Tagesarchiv: 10/06/2019

Landrover Tour zur Nida Ebene

Es ist schon verrückt, wie schnell die Zeit manchmal vergeht. Gefühlt ist die neue Saison gerade mal ein paar Wochen am Laufen, doch tatsächlich stecken wir schon mitten drin! Wenn ich einen Blick auf meinen Kalender werfe und mir den Mai anschaue, wird mir aber auch klar woher das kommt. Keine Woche ist vergangen, ohne dass ich unterwegs war. Auf Ausflügen, zu Besuch in der Heimat oder einfach so unterwegs. Gut, dass ich Freizeitwissenschaft studiert habe und weiß, wie mit dem Freizeitstress umzugehen ist 😀

Nun war es also wieder an der Zeit, einen unserer Ausflüge zu testen um etwas Neues von der Insel zu sehen. Mit meiner Kollegin Rafaela entschieden wir uns für eine Landrover Safari in die Nida Ebene, wo ich tatsächlich noch nie gewesen bin – wie das nur passieren konnte…

Auch wenn die Startzeit nicht unbedingt die beste für einen freien Tag war, wurden wir am Morgen von unserem Fahrer und Guide Michalis abgeholt und starteten zusammen mit einem Haufen Franzosen unsere Tour. Ja, die Tour war auf Französisch und erstaunlicherweise verstand ich inhaltlich so gut wie alles. Bei Rafaela sah das etwas anders aus, glaube ich 😀 aber Michalis übersetzte so oft es ging.

Wir fuhren eine ganze Weile Richtung Westen und dann ins Landesinnere hinein immer mit Blick auf die schneebedecken Berge des Psiloritis. IMG_1214aAls wir das Dorf Krousonas erreichten, wurde es abenteuerlich. Die Straßen im Ort waren mehr als eng und steil war gar kein Ausdruck mehr für das, was uns dort erwartete. Mitten im Ort hielten wir an einer kleinen Bäckerei und bekamen frisch gebackenes Brot, welches noch so heiß und frisch war, dass man es gar nicht anfassen konnte. Damit ausgestattet fuhren wir auf steilen Schotterpisten immer weiter bergauf zu einem kleinen Grundstück auf dem sich eine Taverne, ein paar Gästezimmer und eine kleine Kapelle befanden. IMG_1231aDazu ein bunter Garten mit Kräutern, Obstbäumen und Blumen und einem Ausblick, der einen sprachlos macht! Hier traf unser Brot auf hausgemachtes Olivenöl mit Salz und Oregano und schon hatten wir den ersten Snack des Tages zubereitet. Zum wach werden bekamen wir noch einen leckeren Bergtee serviert und auch der Raki durfte natürlich nicht fehlen. Frisch gestärkt erkundeten wir die Umgebung und konnten uns gar nicht satt sehen an den ganzen Olivenbäumen und Weinbergen vor unseren Augen. Irgendwo ganz hinten am Horizont tauchte unsere Hauptstadt Heraklion auf, die so weit entfernt schien, obwohl wir erst vor einer Stunde dort gewesen waren. Hier oben habe ich auch zum ersten Mal Mandelbäume gesehen und wie die eigentliche Mandelfrucht aussieht! Wieder was gelernt..

Die Fahrt führte weiter durch die Berge an der Nida Ebene entlang. Unterwegs trafen wir natürlich auf Ziegen und Schafe und auch die IMG_1275ahier typischen Mitatas bekamen wir zu Gesicht. Das sind kuppelförmige Steinhäuser, die den Hirten als Zufluchtsort und Übernachtungsmöglichkeit dienten. Noch heute sieht man sie überall herumstehen. Schließlich hatten wir uns auf stolze 1.540m Höhe hochgeschraubt und standen nun vor der vielleicht heiligsten Höhle Kretas! Der Ideon Andron Höhle oder auch Ida Höhle am östlichen Rand des Psiloritis. Hier soll der Legende nach der Göttervater Zeus geboren worden sein. Ahhh! 🙂 In der Höhle wurden einst Opfergaben wie Schmuck, Speerspitzen und Siegel aus minoischer bis römischer Zeit gefunden. Die Höhle war schnell erkundet. Nach ein paar steilen Stufen stand man in einem großen, feuchten und tropfenden Raum und hier und da konnte man einen Blick in die folgenden Räume erhaschen. Insgesamt sollen es 3 Räume sein, die aber nicht alle zugänglich sind. Und während wir uns umsahen, plauderte Guide Michalis im Geiste ein wenig mit Zeus 🙂 Wer die richtigen Connections hat…

IMG_1391aNicht weniger spektakulär war allerdings die Tatsache, dass direkt neben uns Schnee lag!! Bis nach Milatos kann man die schneebedeckte Kuppe des Ida Gebirges sehen und nun stand ich doch echt mitten drin – unglaublich! Durch den vielen Südwind der letzten Wochen, welcher Staub und sandige Luft mit sich brachte, war der Schnee jedoch leicht beigefarben. Aber ich hatte doch tatsächlich Schnee in meinen Händen! Und dass Ende Mai in Shorts und T-Shirt! Mein erstes kleines Highlight des Tages 😀

Mit diesen Eindrücken schraubten wir uns wieder hinab in die Nida Ebene wo wir eine ganze Weile durch die Gegend cruisten und Schafen beim Grasen zusahen. Außer Grasland und ein paar Bäumen IMG_1453aund Büschen wächst hier oben nicht viel, als Weideland ist es jedoch perfekt. Fast am Rande der Ebene hielten wir für eine tolle Fotopause mit Schafen, Bergen und viiiel Grün! Herrlich. Ähnlich wie in der Lassithi Ebene hat man auch hier das Gefühl, in einem Kessel zu stehen bei dem man nur die Ebene und die Berge drum herum sieht. Die Ebene ist ja auch gerade einmal 2×3 km breit. Besonders beeindruckend fand ich die Stille hier! Alles schien harmonisch und im Gleichgewicht zu sein und von Müll und Plastik war weit und breit nichts zu sehen. Wenn das Meer nur nicht so weit weg wäre..

Noch eine ganze Weile konnten wir die wunderbare Natur und den traumhaften Ausblick genießen. Unser Guide Michalis konnte übrigens nicht nur mit Zeus plaudern, er kommunizierte auch mit den Pflanzen und fand so heraus, dass es in 1-2 Wochen regnen werde. Ja nee is klar, dachte ich mir aber wer weiß.. Und dreimal dürft ihr raten, was letzte Woche passiert ist!? Nichtsahnend saß ich an meinem Reiseleiter Tisch im Hotel und wurde von einem Rauschen aus meinen Träumen geweckt. Aus heiterem Himmel fing es auf einmal an zu regnen, mitten am Tag und ohne Wolken in Sicht! :O Und da wusste ich, der Michalis hat’s echt drauf! 😀 Aber wer seit zig Jahren Wanderguide ist und die Natur in und auswendig kennt, wird schon wissen wovon er redet!

Aber zurück zu unserer Tour! Grüne Weiden zogen vorbei und wie aus dem Nichts tauchte eine bunte Blumenwiese auf! Roter Mohn, gelbe Butterblumen und weiße Margariten strahlten um die Wette und sorgten für einen bunten Farbtupfer mitten im buschigen Bergland. IMG_1530aKurze Zeit später erreichten wir das berühmt berüchtigte Dorf Anogia. Ich habe ja schon viel gehört von den Einwohnern dort, die alle etwas eigen sein sollen. Fast jeder dort soll eine Waffe besitzen und „Bergmenschen“ sind ja an sich immer etwas mürrischer. Bei der Geschichte ist dies jedoch nicht wunderlich. Anogia war im 2. Weltkrieg ein Zentrum des Widerstandes gegen die Deutschen, welche mehrmals die Bewohner angriffen und schlussendlich das gesamte Dorf zerstörten. In einem Befehl hieß es, das gesamte Dorf solle zerstört und jeder männliche Einwohner im Umkreis von einem Kilometer getötet werden. Ganze 117 Einwohner wurden ermordet! Soviel zumindest verrät Wikipedia 😉 Da wundert es nicht, dass die heutigen Bewohner sich von niemandem etwas vorschreiben lassen und zur Sicherheit immer noch eine Waffe im Haus haben.

In einer Taverne oberhalb des Ortes wurden wir erst einmal mit leckeren Köstlichkeiten versorgt. Es gab allerhand griechische Vorspeisen wie Saganaki, Weinblätter IMG_1544aund Salat aber auch Unmengen an Fleisch und leckeren Ofenkartoffeln. Auch an Wein und Raki wurde nicht gespart. 🙂 Der Tavernenbesitzer schien schonmal ganz nett zu sein und wir waren froh, einen Kontakt im Ort zu haben. Man weiß ja nie … 😀 Dann fuhren wir hinab zum Dorfplatz und konnten uns etwas umsehen. Und natürlich waren die Bewohner hier alle sehr nett und freundlich und überhaupt nicht mürrisch. Da habe ich schon andere Griechen getroffen… Mitten im Zentrum befindet sich das kleine Haus von Nikos Xylouris, dem bekanntesten Sänger und Lyra Spieler Kretas! Seine Familie ist nicht nur unheimlich groß, sie zählt auch zu den wichtigsten und bekanntesten Musikerfamilien des Landes und hat die kretische Musik auch außerhalb der Insel bekannt gemacht! Der berühmte Nikos ist leider vor knapp 40 Jahren an Krebs gestorben, doch noch immer pilgern viele Griechen zu seinem Haus, in dem sich ein kleines Minimuseum mit Bildern, Konzertpostern und CDs befindet. Und ich war da gewesen wuhuu 😀 Und abschließend bekamen Rafaela und ich noch einen Raki vom Sohn Lambros ausgegeben. Läuft, würde ich sagen!

Nebenan im kleinen Kafenion probierten wir leckeres, hausgemachtes Eis aus Schafsmilch welches unglaublich cremig und überhaupt nicht nach Schaf schmeckte. Im Kafenion hing auch ein Stammbaum der Familie der so unheimlich groß war, dass gefühlt das ganze Dorf verwand sein musste!! Die Aufzeichnungen wurden amtlich beglaubigt und reichen hunderte von Jahren zurück. Und wenn man den Männern ins Gesicht sah, konnte man sogar bei allen eine Ähnlichkeit feststellen.

IMG_1580aDamit endete dann auch schon unsere Zeit in den Bergen. Wir schraubten uns wieder die Berge hinab und hielten noch ein letztes Mal im Ort Fodele, wo der berühmte Maler El Greco geboren wurde. Vor einigen Jahren hatte ich mir ja bereits sein Geburtshaus mitsamt Ausstellung angesehen. Nun also spazierten wir durch den kleinen Ort, betrachteten die vielen Handarbeiten der Frauen und fotografierten bunte Libellen am Fluss, der quer durch den Ort und schließlich am Strand von Fodele ins Meer fließt.

Und dann befanden wir uns schon wieder auf dem Heimweg. Nach und nach setzten wir unsere Mitreisenden an ihren Hotels ab, bis ich am Ende ganz alleine übrig blieb. Bis zum Ende plauderte ich mit Michalis und bin nun schwer beeindruckt! Anfangs war ich noch etwas skeptisch, da er viel ruhiger und seriöser schien, als der Guide von meiner Lassithi Tour im letzten Jahr. Doch gleich zu Beginn der Tour änderte sich das und wir waren alle sehr angetan von seinem Wissen rund um die Pflanzen- und Tierwelt und auch zur Mythologie und Geschichte. Man merkt, dass er eine starke Verbindung zur Natur hat, nicht nur, weil er langsam durch die Landschaft fuhr um keinen Staub aufzuwirbeln oder Tiere beim Fressen zu stören.

Route Nida

Die Route wurde leider erst ab Krousonas aufgenommen

Insgesamt war es ein gelungener und sehr interessanter Ausflug bei dem ich mal wieder neue Seiten der Insel entdeckt und viel Neues dazu gelernt habe! Und dafür steht man auch gerne mal früher auf 😀

In diesem Sinne viel Spaß mit den Bildern und vielen Dank an Michalis und Rafaela für den tollen Tag! 🙂

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Kategorien: Kreta 2019 | Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.