Tag 6 – In der bunten Welt der Kolonialbauten
Die Nacht in unserem „Tiefpunkt-Hotel“ war gar nicht mal soo schlecht und nachdem der erste Blick aus dem Fenster am Morgen direkt aufs Meer ging, waren wir auch gleich etwas milder gestimmt. Die Abfahrt war mit 8:00 Uhr noch früher als sonst angesetzt, aber so schlimm war der Abschied hier auch nicht 😀 Mit gepackten Koffern gingen wir direkt zum Frühstück und waren erstaunt, wie viele Gruppen um die Zeit schon wach waren. Getreu dem Motto „Toast und Spiegelei“ geht immer 🙂 , war das Thema Frühstück schnell abgehakt und wir konnten die Weiterfahrt antreten. Das nächste Ziel unserer Reise war Trinidad an der Südküste Kubas. Die Fahrt dorthin war diesmal verhältnismäßig kurz. In Trinidad angekommen fühlten wir uns von Beginn an in eine andere Zeit versetzt. Überall sah man schicke, bunte Häuschen mit den sogenannten „Flüstergittern“, breite Kopfsteinpflaster-Straßen und quietschbunte Oldtimer.
Wie viele andere Städte Kubas wurde auch Trinidad im Jahre 1514 von Diego Velázquez gegründet.
Nach Baracoa und Bayamo war Trinidad die dritte von den Spaniern gegründete Siedlung. Zu Ruhm und Reichtum gelangte die Stadt durch den Anbau von Zuckerrohr. Das benachbarte Valle de los Ingenios (wo sich auch der Iznaga Turm befindet) beherbergte einst die größten Zuckerrohrplantagen und machte Trinidad bis Mitte des 19. Jahrhundert zu DER Zuckermetropole Kubas. Doch mit dem verstärkten Anbau der Zuckerrübe in Europa verlor das Zuckerrohr an Bedeutung und spätestens mit der Sklavenbefreiung geriet die Entwicklung komplett ins Stocken. Trotz allem hat Trinidad seine vielen traditionellen Häuser gut erhalten und vermittelt immer noch das Flair vom damaligen Wohlstand. Mit der Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe 1989 wurden Trinidad und das benachbarte Zuckermühlental beliebte Touristenattraktionen und wie man sehen kann, floss ein Großteil der Gelder in die Sanierung der Altstadt.
Tatsächlich haben wir es alle sehr genossen durch die Straßen zu schlendern. Besonders schön war auch der Hauptplatz „Plaza Mayor“ mit seiner kleinen Gartenanlage und den hübschen Gebäuden drum herum. Nur ein paar Schritte vom Hauptplatz entfernt befindet sich der Palacio de Cantero. Ein kolonialer Palast mit einem großen, von Arkaden umgebenen Innenhof und vielen Zimmern, die teilweise noch die originale Einrichtung enthalten. Das Highlight war der Aussichtsturm des Palastes von dem man einen wunderbaren Blick über die Altstadt von Trinidad und die umliegende Landschaft hatte.
Als nächstes besuchten wir die Bar „La Canchánchara„, welche für sein gleichnamiges Getränk bekannt ist. In einem kleinen, runden Tontöpfchen bekamen wir das erfrischende Getränk aus Honig, Rum und Zitronensaft serviert und ich muss sagen, es war echt sehr lecker und ist für den Sommer bestimmt sehr erfrischend. Natürlich spielte auch hier wieder eine Band und gab Klassiker wie „Bésame“, „Quizas“ und „Carnaval“ von Celia Cruz zum Besten. Gespielt und gesungen haben sie wirklich gut, aber schon nach 3 Songs war Schluss und es wurden wieder die CD angepriesen oder nach Trinkgeld gefragt. So viele kleine Münzen kann man doch gar nicht bei sich haben und vor allem ständig parat um den ganzen Musikern Geld zu geben.. Die Location war allerdings super schön! Im Innern befand sich die Bar mit einem großen Raum zum Essen und Trinken. Davor lief man durch einen langen Durchgang mit Holzbänken und Pflanzkübeln und daran schloss sich ein kleiner Innenhof an, in dem sich ebenfalls Sitzgelegenheiten befanden umringt von Blumenkübeln. Direkt neben dem Eingang gab es noch einen kleinen Shop, wo man Zigarren, Rum und andere Andenken kaufen konnte. Bei dem Rum Preis musste ich einfach zuschlagen und so landete die erste Flasche Rum im Reisegepäck. Mal sehen, ob sie bis zum Abflug überlebt…
Nach diesem feucht-fröhlichen Abstecher endete leider schon unser Besuch in Trinidad. Für mich persönlich war die Stadt bisher der schönste Ort auf unserer Rundreise. Vielleicht auch, weil ich kaum Erwartungen hatte.
Zurück im Bus setzten wir unsere Reise in Richtung Hauptstadt fort und erreichten kurze Zeit später Cienfuegos, die „Perle des Südens“.
Die sechstgrößte Stadt Kubas (ca. 170.000 Einw.) befindet sich direkt an der Südküste in der großen Bucht von Cienfuegos und ist eine ebenfalls sehr schöne Stadt, die durch den Zuckerhandel zu großem Reichtum gekommen war. Nach einer kurzen Stadtrundfahrt hielten wir zunächst am äußersten Südzipfel der Stadt in „La Punta„, wo sich eins der teuersten Hotels der Stadt befindet – das Hotel Jagua. Direkt davor am Meer zeigt sich mit dem Palacio de Valle ein wahres architektonisches Schmuckstück. In der riesigen Villa vereinen sich Baustile verschiedenster Epochen und Herkünfte wie Gotik, Neoklassik und maurische Elemente. Das Gebäude gehört zum benachbarten Hotel und beherbergt ein seeehr teures Restaurant im Erdgeschoss. Eintreten darf man nur gegen eine Gebühr oder wenn man sich dort mindestens einen Kaffee bestellt. Naja, auch von außen kann man schöne Bilder machen. 😀
Nach wenigen Minuten Fahrt erreichten wir unser Mittagslokal, das „Doña Nora„. Von außen eher unscheinbar, betraten wir nach einer steilen Treppe einen kleinen aber sehr schön restaurierten Raum mit kleinen Balkonen zur Straße hin. Das Essen war super lecker und wurde dank Vorbestellung prompt serviert. Auch hier gab es natürlich wieder musikalische Begleitung mit dem Unterschied, dass die gute Frau wirklich sehr gut und angenehm sang und KEINE CDs anpries oder mit einem Hut Trinkgeld einsammelte. Ich glaube, sie hat am Ende mehr Trinkgeld von uns bekommen, als alle anderen Trinkgeld-Hascher zuvor 😀
Nach dem Essen war erst einmal Zeit für einen Verdauungsspaziergang durch die Straßen von Cienfuegos.
Auch hier zeigten sich wieder hübsche Gassen mit pastellfarbenen Häusern. Am Hauptplatz angekommen, dem Plaza Jóse Marti begutachteten wir seine Statue sowie das Teatro Terry, die Kathedrale und das Stadtmuseum, die allesamt um den Platz herum verteilt waren. Eine Besonderheit ist definitiv der auf Kuba einmalige Triumphbogen am Ende des Platzes. Ein Überbleibsel aus der Zeit der französischen Besiedlung der als Erinnerung an die ferne Heimat errichtet wurde. Generell sieht man in Cienfuegos durchaus, dass hier nicht nur die Spanier, sondern auch die Franzosen ihre Spuren hinterlassen haben.
Das war es dann aber leider auch schon mit der Stadtbesichtigung und wir traten das letzte große Stück unserer Reise nach La Habana an. Über die Autobahn, die von Reiseleiter Eduardo auch gerne „Alle-Fahrzeuge-Bahn“ genannt wird, schafften wir auch die letzten 250km und erreichten am Abend endlich die Landeshauptstadt. Die „Komfortgruppe“ wurde im schicken Melia Hotel direkt am Meer abgesetzt und für uns ging es ein paar Straßen weiter in das Doppelhotel Montehabana. Nach der Nacht in Trinidad konnte uns ja nichts mehr schocken 😀 Doch das Hotel in Havanna war tatsächlich sehr gut auch wenn die Architektur eher einer offenen Tiefgarage glich. 🙂 Nach dem Einchecken machten wir uns gleich auf die Suche nach dem Restaurant, welches sich im Nachbargebäude befand. Auch wenn wir etwas spät kamen, gab es immer noch mehr als ausreichend zu Essen und die Auswahl haute uns fast um. Soweit ich mich erinnern kann, war dies das umfangreichste Buffet der ganzen Reise.
Am Ende des Tages waren wir doch ziemlich müde. Wir schafften es gerade noch auf ein Getränk an die Lobby Bar, verabschiedeten uns dann jedoch sehr schnell ins Bett. Hinzu kam, dass mittlerweile fast jeder von uns mit Magenproblemen und anderen Wehwehchen zu tun (gehabt) hatte und ein wenig Erholung ganz gut tat.

Somit hatten wir die weite Reise von Ost nach West bereits hinter uns gebracht und warteten nun voller Spannung auf die nächsten Tage in Havanna und Umgebung. Doch das ist eine andere Geschichte…
Bis dahin wie immer viel Spaß mit den Bildern!