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Ein Jahr als Jeep Guide auf Kreta

Die bisherigen Ausflüge und Erlebnisse sind endlich alle auf Papier bzw. in die Tastatur gebracht worden. Also kann ich mich mal wieder den Erlebnissen aus dem letzten Jahr widmen. Vor einiger Zeit hatte ich ja über meine Saison als Tourguide auf Kreta berichtet und dabei die Wandertour sowie die Minibus Touren vorgestellt. Ein Hauptteil der Arbeit waren jedoch die Jeep Safaris – und darum soll es diesmal gehen.

Drei verschiedene Routen gab es im Programm und zugegeben hat es bei mir Monate gebraucht, bis ich sie sicher und blind draufhatte. Gerade in den ersten Wochen bin ich stets mit einem Zettel voller Notizen durch die Gegend gefahren und habe mich über jeden kleinen Hinweis am Straßenrand gefreut, der mir versicherte auf dem richtigen Weg zu sein 🙂

 

Jeep South
Die Haupttour führte in den Süden Kretas ans Lybische Meer. Sie fand nahezu jeden Tag statt und war damit die wichtigste Tour. Zur Vorbereitung durfte ich sie 2x mitfahren – IMG_2276einmal als Beifahrer um mir Notizen zu machen und dann als Fahrer, um die Strecke schon einmal gefahren zu sein. Und dann wurde ich direkt ins kalte Wasser geschmissen und bekam eine Gruppe mit insgesamt 6 Autos übertragen! Zum Glück kam ich immer an den geplanten Zielen an.. Wochenlang bin ich mit Spickzettel unter dem Hosenbein gefahren und wurde anfangs jedes Mal nervös, wenn mich die Gäste in große Gespräche verwickelten oder die kleine, rote Kirche nicht schnell genug am Straßenrand auftauchte und mir den richtigen Weg anzeigte 😀 Aber der Spickzettel wurde immer mehr eingekürzt und irgendwann konnte ich tatsächlich alles Abzweigungen im Schlaf beschreiben.

Die Route führte von Hersonissos aus Richtung Lassithi Hochebene in die Berge mit dem ersten richtigen Offroad Part. Nach einem Fotostopp mit Blick auf die Gegend um Avdou und Potamies fuhren wir weiter durch Olivenhaine auf staubigen IMG_2182Wegen und engen Kurven und ich war nur heilfroh, dass nicht eine brenzlige Situation auftrat, bei der das Wohl und die Gesundheit der Gäste auf dem Spiel standen. Bei der Strecke und den steilen Abhängen hätte nur Einer mal querschlagen müssen und es wäre passiert.. Nunja wir erreichten dann das kleine, traditionelle Dorf Karouzanos auf gut 700m Höhe, wo offiziell nur 12 Einwohner leben. Von Kafenion Besitzer Jiorgos bekamen die Gäste Kaffee, frischen O-Saft oder Soft Drinks gereicht und wer wollte, konnte sich bei seiner Mutter mit frischen Kräutern oder Honig und Olivenöl aus seinem eigenen Anbau eindecken.

Nun kam der größte und anspruchsvollste Teil denn wir fuhren quer über die Insel bis an die Südküste. IMG_2268Ich kann nicht mal mehr genau sagen, wo wir überall langgefahren sind. 😀 Bis auf ein paar Dörfer wie Avli, Skinias, Lagouta und Dermati kann ich mich an nichts mehr erinnern außer an die vielen Wegmarken wie bestimmte Ruinen, Bäume, Schilder oder Mauerreste. Auf jeden Fall war es ein guter Mix aus Offroad und Straße und der Großteil der Gäste hatte wirklich Spaß auf der Tour. Zum Glück war ich auch verschont geblieben von anstrengenden Gästen, die sich den Regeln widersetzten oder Autopannen mitten im Nirgendwo. Solche Geschichten blieben fast ausnahmslos an meiner französischen Kollegin hängen (an deren Stelle ich schon längst gekündigt hätte bei so vielen Autopannen bedingt durch schlecht gewartete Fahrzeuge…). IMAG3045Endlich im Süden angekommen, in Tsoutsouros, wartete schon Kostas in seiner Taverne auf die hungrigen und staubigen Gäste und hatte das Essen bereits vorbereitet. Immer aber auch wirklich immer gab es griechischen Salat, Hühnchen mit gebratenem Gemüse und Melone oder Orangen als Nachspeise. Ohne Frage war das Essen sehr lecker, wenn auch nicht groß mit Liebe angerichtet. Aber abgesehen davon kann man das als Guide nach spätestens 1 Monat nicht mehr sehen. So aßen wir entweder separat je nachdem was in der Küche vorbereitet wurde oder in meinem Fall irgendwann gar nichts mehr als von oben kritisiert wurde, dass wir nicht mit den Gästen zusammen essen. Klar ist es schön für die Gäste zusammen mit den Guides zu essen, aber wer isst bitte 5x die Woche Hühnchen und wann dürfen wir bei 7 Stunden Fahrtzeit und Alleinunterhaltersein auch mal Zeit für Privatsphäre haben?

Nach dem Essen gab es immerhin noch etwas Freizeit um am Strand zu entspannen oder mit den Kollegen zu schwatzen, die nach und nach eintrudelten. Und dann kam der schwierigste Teil – die Rückfahrt. IMG_2328Die Strecke war nicht sonderlich schwer zu lernen und anfangs gings es direkt auf den abenteuerlichsten Offroad Teil mit steilen Serpentinen über Stein und Geröll. Der Ausblick belohnte die staubige Fahrt und alle waren durchgerüttelt und hellwach 🙂 Doch dann zog sich die Strecke mühsam dahin mit langen Straßenabschnitten, wenig landschaftlichen Highlights und gut 2 Std Fahrt am Stück. Nicht selten sind die Beifahrer hier weggenickt und die Fahrer mussten ebenfalls mit Müdigkeit kämpfen.  Irgendwann erreichten wir endlich den Ort Kastelli, wo wir für einen Kaffee einkehrten um dann anschließend den restlichen Weg von knapp 30 min zurück zum Startpunkt anzutreten. Eine ziemlich anstrengende Tour für Guide und Gäste aber doch sehr interessant um die Insel kennen zu lernen.

 

Jeep Authentic
Die nächste wichtige Tour war die Authentic Route durch die Berge hinter Hersonissos. IMG_7065Sie war um einiges kürzer und entspannter zu fahren als die Südtour und bereitete mir doch schlaflose Nächte. Denn sie fand maximal 1-2 mal die Woche statt, bot also nicht so viele Möglichkeiten zum Üben und sicher werden. Bis zum Ende der Saison war ich noch auf einen kleine Spickzettel angewiesen! Meiner Meinung nach war der Offroad Anteil hier größer wenn auch nicht ganz so spektakulär wie bei der vorigen Tour. Anfangs fuhren wir eine halbe Ewigkeit auf der Old National Road bis wir endlich bei Gouves ins Landesinnere einbogen und von da an fast nur noch im Gelände fuhren. Erster Halt war die Höhle von Skotino oder auch „Ag. Paraskevi“ also heiliger Freitag. IMG_7209Die Gäste konnten die Höhle bestaunen und für uns Guides war dies eine schöne Verschnaufpause in einer seeehr grünen Umgebung rund um die Höhle. Weiter ging es durch die Berge nach Karouzanos wo wir ja schon unsere Kaffeepause auf der Südroute abgehalten haben. Auf dieser Tour allerdings kehrten wir hier zum Mittag ein. Jiorgos grillte das mitgebrachte Fleisch und hatte griechischen Salat und Brot bereits vorbereitet. Nachdem die Gäste sich im beschaulichen Örtchen umgesehen und verdaut hatten, steuerten wir schließlich die Lassithi Ebene an. Wir fuhren zwar nicht direkt hinein aber dafür durch wunderschöne Landschaften mit steilen Berghängen, riesigen Olivenfeldern und einsamen Feldwegen.

Das letzte große Ziel war der Ort Mochos in ebenfalls gut 800m Höhe. Hier besuchten wir die Taverne von meinem Freund Nikos und belohnten uns mit einem leckeren Apfelkuchen, Eisbecher oder Milchshake – je nach Hungergefühl 😀 IMG_7743Wie auch schon auf der Minibus Tour erzählte ich den Gästen hier die Geschichte der Kirche von Mochos, die sehr interessant ist. Denn nachdem die alte Dorfkirche zu klein für die wachsende Bevölkerung wurde, entschied man im Ortszentrum eine neue, größere Kirche zu bauen. Der Priester segnete die Baustelle, legte den Namen der neuen Kirche fest und man begann zu buddeln. Dabei wurde eine alte Ikone entdeckt, die jedoch dem Namensgeber der alten Kirche gewidmet war. Demnach war dieser Ort „von Oben“ für eine Kirche mit einem ganz anderen Schutzheiligen vorgesehen. Also baute man kurzerhand eine größere Kirche mit zwei Eingängen und zwei verschiedenen Innenräumen, die jeweils dem alten bzw. neuen Schutzheiligen gewidmet waren. Schöne Idee eigentlich. Die alte, kleine Kirche ist übrigens immer noch im Ort zu finden und wird weiterhin als Gotteshaus genutzt.

IMG_7246Nach diesem Abstecher fuhren wir auf der normalen Straße die Serpentinen Richtung Stalida hinunter und genossen einen wunderbaren Blick auf die riesige Bucht in der sich Malia, Stalida und Hersonissos aneinander reihen.
Tour Nummer 3 entsprach original der zweiten Tour, nur dass sie eine Halbtagestour war und nach dem Besuch in Karouzanos bereits wieder zum Ausgangsort zurück führte. 🙂

 

Das waren also die Jeep Touren und Abenteuer des letzten Jahres. IMG_7045Anfangs war ich tatsächlich mehr als begeistert! Nahezu täglich hatte man die Chance quer über die Insel zu fahren und dabei Wege abseits der öffentlichen Straßen zu entdecken. Die Landschaft ist wirklich unbeschreiblich schön gewesen! Vor allem im Frühjahr leuchteten der gelbe Klee und die roten Mohnfelder schon von Weitem und mit Tsoutsouros haben wir einen Ort angefahren, der angenehm ruhig und kaum touristisch erschlossen war. Unvergessen bleiben „Attacken“ von Zikaden im Auto und ungeplante Stopps durch schlafende Schafe mitten auf den Feldwegen. Besonders schön waren auch immer die Begegnungen mit Einheimischen, die uns am Straßenrand mit frischen Weintrauben überraschten oder aus den Kafenions freudig lächelnd grüßten.

 

ABER – und jetzt kommts… Es ist bekanntlich nicht alles Gold was glänzt!! Nach außen hin mag dies ein wunderbares Abenteuer für die Gäste gewesen sein. Den TripAdvisor-berichten zu Folge haben wir auch einen super Job gemacht. Aber wenn man weiß, in welchem Zustand die Jeeps waren und wie Jeder von uns versucht hat, bestimmte Jeeps nicht in seine Kolonne aufnehmen zu müssen, dann kann man nur heilfroh sein, dass es zu keinen größeren Vorkommnissen kam! Motoraussetzer durch Überhitzung und Reifenpannen waren da echt noch das Entspannteste. Dazu kam, dass zu den durchschnittlich 7-8 Stunden reine Fahrtzeit noch die Zeit kam, in der wir die Gäste von den Hotels einsammelten oder zurückbrachten. Und noch davor mussten wir ja erst einmal alle Jeeps für den Tag vorbereiten, sie in Kolonne parken und grob überprüfen. Und so kam es, dass mein Arbeitstag in der Regel um 7 Uhr begann und gegen 19-20 Uhr zu Ende war. Dass ich noch eine Fahrtzeit von je 30 Minuten vor mir hatte, war da noch das geringste Problem. So, und wenn man pro Tag um die 10-12 Stunden arbeitet, die Touren vielleicht 3-5 mal die Woche fährt (plus die Minibus Touren an den übrigen Tagen) und generell nur ca. alle 10 Tage einen freien Tag hat, kann sich ja jeder ausrechnen, auf was für eine Wochenstundenzahl ich gekommen bin.

Und als wenn dieser Job alleine nicht schon zeitraubend gewesen wäre, habe ich nebenbei ja noch als Strandtester gearbeitet und bin so zwischen April und Oktober auf gerade einmal 2 freie Tage gekommen!!! Und dass auch nur, weil meine Familie zu Besuch war. Es gibt zwar noch weitere, vor allem Administrative Gründe, die zu meiner Entscheidung führten, aber letztendlich bereue ich nicht einen Moment meine Entscheidung, den Job Ende September beendet zu haben und von diesem Moment an „für immer“ mit dem Kapitel der Firma beendet zu haben. Andernfalls hätte mein Körper früher oder später vor Energiemangel und Überarbeitung kapituliert.. Eigentlich sehr schade, da ich das Konzept der Individuellen Ausflüge und Touren durchs Hinterland sehr spannend gefunden und auch die Ausflüge selbst sehr genossen habe. Unter anderen Umständen und arbeiterfreundlicheren Arbeitsbedingungen wäre der Job auch definitiv eine Option auf längere Zeit gewesen. Aber es war eine Erfahrung wert! Und wer mich in diesem Jahr verfolgt hat weiß, dass es die allerbeste Entscheidung war, den Job zu beenden um zu meinem jetzigen Beruf als Reiseleitung finden zu können. Denn soo glücklich und ausgeglichen war ich schon seit langem nicht mehr!! 🙂

Und damit viel Spaß mit den Fotos der Jeeptouren und bis demnächst!
Eure Viola

 

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Kategorien: 2018/2019, Beiträge Apr-Nov | Ein Kommentar

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