Endspurt! Mit unserem Besuch in Havanna war nun der größte Teil der Reise abgeschlossen und wir befanden uns wieder auf dem Weg zurück Richtung Holguín im Osten Kubas. Da sich 730 km in Kuba aber nicht an einem Tag bewerkstelligen lassen, wurde die Strecke zum Glück auf 2 Tage aufgeteilt und gleich durch ein paar weitere Sehenswürdigkeiten ergänzt.
Tag 10 – Indianerdorf und Revolutionsgeschichte
Zunächst einmal fuhren wird in den Südosten der Insel, genauer gesagt zur Halbinsel Ciénaga de Zapata.
Auf einer Fläche von fast 3.000 km² erstreckt sich hier Kubas ökologisch bedeutendstes Feuchtgebiet welches zum UNESCO Biosphärenreservat erklärt wurde. Das Sumpfgebiet ist von Flüssen und Lagunen durchzogen und mit einem dichten Mangrovenwald bedeckt. An einer der wenigen Zugangsstellen befindet sich die Krokodilaufzuchtstation und auch der Bootsanleger für die Flussrundfahrten. Die Krokofarm sorgte dabei für reichlich Verwirrung in unserer Gruppe. Bei Buchung der Reise stand sie noch im Programm, doch kurz vor Reiseantritt hieß es auf einmal, sie sei aus Tierschutzgründen geschlossen worden. Verdächtig, wo sie doch angeblich die seltenen und endemischen Rautenkrokodile schützen soll… Von unserem Reiseleiter kam dann die Info, die Anlage sei geschlossen wegen Bauarbeiten doch bei unserer Ankunft war nichts von Baustelle oder Schließung zu sehen. Den eigentlichen Grund für die Verwirrung werden wir wohl nie erfahren..
Wer mochte, konnte das kurze Zeitfenster bis zur Bootsfahrt noch überbrücken und sich die Krokos trotzdem ansehen.
Ich entschied mich eher aus Neugier dazu, sehe das Ganze im Nachhinein aber seeehr skeptisch. Neben einem sehr großen Gehege mit den großen Krokodilen gab es auch mehrere kleine für den Nachwuchs. Allerdings bestanden diese fast überall aus einem eingezäunten Betonboden mit Wasserbecken in dem gerade mal eine Pfütze an Wasser war. Und das, obwohl direkt daneben doch der Fluss verläuft – Wasser also kein Problem sein sollte. Für meinen Geschmack befanden sich auch viel zu viele Tiere in den kleinen Gehegen, lediglich die großen Tiere sahen in ihrem Gehege mit großem Sumpf relativ zufrieden aus. Etwas skurril fand ich einen Kubaner, der ein kleines Krokodil mit zugebundener Schnauze und Partyhütchen als Fotomotiv bereitstellte! Doch den Vogel schoss am Ende ein anderer Kollege ab, der auf einem kleinen Tischchen Portemonnaies aus Krokodilleder und kleine Krokotatzen verkaufte. Ob das jetzt echtes Leder war oder nicht – das war mir dann doch zu taktlos. Das ist ja, als ob man neben dem Elefantengehege seine Elfenbeinfiguren anbietet! Wo war da nochmal der Artenschutzgedanke?
Reichlich verwirrt bestiegen wir kurze Zeit später unsere Boote mit denen es dann quer durch das Sumpfgebiet ging. Mal abgesehen von der unnötig hohen Fahrtgeschwindigkeit, die kaum Möglichkeiten zum Fotografieren ließ, war die Fahrt echt schön.
Um uns herum standen Unmengen an Mangroven, Palmen und anderen Pflanzen und hier und da entdeckte man auch ein paar interessante Tiere. Das Ziel unserer Fahrt war das Dorf Guamá, welches sich auf mehrere Inseln verteilt. Auf einer davon befindet sich ein nachgebautes Indianerdorf mitten in der Lagune. Wir folgten dem Rundweg vorbei an riesigen, avatarähnlichen Figuren in den unterschiedlichsten Darstellungen, ob bei der Jagd, beim Fischen oder beim Vergnügen.. Auf der Insel und auch am Wasser waren einige Holzhütten aufgebaut, die zeigen sollten, wie die Indianer damals hier gelebt haben (und vielleicht noch leben würden, wenn Kolumbus nicht gewesen wäre 😉 ). Das Ganze war natürlich sehr touristisch aufgezogen und selbst die obligatorischen Souvenirgeschäfte haben nicht gefehlt. Doch trotzdem war es durchaus interessant das mal zu sehen und vor allem die endlose Natur der Lagune zu genießen. Mit einem neuen, authentischeren Konzept ließe sich daraus bestimmt ein tolles Open Air Museum gestalten!
Auf der Rückfahrt gab es dann auch ein paar Fotostopps um Lianen, Termitennester und Vögel zu knipsen und als Abschiedsgeschenk eine Zigarre für die Männer und eine exotische Blume für die Frauen. 🙂 Schade, dass sie die Fahrt in unserem Bus nicht überleben wird.
Zurück am Anleger fuhren wir direkt weiter zu dem kleinen Dorf Australia, welches einst ein großer Zuckerproduzent war. Die Fabrik ist zwar inzwischen stillgelegt, aber auf einem kleinen Hof sind noch ein paar Lokomotiven ausgestellt, mit denen damals der Zucker befördert wurde.
Eine davon ist dank regelmäßiger Wartung immer noch funktionsbereit. Von einem Guide vor Ort gab es Einblicke in die Zuckergeschichte und den Zusammenhang mit den Lokomotiven und dann saßen wir auch schon im Open Air Wagon der Lok und fuhren durch das Hinterland. Die Fahrt ging ein paar Minuten an Feldern und einfachen Häusern vorbei und durch das kleine Dorfzentrum hindurch und auf der selben Strecke wieder zurück. Beinahe hätte die Lok doch glatt ein Pferd umgefahren, welches auf den Gleisen Gras futterte. :O Landschaftlich war die Fahrt mal wieder sehr schön, aber natürlich blieben wir auch hier nicht verschont. Eine Gruppe von Kindern gesellte sich mit Trommeln und Klanghölzern zu uns auf den Wagen und nervte mit lauter und wirklich nicht guter Musik. Hat man denn nirgendwo seine Ruhe?? Viel bedenklicher fand ich allerdings noch die Massen an schwarzem Ruß und die großen Öllachen, welche die Lok hinterließ. Ohje.. Für die Dorfbewohner war die Bahnfahrt jedoch eine willkommene Abwechslung und als wir den Kindern am Ende kein Geld, sondern Stifte und Kullis gaben, waren sie auch ganz glücklich.
Damit setzten wir unsere Fahrt fort und landeten nach einem Mittagsstopp schließlich am Ortsrand von Santa Clara in der Provinz Villa Clara. Am Plaza de la Revolución „Che Guevara“ besuchten wir das Denkmal und Mausoleum von Che. Ende 1958 konnte dieser mit einer Truppe von nur 18 Mann einen gepanzerten Zug der Regierungsarmee am Stadtrand stoppen und somit verhindern, dass Waffen und Nachschub zur Armee des Diktators gelangen konnten. Anschließend nahmen sie auch die Stadt ein und ebneten somit den Weg zur Hauptstadt Havanna. Keine 7 Tage später flüchtete Batista übrigens aus Kuba! Die Gebeine Che Guevaras galten lange Zeit als verschollen, doch nachdem man sie in Bolivien gefunden hatte, wurden sie 1997 nach Kuba überführt und im Mausoleum beigesetzt, welches sich nun hier, am Ort seines größten Triumphes befindet.
Im Mausoleum befanden sich außerdem ein Raum mit den Profilen und Namen aller beteiligter Revolutionäre und ein Raum mit einer Art Museum über Che.
Von Briefen über Schulauszeichnungen bis hin zu Kleidung und Waffen gab es hier Einiges zu sehen. Die Zeit reichte gerade noch, um die Statue außerhalb zu fotografieren und dann fing es auch schon wieder an zu nieseln. Generell schien das Wetter nach unserem „Höhepunkt“ in Havanna langsam aber sicher schlechter zu werden.
Der letzte Stopp des Tages war passenderweise das Monumento al Tren Blindado – das Denkmal des gepanzerten Zuges. Der Zug war auf dem Weg von Havanna in den Osten und sollte wie gesagt Waffen, Proviant und auch Soldaten bringen um Batistas Regime endgültig über die Revolutionäre siegen zu lassen. Doch während eines geplanten Halts in Santa Clara zerstörte Che ca. 30m Gleise am Bahnübergang und brachte den Zug bei seiner Weiterfahrt zum Entgleisen. Nach mehrstündigem Gefecht mussten die Offiziere kapitulieren und Che Guevara feierte seinen größten Erfolg. Genau an der Stelle des Übergriffs wurde nun das Denkmal errichtet, welches aus mehreren restaurierten Originalwagons besteht, in denen Bilder der Soldaten sowie Reste der Waffen und andere Utensilien zu finden sind. Daneben steht auch der originale Bulldozer, mit dem Che die Gleise zerstört hatte.
Mit diesen Eindrücken ließen wir die Revolutionsgeschichte hinter uns und hielten auf unser vorletztes Hotel der Reise zu. Ein Glück war es schon dunkel, als wir die letzten Meter zu unserem Hotel fuhren. Doch die Schrittgeschwindigkeit und das extrem vorsichtige Fahren von Rolando deuteten an, dass wir auf ziemlich engen und steilen Wegen, irgendwo am Rande eines Stausees unterwegs waren. Die Aufklärung folgte am nächsten Morgen… Nach dem Check-in stürmten wir nur kurz ans Buffet um anschließend den Abend an der Hotelbar ausklingen zu lassen. Das Hotel war wirklich gut und vom Balkon hatte man einen wunderbaren Blick auf den Stausee!! Ein wenig traurig darüber, dass morgen schon der letzte Tag unserer Rundreise kommen würde, gingen wir schließlich zu Bett.
Tag 11 – Bootsfahrt auf dem Stausee von Hanabanilla
Der nächste Tag startete wieder recht früh, diesmal sogar gewollt. Denn bei dem tollen Blick auf den Hanabanilla See
und den Sonnenaufgang wäre man ja schön blöd, würde man sich diesen Anblick entgehen lassen. Der See lag ruhig eingebettet in der tropischen Landschaft und ganz langsam schob sich die Sonne hervor. Also Kamera positioniert und schon konnte man alle paar Minuten neue Traumfotos schießen. Ein guter Start in den letzten Tag! Nach dem Frühstück spazierten wir alle zum Bootsanleger und bekamen eine wunderbare Rundfahrt über den Stausee. Die Natur konnte einen echt umhauen! Alles leuchtete in saftigem Grün, die Palmen wuchsen wie weiße Striche die Berge hinauf und alles wirkte sehr natürlich und fast etwas surreal. Mit diesen tollen Eindrücken stiegen wir wieder in den Bus und machten uns für die lange Busfahrt bereit.
Jetzt sahen wir auch, warum Rolando am Abend vorher so langsam fahren musste. Wir fuhren tatsächlich extrem steil bergab, nur Zentimeter neben den Gewässern des Stausees vorbei und meisterten auch die vielen Schlaglöcher mit Humor. Ich fand es super, einige meiner Mitreisenden hätten aber lieber nicht gewusst, wo sie sich gerade befinden. 😀
Nach gut 2,5 Stunden machten wir den ersten Halt an einer „typisch kubanischen“ Raststätte: keine Spülung, kein Papier, kein Wasser – traumhaft! 😀 Zum Glück hatte mittlerweile jeder eine Klopapierrolle im Gepäck und Desinfektionsspray in der Tasche.
Die Mittagspause machten wir im Örtchen Camagüey, direkt gegenüber vom Atelier der Künstlerin Martha Jiménez, welches wir bereits an unserem 5. Tag besucht hatten. Das Essen war echt lecker und die Musiker diesmal sogar ganz gut. Etwas ungünstig war nur die eigentlich leckere Spezialität des Hauses – Bohnensuppe! Ja was soll ich sagen, sie machte ihrem Namen alle Ehre und sorgte mit einer langen Schlange vor der Toilette für eine verzögerte Abfahrt. 😀
Etwas schade war nur, dass wir keine Zeit hatten, noch einmal durch Camagüey zu spazieren oder durch die Souvenirgeschäfte zu schlendern. Naja, noch hoffte ich auf unser letztes Hotel und die paar Geschäfte drum herum.
Weitere 3-4 Stunden fuhren wir quer durch Kuba bis wir gegen 21 Uhr endlich unser Ziel erreichten. Die Komfortgruppe wurde in ihr schickes Hotel verabschiedet und wir bezogen ein Hotel in Guardalavaca, direkt am Strand. Dann wurde es leider sehr hektisch. Das Buffet schloss in 30 Minuten, die Rezeption kam mit dem Check-in nicht hinterher und ohne Ai Bändchen durften wir nicht zum Buffet, ein Teufelskreis. Die Verabschiedung von Eduardo fiel dadurch leider sehr kurz und knapp aus, doch es reichte um noch ein gemeinsames Foto zu schießen und letzte Kontaktdaten auszutauschen. Der nächste Kubaurlaub kommt bestimmt. 🙂
Um die Sache abzukürzen, bekamen wir einfach alle ein Bändchen und konnten somit in Ruhe essen gehen. Auswahl und Geschmack der Gerichte war diesmal wieder sehr gut und auch um die Zeit noch ausreichend. Anschließend sollten wir auf die Kofferträger warten, die uns zu unseren Zimmern führen sollten. Leider waren sie mit unserer Gruppe aber etwas überfordert und anstatt weiter zu warten, liefen wir einfach los und suchten auf eigene Faust unser Zimmer. Das hat auch super funktioniert bis ich im Flur vor unserem Zimmer eine wirklich riesige Spinne entdeckte!!! :O Papa glaubte noch, das sei eine Attrappe so groß wie sie war, aber nein, sie bewegte sich auch noch ahhhh… Allein der Körper der Spinne war so groß wie mein Handteller – kein Witz!! In der Nacht bin ich unzählige Male aufgewacht aus Angst, der Spinnerich könnte in unser Zimmer krabbeln. Dabei war er eigentlich viel zu fett, um unter der Türe durch zu passen, doch der Lüftungsschacht machte mir Sorgen.. Immerhin waren unsere Zimmer wirklich schön, vor allem schön groß mit Blick auf den grünen Garten.
Die Rundreise war hiermit leider beendet, doch uns blieben ja immerhin noch 2,5 Tage Badeurlaub bei bestem Wetter! Alles dazu und wie mein Fazit über die Rundreise ausgefallen ist, wird in ein paar Tagen in meinem letzten Bericht zu Kuba zu finden sein!

Bis dahin noch einmal viel Spaß mit Bild und Ton.