2018/2019

Havanna Highlights – Tag 7

Tag 7 – Auf Streifzug durch die Hauptstadt

Knapp eine Woche sind wir nun schon auf Kuba unterwegs und dabei bereits vom (fast) äußersten Osten bis in den Westen gereist. Nun hatten wir es also nach Havanna in die Hauptstadt von Kuba geschafft und waren mehr als gespannt auf die kommenden Tage.

Havanna ist mit rund 3 Mio. Einwohnern die größte Stadt Kubas und sowohl touristisches als auch politisches Zentrum des Landes. img_6318aAuch die Hauptstadt wurde vom spanischen Konquistador Velázquez gegründet, allerdings zunächst an der Südküste der Insel bis sie 1519 an ihren heutigen Standpunkt verlegt wurde, wo sie um die Bucht von Havanna herum gewachsen ist. Lange Zeit war sie die wichtigste Hafenstadt zwischen Amerika und Europa. Der vollständige Name lautet Villa de San Cristóbal de la Habana, die Kubaner kürzen aber mit la Habana ab. In Havanna pulsiert das Leben. Fast rund um die Uhr herrscht Trubel auf den Straßen und als Neuling in der Stadt ist man schnell von den vielen Eindrücken überfordert. Zum Glück hatten wir unseren Guide Eduardo dabei, der sich bestens auskannte und Havanna als seine Lieblingsstadt bezeichnet. 

Wir starteten den Tag mit einer kleinen Stadtrundfahrt vorbei am Malecón, der längsten und wahrscheinlich bekanntesten Uferpromenade der Welt und verschiedenen Botschaften und staunten über die vielen baufälligen Gebäude direkt daneben. Hier sah man nicht nur die starken Auswirkungen von der Seeluft oder vergangenen Hurricanes, sondern auch, dass oftmals das Geld für die Sanierung der Gebäude fehlt. Bevor wir die Stadt weiter zu Fuß erkunden konnten, rief uns Eduardo alle kurz zusammen und betonte noch einmal, dass es gerade hier in der Stadt wichtig sei, zusammen zu bleiben. Zur Sicherheit gab er uns aber seine Handynummer mit dem Hinweis: „Ruft mich gerne einmal an und sagt, Eduardo, ich liebe dich! Das geht!“ 😀 Hat sich dann aber doch niemand getraut … hihi

Im Zentrum angekommen setzten wir unsere Tour also zu Fuß fort und passierten enge Gassen, schöne img_6242aPlätze und eine Menge interessanter Geschäfte für die jedoch leider keine Zeit blieb. Bemerkenswert war, dass uns Eduardo bewusst auch durch die „nicht-so-schönen“ Gassen lotste, denn auch das war Havanna! Ein interessanter Halt war ganz am Anfang das Capitolio im Stadtteil Centro Habana, welches nach dem Vorbild in Washington D. C. gebaut wurde. Einst als Regierungssitz geplant, wird es nun für die Nationalversammlung genutzt und ist trotz Renovierungsarbeiten für Besucher geöffnet. Außerdem entdeckten wir in einer unscheinbaren Straße eine wunderschöne und sehr alte Apotheke, die schon 1910 als zweitwichtigste Apotheke weltweit galt! Sie glich zwar mehr einem Museum mit alten Töpfchen, Waagen und Rezepten, ist aber immer noch unter ihrer eigentlichen Funktion geöffnet.

Kurze Zeit später erreichten wir das Hotel Ambos Mundos. In diesem superteuren Hotel hatte Ernest Hemingway sein Zimmer als er in den 30er Jahren Havanna besuchte. img_6350aDas Zimmer mit der Nummer 511 war zwar leider verschlossen, doch wie es der Zufall wollte konnte ich doch einen Blick hinein werfen. Zusammen mit Eduardo sah ich, wie ein paar Gäste mit einer Hotelangestellten das Zimmer betraten. Also hängten wir uns an ihre Fersen und man öffnete uns sogar die Tür. Für 6 CUC hätte ich sogar hineingehen und fotografieren dürfen, aber der Rundumblick hat mir bereits gereicht. War eben doch nur ein normales Hotelzimmer mit einem berühmten Stammgast. Das Zimmer wird übrigens NIE an Gäste vermietet. Auf der Dachterrasse des Hotels angekommen, hatten wir einen wunderbaren Blick über die Stadt und die Bucht. Noch vor dem Mittag gönnten wir uns unseren ersten Mojito des Tages! 🙂 Von hier sah man auch die ganzen Baustellen, in denen nach und nach die zerfallenen Gebäude aufgebessert und zu teuren Hotels umgebaut wurden.

Weiter ging es zum Stadtteil Habana Vieja und dem Plaza de Armas, dem ältesten Platz der Stadt mit viel Grün und einer von vier Königspalmen umrahmten Marmorstatue von Carlos Manuel de Céspedes. img_6429aEs folgte der Plaza de la Catedral etwas nördlich mit seiner riesigen Kathedrale „La Catedral de la Virgen María de la Concepción Inmaculada de La Habana“ oder auch kurz Catedral de San Cristóbal. 😀 Sie wurde Mitte des 18. Jahrhunderts zu Ehren von Kolumbus erbaut, dessen Gebeine sogar bis 1898 hier begraben waren. Auffällig an der Kathedrale sind ihre zwei asymmetrischen Türme und die Fassade aus Muschelkalk. Um Fotos zu schießen und uns ein wenig umzusehen, ließ uns Eduardo etwas Zeit und wie wir so durch die Nebengassen steuerten standen wir auf einmal vor der bekannten Bar „La Bodeguita del Medio„. Hier soll es laut Hemingway den besten Mojito geben!

Wir besuchten noch den Palacio de la Familia Pedroso, einen schönen Palast mit vielen Torbögen und verschiedenen Geschäften für Bekleidung, Musikinstrumente oder Rum. img_6484aUnd als Schmankerl stand vor dem Mittagessen schließlich das Havana Club Rum Museum auf dem Plan. Darauf hatte ich mich schon den ganzen Tag gefreut! Wir bekamen direkt eine Führung durch das Museum und wurden an großen Modelllandschaften, alten Zuckerrohrpressen und riesigen Kanistern vorbeigeführt. Es gab einen netten Film über die Geschichte des Rums und eine Erklärung der verschiedenen Rumsorten und zum Abschluss natürlich auch ein Gläschen Rum zum Probieren. 😛 Übrigens habe ich endlich recherchiert, was es mit der bekannten „Havanna Figur“ auf sich hat, die auf jeder Flasche zu finden ist. Die sogenannte Giradilla ist die älteste Schmiedearbeit (1630) und das Wahrzeichen Havannas und stellt Ines de Bobadilla dar, die nach ihrem Mann Ausschau hält. Aha!

Frisch betankt kehrten wir dann in unserem Mittagslokal, dem Restaurant Bar Bra ein. Ein pik-feiner Laden mit wahnsinnig leckerem Essen, noch besserem Service und Mojitos mit extra Rum als Willkommensgetränk. Da hatte Eduardo mal was richtig Gutes rausgesucht!

Doch damit war der Tag noch lange nicht zu Ende. Wir fuhren zum Cementerio Colón, dem Stadtfriedhof und mit 800.000 (!!!!) Gräbern dem größten Friedhof von ganz Lateinamerika. img_6595a40 bis 50 Beerdigungen finden hier täglich statt. Es gibt sogar ein eigenes Straßennetz mit 20 Kilometern Länge! Hier liegt zum Beispiel Ibrahim Ferrer begraben, der sympathische Buena Vista Social Club Star, der 2005 leider verstarb. Es gibt Gräber in den unterschiedlichsten Stilen, von gotischen Kathedralen und ägyptischen Pyramiden bis hin zu großen Marmorkirchen und riesigen Engelsstatuen. Zu fast jedem Grab gibt es eine Geschichte. Das höchste Gebäude ist z.B. das Mausoleo de Bomberos, ein Denkmal für 28 Feuerwehrmänner, die im Kampf gegen einen Großbrand 1890 ums Leben kamen. Das bekannteste und meist besuchteste Grab ist das der „Milagrosa„. Hier liegt Amelia Goyri begraben, welche als img_6598aBeschützerin der kranken Kinder und der unfruchtbaren und leidenden Mütter gilt. Sie starb im Alter von 23 Jahren an den Folgen einer Totgeburt. Das Besondere an diesem Grab: Um die werdende Mutter zu retten, entnahm man ihr das totgeglaubte Kind bei einer OP, wobei sie jedoch starb. Sie wurde also begraben, mit dem ungeborenen Kind zu ihren Füßen. Doch als man den Sarg 13 Jahre später wieder öffnete, sollen beide keine Zeichen der Verwesung gezeigt und das kleine Kind auf einmal in ihrem Arm gelegen haben. Seeeeehr mysteriös… Ihr verwitweter Mann besuchte das Grab weitere 27 Jahre lang bis zu seinem Tod täglich und ging dabei immer nach dem gleichen Schema vor, welches uns Eduardo demonstrierte. Zunächst kündigte er seinen Besuch durch das Klopfen mit dem Messingring auf dem Grab an. Er hinterlegte frische Blumen und verließ das Grab wieder auf der anderen Seite. Heute schmeißt man einen CUC in eine Dose und äußert seine Wünsche und Ängste in der Hoffnung auf Beistand der Milagrosa und berührt den Popo des Babys an der großen Marmorstatue auf dem Grab. Ganz wichtig beim Verlassen des Grabes ist, das Grab rückwärts zu verlassen um der guten Frau nie den Rücken zuzukehren. Und auch hier klopft man wieder mit dem Messingring um sich zu verabschieden. Das Grab ist mittlerweile zu einer Pilgerstätte geworden und wird noch heute nach genau dem selben Schema besucht. Rund herum findet man Unmengen an Blumen und Dankesschriften von Menschen, denen die Milagrosa geholfen oder ihre Krankheiten geheilt hat. Sehr beeindruckend und irgendwie auch berührend das Ganze.

Der Tag neigte sich langsam dem Ende und es stand nur noch ein Stopp auf unserem Plan – der Revolutionsplatz – Natürlich! Mit 72.000 m² ist er der größte innerstädtische Platz ganz Kubas. Um den Platz herum befinden sich sämtliche wichtige Gebäude wie das Innenministerium, die img_6653aNationalbibliothek oder das Teatro Nacional. Dominierend ist jedoch das riesige José Martí Denkmal mit einer 18m hohen Statue und einem 109m hohen Turm, dem höchsten Bauwerk der Stadt. Wir hielten auf einem Parkplatz in der Nähe des großen Platzes und hatten so einen guten Blick auf das Geschehen. Fast noch interessanter waren allerdings die vielen, bunten Oldtimer und knallgelben Fahrrad Taxis um uns herum. Ein paar von uns blieben gleich dort und ließen sich mit dem Oldtimer Taxi zum Hotel zurück fahren. 🙂

Wir nahmen jedoch den Bus und erlebten nicht nur einen starken Wellengang am Malecón, sondern auch einen traumhaften Sonnenuntergang über dem Meer. Zurück im Hotel blieb uns ein wenig Zeit zum frisch machen bis wir schon wieder im Bus saßen und zu unserem Abendlokal fuhren. Den Abend könnte man als „Servicetiefpunkt“ zusammenfassen 😀 Das Essen war wirklich gut, da kann man nichts dran bemängeln! Wir hatten ja schon oft das Gefühl, als Gruppe einfach nur „abgefertigt“ zu werden, aber der Abend hier war wirklich der Knaller. Ich hatte noch nicht einmal mein Hauptgericht aufgegessen, da wurden die Teller der Anderen am Tisch schon abgeräumt und der Nachtisch gebracht – auch mir. Ich bat freundlich darum, das Eis (!!) doch bitte zurück zu stellen und mir später zu bringen, da ich noch nicht aufgegessen hatte und in dem kleinen, flachen Raum gefühlte 30°C herrschten. Interessierte aber keinen und der Eisbecher wurde mir einfach hingestellt. Und obwohl der Raum so schon eng genug war und eher einem Keller glich, durfte natürlich die Band nicht fehlen. Die spielte jedoch so laut, dass man sich beim Essen nicht annähernd unterhalten konnte und schaute noch dazu so unmotiviert, das habe ich noch nie gesehen. Der Knaller kam jedoch gegen Ende, als wir gerade so unser Dessert verspeist hatten. Mit einem „Now pay the Drinks!“ kam eine Kellnerin an den Tisch und forderte das Geld ein. Sie nannte die Preise der Getränke, wobei wir uns bei 2 CUC für ein Glas Wein schon wunderten. Als wir ihr jedoch etwas mehr Geld als nötig herausgaben und auf unser Wechselgeld warteten, hieß es auf einmal, das Glas würde 5 CUC kosten und weg war unser Geld. Den Rest des Abends kann man so zusammenfassen: Es entstand eine mega Diskussion zunächst zwischen Verena und der Kellnerin, die sich später einen Kollegen zur Hilfe holte. 😀 Das ließ unsere Löwin Verena jedoch kalt und nachdem das Gleiche auch an anderen Tischen passiert sein soll, wurde es immer mehr zu einer Großdiskussion. Eduardo stand unbeholfen dazwischen und versuchte zu vermitteln, aber was konnte er schon dafür?

Auf dem Rückweg entschuldigte er sich zig Mal für die Vorkommnisse und versprach von nun an, VOR jedem Essen nach den Getränkepreisen zu fragen, was er tatsächlich tat und mich regelmäßig zum Schmunzeln brachte. Die Stimmung im Bus allerdings war super und da wir Eduardo so nicht ins Bett gehen lassen wollten, überredeten wir ihn zu einem Drink an der Hotelbar. Fast die gesamte „Nicht-Komfortgruppe“ 😀 fand sich an der Bar ein und bis spät in die Nacht besserten wir unsere Gemüter mit Cuba Libre und Mojito wieder auf. War ja irgendwie doch nur alles halb so wild. 😉

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Und damit ging der erste Tag in der Hauptstadt Kubas zu Ende. Wahnsinn, wie viel man an einem Tag erleben kann und damit hatten wir ja nur einen Bruchteil der Stadt gesehen! Doch noch hatten wir ja etwas Zeit und schon am nächsten Tag wartete das komplette Kontrastprogramm auf uns. Ich sage nur: viel Grün, viel Nass und viiiel Natur.

Aber bis dahin erst einmal viel Spaß mit den Havanna Eindrücken!

 

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