Chrissi und Myli – 2 Wanderungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten!

„Des Wandern ist Violas Lust“…

Zum Ende der letzten Saison gab es noch 2 Wanderungen, die ich unbedingt von meiner Liste streichen wollte. Glücklicherweise spielte das Wetter mit, sodass ich in nur 3 Tagen gleich beide in Angriff nehmen konnte. Die beiden Touren waren nicht nur durch ihre Lage, sondern auch wegen ihrer Beschaffenheit komplett verschieden.

Screenshot_20191026-184634~2Los ging es mit der kleinen Insel Chrissi im Süden von Kreta vor Ierapetra. Als „Karibik von Kreta“ bekannt, zieht es jeden Sommer unzählige Touristen dorthin um das türkise Wasser und die langen, hellen Strände zu genießen. Doch Chrissi hat viel mehr als Strand zu bieten und so wollte ich schon immer mal die Insel umrunden und auch die Landschaft abseits vom Strand kennen lernen. Die Insel Chrissi („die Goldene“) liegt ca. 15 km südlich von Kreta ist und gerade einmal 5 km² groß. Sie ist zum Großteil mit Sand bedeckt, das Grundgestein jedoch bildet erkaltetes Lavagestein, welches vor Millionen von Jahren durch einen unterseeischen Vulkan ausgespuckt wurde. Die höchste Erhebung ist 31m hoch und offiziell leben hier gerade einmal 2 Menschen. Die gesamte Insel und vor allem die Vegetation unterstehen dem Naturschutzprojekt „Natura2000“, denn die Zedern hier sind zum Teil mehrere hundert Jahre alt. Aber nun zur Wanderung..

IMG_6118aDas Schiff legte wie immer auf der Südost Seite der Insel an. Direkt daneben befindet sich der Strand von Vougiou Mati und der Spazierweg gen Norden zum Hauptstrand, dem Golden Beach. Ich entschied mich für die Tour im Uhrzeigersinn und startete gen Westen. Auf Chrissi gibt es eine ganze Menge an Wanderwegen zu den verschiedenen Buchten, auch wenn sie durch die ständigen Verwehungen vom Sand nicht immer zu erkennen sind. Ein richtiger Rundweg existiert jedoch nicht. Also suchte ich mir meinen Weg durch flache Büsche, kleinere Bäume und trockenes Holz und blieb dabei immer am oder in der Nähe des Meeres. Hier und da stand eine kleine Kapelle am Strand oder eine aus Strandgut zusammengezimmerte Hütte. Ansonsten waren die kleinen Strandabschnitte eher karg, sehr steinig und erstaunlicherweise sehr bunt. Von roten Steinen über schwarze und beige war alles dabei.

Auf der Westseite musste ich leider den Strandweg verlassen und quer über die Insel laufen, denn aus dem Nichts tauchte auf einmal eine Ziegenherde auf. Da man ja nie weiß, wie die „Einheimischen“ so drauf sind und was der dazugehörige Eigner von mir gehalten hätte, machte ich lieber einen Bogen um die Herde. 🙂 Gar nicht so einfach, bei den vielen trockenen Disteln und großen Steinen einen Weg zu finden und nebenbei auch noch die Augen offen zu halten nach tollen Fotomotiven.

IMG_6175aIm Norden angekommen, erreichte ich den kleinen, solarbetriebenen Leuchtturm von Chrissi. Zu meiner Überraschung befanden sich direkt daneben und auch etwas weiter entfernt, die Überreste einer alten Siedlung, vermutlich aus der minoischen Zeit. Nur ein paar Schritte weiter kam ich zur kleinen Kirche von Agios Nikolaos, wo endlich Zeit für ein kleines Mittagspäuschen war. Kurze Zeit später erreicht man schließlich den Strand von Agios Nikolaos an dem sich nicht nur ein kleiner Hafen, sondern auch das einzige richtige Haus auf Chrissi befindet. Der Grieche hier saß entspannt auf seinem Gartenstuhl und sah aufs Meer. Neben dem Haus waren hunderte von Sonnenliegen aufgestapelt – hier werden sie also gelagert. 😛 Das Haus soll auf den Resten minoischer Mauern gebaut worden sein, direkt daneben gibt es auch eine kleine Saline.

Da der Untergrund sich immer wieder änderte, ich mal durch Wasser, mal durch weichen Sand und mal über steiniges Gelände gelaufen bin, war es schwer, die benötigte Zeit einzuschätzen. Mit dem Chatzivolakas Beach ganz im Norden hatte ich aber nach knapp 2 Stunden genau die Hälfte der Umrundung geschafft. Hinter der nächsten Düne kam ich schon zum Golden Beach, dem Hauptstrand. Ende Oktober war hier natürlich nicht mehr viel los, trotzdem hat mir die Abgeschiedenheit vorher besser gefallen. Also lief ich weiter bis zum kleinen Muschelstrand am Ende des Golden Beach mit der alten Taverne, etwas abseits vom Strand, die von schönen Zeichnungen auf den Außenwänden geschmückt wird.

IMG_6343aNun galt es noch die Ostseite zu umrunden und damit auch die einzige nennenswerte Erhebung der Insel „Kefala“ mit 32m. Vom Kataprosopo Strand konnte man direkt zur kleinen Nachbarinsel Mikronisi hinübersehen. Nachdem nun die südlichste Spitze der Insel umrundet war, kam ich zu meinem liebsten Strand auf Chrissi, dem Vagies Beach. Er befindet sich in einer langen, halbmondförmigen Bucht und ist mit dem Felsplateau im Uferbereich auch sehr schön zum Schnorcheln. Dafür blieb jedoch leider keine Zeit, denn die Zeit bis zur Abfahrt der einzigen Fähre am Tag war knapp. Allerdings hatte ich nur noch eine halbe Stunde vor mir und pünktlich zum Abfahrtssignal erreichte ich den Hafen und bestieg als Letzte das Schiff. Gut 10 km hatte ich in 3,5 Stunden hinter mich gebracht, in denen ich endlich die ursprüngliche Seite von Chrissi und auch ihre wechselhafte Beschaffung kennen lernen konnte. Die beiden jungen Griechen, die mich während dessen mehrmals mit ihrem Quad passiert hatten wollten mich kurz vor der Abfahrt zwar noch zum Bleiben überreden, aber dafür war mir die Insel dann doch zu einsam. Glücklich und zufrieden ging es mit dem Schiff zurück und nun kann ich endlich behaupten, die Insel von allen Seiten gesehen zu haben. Eine sehr zu empfehlende Wanderung, allerdings würde ich in den Sommermonaten davon abraten, denn Schatten gab es so gut wie keinen!

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Die zweite Wanderung startete ich gleich zwei Tage danach zusammen mit meiner Kollegin Raffaela, die ich unterwegs einsammelte. Wir fuhren Richtung Westen nach Rethymnon und ins Landesinnere zum kleinen Dorf Xiró Chorió. IMG_6388aDie eigentliche Wanderung führt durch einen Teil der Myli-Schlucht, an Wasserläufen und alten Mühlen vorbei und an der Straße entlang wieder zurück. Wir entschieden uns jedoch für die längere Rundtour und starteten dafür im besagten Ort. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite! Einige Zeit liefen wir trockene Feldwege entlang, passierten Ziegengatter und Unmengen an Oliven- und Johannesbrotbäumen oder pieksigen Sträuchern. Wir hielten uns genau an die Vorgaben aus meinem Wanderführer, glaubten wir zumindest… 🙂 IMG_6413aNachdem wir uns eine kleine Kirche etwas abseits des Weges angesehen hatten, wurden wir auf einmal von einer Herde Ziegen überrascht. Vor Schreck sind wir direkt wieder in die Kirche geflüchtet und haben abgewartet. 😀 Als sie aber nicht mehr gehen wollten, nahmen wir all unseren Mut zusammen, gingen auf sie zu und als hätte Raffaela nie etwas anderes gemacht, trieb sie die Ziegen vor sich her, bis wir wieder auf unserem Weg waren und das Ziegengatter hinter uns schließen konnten. Etwas später stellten wir fest, dass die kleine Kirche gar nicht die im Führer beschriebene war und wir uns „umsonst“ dem Abenteuer ausgesetzt hatten.

Doch es dauerte nicht lange, dann standen wir vor dem Schild zur Panagia Kera Kirche und damit dem eigentlichen Zwischenziel. Die Kirche wurde auf einem kleinen Berg gebaut und gibt einen wunderbaren Blick auf das Dorf und die umliegende Landschaft frei. Im Inneren finden sich sehr schöne alte Fresken und Wandmalereien, die man auf das 11. Jahrhundert schätzt. Nach unserer Mittagspause spazierten wir durch das angrenzende Dorf Chromonastiri mit seinen alten Steinhäusern und Torbögen. Über einen unregelmäßig gepflasterten und von Brombeergestrüpp überwucherten Weg gelangten wir schließlich zur Asphaltstraße zurück und damit zum offiziellen Eingang zur Wanderung durch die Myli Schlucht.

Von Beginn an machte sie ihrem Namen alle Ehre. Irgendwo tauchte immer ein Flusslauf mit kleineren Wasserfällen auf. IMG_6525aDazu gab es mächtige Brücken aus Holz, die aber nur einen Aufgang hatten und dann oben in der Luft endeten 😀 und immer wieder verlassene Wassermühlen als Zeugen einer ehemals florierenden Zeit. Eine Zeit, in der man sich auch ohne technische Mittel zu helfen wusste… Ein kleiner Hoffnungsschimmer findet sich jedoch im verlassenen Dorf Epano Mili, wo ein Grieche, Sohn eines Müllers, sein ehemaliges Elternhaus wieder aufgebaut hat und darin nun eine Taverne betreibt. Bei unserem Besuch waren tatsächlich sehr viele Griechen dort zum Essen, die Idee scheint also anzukommen. Und ganz ehrlich, bei dem Ausblick und der tollen Natur, kann man ruhig auch eine Weile fahren um Essen zu gehen.

Im Ort neben der Taverne hätten wir eigentlich rechts abbiegen müssen, das Schild dazu übersahen wir durch die Menschen jedoch. Nachdem wir uns lange durch wildes Gestrüpp und unwegsames Gelände gekämpft hatten, kehrten wir schließlich um und nahmen zurück im Dorf – Überraschung – eine andere, aber immer noch falsche Abzweigung, die uns hoch zur Hauptstraße brachte. 😀 Von da kamen also die ganzen Tavernenbesucher. Zum Glück stand hier eine große Hinweistafel mit Karte und siehe da, wir waren genau auf der anderen Seite der Schlucht angekommen. Na super.. Also wieder zurück ins Dorf und nun, da alles leer war, entdeckten wir auch endlich das Hinweisschild zum weiteren Verlauf der Wanderung. Spät aber immerhin.

IMG_6582aAuf unserem weiteren Weg kamen wir durch das alte Dörfchen Kato Mili, wo sich leider nur noch Ruinen von Häusern und Mühlen befanden. Aber Klingelschilder und Lichtschalter hatten sie schon, lange kann die Besiedlung also nicht her sein. Wir passieren noch weitere Flüsschen und Brücken, ab und zu auch eine kleine Kapelle um immer wieder hat man eine wunderbare Sicht auf das gesamte Umland. Gerade jetzt zum Ende der Saison, wo Kretas Natur nicht gerade mit leuchtenden Farben begeistern kann, ist es einfach unheimlich schön, durch dieses üppige Grün zu wandern, vorbei an Efeu und Weinranken und allerhand Laubbäumen oder Hibiskus Büschen.

Kurze Zeit später waren wir schon wieder im Dorf Xiro Chorio, unserem Ausgangspunkt und damit auch am Ende der Wanderung. Für die angeblichen 11,5 km war eine Zeit von 3,5 Stunden ausgeschrieben. Dank unserer „ausgebauten Route“ und Foto- oder Trinkpausen, kamen wir jedoch auf mehr als 14 km in knapp 5 Stunden. Da haben wir den Tag und das superschöne Wetter mal richtig ausgenutzt!

Beide Wanderungen waren wirklich beeindruckend und jede auf ihre Art ein landschaftliches Highlight. Interessant wäre es sicherlich, sich beide Touren auch einmal im Frühling anzusehen, wenn alles blüht und die Wasserläufe voller sind. Mal sehen, ob es dies Jahr dazu kommen wird. Bis dahin erst einmal viel Spaß mit den Bildern und dem letzten Beitrag zur Kreta Saison 2019!

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Kategorien: Kreta 2019 | Hinterlasse einen Kommentar

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