Valle de Viñales – Tag 8

Tag 8 – Saftiges Grün zwischen Dschungel und Tabak Feldern

Kuba ist ein extrem vielseitiges Land, wie wir in den letzten Tagen feststellen konnten. Allein in der kurzen Zeit haben wir einen großen Überblick über Kunst, Kultur und Musik bekommen und verschiedene Orte und Städte besucht. Doch allgemein betrachtet, hat die beeindruckende Natur bisher nur eine Nebenrolle gespielt. Das sollte sich nun ändern mit dem Besuch des Viñales-Tals.

Das Valle de Viñales ist ein Nationalpark im Westen Kubas in der Provinz Pinar del Río. img_6787aEs wurde 1999 von der UNESCO als „Kulturlandschaft der Menschheit“ ausgezeichnet und zählt zu den schönsten Landschaften Kubas. Hier gibt es 20 Pflanzenarten und 64 Vogelarten, die nur in diesem Teil Kubas zu finden sind. So zum Beispiel die „schwangeren Palmen“, die Barrigonas, von denen ich bereits am Anfang erzählt hatte. Charakteristisch für das Viñales Tal sind die rote Erde und die berühmten „Mogotes“. Letztere sind Kalkfelsen, die unterirdisch vom Wasser ausgehöhlt und von außen erodiert wurden. Sie können bis zu 400m hoch sein und werden von ganz Kreativen als „steinerne Elefanten“ bezeichnet. Das Gestein gehört zum geologisch ältesten Teil Kubas und entstand bereits vor rund 170 Millionen Jahren! img_7008aDas Viñales Tal ist eine der fruchtbarsten Regionen mit dem nachweislich besten Tabak von ganz Kuba, aber auch Kaffee wird hier angebaut. Wenn ich mich richtig erinnere, ist der Name Viñales auf die Tatsache zurückzuführen, dass vor vielen Jahren ein ambitionierter Winzer glaubte, der für Tabak perfekte Boden sei auch für den Anbau von Weintrauben geeignet. Er baute Unmengen an Wein an und musste sich am Ende doch eingestehen, dass dies nicht der richtige Ort dafür ist und die Winzerzukunft war Geschichte. Der Name erinnert immer noch an das „Wein-Tal“. Leider finde ich keine Quellen, die mir diese Story bestätigen und ehrlich gesagt habe ich auch keine Ahnung, woher ich das habe 😀 Aber es klingt plausibel und muss ja irgendwie in meinem Gedächtnis hängen geblieben sein. 😀

Die Fahrt von Havanna in den Nationalpark dauerte ganze 3 Stunden in denen es nur so aus Eimern goss. Der Großteil der Gruppe (mir zeitweise eingeschlossen 🙂 ) holte den Schlaf der letzten Nacht nach, was eigentlich schade war, imag1348adenn neben dem vielen Regen gab es auch mehrere Regenbogen zu sehen, teilweise sogar mehrere gleichzeitig! Später bekamen wir von Reiseleiter Eduardo wieder einige interessante Erklärungen zur Region. Zum Beispiel findet man nur hier die klassischen Tabakhäuser, die spitzen „Holzzelte“, in denen die Blätter getrocknet werden oder die Viñales Häuser mit einer ganz anderen Bauweise als im restlichen Kuba.

Unseren ersten richtigen Halt machten wir auf der großen Aussichtsplattform in der Nähe des „Los Jazmínes“ Hotels. Vom Aussichtspunkt hatte man einen wunderbaren Panoramablick auf das Viñales Tal mit seiner roten Erde und den bewachsenen Kalkfelsen und Tabakplantagen. Der Anblick war einfach überwältigend und immer wieder entdeckte man etwas Neues. Leider war das Wetter immer noch nicht so ganz auf unserer Seite. Doch kurz vor Abfahrt hörte der Regen endlich auf und wir konnten doch noch ein paar Fotos schießen. Durch die vorbeiziehenden Wolken ergaben sich immer wieder neue Schattierungen im Tal – einfach nur schön!

Anschließend fuhren wir weiter durch Tabakfelder und hohe Felsen bis zu unserem nächsten Halt, der Cueva del Indio. Die Indianerhöhle zählt zu DEN Touristenmagneten der Region und selbstverständlich waren wir nicht die einzigen Gäste dort. Doch es hat sich gelohnt, wie ich finde. Um zur Höhle zu gelangen spazierten wir zunächst durch saftgrünen Dschungel, erklommen feuchte Treppen und gönnten uns zur Stärkung frisch gepressten Zuckerrohrsaft mit einem guten Schluck Medizin 😀 Übrigens: Am Vortag hatten wir im Rum Museum gelernt, dass der erste Schluck nach dem Öffnen der Rumflasche immer auf den Boden geschüttet wird, um ihn dem Santería Gott Macho Chango zu opfern. Das gilt auch in geschlossenen Räumen. Als wir nun unseren Zuckersaft bekamen, beobachteten wir, wie der gute Mann tatsächlich den ersten Schluck vergoss, bevor der zweite in unserem Glas landete. Ist mir sonst noch nie aufgefallen…

Irgendwann erreichten wir schließlich den Eingang der Höhle und nun ging es vorbei an tropfenden Stalaktiten, teilweise sehr niedrigen Durchgängen und mysteriösen Höhlen. img_6867aAm Ende standen wir an einer Art Bootsanlegestelle wo alle paar Minuten ein Boot kam, um die Gäste über den Río San Vicente durch die Höhlen zu chauffieren. Unterwegs gab es Erklärungen zu den verschiedenen Felsformationen und was die Menschen in sie hinein interpretierten. So zeigte man uns Felsnasen in Form eines Indianerprofils oder Geistergesichts, einer Krokodilschnauze oder eines Seepferdchens. Die Ähnlichkeit war teilweise wirklich verblüffend aber man brauchte schon viel Fantasie um erst mal auf die Idee zu kommen. Die Fahrt endete mit einer haarscharfen Kurve kurz bevor es einen Wasserfall hinunter gegangen wäre. Auf dem Rückweg zum Bus schlenderten wir wieder an kleinen Holzhütten vorbei, in denen bunte Souvenirs angeboten wurden. Einen Ersatz für meine tolle Holzfigur, die mir in Santiago vor der Nase weggekauft wurde, hatte ich leider immer noch nicht gefunden.

Inzwischen war es Mittagszeit und sogar das Wetter hatte sich beruhigt und gönnte uns ein paar Sonnenstrahlen. Die Location war super kreativ und mal etwas ganz anderes. Das Restaurant bestand im Prinzip aus mehreren runden Pavillons, die alle durch einen Gang verbunden waren und von oben wie eine Rispenpflanze aussehen mussten. Das Ganze befand sich irgendwo im Nirgendwo mitten im Dschungel umgeben von riesigen Felswänden, die bis oben hin mit Palmen bewachsen waren. Da wurde das Essen selbst eigentlich fast zur Nebensache.

Nach dem Essen wartete ein weiteres Highlight auf uns. Eigentlich könnte man sagen DAS Highlight des Viñales Tals – das Mural de la Prehistoria. img_7033aDabei handelte es sich um eine 120m hohe Felswand, die mit bunten Tieren, Menschen und anderen Motiven bemalt ist. 1961 wurden sie auf Wunsch Castros vom mexikanischen Künstler Leovigildo González Morillo erstmals an die Wand gebracht und sollten die Geschichte der Evolution darstellen. Durch Regen, Sonne und andere natürliche Einwirkungen verblassen die Farben aber immer wieder, weshalb alle paar Jahre Künstler damit beschäftigt sind, sie wieder aufzufrischen. Wir hatten Glück, denn scheinbar war dies kurz vor unserem Besuch mal wieder der Fall gewesen. Ein bisschen komisch sahen die knallbunten Saurier und Menschen ja schon aus… Und scheinbar war damals auch die 1-Kind-Familie üblich, denn von allen Exemplaren sieht man stets 3 Ausführungen. 🙂 Zum Glück hatte sich das Wetter inzwischen auch stabilisiert und wir konnten tolle Fotos vor der Mauer machen, mit Sonnenschein im Gesicht und leuchtenden Farben an der Wand.

Zum Abschluss hatte Eduardo noch einen „außerplanmäßigen Halt“ eingefädelt. Das Viñales Tal ist ja wie gesagt bekannt für seinen ausgezeichneten Tabak. Da gehört es natürlich dazu, sich so eine Farm einmal anzusehen! img_7086aUnd so statteten wir einem Tabakfarmer einen Besuch auf seinem Gehöft ab, ließen uns das Tabakhaus zeigen und erklären, wie die Blätter dort gelagert und getrocknet werden. Dann demonstrierte er auch gleich, wie man eine richtige Zigarre rollt und wer mochte, konnte gleich einmal in den Genuss einer frisch gerollten Zigarre kommen. Neben dem Tabak hatte der Bauer auch noch Kaffeepflanzen, verschiedene Obstbäume und Hühner mit kleinen Küken auf dem Hof. Jetzt habe ich auch endlich mal Kaffee in der Ursprungsform gesehen und wenn ich welchen trinken würde, würde ich mir glatt eine Pflanze in den Garten stellen. 😀 Zum Abschied gab es noch Kaffee oder Tee mit Rum und ein nettes Lächeln vom Tabakfarmer.

Und schon waren wir wieder auf der „Alle-Fahrzeuge-Bahn“ auf dem Weg zu unseren Hotels. Dort angekommen hieß es schnell frisch machen und umziehen denn auch heute Abend hatte Eduardo wieder ein Lokal für uns reserviert. Nach dem Vortag waren wir sehr vorsichtig und etwas skeptisch, aber schon beim Eintreten ins „Tocororo“ verschwanden jegliche Zweifel. Ein wunderbar kleines Lokal, mit Fotos an den Wänden, kuscheliger Atmosphäre und einem bunten Rumgetränk als Einstieg. Das Essen war wirklich super, die Bedienung gut und ich wurde mal nicht zum Aufessen gedrängt. Als Langsam-Esser hat man es echt nicht leicht… Natürlich spielte auch hier wieder eine Band, aber diesmal waren es professionelle Musiker und sie waren wirklich gut! Die beiden Sängerinnen verdrehten unseren männlichen Mitreisenden den Kopf und besangen sie mit den Klassikern wie Bésame mucho und Dos gardenias para tí. Von denen verstand zwar keiner worum es geht, aber das war ja auch egal bei den Blicken und netten Tanzeinlagen. 😀 Wo bleiben eigentlich die männlichen Sänger, die mal uns Frauen besingen??

Und dann bekam ich doch tatsächlich noch einen Job in dem Lokal angeboten! 😀 Eigentlich wollte ich den Herrn am Eingang nur um Wechselgeld fragen, um der Band ein paar CUCis zu geben. Doch als er bemerkte, dass ich mehr oder weniger Spanisch spreche, wurde daraus eine lange Plauderei. Irgendwie kamen wir darauf, dass ich ja in Griechenland lebe und neben Deutsch und Englisch auch Spanisch und ein wenig Griechisch spreche. Daraufhin war er so begeistert, dass er mich direkt gefragt hat, ob ich bei ihm arbeiten möchte. Das Gehalt hätten wir allerdings noch aushandeln müssen. 😀 Rundum war es also ein sehr netter Abend, den wir auch diesmal mit ordentlich Mojito und Cuba Libre an der Hotel Bar ausklingen ließen. Eduardo plauderte ein wenig aus dem Leben der Kubaner und wir erfuhren, dass er nicht nur Anglistik studiert hat, sondern auch als Wanderführer in Kuba arbeitet. Jetzt war mir auch klar, warum er sich so gut mit Flora und Fauna auskannte. 😉

Und dann war er auch schon rum, unser zweiter Tag in Havanna bzw. im Viñales Tal. Ein vollgepackter Tag in der Hauptstadt lag noch vor uns, aber dazu später…

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Bis dahin mal wieder viel Spaß mit den Bildern!

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Kategorien: 2018/2019 | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Valle de Viñales – Tag 8

  1. Tolle Fotos und soo interessanter Bericht!
    Danke dafür!
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße!

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