Ein neuer Tag im Inselparadies Bali.
Der Plan für den Tag war vielversprechend und ich freute mich auf Highlights wie Reis pflanzen, einen balinesischen Kochkurs oder eine Schmiedewerkstatt. Aber was ist schon ein Plan…
Der Tag startete wie am Tag zuvor Punkt 8:30 Uhr am Hotel mit der Fahrt in das nicht weit entfernte Dorf Bongkasa. Hier sollten wir das traditionelle Dorfleben kennen lernen und wurden gleich zu Beginn von ein paar Bewohnern mit Kurkuma Saft und einem Reis-Snack begrüßt. Das soll den Körper reinigen – sehr gut – auch wenn der Saft gewöhnungsbedürftig war. Ein Local führte uns nun zu den Reisfeldern und zeigte kurz, wie der Reis angebaut wird. Eigentlich hätte ich jetzt mit einer Lehrstunde im Reisanbau gerechnet. Immerhin haben wir uns auf matschige Füße und Mücken eingestellt. Statt dessen spazierten wir ins Dorf hinein und mitten durch den Dschungel an den Häusern der Dorfbewohner vorbei. Es waren einfache Häuser, aber alle hatten einen schön dekorierten Tempel im Garten mit bunten Opfergaben. Und überall wuchsen exotische Pflanzen und Obstbäume, mitten im Dschungel von Bali.

Am Haus unseres lokalen Guides angekommen, kletterte sein Verwandter eine Palme hoch und erntete frische Kokosnüsse für uns. Eine willkommene Erfrischung. Nebenbei erläuterte der Guide die Herstellung von Palmwein, den wir natürlich probieren mussten. Im Prinzip handelt es sich dabei nur um den gegorenen Blütensaft der Palme. Geschmacklich ist der Palmwein gar nicht soo schlecht, auf meine Einkaufsliste hat er es trotzdem nicht geschafft 😀 Als wir etwas später im Dorfzentrum ankamen, wurden für uns Blüten, Palmblätter und Duftstäbchen vorbereitet. Denn nun lernten wir, wie die kleinen Päckchen für die Opfergaben sowie die traditionelle Dekoration aus Palmblättern gebastelt werden. Origami ist nichts dagegen.. Als das kleine Körbchen fertig und mit Blüten gefüllt war, brachten wir alles in einer kleinen Zeremonie zu einem Opfertisch, wo wir uns schließlich bei einer geführten Meditation von allem Bösen und Negativen lösen sollten. Es schien zu wirken, zumindest war ich anschließend ziemlich entspannt und hatte über den abgesagten „Reispflanzkurz“ schon hinweggesehen. Angeblich war es gerade nicht die Jahreszeit dafür. Aus Zeitgründen wurde allerdings nun auch der Kochkurs abgesagt, auf den ich mich so gefreut hatte, was mich schon etwas traurig machte. Statt dessen zeigte uns eine ältere Frau, wie man aus dem Stück einer Kokosnuss am Ende das begehrte Öl bzw. die Milch gewinnt. Beim Raspeln des Kokosfleischs half ich natürlich vorbildlich mit.
In der Zwischenzeit hatte man unser Mittagessen vorbereitet und nach und nach wurde der Tisch bzw. die Sitzfläche mit allen möglichen (scharfen) Leckereien gefüllt. Hühnchenspieße, Reis, Gemüse und Tofu, dazu gab es noch exotische Früchte wie die Mangostan Frucht – ein wirklich leckeres Mittagessen.
Hier endete nun der Besuch im Dorf und ich habe trotz der kleinen Enttäuschungen einiges gelernt. Hätten meine Mitreisenden unsere Guides nicht ständig mit irgendwelchen Anekdoten unterbrochen, hätte man sogar noch mehr erfahren 😀 Bei mehr als 30°C und hoher Luftfeuchtigkeit freuten wir uns nun aber auf unseren Minibus, der uns zu einer Kaffee-/ Tee- und Gewürzfarm mitten im Urwald brachte. Die Führung vor Ort war sehr interessant, musste aber schnell schnell gehen (warum auch immer, Zeit hatten wir). Dabei gab es so viele spannende Sachen zu sehen, zum Beispiel verschiedene Kaffeearten und wie die Bohnen verarbeitet werden. Der teuerste Kaffee der Welt, der Luwak Kaffee oder Katzenkaffee, kommt z.B zu seiner Besonderheit indem die Kaffeebohne von den Katzen gegessen, fermentiert und schließlich ausgeschieden wird. Dies soll dem Kaffee einen erdigen, vollmundigeren Geschmack verleihen und macht ihn so besonders. Er kommt ausschließlich aus Südostasien! Aber auch frische und fermentierte Kakaobohnen und allerhand exotische Obstbäume gab es zu sehen. Im Anschluss gab es eine Verkostung mit sämtlichen Kaffee- und Teesorten. Als nicht Kaffee-Trinker blieb mir nur der Tee aber ich war echt begeistert von den exotischen Sorten wie Kurkuma, Mangosten, Rosen oder Zitronengras Tee. Ein Päckchen Kurkuma und Rosella Tee haben es am Ende sogar in meinen Rucksack geschafft.
Nächster Halt war ein Fotostopp im Ort Penelokan mit Blick auf den Vulkansee und den Mount Batur mit 1717m Höhe. Der See ist mit 8km Länge der größte See Balis und bietet stellenweise so genannte Hot Springs, heiße Quellen, in denen man baden kann. Hier in 1000m Höhe war es zum ersten Mal frisch in Bali. Trotz dem wir uns tapfer an den ganzen fliegenden Händlern vorbeigekämpft hatten, gab es nur wenig Zeit zum Fotografieren. Den Ort selbst besuchten wir erst gar nicht. Viel gab es allerdings auch nicht zu sehen und es wartete noch ein weiteres Highlight auf uns.

Letzter Halt war nämlich der „Pura Besakih Tempel„, der „Muttertempel“, das größte und wichtigste Heiligtum der Insel. Er wurde im 11. Jahrhundert gegründet und besteht aus 23 Tempeln uns fast 200 Gebäuden. Der Tempel liegt auf über 1000m Höhe an den Hängen des Gunung Agung, Balis höchsten Bergs. Um dorthin zu kommen konnte man sich entweder den steilen Berg vom Parkplatz nach oben kämpfen, vorbei an den vielen Händlern, oder man nimmt wie wir das Shuttle Taxi 😀 Der Tempel lag mitten in den Wolken und so kurz vor Schließung war die Stimmung ganz besonders. Unser Guide Parek führte uns an den Tempeln vorbei und gab uns viele Einblicke in seine Religion, den Hinduismus. Der balinesische Hinduismus, „Agama Hindu Dharma“ unterscheidet sich vom indischen Hinduismus und ist eine Mischung aus lokalen Bräuchen, hinduistischen Elementen und spirituellen Praktiken. Die Balinesen glauben sehr stark an Geister, Götter und Ahnen und wollen mit ihren Ritualen und den Opfergaben ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse herstellen. Sie glauben an das Über- und Unterirdische, dessen Kräfte mit Opfergaben besänftigt werden müssen. Dabei ist es wichtig, den Vorgaben genau zu folgen und nicht wischi waschi mal eben ein Opferkörbchen zusammen zu friemeln. „Wenn man es nicht richtig macht, sehen das die Götter. Dann sind sie nicht gut zu einem und man hat kein Glück.“ So unser Guide. 🙂 Generell ist fast alles darauf ausgerichtet, Glück zu erhalten, glücklich zu sein und das Leben im Hier und Jetzt zu schätzen. Ich bin zwar glaubensfrei aufgewachsen, doch die Gedanken des balinesischen Hinduismus haben es mir echt angetan. Und unser Guide ist jedes Mal so schön in seinen Erklärungen aufgegangen, als sei es das natürlichste der Welt, Götter und Geister in seinen Alltag einzubeziehen.
Vom höchsten Punkt des Tempels hatten wir einen wunderbaren Ausblick auf die Umgebung und die Tempelanlage, die im Nebel verhüllt zu unseren Füßen lag. Hinab ging es dann zu Fuß. Dabei erzählte Parek, warum und wie er ausgerechnet Deutsch gelernt hat. Ganz einfach, deutsche Guides waren Mangelware und der Sprachkurs wurde vom Staat gefördert. In nur 6 Monaten Crashkurs und ein paar Jahren Übung mit deutschen Touristen hat er einen wirklich guten Wortschatz aufgebaut. Erst einmal war er bisher in Deutschland gewesen. Japanisch hat er aus dem gleichen Grund auch gelernt, was man nicht alles für einen gut bezahlten Job im Tourismus macht. Ein wirklich sympathischer und durchweg positiver Mensch.

Etwas fröstelnd und geschafft vom Tag fuhren wir nach Ubud zurück und abgesehen vom Fahrer und unserem Guide hat sich wirklich jeder der Müdigkeit geschlagen gegeben und vor sich hingeschlummert. Naja, so war es endlich mal still im Bus, auch ganz nett 😀
Zurück im Hotel gab es erst einmal eine ausgiebige, warme Dusche. Eigentlich wollte ich noch in den Ort spazieren und endlich mal das Abenteuer Ubud wagen, doch genau beim Losgehen fing es an zu nieseln. Egal, wir sind ja nicht aus Zucker. Dass die Strecke zwar an einer Straße entlang, aber dennoch durch den Urwald führte, störte mich nicht. Es war schon ganz schön dunkel und die Geschäfte auf dem Weg hatten schon zu, doch Ubud soll ja sehr sicher sein – also lief ich die 20 Minuten selbstbewusst ins Zentrum. Und dann hatte ich endlich mal Zeit, in Ruhe durch die Straßen und Geschäfte zu schlendern. Ich sah mir den königlichen Palast von Ubud an (zumindest von Außen) und landete schlussendlich in einem kleinen Restaurant am Straßenrand mit nur wenig anderen Gästen. Das lag wohl eher daran, dass es bereits spät war 😀 Aber das Essen -Hähnchenspieße und Reis mit Erdnuss Soße- war sehr lecker, der Mangosaft sowieso und ich hatte endlich mal ein wenig Zeit für mich und war ziemlich glücklich. Der Nieselregen hatte irgendwann unterwegs aufgehört, ich hatte ihn nicht mal bemerkt.. Auf dem Rückweg zum Hotel traf ich noch einen unserer Mitreisenden, der sich auch nochmal auf die Pirsch gemacht hatte. So musste ich wenigstens nicht alleine die mittlerweile wirklich dunkle und leere Straße zurück laufen.
Ein schöner zweiter Ausflugstag ging dem Ende entgegen und so langsam hatte ich mich auch an das tropische Klima gewöhnt.
Bis zum nächsten Bericht mit noch mehr Traditionen, Religion und kulinarischen Highlights.





















