Tag 5 – Stadtbesichtigung im Fahrrad Taxi
Der Strandtag zuvor war genau richtig. Perfekt, um die Energiereserven wieder aufzufüllen und die ersten Eindrücke unserer Kuba Reise zu verarbeiten.
Die nächsten Tage sollten sehr fahrtenintensiv werden, denn der komplette Mittelteil Kubas musste durchquert werden, um nach Havanna zu gelangen. Doch bis dahin standen noch einige andere Städte auf dem Plan. Die Abfahrt war diesmal recht früh angesetzt. Und so stellte ich mir den Wecker gleich noch ein wenig zeitiger um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Da hatte ich sogar die exakte Zeit rausgesucht um auch ja die besten Fotos schießen zu können und dann war die Sonne schon längst am Himmel, als ich den Strand erreichte. Na das war ja mal eine genaue Zeitangabe, die ich da hatte… Ein paar schöne Bilder kamen trotzdem zustande.
Zurück auf dem Zimmer packten wir schnell die Koffer zusammen, schauten beim Frühstück vorbei und standen Punkt 8:30 Uhr Abfahrtbereit vor dem Hotelausgang. Bevor es losgehen konnte wurde es zum ersten Mal unruhig in der Gruppe. Irgendjemand hatte sich über die bisher immer gleiche Sitzplatzverteilung im Bus beschwert. Und so kam von Eduardo die weitergeleitete Bitte, doch die Plätze neu zu verteilen. Wäre eigentlich kein Problem gewesen aber irgendwie wurde daraus der Running Gag für die nächsten Tage. 🙂 Auf neuen Plätzen ging es nun westwärts quer durchs Land in Richtung Camagüey. Unterwegs berichtete Eduardo mal wieder über das Leben in Kuba. Diesmal über die Preise von Lebensmitteln und Klamotten und dass eine für uns einfache Jeans in Kuba ein halbes Vermögen kostet.
In Camagüey angekommen spazierten wir natürlich erst einmal gemütlich durch die Innenstadt.
Die dritt größte Stadt Kubas (ca. 330.000 Einw.) befindet sich fast genau in der Mitte des Landes und damit an den Hauptverkehrsachsen. Früher lag die Stadt, welche 1514 als „Santa María del Puerto Príncipe“ von Diego Velázquez gegründet wurde noch am Meer. Doch nach zahlreichen Piratenangriffen wurde sie ins Landesinnere verlegt. Zum Schutz vor weiteren Angriffen hat man das gesamte Straßensystem verwinkelt wie in einem Labyrinth angelegt. Den heutigen Namen trägt die Stadt übrigens erst seit 1923! Berühmt ist Camagüey vor allem für seine Tinajones, die runden, bauchigen Tonkrüge, die auch heute noch an vielen Eingängen oder in den Innenhöfen zu sehen sind. Da die Stadt oft unter Wassermangel litt, nutzte man die Krüge um das Regenwasser aufzufangen.
Erster Halt unseres Stadtspaziergangs war der Parque Agramonte, früher Plaza de Armas genannt (also Waffenplatz). Wir besichtigten die Reiterstatue, bestaunten die Kathedrale und besuchten eine Art Stadtmuseum. Eigentlich war es nur ein großer Raum, der fast vollständig von einem riesigen Modellnachbau der Stadt eingenommen wurde. Die Touristenführerin vor Ort erklärte die Entwicklung und Ausbreitung der Stadt anhand des Modells und wir erfuhren, dass die Altstadt Camagüeys 2008 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde! Nach der von Havanna soll sie die besterhaltendste von ganz Kuba sein. Im Raum befanden sich auch noch ein paar Übersichtstafeln, kleine Nachbauten von traditionellen Häusern und ein riesiger Tonkrug. Während wir nach und nach das „Museum“ verließen und auf den Rest der Gruppe warteten, quatschte ich auf dem Vorplatz mit einem älteren Kubaner. Er hatte mich kurz zuvor schon angesprochen und erzählte nun weiter, dass er in Berlin und Russland studiert hat. Für seine 80 Jahre machte er einen sehr gesprächigen und munteren Eindruck! 😀
Leider mussten wir uns jedoch verabschieden, denn das nächste Highlight wartete auf uns. Eduardo hatte eine ganze Kolonne an Fahrrad-Taxis organisiert mit denen wir nun eine Stadtrundfahrt bekommen sollten.
In keiner anderen Stadt gibt es wohl so viele Bici-Taxis wie hier. Mit 20 bunten Taxis düsten wir durch die Stadt und machten immer wieder Halt um vom Chef Radler Infos über den jeweiligen Ort zu bekommen. Unser Taxi Fahrer erzählte uns außerdem, dass alle Taxis von Künstlern bemalt wurden und damit Unikate sind. Besonders schön war der Halt auf der Plaza del Carmen, dem ältesten Platz der Stadt. Hier gab es nicht nur die Iglesia de Nuestra Señora del Carmen zu bewundern, sondern auch eine ganze Reihe an lebensgroßen Bronzeskulpturen.
Sie alle wurden von der Künstlerin Martha Jiménez angefertigt, die ihre Gemälde, Skulpturen und Plastiken vor allem den Frauen widmet. Martha Jimenez gilt als die bekannteste Künstlerin Kubas und trägt den Beinamen „Grand Dame der kubanischen Kunst“. Natürlich sahen wir uns auch ihre Ausstellung und die gesammelten Werke an und gerne hätte ich eines der Bilder oder eine Figur mitgenommen. Doch leider ist ihr Ruf genauso groß, wie der Preis ihrer Werke.. 😀 Etwas später kehrten wir zurück zu unserem Ausgangspunkt. Der Fahrer bekam seine vereinbarten 5 CUC und war ein wenig enttäuscht, dass wir nicht mehr als 2 CUC Trinkgeld dabeihatten. Aber das „cuct“ sich so zusammen, wie mein Papa immer so schön gesagt hat und irgendwann ist die Geldbörse halt leer.
Wir setzen unsere Fahrt mit dem Bus fort über Ciego de Ávila, einen weiteren Knotenpunkt auf der W-O Achse, bis wir fast schon zur Kaffeezeit an unserem Mittagsstopp ankamen. Das Restaurant „Rio Azul“ lag eigentlich wunderschön unter einem riesigen natürlichen Pavillon und war von einer Art kleinem Dschungel umgeben. Aber leider waren wir alle viel zu müde von der Fahrt und mehr als hungrig, dass das erst mal nebensächlich war.
Das kreolische Buffett war sehr gut und es gab tatsächlich mal kein Hühnchen zur Auswahl. 🙂 Als wir schließlich gesättigt waren und zu alter Stärke zurück gefunden hatten, konnten wir auch endlich die Natur genießen und ich schlenderte mit der Kamera durch die Gegend um alles festzuhalten. Kurz vor Abfahrt plauderte ich noch ein wenig mit Eduardo darüber, was eigentlich passiert, wenn jemand krank wird. Was er zum Beispiel macht, wenn sich Gäste den Magen verdorben oder gar verletzt haben und wie oft das so im Schnitt passieren würde. Ich hätte es nicht ansprechen dürfen…
Wir fuhren also weiter und erreichten schon bald das Städtchen Sancti Spíritus. Leider hatten wir kaum Zeit, sodass wir in einem Schnelldurchlauf die Stadt besichtigten. Eigentlich schade drum, denn neben der babyblauen Kirche, hatte Sancti Spiritus auch hübsche Gassen mit vielen Pferdekutschen und einen schönen Hauptplatz zu bieten. Naja, noch ein weiteres Ziel für meine ToDo Liste im nächsten Urlaub. 😉 Unser letzter Halt war etwas umstritten… Geplant war der Besuch und Aufstieg des Torre Iznaga kurz vor Trinidad.
Er befindet sich im Tal der Zuckermühlen oder „Valle de los Ingenios„, wo zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Sklaven für die Zuckerbarone schufteten. Um ihre Sklaven besser überwachen zu können, bauten die Besitzer 1816 den 43m hohen Wachturm. Eigentlich hätte man sich den Turm auch sparen können, da es bei Ankunft bereits dunkel war. Doch zum einen hatte Eduardo den Wunsch, uns wirklich „alles“ von Kuba zu zeigen und zum anderen denke ich mal, dass es seitens des Veranstalters oder anderer Mitreisender Kritik gegeben hätte, wenn der Plan nicht eingehalten worden wäre. Rein logistisch war es aber unmöglich, bei Tageslicht dort anzukommen. Naja wir liefen trotzdem das kurze Stück zum Turm, bestiegen ihn sogar und wäre es noch hell gewesen, hätte man bestimmt einen traumhaften Ausblick auf das Tal gehabt! So gab es jedoch einen wunderschönen Sternenhimmel und einen genauso starken Muskelkater, der sich schon nach dem Abstieg zeigte. Definitiv ein weiterer Punkt auf meiner ToDo Liste.
Dann endlich fuhren wir zu unserem Hotel oder besser gesagt, unserer Absteige. Das Hotel Ancon schien das Hauptquartier aller Reisegruppen zu sein, die gerade in Kuba unterwegs waren. Das Einchecken dauerte nicht nur unendlich lange, es wurde irgendwann einfach ganz weggelassen und die Schlüssel querbeet verteilt. Verena und ich hatten mit unserem Zimmer noch Glück, es war nicht das schönste aber gut. Bei unseren Eltern hingegen tropfte es an mehreren Stellen munter aus der Badezimmer Decke. Die großen Schimmelflecken daneben sowie die unverdeckte Glühbirne mit lose hängenden Kabeln machten das Ganze nicht besser. Sämtliche Beschwerden an der Rezeption brachten leider nichts außer eine Putzfrau, die immerhin den nassen Boden wischte. Der geschickte Handwerker meinte auch nur, er könne nichts tun, da steht im Zimmer drüber wohl Wasser… Auf meine Frage, ob er denn hier übernachten bzw. duschen würde antwortete er prompt: „Of Course not!“ 😀 Na Gratulation! Auf dem Weg zum Restaurant bemerkten wir auch, dass eine große Zahl an Zimmern mit Absperrbändern verschlossen waren – wie mag es da drinnen wohl aussehen?? Das Krönchen der Geschichte kam schließlich mit der Tatsache, dass das Hotel keine Zimmer mehr für unseren Guide und Fahrer hatten. Man bot ihnen zwar an, sich ein Zimmer mit 4 anderen Guides/ Fahrern zu teilen !?!? doch nach langem Hin und Her schickte man die Beiden schließlich nach Trinidad in eine Gästeunterkunft.
Das Gute an der ganzen Geschichte war, dass zum ersten Mal fast die gesamte Gruppe am Abend zusammen saß weil keiner so wirklich auf sein Zimmer gehen wollte. Wir waren scheinbar nicht die Einzigen, die Pech bei der Zimmervergabe hatten. So hatten wir immerhin mehr als genug Gesprächsthemen und dank All Inclusive und großen Tabletts voll Cuba Libre und Bier war die Stimmung allgemein doch recht gut. 🙂 Von da an saßen wir eigentlich jeden Abend mit einem Teil der Gruppe zusammen. Was die „Komfortgruppe“ gleich am Anfang geschafft hatte, setzte sich nun endlich auch im Rest der Gruppe durch und das Eis war gebrochen. Ach ja, an dem Abend stellten Verena und ich auch gleich mal klar, dass wir tatsächlich schon (weit) über 18 sind 😀 und nicht von unseren Eltern auf die Reise eingeladen wurden. Hallo, wer kann schon 10.000€ für einen Familienurlaub zahlen? War das also auch geklärt 🙂 Gegen Mitternacht gaben wir uns alle geschlagen und gingen auf unsere Zimmer.

Der nächste Tag war ebenfalls sehr lang, doch Städte wie Trinidad machten alles wieder gut. 🙂 Warum, dass erfahrt ihr im nächsten Bericht. Bis dahin wieder einmal viel Spaß mit den Fotos!