehalten haben, in Sekundenschnelle standen meist Frauen mit großen Säcken an der Bustür bereit und fragten nach Seife, Shampoo oder Kugelschreibern. Auch wenn ich ihnen gerne meine Probefläschchen aus dem Hotel gab, war ich irgendwann genervt von ihnen. Denn selbst nachdem Eduardo unsere gesammelten Fläschchen auf die Frauen verteilt hatte, kamen sie weiter an und fragten nach mehr.
Bayamo ist keine wirklich touristische Stadt. Das große Highlight ist wie überall der Hauptplatz,
die Plaza de la Revolución. Hier wird er auch Parque Céspedes genannt, nach dem berühmtesten Sohn der Stadt. Natürlich findet man hier auch eine Statue von ihm. Noch ein wenig interessanter ist allerdings die Büste des Anwalts und Rebellen Pedro Figueredo auf der anderen Seite des Platzes. Denn er war es, der sowohl die Melodie als auch den Text zur „La Bayamesa“ geschrieben hat, Kubas Nationalhymne! 1868 wurde die Hymne hier in Bayamo das erste Mal öffentlich gesungen und 1902 schließlich zur Nationalhymne von Kuba erklärt. Und somit gilt die Stadt auch als „Wiege der kubanischen Nation„.
Am Ende unseres Stadtspaziergangs kehrten wir in die Casa de la Trova „La Bayamesa“ ein. Unser erster Besuch so einer Casa in Santiago war mir noch sehr positiv im Kopf geblieben und so freute ich mich eigentlich auf die zweite Runde.
Aber diesmal hatte man leider sehr stark den Eindruck, einfach nur eine von vielen Touristengruppen zu sein, denen alle 30 Minuten die selbe Show vorgeführt wird. Als wir ankamen, war die Band gerade beim letzten Song für die Gruppe vor uns und verabschiedete sich mit dem obligatorischen Hinweis, man kann auch CDs kaufen oder einfach so Geld geben. Wie überall eben 😀 Und dann waren wir dran. Zunächst wurde das Getränk des Hauses vorgestellt, ein bunter Cocktail aus Guave, Papaya und Banane. Dann kam der Hinweis, nach dem Servieren etwas abzutrinken, damit der Rum nachgefüllt werden kann. Mir war das Ganze zu stückig aber an sich erfrischend fruchtig.
Die Band spielte und immer wieder wurde man aufgefordert, aufzustehen und am Platz oder gleich vorne bei der Band mitzutanzen. Zum Glück fanden sich ein paar in unserer Gruppe, die mitmachten. Ich hätte ja gerne getanzt, bei der Musik kann man eh schlecht still sitzen, aber diesmal war mir das Ganze zu touristisch, aufgesetzt und wenig authentisch. Sicherheitshalber, um nicht zum Tanzen aufgefordert zu werden, habe ich einfach die Kamera auf die Gruppe gerichtet und gefilmt und konnte so leiiiider nicht aufstehen. 🙂 Hat den „Animateur“ aber nicht gestört, so hat er einfach direkt vor meiner Linse getanzt und Küsse durch die Kamera gesendet 😀
Nach diesem alkoholreichen und musikalischen Zwischenstopp fuhren wir weiter gen Westen bis nach Las Tunas, wo wir unser Mittagessen einnahmen. Vom Ort selbst haben wir leider nicht viel gesehen, denn wir hielten direkt vor unserem Lokal, dem „Caché„, einem italienischen Restaurant – auch mal ganz nett. Auf der Fahrt dorthin konnten wir bereits unser Hauptgericht wählen und so wurden die Speisen recht schnell serviert. Es gab Suppe, natürlich.. weil es ja so kalt in Kuba ist 😀 , dann wahlweise Hühnchen oder Pasta und zum Abschluss Eis. Das Essen war lecker und die Bedienung super nett und freundlich. Allerdings war es ziemlich dunkel und drückend im Lokal, sodass man nach dem Essen einfach nur Schlafen wollte. Die Bezahlung der Getränke gestaltete sich etwas umständlicher als nötig, aber nachdem jeder der 3 Servicemitarbeiter jede einzelne Rechnung mit dem Taschenrechner durchgerechnet hatte, konnte man auch seine paar CUCs loswerden und an die frische Luft verschwinden. Während wir auf die Letzten der Gruppe warteten, spazierten Verena, unsere Eltern und ich kurz vor zum Hauptplatz um wenigstens etwas vom Ort zu sehen. Schnell ein paar Fotos von kleinen Palmen und großen, alten Autos gemacht und ab zurück in den Bus und weiter geht’s.
Das letzte Fahrtstück bis zu unserem Zielort Santa Lucía war nochmal mit 2,5 Std angesetzt. Mittlerweile hatten wir auch die Rechnung von Eduardo durchschaut und wussten,
wenn er 2,5 Stunden sagt, werden es locker 3 😀 Ist halt alles complicado bei dem Verkehr auf Kuba! Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichten wir aber unser All Inclusive Hotel an der Nordküste von Kuba. Auf dem Weg dorthin konnte man einen wunderschönen Sonnenuntergang fotografieren und die Vorfreude auf den kommenden Badetag ließ die lange Anfahrt schnell vergessen. Diesmal wohnten wir alle im selben Hotel, was bedeutete, dass einfach mal 40 Leute eingecheckt werden mussten was sich natürlich hinzog. Aber es gab Begrüßungscocktails und der TripAdvisor Aushang mit „Excellenter“ Bewertung ließ Gutes hoffen.
Die Zimmer waren relativ schnell gefunden, Mama und Papa hausten direkt über uns, und im Prinzip waren die Zimmer voll ok. Mit dem Hotelplan in der Hand zogen Verena und ich direkt los um die Anlage zu erkunden. Erstes Ziel war natürlich die Lobby Bar. Natürlich nur, weil sie eh auf dem Weg lag, und nicht etwa, weil wir den Ai Service ausnutzen und gleich den nächsten Mojito schlürfen wollten … 😀 Mit Mojito in der Hand suchten wir also den Strand. Das war gar nicht so einfach, da die Anlage nur schwach beleuchtet war und so kamen wir irgendwo ganz am äußersten Ende der Anlage an einem Zaun zum Stehen. War wohl nicht so richtig.. Also in die andere Richtung und dann wurden wir schließlich fündig. Ein wenig unheimlich war die Aktion schon, denn es war dunkel, windig und über uns schaukelten Kokospalmen hin und her. Wenn da mal eine Nuss einen Abgang macht… da möchte ich nicht drunter stehen! Wir verlagerten unsere Erkundigungstour schließlich ins Restaurant, wo wir ein wenig überfordert mit der großen Speisenauswahl waren. Letzter Halt der Tour war wieder die Lobby Bar um den Abend bei einem Cocktail ausklingen zu lassen. Hallo, was soll man im Land des Rums sonst machen?
Zum Abschluss kamen wir noch auf die tolle Idee, die „Showtime“ zu besuchen. Hätte man sich aber sparen können… obwohl, irgendwie war es so sehr zum Kopf schütteln, dass es schon wieder lustig war. Mit großer Verspätung kam endlich eine Big (Fat) Mini Mouse auf die Bühne und zog ihr Kinderanimationsprogram mit Limbo, Tanz und natürlich Süßigkeiten zur Belohnung durch. Mit Bye Bye Mickey Mouse verabschiedete sie sich und die „Showband“ begann zu spielen. Das war das Kommando für die Kinder UND deren Eltern, die Bühne zu stürmen und zu Tanzen. Aber sie tanzten nicht etwa für sich um Spaß zu haben oder weil sie die Musik mochten. Sondern sie standen alle nebeneinander aufgereiht und tanzten ausschließlich fürs Publikum und wackelten mit den Hintern. Naja, ein wenig zu viel Selbstdarstellung für unseren Geschmack 😀 also Rückzug an die Bar. Dort trafen wir noch ein paar Übergebliebene unserer Gruppe und setzten uns dazu bis irgendwann alle in ihren Betten verschwanden.
Tag 4 – Entspannt am Strand
Nach 3 vollgepackten Tagen in Kuba war es mal wieder Zeit für etwas Entspannung. Da kam unser Strandtag gerade recht! Nachdem wir mehr oder weniger ausgeschlafen und entspannt gefrühstückt hatten, führte der Weg natürlich schnurstracks ans Meer. Bei Tageslicht sah das Ganze schon viel entspannter aus. Auch hier gab es wieder super weichen, hellen Sand und angenehm erfrischendes Wasser. Nur das ganze Seegras im
Uferbereich nervte etwas. Direkt vor uns waren am Strand zwei Hobie 15 Katamarane geparkt – die musste ich mir natürlich gleich mal ansehen. Komischerweise haben die Bötchen hier alle keinen Ausleger also Ruderpinne, aber wir haben ja gelernt, auch ohne steuern zu können. Ein kurzes Pläuschchen mit dem Wassersportmenschen ergab schließlich, dass ich alleine gar nicht fahren darf trotz Lizenz. Es darf sich aber jeder Gast kostenlos 30 Min vom Skipper herum schippern lassen – na toll.. Außerdem gibt es ca. 200m außerhalb noch ein Riff, was gleichzeitig schon die Reviergrenze darstellt. Die Tatsache, einmal im karibischen Meer gesegelt zu sein war trotzdem verlockend. Aber es blieben ja noch die letzten 2 Reisetage, die ebenfalls in einem Strandhotel verbracht werden sollten.
Und so lümmelten wir am Strand herum, aßen lecker Mittag im Strandrestaurant und plünderten die Bar 🙂 Natürlich durfte auch der obligatorische Strandspaziergang nicht fehlen. Allzu lang war der Strand ja nicht, aber trotzdem war es schön, durch den weichen Sand zu schlendern und unter Palmen hindurch zu laufen. Mit Seegras hatten leider alle Strandabschnitte zu kämpfen, die äußersten am Schlimmsten.
Als „Nicht-All-Inclusive-Kenner“ mussten wir uns immer wieder daran erinnern, dass die Getränke ja alle umsonst waren und wir nur an die Bar gehen und Nachschub holen brauchten. Und so kam es, dass ich beim Getränke holen unseren Guide an der Beach Bar traf und wir prompt bei einem Pläuschchen versackten. Die bestellten Colas wurden dann zu Cuba Libre und wanderten statt zur Sonnenliege, direkt in meinen Magen 😀 Man hat ja selten eine Uhr am Strand dabei.. Das Gespräch war aber sehr interessant so von Reiseleiter zu Reiseleiter und er erzählte mir erstaunlich viel über sich und die Arbeit sowie das Leben im Allgemeinen. Von da an verstanden wir uns super und kamen immer wieder zum Plaudern zusammen oder werteten den Verlauf der einzelnen Reisetage aus 🙂 Hätte er nicht ein paar der Gäste für einen Ausflug verabschieden müssen, wären wir sogar noch zusammen mit dem Skipper und Verena Segeln gegangen, aber so richtig überzeugt hatte mich die Cat Geschichte ja eh nicht.
Und so verging der Tag schneller als gedacht und es war schon wieder Zeit aufzubrechen. Da die Sonne leider hinter dem Strand unterging, war es relativ früh schattig und frisch. Und auch wenn wir versuchten, dem Schatten soweit wie möglich zu entkommen, mussten wir irgendwann aufgeben, sonst hätten wir im Meer gesessen 🙂 So blieb immerhin genug Zeit für einen Internetstopp in der Lobby und eine ausgiebige Dusche bevor wir schon wieder auf dem Weg zum Abendessen waren. Diesmal stiegen wir von Hühnchen und Reis auf „frisch gemachte“ Pizza um. War jetzt nicht die italienische Pizzakunst, aber trotzdem lecker und eine nette Abwechslung! Nach dem Essen versammelten sich wieder alle an der Bar. Wir hatten unser kleines Domino Spiel mit dabei und der Abend wäre eigentlich ganz unspektakulär gewesen, hätte es nicht immer wieder kleine Schauer und ab und zu sogar Sturzregen gegeben. Willkommen in der Karibik zwischen Palmen und Sturzregen 😀 Die kurzen „Trockenphasen“ wurden genutzt um auf die Zimmer zu verschwinden oder wie in unserem Fall, zur Showbühne zu wandern. Dort wartete jedoch die gleiche Selbstdarstellungsshow wie am Abend zuvor – also zurück an die Bar. Nachdem die Mojitos und Cuba Libres und Roc Santa Cruzes und wie sie alle hießen nicht besser wurden, entschieden wir uns schließlich auch, aufs Zimmer zu gehen. Der nächste Tag war proppevoll und eine lange Etappe lag vor uns. Laut Eduardo starteten die anderen Gruppen mit selbem Tagesziel schon um 6:00 Uhr in der Früh :O Das wollte er uns natürlich nicht antun und auch die von der Agentur geplante Mittagspause hatte er während unseres Gesprächs mühsam versucht umzuplanen..

Doch das alles ist eine andere Geschichte über die ich natürlich im nächsten Beitrag berichten werde. Also viel Spaß mit den Bildern und schon jetzt Frohe Weihnachten bzw. Feliz Navidad und Καλά Χριστούγεννα!