Monatsarchiv: Februar 2020

Leichtwind-Regatta nach Curieuse

Neuer Morgen, neues Glück! Der Regen hatte sich verzogen und endlich konnten wir aufbrechen und die Inseln der Seychellen erkunden. Die Abfahrt aus der Marina gestaltete sich jedoch nicht ganz so leicht, da sich unser Buganker in einer Kette im Boden der Marina verhakt hatte. Leider war der Fahrbereich nicht sonderlich groß und die steil ansteigende Bodentiefe von 7m auf 1m machte die Sache nicht besser. Das Problem schien hier jedoch bekannt zu sein, denn schon den ganzen Morgen über stand ein Taucher am Steg bereit. Bis er zum Boot kam, dauerte es zwar eine Weile aber dann zog der tauchende Bob Marley 😀 den Anker frei und wir konnten endlich losfahren. Ein neues, funktionsfähiges Rettungsboot hatten wir übrigens auch bekommen!

Nun waren also alle 3 Boote unserer Flotte unterwegs mit dem Plan zunächst Praslin im Uhrzeigersinn zu umrunden und dann zur Nachbarinsel La Digue zu segeln. IMG_7428aDie starke Seitendrift ließ uns jedoch umschwenken und direkt Kurs auf La Digue nehmen. Das ist übrigens die Insel mit den weltbekannten runden Steinen am Strand, die jeden Strandkalender zieren. 🙂 Immerhin hatten wir noch ein wenig Wind um die knapp 30sm zu schaffen. Da ich ja nun mit einer Segelschule unterwegs war, ist es sicher keine Überraschung, dass jede Fahrt direkt als Wettrennen angesehen wurde. Ein paar Spezialisten an Bord planten jede kleinste Bewegung im Voraus, immer den Chef auf dem vor uns liegenden und typgleichen Boot im Visier. Ich persönlich wäre lieber ein paar Manöver oder einfach nach Gefühl gefahren, aber keine Chance. 😉 Ein „bisschen“ Spaß hat es ja trotzdem gemacht, vor allem als wir es durch eben diese technischen Raffinessen geschafft hatten, uns an die MLJET ranzupirschen um dann sogar in Lee zu überholen! 🙂

Am Strand Grand Anse in la Digue angekommen schafften wir es gerade rechtzeitig vor Einsetzen der Dämmerung den Anker zu werfen. Wind und Seegang brachten das Schiff noch immer gut zum Schaukeln. Der Blick auf die einsame Bucht am Abend, eingerahmt von grauen Felsen und grünem Dschungel war jedoch unbezahlbar. Passend dazu servierte Fitti zum Sonnenuntergang wieder einen kalten Aperol Spritz – es hätte uns echt schlimmer gehen können!

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Tag 7

Ich hatte es tatsächlich geschafft, rechtzeitig wach zu werden, um den Sonnenaufgang über dem Meer zu fotografieren. Hier ein paar Fotowölkchen, da ein Fischerboot im Schein der Sonne und weit und breit nichts außer Wasser. Herrlich! Noch vor dem Frühstück sprang ich zur Abkühlung ins Meer und umrundete das Bötchen zum wach werden. Etwas später kam Chefskipper Karl herübergeschwommen und überbrachte den täglichen Wetterbericht und einen Vorschlag zur Tagesgestaltung. Diese sah zum Glück sehr entspannt aus und wurde einstimmig abgenickt. Während unser drittes und kleinstes Boot mit Kapitänin Wolfi sich bereits auf den Weg machte, blieben die anderen noch eine Weile vor Anker. Eigentlich wollten wir entspannt zum Strand schwimmen und uns etwas umsehen. IMAG5549aWas wir jedoch nicht bedacht hatten, waren die unerwartet starke Strömung und Brandung im Uferbereich. Ich war als Einzige ohne Flossen unterwegs und hatte mit meiner Kamera und einem Drybag in der Hand Müh‘ und Not vorwärts zu kommen. Am Strand angekommen war es gar nicht so leicht Fotos zu machen, da meine Finger vor „Erschöpfung“ am Zittern waren. 😀 Die Zeit reichte gerade für einen kleinen Spaziergang am Strand und ein paar schöne Fotos, bis wir uns wieder auf den Rückweg machen mussten. Inzwischen waren auch viele Touristen von der Landseite gekommen um die Traumkulisse der Grand Anse zu fotografieren. Der Rückweg zum Boot war nicht weniger anstrengend. Aber hatte man die Brandung einmal überwunden, war es gar nicht mal so schlimm wie gedacht.

Zurück auf unserer „LAGAN“ bereiteten wir die Abfahrt vor. Das Tagesziel für heute war die Insel Curieuse, nördlich von Praslin und natürlich wurde daraus wieder eine kleine Regatta. IMG_7411aDiesmal jedoch war es nicht ganz so einfach und sowohl Sieg als auch Niederlage waren bis zum Schluss möglich. Auf der Überfahrt bildete sich schließlich auch die „Prüssilas Crew“. 🙂 Sie bestand aus den 5 Seglerinnen an Bord mit Skipper Andreas und „Barchef“ und Philosoph Fitti und wurde nach der Segelschule Prüsse benannt, mit der wir alle unterwegs waren. Eben diese Crew schaffte es nun wiederholt mit technischen Raffinessen zu punkten und kurz vor Erreichen des Tagesziels mit deutlichem Vorsprung den Sieg einzufahren. Später gab es dafür sogar Lob und Anerkennung vom Oberindianer Karl! 😀 Unsere Ankermanöver hingegen brauchten mal wieder mehrere Anläufe. Doch irgendwie schafften wir es immer, pünktlich zum Sonnenuntergang fertig zu sein.

Unser drittes Boot „JULIENAS“ war bereits am Nachmittag eingetroffen und hatte am Strand ein BBQ für uns organisiert. Für umgerechnet 30€ pro Nase sollte es Drinks und Leckereien zum Abwinken geben. IMAG5592aAlso schmissen wir uns zu Abwechslung mal wieder in Schale und dümpelten im Dunkeln mit unseren Dinghis an Land. Außer dem beleuchteten Pavillon und ein paar Fackeln war weit und breit nichts zu sehen. Zum Glück hatten wir ja Taschenlampen dabei. Auf dem Weg zum Grill wollte ich mich gerade noch über die riesigen unbeleuchteten Steine am Wegrand wundern, bis ich feststellte, dass es sich dabei um eine Riesenschildkröte handelte! 😀 Da hätte ich doch beinahe das arme Ding umgerannt.. Während wir nun alle zusammen auf einfachen Bänken im Sand saßen, waren 3 junge Einheimische damit beschäftigt, unser Essen zu grillen und immer mehr Getränke und Salate herbei zu schaffen. Die Auswahl konnte sich sehen lassen! Neben Hühnchen und Fisch vom Grill gab es verschiedenen Salate, Chutneys z.B. aus Mango, diverse Reisvariationen und etwas Obst zum Nachtisch. Ein wirklich schöner Abend, bei dem alle Segler mal wieder zusammenkommen konnten. Mit dem kleinen Dinghi ging es schließlich wieder zu den Booten zurück, wo wir noch ein wenig weiter plauderten.

Mysteriöserweise verschwanden auf einmal unser Käpt’n samt Freundin Vera mit dem Dinghi in die Dunkelheit, doch nach einem kurzen Halt an den anderen Booten kamen sie zurück – mit einer Überraschung im Gepäck. Bei 30°C und Sonnenschein hatte niemand auf dem Schirm, dass es bereits der 5. Dezember war. Und wer kam in der Nacht zum 6. Dezember ursprünglich über das Meer gefahren? Der Nikolaus! Ganz genau. 🙂 So zauberte Vera also ein kleines Körbchen mit Weihnachtsschokolade und passender Deko hervor und spielte Nikolaus. Das war vielleicht eine schöne Überraschung!

Tag 8
Den Sonnenaufgang habe ich diesmal zwar verschlafen doch für ein paar schöne Bilder war es noch nicht zu spät. IMAG5603aErst jetzt sah ich, dass hinter uns ja noch einige andere Schiffe geankert hatten. Das Frühstück wurde mal wieder sehr üppig mit Rührei, Speck und anderen Leckereien. Man gönnt sich ja sonst nichts. 🙂 nach dem Frühstück teilte sich die Gruppe. Während Dani und ich mit dem Dinghi an Land fuhren um uns die Insel anzusehen, waren die anderen zum Schnorcheln gefahren. Auf Curieuse trafen wir dann ein paar Segler der anderen Boote, die sich ebenfalls gegen das Schnorcheln entschieden hatten und schon nach kurzer Zeit bekamen wir einen Guide an die Hand, der uns die Insel zeigen sollte.

Die Insel Curieuse ist gerade einmal 3km² groß und gehört zum Marine Nationalpark, was unter anderem bedeutet, dass sie (eigentlich) nicht bebaut werden darf. Ein wichtiges Haus gibt es dann allerdings doch, direkt am Strand. Vor etwa 150 Jahren wurde Curieuse nämlich als Leprastation genutzt und in dem Haus von 1870 lebte der Arzt der Station. Heute ist es Besucherzentrum und Ökomuseum und neben der Familie des Inselwärters leben hier noch mehr als 250 Riesenschildkröten und zeitweise auch die unter Schutz stehenden Karettschildkröten, die zur Eiablage an den Strand kommen. Inzwischen sind jedoch noch ein paar weitere Gebäude dazu gekommen, die Zahl hält sich aber in Grenzen.

Unser Guide führte uns zur Aufzuchtstation der Riesenschildkröten, wo selbst die Babys schon größer als unsere ausgewachsenen Hausschildkröten waren. IMG_7546aEr erklärte uns, dass man Männchen und Weibchen anhand der Panzerform unterscheiden kann und wie viel die „Kleinen“ so fressen. Wir durften sie sogar in die Hand nehmen und waren wirklich erstaunt über das ordentliche Gewicht. Eine ausgewachsene, männliche Riesenschildkröte kann bis zu 120 cm lang und mehr als 200 kg schwer werden!! Nirgendwo sonst gibt es so viele Riesenschildkröten, wie auf den Seychellen! Das älteste, bekannte Exemplar ist übrigens ein Männchen namens Esmeralda 😉 mit einem Gewicht von 298 kg und einem geschätzten Alter von 120-150 Jahren! Der Gute Kerl lebt auf der Insel Bird Island im hohen Norden des Landes, wo es zum Glück nur wenige Touristen hinzieht. IMG_7694aWir freuten uns aber auch über die vielen freilaufenden Schildkröten auf Curieuse und waren der Meinung, dass sie hier wirklich ein gutes Leben haben. Die Tour führte durch einen dichten Mangrovenwald über einen Holzsteg hinweg und durch das Wasser, wo wir kleine Krebse beobachteten. Eine frisch aufgeschlagene Kokosnuss mit leckerem Fruchtfleisch gab es auch dazu. Wir hätten zwar sehr gerne auch den Aussichtspunkt der Insel besucht oder das ehemalige Arztgebäude, doch durch den Regen der vergangenen Tage sei der Weg nicht passierbar – schade. Zum Ende der Tour muss unser Guide wohl irgendwie genervt von uns gewesen sein. So viele Fotos habe ich doch gar nicht gemacht?! 😀 Auf jeden Fall war er zurück am Ausgangspunkt ganz plötzlich verschwunden ohne sich zu verabschieden oder vielleicht sogar auf Trinkgeld zu warten. Na dann eben nicht…  Das Geld für den Besuch der Insel und die Tour war trotzdem sehr gut angelegt. Inzwischen waren der Strand und die kleine Insel allerdings so voll geworden, dass der Abschied gerade noch so zu verschmerzen war.

Zurück an Bord holten wir direkt den Anker auf und steuerten die südöstlich gelegene „Insel“ St. Pierre an. Dabei handelt es sich eigentlich nur um einen größeren Felshaufen, der mit ein paar Palmen bewachsen und ein beliebter Stopp bei Schnorchlern ist. IMAG5663aHier wagte ich mich zum ersten Mal mit Taucherbrille und Kamera ins Wasser und konnte prompt die ersten Fische entdecken. Schon komisch, so mittendrin zu sein. Mein erster und gleichzeitig letzter Schnorchelausflug ist schließlich fast 10 Jahre her! Etwas traurig war allerdings der Anblick des fast komplett abgestorbenen Korallenriffs. Die Einheimischen meinen zwar, dass ein Virus schuld daran sein soll, aber das viele Ankern der Ausflugsboote wird sicher nicht weniger Anteil daran haben. Da waren wir leider auch nicht besser. 😦

Von St. Pierre aus fuhren wir an der kompletten Nordostküste von Praslin entlang um schließlich wieder in unseren altbekannten Hafen einzulaufen. Diesmal hatten wir sogar 3 Plätze direkt nebeneinander. Wieder gab es einen leckeren Sundowner von Fitti und der eine oder andere Segler der Nachbarboote kam vorbei zum Quatschen und Sundowner abfangen. 🙂 Nach einer Woche Segeln bekam ich nun auch mein eigenes „Prüsse Bändchen“. Ein geflochtenes Armband aus Segeltampen und einem Schekel und ganz individuell angefertigt von Andrea, die gefühlt auf allen Törns der Segelschule mitsegelt. Zum Abend hin waren dann alle ziemlich schnell müde, so dass Weinchen und Plaudereien diesmal abgesagt wurden. Immerhin gab es noch etwas Action vorm Einschlafen, als ich eine Kakerlake in meiner Koje jagen musste. :O Na das hatte mir ja gerade noch gefehlt. Sie hatte jedoch keine Chance und landete kurzerhand im Hafenbecken. 😛

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Und damit ging ein weiterer Tag im Paradies zu Ende und ohne es zu bemerken auch das Bergfest der Reise. In den nächsten Tagen standen uns ein paar traumhaft schöne Landgänge bevor, von denen ihr euch im nächsten Beitrag überzeugen könnt. 🙂 Bis dahin wieder einmal viel Spaß beim Bildergucken. Diesmal gibt es sogar ein kleines Video. Ich bin zwar nicht der Videoheld, aber für ein paar Eindrücke reicht es glaube ich. 😉

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Und nun die bewegten Bilder!

Kategorien: SEYCHELLEN 2019 | Hinterlasse einen Kommentar

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