Tagesarchiv: 26/01/2020

Seychellen – Wolkenverhangenes Paradies

Winterzeit ist Reisezeit! Der Vorteil an der Saisonarbeit ist ja, dass man (meist) den Winter über zur freien Verfügung hat und liegengebliebene Großprojekte angehen oder einfach mal Zeit mit der Familie genießen kann. Seit einigen Jahren habe ich das Glück, nahezu jeden Winter auch eine Fernreise antreten zu können und so meinen Horizont zu erweitern und neue Länder, Kulturen und Menschen kennen zu lernen.

Nun waren also die Seychellen an der Reihe. Eine Destination, die schon immer zu meinen Traumzielen gehörte, für mich aber unerreichbar schien. Aber wie der Zufall es so wollte, bot sich die vielleicht einmalige Gelegenheit und schwupps hatte ich einen 2-wöchigen Segeltörn um die Seychellen gebucht. 🙂

IMAG5399aDank der Arbeit verging die Wartezeit wie im Flug. Ende November stand ich nun mit Trekkingrucksack und Reiserucksack bepackt am Berliner Flughafen und konnte immer noch nicht glauben, dass ich bald im Paradies schlechthin sein werde. Zunächst einmal ging es nach Paris, wo ich durch dicke Regenwolken flog und leider nichts von der Stadt sehen konnte. Dort musste ich gute 3 Stunden rumbekommen und anstatt zu Gucci, Dolce&Gabana und ihren Freunden shoppen zu gehen, probierte ich meine ersten Maccarons, staunte über eine Sushi Bar mitten im Flughafen und stolzierte auf rotem Teppich durch die fast leere Abflughalle. 😀 Als ich dann den Flieger nach Mahé bestieg, realisierte ich so langsam, wohin es geht. Der anschließende Nachtflug war mehr als angenehm! Der Flieger war nur zu 60% besetzt und so hatte ich neben mir 2 Plätze frei und nur das quengelnde Kind hinter mir nervte etwas. Aber mit ausreichend Wein, leckerem Essen und dem neuen „König der Löwen“-Film, ließ sich alles ertragen.

Ungefähr 10 Stunden dauerte der Flug quer über den Globus, bei dem ich sogar über Kreta geflogen bin! Mit ein paar Turbulenzen und einer Extrarunde um die Hauptinsel setzten wir gegen 6:00 Uhr Ortszeit auf und wurden direkt von dicken Wolken und Regen empfangen – na super. Immerhin war es schön warm. Eine Erkenntnis, die ich in den nächsten Tagen etwas anders betrachten würde… Nachdem die Passkontrollen erledigt waren, ein großer Batzen Geld getauscht wurde und mein Gepäck tatsächlich vollständig angekommen war, musste ich nur noch auf meinen Fahrer warten und dann stürzten wir uns in den Linksverkehr von Mahé. Travis, der Besitzer meiner Unterkunft, erzählte vom heftigen Unwetter in der vorigen Nacht, wodurch ganze Bäume ausgerissen wurden und quer auf der Straße lagen. Ein Glück war bis zum Morgen fast alles beseitigt worden, denn die Straßen waren sowas von eng, steil und kurvig auf einmal. Gut, dass ich mich gegen einen Mietwagen entschieden hatte!

In meiner Unterkunft, einer schönen Villa aus Holz mit kleinem Obstgarten, servierte man mir einen Tee und ich machte es mir auf der Veranda in einem Liegestuhl bequem. An Entspannung war jedoch nicht zu denken, denn ich wäre nicht Viola, wenn ich mir nicht direkt eine Rundreise organisiert hätte. 🙂 Man muss ja schließlich wissen, wo man hier gelandet ist und selber fahren kam nicht in Frage. Über Facebook hatte ich Kontakt mit einem Anbieter aufgenommen, der mir schließlich James schickte, vielleicht der beste Guide den ich erwischen konnte! Nach einer Stunde Schlaf im Liegestuhl wurde ich abgeholt und ging mit James und einer indisch stämmigen Familie aus England auf Rundfahrt.

Vorab aber ein paar allgemeine Infos zu den Seychellen:
Die Republik Seychellen sind ein Archipel im Indischen Ozean und gehören zu Afrika. SeychellenDie Hauptinseln liegen ca. 1000 km von der Somalischen Küste und etwas weniger von Madagaskar entfernt. Zu den Seychellen gehören 115 Inseln darunter 1/3 Granitinseln und 2/3 Koralleninseln. Der gesamte Archipel erstreckt sich über eine Fläche von 1 Mio. km²!! wobei die eigentliche Landfläche nur 455 km² einnimmt. Knapp 90.000 Einwohner verteilen sich zum Großteil auf die Hauptinseln, aber auch auf die weiter entfernten Koralleninselchen. Dabei ist die Bevölkerung mit einem Altersdurchschnitt von 28 Jahren extrem jung. Die Menschen hier sind überwiegend Nachfahren von afrikanischen Sklaven oder Siedlern aus den französischen Kolonialgebieten. Die Hauptsprache ist daher Seychellen Kreol, ein eigener Mix aus Französisch und Englisch, welche die weiteren Amtssprachen sind. Fast jeder hier spricht alle 3 Sprachen fließend. Die Menschen leben vom Tourismus oder der Landwirtschaft und haben das höchste Pro-Kopf-Einkommen aller afrikanischen Staaten. 
IMG_6628aDas Klima ist ganzjährig tropisch warm. Sowohl die Luft- als auch die Wassertemperatur liegen ganzjährig zwischen 25 und 30°C bei einer Luftfeuchtigkeit von 80%! So kommt es auch, dass die meisten Inseln mit dichtem Urwald bewachsen sind und viele endemische Vogel- und Pflanzenarten hier heimisch sind. So zum Beispiel die Seychellennuss, Coco de Mer, die größte Nuss der Welt, oder die größten und ältesten Riesenschildkröten weltweit. Von Gewürznelken über Vanille, Zimt und Patschuli findet man hier alle exotischen Gewürzpflanzen. 
Meine einzige Sorge auf dieser Reise galt lediglich den Piraten, von denen man immer wieder gehört hat. Doch nachdem ich fast jeden Sechellois dazu befragt hatte, den ich bis zum Törnantritt gefunden hatte, war ich beruhigter. Zwischen den Inneren Inseln, auf denen wir uns befanden, war das Risiko gleich 0 dank umfangreicher Satellitensysteme und Marineschiffen, die das Gebiet im Auge behielten. Lediglich bei den äußeren Inseln bestand eine leichte Gefahr. Doch da wollte wir ja eh nicht hin und ehrlich gesagt, habe ich während der gesamten Reise niemals Angst oder Sorge verspürt.

Soviel also zum Basiswissen, die restlichen Infos ergeben sich sicher aus meinen Berichten. Eine schlaue Erkenntnis, gleich zu Beginn war auch, dass der Anteil dunkelhäutiger Menschen hier fast bei 100% liegt. Als mir aber bewusst wurde, dass ich ja in Afrika war, machte das auch wieder Sinn. 😀 Naja nach einer 14-stündigen Reise und einem Temperaturunterschied von mehr als 20°C kann das mal passieren.

Zurück zu unserer Inselrundfahrt. Die Tour führte uns einmal quer über die Insel zu verschiedenen Stränden – einer schöner als der andere – tollen Aussichtspunkten und natürlich den Sehenswürdigkeiten der Insel. Die Strände sahen tatsächlich so aus, wie auf den Kalenderbildern! Von James gab es dabei immer wieder interessante Informationen zur Geschichte des Landes, dem Alltag der Menschen oder lustige Anekdoten. Leider hatte sich das Wetter nicht wirklich gebessert und so fuhren wir einen Großteil des Tages im Regen und hatten immerhin während unserer Stopps das Glück, eine Trockenphase erwischt zu haben. IMG_6655aAber tiefhängende Wolken im Dschungel sehen auch nicht unbedingt schlecht aus! Neben den Stränden besuchten wir auch die Teefabrik von Mahé, leider ohne Besichtigung aber meine Mitfahrer zeigten auch kein Interesse, die 3€ für eine Führung extra zu bezahlen. Generell waren sie zwar gut drauf, machten aber kein einziges Foto oder stellten Fragen… Weiter ging es zur Mission Lodge, einem (eigentlich) grandiosen Aussichtspunkt, auf den sich die Queen früher zurückzog, um ihren Tee einzunehmen. Bei unserem Besuch jedoch schüttete es aus Eimern und die gesamten Berghänge und Täler waren wolkenverhangen. 😦 Schade eigentlich. Auf dem Weg zur Lodge habe ich jedoch das erste Mal einen Mahagonibaum und einen Zimtbaum gesehen!!

In der Hauptstadt Victoria spazierten wir zunächst eine Runde über den bekannten „Sir Selwyn Selwyn Clarke Market„, wo es allerhand Gewürze, frischen Fisch und die exotischsten Obst- und Gemüsesorten gab. IMG_6749aAuch Klamotten und Souvenirs gab es hier und erstaunlicherweise war es ziemlich sauber und geruchsneutral.  Ein paar der Früchte hatte ich noch nie gesehen oder in der Hand gehabt, wie die Brotfrucht, rote Bananen oder pickelige Gurken. Dann führte uns James zum Hindutempel „Arul Mihu Navasakthi Vinayagar“. Auch wenn mehr als 85% der Bevölkerung Katholiken sind, gibt es doch eine kleine Minderheit von 3%, die dem Hinduismus angehören und natürlich einen Tempel benötigen. Von außen sah dieser allerdings spektakulärer aus, als von innen, wo es mehr als verraucht war. Meine indisch stämmigen Engländer waren hier wenigstens mal etwas interessierter und machten sogar Fotos – das erste und einzige Mal am Tag. 😀 Nur ein paar Häuserblocks weiter stand direkt die katholische Kirche „Cathedral of the immaculate Conception„, ein eher schlichtes Bauwerk. Wesentlich beeindruckender war da das Kloster nebenan in dem der aktuelle Priester residiert. Auf unserer Tour durften natürlich auch der Clock Tower oder die Handwerksgeschäfte nicht fehlen. Der Clock Tower, ein Geschenk der Briten, wird auch kleiner Bruder von Big Ben genannt, obwohl er eigentlich einen ganz anderen Uhrturm Londons darstellen soll.

Übrigens waren nach Vasco da Gamas Entdeckung die Franzosen die Ersten, welche die Hauptinsel besiedelten und aus ihren Kolonien Sklaven brachten, um das Land zu bewirtschaften. Nach langem Hin und Her nahmen schließlich die Briten die Insel ein und schafften damit auch die Sklaverei ab. Sowohl Franzosen als auch die Briten hinterließen viele Spuren vor allem in der Architektur. Als neue Kronkolonie musste die Infrastruktur natürlich verbessert werden, also bauten die Engländer sämtliche Staatsgebäude, Schulen und Straßen und auch den internationalen Flughafen bis die Locals 1976 schließlich ihre Unabhängigkeit einforderten und nun eine eigenständige Republik und Mitglied im Commonwealth sind. Bereits 1903, nach den ersten Schritten in Richtung Eigenständigkeit, schenkte die britische Regierung der Stadt Victoria den Clock Tower, der seitdem an Ort und Stelle steht.

Abschließend fuhren wir noch am Gericht und dem Parlament vorbei und wechselten nun auf die Westseite zum schönen Strand von Beau Vallon, wo ich an einem Strandimbiss das erste typisch kreolische Essen zu mir nahm. Das frisch zubereitete Garnelen Curry mit Mangosalat und zweierlei Reis war wirklich super! Dazu der Blick aufs Meer und den langen Strand und der Regen war mir völlig egal. 🙂 IMG_6866aViele Fotos später und mit einem vollen Magen zogen wir uns die steilen Straßen hinauf, mitten durch den Feierabend Verkehr. Die Schule war auch gerade aus und so zog sich die Strecke ein wenig. Doch wiedermal in einer Trockenpause erreichten wir den Botanischen Garten „Jardin du Roi“, in dem wir leider nur 30 Minuten Zeit bekamen. 😦 Und dabei gab es hier so viele exotische Pflanzen zu begutachten! Der erste Weg führte gleich zu den Riesenschildkröten, die ich nun zum ersten Mal live sehen, anfassen und sogar füttern durfte. Meine Mitfahrer hielten sich hier bis zum Ende der Zeit auf, ich machte mich jedoch auf, den Rest des Gartens zu erkunden. Besonders nach dem Regen leuchteten die Farben extrem und ich konnte gar nicht aufhören zu fotografieren.

Etwas über der Zeit kam ich zum Parkplatz zurück und James „raste“ zu unserer letzten Station. Hätte ich gewusst, dass die Rum Destillery so früh schließt, hätte ich mich ja eventuell … beeilt. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig zur letzten Rum Verkostung des Tages und probierten uns durch die Sorten des lokalen Takamaka Rums. Gar nicht so schlecht und vor allem die Versionen mit Kokos und Ananas haben es mir angetan. Kaufen konnte ich hier leider nichts, denn den Segeltörn hätte der Rum sicher nicht überlebt. Direkt nach uns wurden leider der Shop und auch die Probierstation geschlossen, nur das Restaurant mit Rum Bar nebenan konnte man noch besuchen.

Für uns hieß es nun Abschied nehmen. Nach einem letzten kurzen Fotostopp an einem kleinen Strand brachten wir die Engländer in ihr abgelegenes Hotel – Kempinski – war ja klar.. Die zahlen dort echt 800€ pro Nacht!! Da war mir meine hübsche Villa doch noch lieber. IMG_7055aIch bedankte mich bei James für den tollen Tag und versprach in Kontakt zu bleiben. Dass es keine 2 Wochen dauern würde, bis wir uns wiedersahen, konnte ja keiner wissen. 😀 Zurück in der Unterkunft verputzte ich noch mein Sandwich vom Vortag, bzw. dem selben Tag wenn man die Zeitverschiebung einbezieht 😀 und schaffte es gerade noch meine Berichte zu schreiben, bis mich die Müdigkeit besiegte. Schon komisch so allein im Foyer der großen Villa und dann fing es auch noch an aus Eimern zu gießen!! Kurz vorm Schlafen gehen lernte ich noch meine Mitbewohner kennen, ein Paar aus La Réunion! Wen man so alles trifft… Enttäuscht stellte ich fest, dass mein ehemals so gutes Schulfranzösisch nicht mehr zu gebrauchen war und unsere Konversation damit schnell wieder beendet schien. War aber auch ganz gut so, denn nach nun 34 Stunden auf den Beinen ohne wirklichen Schlaf hatte ich ein Bett bitter nötig. Und so ließ ich mich vom platschenden Tropenregen und leisem Wellenrauschen im Hintergrund in den Schlaf schaukeln. Die kommenden Tage würden aufregend genug werden.

Wo genau es uns im Indischen Ozean hinführte, erfahrt ihr in den folgenden Beiträgen. Bis dahin schonmal viel Spaß mit den ersten Eindrücken!

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Kategorien: 2018/2019 | 2 Kommentare

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