Sister Act 3.0 goes Asia!
Tag 2 unserer Rundreise wurde von einer exotischen Geräuschkulisse eingeläutet. Mitten im Dschungel zu schlafen hat schon was! Nach einem leckeren Frühstück saßen wir schon wieder im Auto auf dem Weg zu den nächsten Nationalheiligtümern der Sri Lankenesen…
TAG 2
Unser erstes Ziel am zweiten Tag war der große Felsen von Sigiriya, welcher vor Allem für die „Wolkenmädchen von Sigiriya“ berühmt ist. Diese farbigen Fresken aus dem 5. Jh. n. Chr. befinden sich auf halber Höhe in einer höhlenartigen Felsmauer und stellen oberkörperfreie Frauen dar, die Blumen und Obst in den Händen halten. Wen diese Frauen darstellen sollen ist leider nicht klar.

Palastanlagen von Sigiriya
Der Weg führte zunächst durch die ehemaligen Palastanlagen, wo sehr symmetrisch 2 Paläste angelegt waren. Davon sieht man allerdings nur noch Grundmauern. Frage an Verena: „Wie lange wurde daran nochmal gebaut? Ich kann mich nicht erinnern!“ 😀 Ein kleiner Insider, da unser Guide geschätzt alle 5 Minuten wiederholt hat, dass man wohl 9 Jahre gebraucht hat, um beide Paläste zu bauen.
Nachdem wir die steilen Treppen überwunden hatten, trennte uns nur noch eine Wendeltreppe von den Wolkenmädchen. Fotografieren war hier leider verboten und langes Stehenbleiben auch. Also waren wir kurze Zeit später schon wieder auf dem Weg nach unten. Die Fresken sahen schon beeindruckend aus, wenn man mal bedenkt von wann die sind… Schließlich erreichten wir einige Stufen später die mittlere Plattform von der es mal wieder steil nach oben auf den „Lions Rock“ ging. Die Treppe dorthin wurde von zwei steinernen Löwentatzen eingerahmt, früher soll die
gesamte Treppe ein ganzer Löwenkopf gewesen sein.
Oben angekommen zeigte sich uns ein riesiges Plateau mit alten Ruinen auf vielen verschiedenen Terrassen. Der Ausblick in 200m Höhe war unbeschreiblich!! Der gesamte Urwald lag vor einem und hier und da tauchten riesige Buddhastatuen und Dagobas aus dem Planzenteppich auf. Unglaublich beeindruckend und mit Kamera leider niemals so festzuhalten, wie man es selbst wahrgenommen hat!
Natürlich hatten wir auch hier wieder (ungefragterweise) einen Guide an unserer Seite, den man sich allerdings hätte sparen können! Emotionslos ratterte er in unverständlichem Englisch seinen Text runter, scheuchte uns durch die Anlage und ließ uns kaum Zeit, Fotos zu machen oder mal allein etwas zu erkunden. Das scheint hier wohl bei allen Führern im Land so zu sein. Sätze wie „Now make a Foto!“ hörten wir leider öfter im Laufe der Tour. Wann und was ich fotografiere entscheide immer noch ich selbst! Hätten die mal, wie ich damals an der Hochschule, das Fach Gästeführung belegt…
Das Beste kam aber am Ende, als er schließlich sein Trinkgeld einforderte – jep er forderte es! Also meines Erachtens gebe ich Trinkgeld nur, wenn ich mit der Leistung mehr als zufrieden war. Verrückt aber noch lange nicht die Spitze der Fahnenstange, denn die kam am Abend…!!

Golden Temple
Von Sigiriya fuhren wir weiter nach Dambulla zu einem immer noch bewohnten Mönchstempel in 340m Höhe. Es war also mal wieder Sport angesagt und das bei über 30°C! Der Eingangsbereich der Anlage wird durch den Golden Temple dominiert. Hier empfangen ein riesiger goldener Buddha und eine ebenfalls riesige und goldene Dagoba die Besucher. Nicht zu vergessen, die ganzen großen und kleinen Äffchen am Wegesrand.
Vom Golden Temple führte ein steiler Weg hinauf zum Mönchstempel, in dem sich 5 Höhlen befanden. Sie wurden von Mönchen über einen Zeitraum von 2.000 Jahren ausgemalt und mit Buddhastatuen geschmückt. Einige stammen noch aus vorchristlicher Zeit. In manchen Höhlen befanden sich geschätzt mehr als 20 Statuen in allen möglichen Positionen.
In einer der Höhlen tropft aus einem Berg kontinuierlich Wasser, auch in der Trockenzeit. Dieses Wasser wird in einem Behälter aufgefangen und ausschließlich als Weihwasser genutzt.
Natürlich wurde uns auch hier wieder, unnötigerweise, ein Guide zur Seite gestellt. Ein kleiner Alter Mann mit Zähnen, die genauso schlecht waren, wie sein Englisch 😀 Langsam aber sicher waren wir von den unfreiwilligen Führungen genervt!
Unsere Tour führte uns gen Süden ins Landesinnere wo wir in einem Spice Garden also Gewürzgarten hielten. Auch hier hatten wir kaum das Auto geparkt, als schon einer der Männer zu einer Führung bereit stand. Na super … Diesmal hatten wir aber Glück! Wir bekamen einen jungen und gut aussehenden Naturmedizin-Studenten 😛 . Er führte uns durch den Garten und erklärte die verschiedenen Gewürze, Kräuter und Früchte und ihre Verwendung. An jeder Station konnte man das Produkt probieren, daran riechen oder es schmecken. Zum Abschluss bekamen wir eine Preisliste mit sämtlichen Produkten gereicht und wurden anschließend zum kleinen Laden gebracht. Überzeugt wie wir waren schlugen wir zu und ein paar Cremes, Öle und eine Packung Gewürzcurry wechselten den Besitzer.
Endlich mal eine angenehme und sehr interessante Führung mit einem ruhigen, geduldigen und sympatischen Guide. Hier gaben wir sogar freiwillig Trinkgeld.

Hindu Tempel in Matale
Etwas weiter südlich hielten wir in Matale an dem riesigen Hindu Tempel Sri Muthumariamman Thevasthanam (wer denkt sich solche Namen aus?) von 1852, mitten an der Hauptstraße. Überall an der bunten Fassade findet man hinduistische Figuren und Darstellungen. Leider waren wir außerhalb der Öffnungszeiten dort und konnten uns den Tempel nur von außen ansehen, aber das war auch schon beeindruckend genug. Hinter dem Gebäude auf demselben Hof fanden wir eine kleine Vorschule und wurden von einer der Lehrerinnen hereingerufen und bekamen die „Klassenzimmer“ und Schulhefte gezeigt. Das meiste sagt sie, hätten sie von Touristen gespendet bekommen und zeigte auf Kisten voller Plüschtiere, Buntstifte und Bücher. Hätte ich das gewusst, hätte ich meinen Berg von ungenutzten Stiften von zu Hause mitgebracht.
25 km später kamen wir endlich in Kandy im Zentrum des Landes an und unser Frustrationshöhepunkt was Führungen betrifft war nur noch wenige Stunden entfernt…
Wie schon im Marco Polo vorgewarnt wurde, herrscht in Kandy vor Allem viel Lärm, Verkehrschaos und dicke Luft. Wo soll das denn bitte die schönste Stadt der Insel sein? Auf Singhalesisch heißt Kandy „Kanda uda pas rata“ – die Stadt auf den fünf Hügeln. Demnach waren die Straßen dort mehr als bergig und ich staune, wie unser Fahrer sich dort hochgeschraubt hat. Wie schaffen das erst die ganzen Kleinbusse??
Auf dem Weg zum Hotel fuhren wir am Kiri Muhada, dem Milchsee vorbei. Er soll 1812 vom letzten Singhalesen König in Auftrag gegeben worden und ein Rundgang sehr empfehlenswert sein. Aber wir hatten ja keine Zeit…
Im Hotel angekommen blieben uns 30 Minuten Zeit um unsere Sachen abzulegen und uns kurz umzuziehen. Der erste Eindruck der Unterkunft war leider etwas enttäuschend. Hellhörige Wände, man konnte durch eine normale Tür einfach ins Nebenzimmer spazieren :O und Flecken auf Bett und Kopfkissen. Gut, dass wir die Flugzeugdecke dabei hatten und zumindest die Kopfkissen abdecken konnten.

Kandy Dancers
Am frühen Abend standen die Kandy-Dances auf dem Plan. Ich zitiere mal den Herrn Polo: „Mit der Stadt Kandy sind die Kandy-Tänze eng verbunden. Zwar sind die Vorführungen recht touristisch, trotzdem eine Augenweide (weniger für die Ohren).“ Und genau da mussten wir nun hin, Entscheidungsmöglichkeiten hatten wir auf dieser Tour ja eh nicht :D. Nach und nach wurden die Touris in ihren Kleinbussen angekarrt und von ihren Fahrern auf die besten Plätze zugewiesen. Mitten drin die kleine Viola, die sonst bewusst Touristenattraktionen und -orte meidet… Die Vorstellung war in 12 Tänze aufgeteilt und wurde mit einem Feuerlauf abgeschlossen. Die Kostüme waren tatsächlich sehr schön! Bunt, aufwändig und mit vielen Masken und kleinen Details. Die Tänze waren zwischen nett anzusehen und gewöhnungsbedürftig. Dafür, dass sie mehrmals täglich auftreten und bekannt sein sollen, waren sie ziemlich unsynchron. Das lag aber wohl hauptsächlich an der Musik, die durch Trommler und Flötenspieler geliefert wurde und kaum Takt oder Rhythmus aufwies. Wie man da überhaupt proben kann?
Wir wussten beide nicht so recht, was wir davon halten sollten. Vielleicht war diese Art traditioneller Tänze für uns einfach ungewohnt. Ich kam mir auf jeden Fall wie ein richtiger Touri vor, dem man seine Clichebilder liefert. Ein bisschen so, als wenn man Touristen in Griechenland den Sirtaki vortanzt weil sie glauben, er sei ein griechischer Volkstanz…
Aber egal, da man die Tänze scheinbar gesehen haben soll, haben wir das somit immerhin abgehakt.

Zahntempel von Kandy
Und nun kam der Knaller, der Höhepunkt von schlechter Gästeführung und Dreistigkeit – Der Zahntempel von Kandy. In diesem Tempel soll das kostbarste Heiligtum des Landes aufbewahrt werden – ein Eckzahn Buddhas, für die Sri Lankenesen (die übrigens Singhalesen heißen) Symbol der Macht. Er soll nach dem Tod Buddhas um 489 aus der Asche des Erleuchteten geborgen worden sein und liegt nun hinter schweren Silbertüren versteckt. Drei Mal am Tag werden diese Türen mit einer großen Zeremonie und unter Trommelwirbel für eine Stunde geöffnet. Das Innere des Tempels ist sehr aufwändig gestaltet mit unzähligen Säulen und Verzierungen, einem goldenen Dach und bunten Fresken.
Soviel zum eigentlich schönen und beeindruckenden Tempel. Doch jetzt ging’s los:
Noch nicht mal mit dem Auto zum Stillstand gekommen, riss ein junger Mann die Türen auf, stellte sich als Temple Officer vor und erwähnte direkt zu Beginn der Führung, dass wir uns beeilen müssten, da die Zeremonie gleich beginnt.
Auch er ratterte wieder alles runter und meinte gleich zu Beginn, dass wir ihm am Ende der Tour ruhig Trinkgeld geben können, wenn wir zufrieden seien. 1.000 oder 2.000 Rupies seien ok. Das sind 6-12 Euro, mehr als der Eintrittspreis! Nach dieser dreisten Bemerkung war er mir direkt unsympathisch und hatte schon verloren 😛
Wir kamen pünktlich zu Beginn der so wichtigen Zeremonie an und wurden an den Rand des Ganges verwiesen wo nun die Trommler und ein paar wichtige Männer mit buntem Gewand an uns vorbei liefen und die Silbertüren öffneten. Völlig beeindruckt folgten wir dem Geschehen, bis wir keine 5 Minuten später vom Guide weitergescheucht wurden. „Fast, fast and now go there and make a foto“ Mein Geduldsfaden begann sich zu dehnen… Es folgten eine lange Halle mit Darstellungen buddhistischer Geschichte und eine Bibliothek mit Palmblattmanuskripten. Und überall hieß es schnell, schnell, der Raum würde gleich geschlossen werden. Er drängelte sich an den anderen Touristen vorbei, zog uns hinterher und versuchte uns irgendetwas zu erzählen, was wir aufgrund der Zeremonie natürlich nicht verstehen konnten.
Da waren wir nun im Nationalheiligtum des Landes genau zur Zeit der Zeremonie und konnten uns weder diese richtig ansehen, noch die restliche Tempelanlage erkunden. Ich war sowas von frustriert und ließ mir das auch anmerken – interessierte ihn nur leider nicht. 😀
Eine halbe Stunde später verließen wir den Tempel schon wieder und starteten einen letzten Versuch ihm zu entkommen. Auf die Frage, ob wir nun ALLEINE in Ruhe die restliche Tempelanlage besichtigen könnten antwortete er, er sei nun FAST am Ende der Tour und wenn es uns gefallen hat … Wir bedankten uns und brachten nochmals unser Anliegen vor. Immerhin befanden sich nur ein paar Schritte entfernt noch eine große Dagoba und ein kleinerer Tempel. Aber nein, er bestand darauf, uns zu einem anderen Ausgang zu bringen wo schon unser Fahrer wartete. Zeit für selbstständige Erkundungen somit ausgeschlossen. Er verabschiedete sich nochmals mit den Worten er sei FAST fertig und wenn es uns gefallen hat … Hat es aber nicht, am liebsten hätte ich ja noch Geld zurück verlangt.
Die Situation begann für uns problematisch und unangenehm zu werden. Irgendwie löste sie unser Fahrer dann aber, der Führer ging ohne unser Geld und wir baten den Fahrer, keine weiteren Führungen mehr zu bekommen. Mein Geduldsfaden war kurz vorm Zerreißen und Verena innerlich amüsiert. Zu gerne hätte sie gesehen, wie ich meinen Frust rauslasse und ihm unsere Trinkgeldverweigerung erklärt hätte, anstatt wie immer nett und höflich zu sein.
Zurück im Hotel gab es direkt Abendessen, ein typisch singhalesisches Currygericht. Anschließend saßen wir noch eine Weile mit unserem Fahrer Roshan am Tisch und versuchten uns mit Händen und Füßen zu unterhalten da seine Englisch-Kenntnisse leider sehr gering waren. Wir betonten nochmal, dass wir keine weitere Führung möchten und erklärten ihm unser Verständnis von Trinkgeld geben. Übrigens werden hier bei allen Getränken und Speisen in Restaurants IMMER mind. 10% als Service Charge mitberechnet. Man zahlt also ohne es zu wollen schon mal drauf und soll dann noch Trinkgeld geben.
Mit völlig gemischten Gefühlen gingen wir ins Bett und lauschten durch die Wand hindurch der Klimaanlage des Zimmernachbars… Es konnte nur besser werden 😀
Verena und Viola

die Haltepunkte an Tag 2