Havanna Klassiker – Tag 9

Tag 9 – Von Hemingway über Zigarren zum Buena Vista Social Club

Der letzte Tag in der Hauptstadt Kubas war gekommen. Und wieder warteten ein paar ganz besondere Highlights in und um Havanna auf uns.

Mit 9:00 Uhr war endlich mal wieder eine Urlauber-freundliche Abfahrtzeit vereinbart worden. Der erste Halt war quasi nur einen Katzensprung entfernt am östlichen Eingang der Bucht von Havanna. IMG_7233aHier befindet sich auf dem sogenannten „El Morro“ Felsen die Festung „Castillo de los Tres Reyes del Morro“. Um die Bucht von Havanna und damit auch die Stadt vor Piratenangriffen zu schützen, wurde sie ab 1589 gebaut und erst 1630 fertiggestellt. Noch immer befinden sich dort 12 Kanonen mit den Namen der 12 Apostel. Und noch immer wird jeden Abend ein Kanonenschuss abgegeben als Erinnerung daran, dass früher so das Schließen der Stadttore von Havanna angekündigt wurde. Ehrlich gesagt habe ich davon an den letzten Abenden nichts mitbekommen, aber vielleicht lag unser Hotel einfach zu weit weg. Zur Festung gehört auch ein 30m hoher Leuchtturm mit einem Durchmesser von ganzen 5m. Leider konnten wir all das nur von außen betrachten, da Bauarbeiter gerade am Eingangstor werkelten und damit die Festung für Besucher gesperrt war – na toll.. Aber auch von außen konnte man sich einen guten Eindruck von der massiven Festung machen. Außerdem sah man von hier die gesamte Westküste der Bucht von Havanna.

IMG_7228aFür Eduardo war der Besuch der Festung sowie der Blick auf Havanna etwas ganz Besonderes, vor allem wegen des Datums. Denn genau an diesem Tag vor 499 Jahren, also am 16. November 1519 wurde die Stadt Havanna gegründet. Überall in Havanna kann man schon Banner für die große 500 Jahrfeier 2019 sehen. Vielleicht ein Grund, nochmal nach Kuba zu reisen? Ein paar schöne Panoramafotos später bestiegen wir wieder den Bus und fuhren zur Zigarrenfabrik von Tabacuba.

 

Ich bin ja bekennender Nichtraucher, aber die Zigarrenproduktion gehört nun einmal zu Kuba und mich interessiert es trotz allem, wie sie hergestellt werden. Angeblich kommen ja die besten Zigarren der Welt aus Kuba und tatsächlich soll jede einzelne kubanische Zigarre handgerollt sein! In der Fabrik wurden wir von einer Mitarbeiterin durch die Hallen geführt – fotografieren war strengstens verboten! In der Fabrik arbeiten 250 Mitarbeiter von denen 65% Frauen sind. Im Jahr stellen sie zwischen 20.000 und 30.000 Zigarren her. :O Die Mitarbeiterin zeigte uns die Produktionsstätten und wir sahen zu, wie die Kollegen Zigarren in den unterschiedlichsten Größen und Längen herstellten. Außerdem wurden uns die verschiedenen Tabakblätter gezeigt und erklärt, welche Blattart für welche Lage der Zigarre verwendet wird. In der Qualitätskontrolle wird jede einzelne Zigarre überprüft, nach Farbstufen sortiert und mit der obligatorischen Banderole versehen. Erst dann dürfen sie in den Verkauf. Und genau dorthin gingen wir direkt im Anschluss. In dem kleinen Shop wurde die Souvenirliste abgearbeitet und jeder deckte sich mit Zigarren, Rum und Kaffee ein – wenn nicht hier, wo dann? 🙂

Weiter ging es in den Süden Havannas zur Finca „La Vigía„, dem Hemingway Museum. Dabei handelte es sich um das Haus, in dem der gute Mann während seiner Zeit in Havanna lebte und sich austobte. IMG_7304aDie Finca hatte Hemingway 1940 gekauft und nach seinem Geschmack eingerichtet. Noch immer sieht alles so aus, wie er es damals zurück gelassen hat. In das Haus selbst durfte man nicht hineingehen, aber durch die Fenster konnten wir in jeden Raum sehen und Möbel, zahlreiche Bücher, Fotografien und Jagdtrophäen begutachten. Schon seltsam in fremde Häuser zu gucken mit all den persönlichen Überbleibseln… Der große Garten war recht gut gepflegt aber trotz allem etwas verwildert. Am unteren Ende des Gartens stand seine große Yacht „Pilar“ und fast direkt daneben konnte man es sich auf einem Gartenstuhl am Pool bequem machen. Nur das Wasser hatte leider gefehlt. 😀 IMG_7284aAuch seinen kleinen Hundefriedhof konnte man bewundern. Wir schossen noch ein Gruppenfoto vor der Finca und fuhren weiter in das Fischerdorf Cojimar. Hier war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht, denn in Cojimar lag damals Hemingways Pilar vor Anker. Hier war er immer zum Angeln aufgebrochen und hatte ein freundschaftliches Verhältnis zu den Fischern. Einer davon inspirierte ihn auch zu dem Klassiker „Der alte Mann und das Meer“.  Nach seinem Tod bauten sie ihm zu Ehren ein Denkmal und machten sein Lieblingslokal zum kleinen Highlight des Ortes. Doch von all dem bekamen wir leider nicht zu sehen. Wir kehrten lediglich in ein kleines Lokal in einer schmuddeligen Seitenstraße ein um Mittag zu essen und fuhren direkt weiter. Wenigstens das Denkmal oder die Uferpromenade hätte ich schon gerne gesehen und nach „familiärer Vorortsatmosphäre“ wie im Marco Polo beschrieben sah es auch nicht aus. 😦 Aber immerhin war das Essen sehr lecker und sehr üppig und diesmal gab es sogar einen Daiquiri als Willkommensgetränk.

Zurück in Havanna spazierten wir gemeinsam zur Bar „El Floridita„, in der Hemingway seine Daiquiris schlürfte und immer noch als Bronzestatue auf seinem Stammplatz zu finden ist. Wie schon in der „Bodeguita del Medio“ war es auch hier rappelvoll und ein Daiquiri sicher doppelt so teuer wie sonst. 😉 Für den Rest des Tages wurde uns freigestellt, ob wir in der Stadt bleiben oder zum Hotel zurückkehren wollten. Ich wäre super gerne mit unseren Eltern in der Stadt geblieben und endlich mal auf eigene Faust durch die Gassen geschlendert, aber da machte mir mein „gesundheitliches Befinden“ leider einen Strich durch die Rechnung … 😀 Naja, ich komme ja nochmal nach Havanna zurück… irgendwann…

Doch im Hotel rumsitzen wollten wir dann auch nicht und so machten Verena und ich uns auf den Weg zum Strand um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Der Weg dahin IMG_7437awar schon ein kleines Abenteuer denn auch wenn er recht kurz war, mussten mehrere große Kreuzungen überquert werden, die alle keine Ampeln oder Fußgängerüberwege hatten. Ohje, Augen zu und durch – oder besser Augen auf und los! 😀
Der Strand war eine Enttäuschung, denn statt Sand und netten Sitzmöglichkeiten gab es nur Felsen, Geröll und viel Müll und Abfall zu sehen. Wir suchten uns einen der weniger mülligen Plätze und machten immerhin ein paar richtig gute Aufnahmen vom Sonnenuntergang. Sogar ein paar Surfer waren im Wasser und hatten ihren Spaß in den Wellen. Die Fotosession war dann recht schnell beendet, da die Sonne hinter den dicken Wolken verschwunden war. Schon den ganzen Tag über war es ziemlich bewölkt und grau am Himmel und ungewöhnlich frisch gewesen.

Zurück im Hotel bereiteten wir uns auf unseren letzten Abend in Havanna vor, denn da sollte uns nochmal ein Highlight bevorstehen. Nach dem unspektakulären Abendessen im Hotel wurden wir von einer ganzen Kolonne an Oldtimern abgeholt. Das war vielleicht ein Anblick!! DSC08671aDie komplette Hoteleinfahrt war zugeparkt und alle warteten nur darauf, von uns bestiegen zu werden. 🙂 Wir entschieden uns für einen rosafarbenen Flitzer und stiegen zum ersten Mal in unserem Leben in ein Oldtimer Cabriolet. In Kolonne ging es zunächst zur „Komfortgruppe“ und nachdem auch sie Platz gefunden hatten, düsten wir quer durch die Stadt. Was für ein Erlebnis! Mit offenem Verdeck cruisten wir durch die Straßen, die Fahrer gaben ihre verrückten Hupen zum Besten und wir hatten einen Mega Spaß! Nur unser Fahrer war ziemlich langweilig. Er hupte kein einziges Mal, war im Allgemeinen sehr ungesprächig (eigentlich gar nicht 😀 ) und dann verfuhr er sich auch noch. Wie kann man sich denn in einer Kolonne verfahren?? Auf jeden Fall war die Euphorie schnell verflogen als wir durch dunkle Seitengassen fuhren und dann auf einmal an einer Straßenecke anhielten und aussteigen sollten. So richtig erklären konnte er uns nicht, was wir hier machen sollen, aber er ließ uns erst mal stehen und fuhr los. 😀

Zum Glück kamen die anderen nach und nach eingefahren und als Reiseleiter Eduardo auch angekommen war, betraten wir das große Gebäude in dem das eigentliche Highlight des Abends wartete. IMAG1383aEin paar Tage zuvor hatten wir die Wahl zwischen Tropicana Show und Buena Vista Social Club und haben uns einstimmig für die alten Herren entschieden. In meinen Vorstellungen sah ich uns in einem größeren Lokal sitzen, auf kleine runde Tische verteilt und mit einem Mojito in der Hand. Vor uns würde die Band spielen und hier und da hätten wir uns bei schummrigem Licht zu einem Tänzchen auf die Tanzfläche begeben.
Doch im Endeffekt saßen wir wie auf Biergarnituren an langen Tischen aufgereiht, in einem riesigen Raum mit Unmengen anderer Zuschauer. Die Sänger liefen ab und zu zwischen den Reihen hindurch und irgendwie kam ich mir ein bisschen wie beim Schlagerstadl auf Kubanisch vor. 😀 Die Band stand auf einem kleinen Podest in einer Ecke und direkt davor befand sich auch schon die kleine Tanzfläche. Selbst wenn man hätte tanzen wollen, war die Tanzfläche ständig mit den Tänzern belegt, die sich vorher Touristen aus dem Publikum geholt hatten und irgendetwas zwischen Zumba und Clubtanz mit ihnen vorführten. 😀

Doch auch wenn die Musik sehr laut und die Stimmung lange nicht so gemütlich war wie erwartet, war es doch ein sehr schöner Abend. Das klingt jetzt alles negativer, als es eigentlich war! 😉 Jeder von uns hatte 3 Getränke frei, obwohl ich mir fast sicher bin, dass wir auch bei der 4. Bestellung ein kostenloses Getränk bekommen hätten. 😛 Die Musik war ein bunter Mix aus Salsa, Bachata und Kubanischem Son und wenn die Tanzfläche nicht so zentral und klein gewesen wäre, hätte ich schon gerne getanzt. Immerhin musste ich unserem Reiseleiter vorher versprechen, am Abend mit ihm zu tanzen. Und auch wenn die bekanntesten Musiker der Band leider nicht mehr leben, haben wir doch gleich 3 Vertreter der Originalbesetzung live erleben dürfen! Wer kann das schon von sich behaupten? Als der Abend schließlich zum Ende kam, glaubten wir eigentlich, unserem musikalischen Fluch entkommen zu sein – aber falsch gedacht!

Der Abend im Buena Vista Social Club endete mit „Guantanamera“ – was sonst?

tag6

Und dann war sie auch schon vorbei, unsere Zeit in Havanna, der Hauptstadt von Kuba. Doch damit war noch lange nicht das Ende der Reise erreicht. Also erst mal viel Spaß mit den Bildern!
Diesmal gibt es sogar zwei kleine Videos dazu! 🙂

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Unsere Oldtimer Tour

Beim Buena Vista Social Club

Kategorien: 2018/2019 | Hinterlasse einen Kommentar

Beitragsnavigation

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Bloggen auf WordPress.com.