Kritsa Schlucht – oder, die wandernde Tomate

Beinahe wäre der Juli verstrichen, ohne auch nur einmal auf Tour gewesen zu sein! Wie konnte das nur passieren?? 😀 Sagen wir mal so, Anfang des Monats war ich gesundheitlich zum runterfahren gezwungen worden und danach war ich einfach zu faul. 🙂 Ein Spaziergang durchs Dorf oder mal ein Tag am Strand reichen ja auch schon aus, um den freien Tag entspannt zu genießen.

IMG_2516aDann Ende Juli allerdings meldeten sich wieder die Hummeln im Hintern und wollten die überschüssige Energie ablassen. Der perfekte Ort dafür war schnell gefunden, denn die Kritsa Schlucht stand schon lange auf meiner Wunschliste. Kritsa liegt im Osten Kretas, ca. 20 min außerhalb von Agios Nikolaos auf knapp 270m Höhe. Bekannt ist das Dorf für seine ganzen Handarbeiten. Die Straßen hängen voll mit selbst gehäkelten Decken und Kleidungsstücken, schöne Keramiken oder Schmuckstücke werden angeboten und natürlich die ganze Palette an griechischen Delikatessen. Diesmal war jedoch nur ein kurzer Dorfspaziergang drin, denn eigentlich wollte ich ja zur Schlucht!

Und dafür hatte ich mir leider den ungünstigsten Abschnitt des Tages ausgesucht – die Mittagszeit. Aber wer will an seinem freien Tag schon früh aufstehen? Naja, mit Sonnencreme und Hut und ausreichend Wasser war ich immerhin gut ausgestattet. Diesmal war zum ersten Mal sogar mein kleiner Müller Wanderführer dabei. Das Büchlein lag in der „Bibliothek“ einer meiner Hotels und hat mich ganz traurig angesehen, da konnte ich nicht widerstehen. Und nun erwies es sich als überaus hilfreicher Wanderbegleiter.  Kommt mit und folgt mir auf meinem wortwörtlichen Bergauf und Bergab während der Wanderung!

Mittags um halb 1 startete ich meine Wanderung am unteren Eingang von Kritsa. Laut Wanderführer sollte hier ein Strommast stehen, von dem es links in Richtung Flussbett hinabgeht. IMG_2419aEinen Strommast fand ich auch, allerdings nicht den richtigen 😀 und so lief ich erst einmal verwirrt und unsicher den Weg entlang. Der Richtige folgte jedoch einige 100m später und es konnte losgehen. Die Tour startete direkt abenteuerlich mit steilen Passagen über kleinere und größere Felsen. Teilweise war der Weg so stark bewachsen oder von den Felsen begrenzt, dass man echt gut auf seinen Tritt achten mussten. Aber alles machbar und auch für Kinder ab einer gewissen Größe zu schaffen. Ab und zu versperrten ein paar Drahtzäune den Weg, die jedoch die besten Zeiten hinter sich hatten und daher offen standen oder niedergedrückt waren und man problemlos hindurch oder vorbei gehen konnte.

Dann wurde es spannend, denn es mussten ein paar größere Felsen überwunden werden. Hierfür hat man freundlicherweise dicke Eisengriffe in den Felsen gebohrt, an denen man sich festhalten und absichern konnte. IMG_2451aEinmal gab es sogar einen langen Strick um sich hinauf zu ziehen. Eine spaßige Angelegenheit mit immer wieder tollen Fotomotiven durch die ständig wechselnden Felsformationen. Unterwegs kamen mir bis dahin gerade mal 4 Personen entgegen. Allerdings kamen mir die Wanderpaare entgegen, was mich etwas verwunderte, da die Wanderung ja eigentlich ein Rundweg war. Aber ich ließ mich davon nicht beirren und wanderte munter weiter. Der Wanderführer war super praktisch. Die einzelnen Abschnitte waren genau beschrieben mit Zeit- und Entfernungsangaben und einer groben Beschreibung der Umgebung. Doch nach ungefähr 1,5 Stunden war ich doch etwas verwirrt. Statt im Flussbett befand ich mich auf einmal auf einem Nebenweg hinter einem Zaun. Hätte ich mich nicht eigentlich davor befinden müssen? Von den angekündigten blauen Schildern zur „Bar Tapes“ habe ich auch nichts gesehen. hmm.. Da der Weg am Zaun entlang eher nach links ging, bei meiner nächsten Etappe aber eine Abbiegung nach rechts VOR dem Zaun geplant war, suchte ich nach einem Ausweg. Ich entschied mich kurzerhand dafür, über den Zaun zu springen und fand dazu einen Olivenbaum direkt am Zaun an dem ich erst hochkletterte, um dann schließlich über den Zaun springen zu können. 😀 Dann bin ich wohl doch keine Bergziege – oder hat jemand schonmal eine Ziege über den Zaun springen sehen?

Als endlich das besagte Tor im Zaun erreicht war, hatte ich die Hälfte der Strecke hinter mich gebracht. Von nun an verließ ich das Flussbett und mühte mich stetig bergauf von fast 400m auf 450m in nur 15 Minuten. Auch wenn der eine oder andere Baum herum stand, gab es jetzt lange nicht mehr soviel Schatten wie im Flussbett und ich nutzte jeden Baum für eine kleine Trinkpause. Schade eigentlich, dass hier keine anderen Wanderer unterwegs waren. So kam man sich doch schon ein wenig verloren vor und bei ca. 35°C macht man sich dann auch so seine Gedanken…

Die höchste Stelle war mit 450m überwunden und durch trockenes und dorniges Gestrüpp, hier Macchia genannt, ging es durch eine kleine Hochebene vorbei an leeren Schaf- und Ziegenställen. IMG_2481aUnd dann war der abenteuerlichste Teil schon beendet, denn den Rest der Strecke ging es über einen trockenen Fahrweg zurück nach Kritsa. Hier gab es auch endlich wieder die roten Wegmarkierungen und in einer Rechtskurve, kurz bevor es bergab geht, tauchte auf einmal das Dorf Kritsa auf und bot einen wunderbaren Anblick auch auf die Umgebung. Ein letzter Zaun musste noch passiert und ein steiniger Schotterweg hinabgegangen werden und schließlich fand ich den ominöse Strommast wieder und die Rundtour war (fast) beendet. IMG_2515aFreudig und auch etwas erleichtert streckte ich die Faust in die Luft, die Zivilisation hat mich wieder. 😀 Damit war es nur leider noch nicht getan, denn mein Auto stand ja mitten im Dorf auf dem Parkplatz und der Weg dorthin war beinahe anstrengender, als große Teile der Wanderung. Es ging wieder bergauf, den glühenden Asphalt unter mir und stehende Hitze über mir. Eine Tomate hätte den Farbvergleich gegen meine Gesichtsfarbe locker verloren. 😀 Aber trotz Sonnenschutz durch Hut und Creme und ausreichend Wasser war ich ein wandelnder Heizpilz. Ich habe ja bereits eingesehen, dass die Mittagszeit nicht unbedingt der beste Tagesabschnitt zum Wandern war (ist)…

Aber es hat sich gelohnt, denn endlich kann ich die Kritsa Schlucht von meiner Wunschliste streichen und meinen Gästen nun genauer erklären, wo ich sie da eigentlich lang schicke. In gerade einmal 3 Stunden hatte ich rund 8,50 km hinter mich gebracht, mehr als 200m Höhenunterschied gemeistert und knapp 12300 Schritte absolviert. IMG_2493aWas meine Uhr alles weiß! 🙂 Landschaftlich ist die Wanderung sehr abwechslungsreich. Vom Steinigen Flussbett mit blühenden Oleanderbüschen geht es vorbei an Oliven- und Johannisbrotbäumen und später durch trockenes Hochland mit dornigen Sträuchern und vereinzelten Büschen. Am Ende noch ein Spaziergang durch den schattigen Wald und man hat die gesamte Bandbreite der kretischen Bergvegetation gesehen. Die Felsformationen unterwegs waren nicht ganz so spektakulär. Hier und da ein paar Höhlen und schmale Stellen aber im Allgemeinen nichts Umwerfendes.

Was wäre ein freier Tag jedoch ohne einen Besuch am Strand? Nichts, richtig! 🙂 Und daher ging es von Kritsa mit immer noch glühendem Kopf zum Almiros Strand, ein paar km außerhalb von Agios Nikolaos und auf direktem Wege an die Beach Bar. Hier versorgte ich mich mit einem schöönen Sandwich und einer Flasche mit frischem Wasser und suchte mir eine Liege im Schatten. Die war auch schnell gefunden und so gaaanz langsam kam mein Körper wieder auf Normaltemperatur und mein Gesicht zu einer ansehnlichen Farbe. Das Bad im frischen Meer tat sein Übriges und so schlummerte ich ein wenig vor mich hin und freute mich meines Lebens. 🙂 Die Tante, die die Liegen abkassierte, hatte sich ein paar Liegen vor mir „leider“ verquatscht und vergaß daher völlig zu mir zu kommen. Auch nicht schlimm..

Und damit ging ein anstrengender aber doch sehr schöner Tag zu Ende. Die Pläne für die nächsten Wanderungen wurden bereits geschmiedet..

und nun die Bilder 😉

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Kategorien: Kreta 2019 | Hinterlasse einen Kommentar

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