Auf Entdeckungsfahrt im Westen

Kaum zu glauben, aber schon wieder sind ein paar Wochen vergangen mit neuen Erlebnissen und Abenteuern, über die es zu berichten lohnt. Und da ich diesmal zufälligerweise gleich 2 freie Tage am Stück bekommen hatte, startete ich mal wieder einen kleinen Roadtrip quer über die Insel.

Tag 1

Mein erster Halt war das kleine Dörfchen Tylissos, ein paar Kilometer südwestlich von Heraklion. IMG_1661Schon die Fahrt dorthin war ein Augenschmaus bei den ganzen Weinbergen und Olivenhainen. Irgendwann realisierte ich auch, dass dies der selbe Weg war, den wir zuvor bei unserer Landrover Tour genommen hatten 😀 In Tylissos besuchte ich die Ausgrabung der alten minoischen Stadt von Tylissos, die zwischen 1650 und 1450 v. Chr. ihre Hochzeit erlebte. Danach wurde die Stadt zerstört. Man baute sie zwar wieder auf, doch gute 250 Jahre später war es damit auch vorbei. Übrig geblieben sind die Ruinen von 3 Anwesen, die ganz kreativ mit den Namen A, B und C versehen wurden. 🙂 Auch wenn nicht mehr allzu viel davon übrig geblieben war, konnte man sich doch sehr gut die Aufteilung der verschiedenen Räumlichkeiten vorstellen und sogar einige Treppen begutachten. Dazu noch ein paar alte Tonkrüge, ein Kanalisationssystem und ein paar Säulenreste und schon hatte man die Anlage erkundet. Zu Beginn der Ausgrabungen hat man hier wohl beeindruckende Bronze Figuren entdeckt und glaubt daher, in Tylissos ein bedeutendes Bronze Zentrum der damaligen Zeit gefunden zu haben.

Die Ausgrabung von Tylissos scheint eher unbekannt zu sein. Mit mir zusammen waren nur 2 weitere Männer vor Ort, also eine sehr ruhige und entspannte Angelegenheit. Wären da nicht die Anrufe aus den Hotels gewesen… Aber nix da, ich habe frei und das wissen die auch! Es folgte noch ein kleiner Spaziergang durch den Ort selbst, aber das ging relativ schnell da er nicht sonderlich groß war. 😀

Und so fuhr ich weiter zu meinem nächsten Ziel, den ominösen Kourtsa Rocks im Rock Sculptur Park. IMG_1859aDabei handelt es sich um ein paar Felsen mit beeindruckenden Formationen, die durch die Erosion von Kalkstein in Millionen von Jahren entstanden sind. Solche senkrecht stehenden Steingebilde findet man überall in Kreta verteilt, in der Region um den Psiloritis allerdings häufiger. Laut meiner Entdecker App, sollte dort eine „Very good Dirty Road“ hinführen.. Für very good war das teilweise aber echt ganz schön dörti und mein IPI war ordentlich am Schaukeln. Aber mit einem ehemaligen Jeep Guide am Steuer, hat auch IPI die Offroad Pisten überwunden. Als Belohnung stand ihm immerhin eine ausgiebige Autowäsche in Aussicht. 😀 Abgesehen von ein paar Ziegen sind wir hier allerdings niemandem begegnet. Nachdem wir schließlich komplett durchgeschaukelt und eingestaubt waren, erreichten wir endlich wieder eine normale Straße und landeten direkt in einem Weinberg, was für ein Anblick! Vor allem mit den schneebedeckten Gipfeln des Psiloritis im Hintergrund!

Über Unmengen an Serpentinen ging es in Null komma nichts von knapp 600 Höhenmeter auf 20m hinab und auf direktem Wege nach Bali. IMG_1891aDer kleine Ort Bali ist für mich ja immer ein kleines Stück Kindheitserinnerung! Viele Urlaube haben wir damals als Familie dort verbracht und auch wenn sich der Ort vom kleinen, schnuckeligen Fischerdorf zum modernen Touristenresort gewandelt hat, komme ich doch immer wieder gerne hier hin um alte Bekannte zu besuchen. Die Zeit reichte noch für einen kleinen Spaziergang durch den Ort und ein kleines Schläfchen am Strand mit anschließender Abkühlung. Und dann war ich auch schon auf dem Weg zur Endstation des Tages, meinem kleinen Hotel in Skaletta. IMAG3360aSagen wir mal so, es war günstig und praktisch gelegen für die Weiterfahrt aber mehr auch nicht. Das Zimmer ging zum Highway raus, auf dem gefühlt die ganze Nacht und vor allem am Morgen der Verkehr rollte und ein wirklicher Ort ist das auch nicht gewesen. Am Abend fand ich dann trotzdem noch eine Taverne direkt am Meer und bei griechischem Wein und einem tollen Sonnenuntergang war das Leben einfach nur schön. 😀 Glückselig schlenderte ich zurück zum Hotel (torkeln wäre übertrieben gesagt 😀 ) und fiel müde und geschafft ins Bett.

Tag 2

Der neue Tag startete recht früh, dank Autobahn vor dem Balkon, aber ich wollte eh wieder auf Tour gehen. Nach dem kurzen Frühstück sah ich schnell auf einen Besuch im Creta Marine Hotel vorbei, wo mein „Telefonschüler“ Ralf arbeitet. Ralf ist ein langjähriger Reiseleiter, der ab und zu mit den Tücken des TUI IPads kämpft und daher regelmäßig am Telefon eine Nachhilfestunde von mir bekommt. 😀 Diesmal holte ich mir meine versprochene Bezahlung ab in Form von viiiel selbstgemachtem Olivenöl – da sagt man doch nicht nein. 🙂 Und dann ging es wieder auf die Straße gen Westen.

Nach einer knappen Stunde kam ich ziemlich genau in der Mitte der Akrotiri Halbinsel vor Chania zum Stehen. IMG_2067aUnweit vom Flughafen befindet sich hier das Kloster Tzagarolon Agia Triada aus dem 16. Jahrhundert. Es ist eines der reichsten und schönsten der gesamten Insel. Bisher war ja das Kloster Arkadi mein absoluter Liebling, aber hier habe ich mich tatsächlich neu „verliebt“. Die Anlage ist wunderschön aufgeteilt und über und über mit Pflanzen und Blumen aller Art bewachsen. Es leuchtet wirklich in allen Farben und geht man ein paar Schritte weiter oder dreht sich um, hat man schon das nächste Fotomotiv vor der Nase. Ich konnte mich gar nicht daran satt sehen! Im Kloster gibt es ebenfalls ein kleines Museum mit Original Schriften, Priestergewändern und Zubehör und vielen Ikonen und Bildern.  IMG_1954aDer Reichtum des Klosters beruht auf den vielen selbstgemachten Produkten der Mönche, welche auch exportiert werden. Dazu gehören natürlich Olivenöl, Wein, Honig oder Olivenseife. Und noch immer ist das Kloster bewohnt und wird von seinen Mönchen gepflegt. Mit einem davon habe ich mich beim Losgehen noch unterhalten. Schon am Morgen, als ich ihn freundlich gegrüßt hatte, ließ er mich ohne zu bezahlen durchgehen. Auf dem Rückweg dann erzählte ich ihm, wie sehr mir das Kloster gefällt und wir plauderten ein wenig über Arkadi und dieses Kloster, dass und wie lange es bewohnt ist und was die Besonderheiten sind. Erstaunlicherweise haben wir das alles ausschließlich auf Griechisch hinbekommen. 🙂

Vor dem Kloster, in einem Seiteneingang entdeckte ich noch eine weitere Tür und fand mich kurz später im kleinen Geschäft des Klosters wieder. Im Nebenraum waren uralte Gerätschaften wie Olivenpressen, Weinkrüge und vieles mehr ausgestellt. Neugierig wie ich bin, ging ich bis zum Ende des Raums durch und stand auf einmal in einem Weinkeller in dem Unmengen an Fässern lagerten. Der Besitzer sprach mich prompt an und verriet, dass es noch einen weiteren Raum geben würde und führte mich hinein. Wir landeten in einem schlichten Raum, in dem ein riesiger Tisch mit Weingläsern aufgebaut war und der durch das warme Licht aus den Fenstern geheimnisvoll ausgeleuchtet wurde. Hier werden Weinseminare und Verkostungen abgehalten, eine super Location! Vom Besitzer bekam ich gleich noch die Geschichte des Klosters erklärt und wie die Weinverkostungen hier ablaufen. Ich wäre am liebsten gleich dageblieben. 😀

Aber der Tag war noch jung und mein Tagesplan lang, also ab zurück ins Auto und auf direktem Wege an die Nordostküste der Halbinsel. Nur ein paar Minuten hinter dem Dorf Chordaki wartete nämlich eine kleine Attraktion Kretas, der Stefanou Beach, besser bekannt als „Seitan Limania„. IMG_2149aDurch die außergewöhnliche Zick-Zack Form ist die kleine Bucht weltbekannt und taucht in unzähligen „Insider Tipps“ von Kreta auf. Schon lange wollte ich mir den Strand ansehen, aber im Hochsommer ist es dort immer mehr als überfüllt. Anfang Juni schien jedoch perfekt, denn auch wenn viele Autos auf dem Parkplatz standen, war der Strand verhältnismäßig ruhig. Vom Parkplatz gelangt man über einen schmalen, steinigen Weg steil bergab zum Strand, wo man inmitten von Oleanderbüschen ankommt und erst mal überrascht ist, wie klein der Strand eigentlich ist. Von oben sieht er doch etwas größer aus. Unten angekommen führt die Bucht in einer Zick-Zack Form aufs Meer hinaus, umgeben von meterhohen Steilwänden, die gerne zum Klippenspringen genutzt werden. Normalerweise soll die Strömung hier sehr gefährlich sein und ich habe Videos gesehen, in denen schon ein bisschen Wellengang außerhalb der Bucht, für starke Flutwellen innerhalb gesorgt hat. Ich hatte jedoch Glück, einen ruhigen Tag erwischt zu haben und bei entspannt flachem Wasser konnte man an den Wänden entlang tauchen und das unglaublich klare und leuchtend blaue Wasser genießen. KODAK CameraUnd nicht zu vergessen ist der lustige Ziegenbock, der den ganzen Tag von Handtuch zu Handtuch lief, um sich etwas zum Essen zu ergaunern. Von einigen Touristen bekam er wenigstens etwas Wasser zum Trinken, welches er dankend annahm. Nachdem Strand und Wasser ausgiebig begutachtet wurden, ein Schläfchen am Strand war auch noch drin, machte ich mich auf den Rückweg. Seitan Limania ist definitiv einen Besuch wert, allerdings lange kein Geheimtipp mehr und spätestens ab Juli mit Sicherheit mehr als überlaufen. Nun konnte ich das Ziel auch von meiner Liste streichen. Der Name Seitan Limania soll übrigens von „Satan Limani“ abgeleitet worden sein, also auf Deutsch „Teufelshafen“, allerdings eher aufgrund der Form, die einem Blitz gleicht. Früher soll der Strand jedoch Piraten Schutz geboten haben, sowohl optisch als auch vor Wind und Wellengang.

Als letztes Ziel des Tages war ein Besuch des Dörfchens Stavros auf der Westseite geplant. Vor genau 55 Jahren wurden hier am Strand vor dem markanten Felsen Szenen des Klassikers „Zorba the Greek“ gedreht und damit auch der uns heute bekannte Sirtaki geboren. IMG_2200aNach meinem Spaziergang durch das Dorf und am Strand entlang landete ich zufällig in der Taverne, in der sich damals die Filmcrew regelmäßig zum Essen und zum Besprechen des Tagesablaufs getroffen hatte. Einige Originalfotos in der Menükarte sowie ein großes Banner am Hauptstrand berichten noch davon. Ansonsten ist im Örtchen nicht viel vom Touristenrummel zu sehen. Der Strand liegt wie eine kleine Lagune vor der Felswand und auch der Hafen befindet sich direkt daneben. Es gibt sogar einen lokalen Bus, der regelmäßig von und nach Chania fährt. Ich gönnte mir zum Abschluss einen Joghurt mit Honig und schnappte die letzten Sonnenstrahlen und dann war es auch schon Zeit aufzubrechen.

Knapp 200km lagen vor mir, von Google großzügig mit 3,5 Std Fahrtzeit kalkuliert. Ich schaffte es zwar deutlich schneller nach Hause, aber auch so war ich mehr als müde und geschafft, als ich ankam. Vom klebrigen Gemisch aus Salz und Sonnencreme auf der Haut mal ganz abgesehen. Die beiden Tage waren super schnell vergangen und doch habe ich wieder einmal unheimlich viel Neues entdeckt und die Insel besser kennen gelernt. Danach brauchte ich aber erst mal ein paar freie Tage ohne Unternehmungen und lange Autofahrten … 🙂

Route West          Route Akrotiri

Bis zum nächsten Abenteuer!
Viel Spaß mit den Bildern!

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Kategorien: Kreta 2019 | Hinterlasse einen Kommentar

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