2018/2019

Praslin und La Digue – Zwei Inselparadiese

Ein neuer Morgen in der Marina von Praslin. Wind und Wellen hatten merklich abgenommen und trotz aufkommendem Schnupfen, konnte ich relativ ruhig schlafen.
Für den 9. Tag hatten wir wieder einen Landgang geplant, um auch die zweite Hauptinsel – Praslin – nicht nur vom Wasser aus zu sehen. Dazu mussten wir jedoch unsere Boote umparken und fernab vom Steg den Anker werfen. Genau an diesem Tag sollte nämlich der Anlegesteg ausgetauscht werden. Nachdem das Boot also umgeparkt war, fuhren wir mit unserem Dinghi ans Ufer und mit dem Großraumtaxi zum Botanischen Garten von Praslin.

Mit einer Fläche von rund 60 km² ist Praslin die zweitgrößte Granitinsel der Seychellen. Und auch wenn der Tourismus einen immer größeren Stellenwert einnimmt, verdienen viele der 7.500 Einwohner ihr Geld weiterhin im Fischfang oder der Landwirtschaft. Praslin ist eine extrem grüne Insel, die in der Längsachse von einer Bergkette durchzogen wird und nur an den Küstenstreifen bebaut ist. Zu den Highlights zählt hier vor allem die Natur mit ihren Traumstränden oder Botanischen Gärten und Nationalparks. Und genau dorthin sollte es gehen.

IMG_8155aWir besuchten das Naturreservat von Fond Ferdinand im Süden der Insel und wurden direkt am Eingang von einer ganzen Reihe Coco de Mer Früchten empfangen. Wie schon erwähnt handelt es sich dabei um die größte Nuss der Welt, die mit wenigen Ausnahmen nur hier auf Praslin und der Insel Curieuse zu finden ist. Die Bäume können zwischen 200 und 400 Jahren alt werden vermutet man! Der steile Wanderweg führte quer durch den Dschungel, vorbei an Unmengen an Palmen, Farnen, Obstbäumen und weiteren exotischen Pflanzen. Typisch für die Seychellen ist beispielsweise auch der rote Sandelholzbaum. Seine roten Samen sind gut 0,6 cm groß und können gekocht verzehrt werden – roh sind sie giftig! Getrocknet werden sie aber auch als Schmucksteine verwendet und ein Vögelchen zwitscherte mir, dass es Glück bringen soll, wenn man 3 Stück davon bei sich trägt. Also habe ich gleich ein paar eingesammelt. 🙂

IMG_7959aDas Highlight der Wanderung waren ohne Frage die Aussichtspunkte oberhalb des Naturparks. Von hier konnte man die gesamte südliche Bucht von Praslin, sowie die Nachbarinsel La Digue und im Hintergrund sogar einige andere Inseln sehen. Zwischen ihnen schimmerte das Meer in allen Grün- und Blautönen und wohin man auch sah, dominierte saftig grüner Dschungel das Landschaftsbild. Was für ein schöner Anblick!! Lediglich die Temperaturen um die 30°C machten uns etwas zu schaffen… Zurück an Bord besuchte uns dann gleich noch ein Fischer, dem wir 2 Fische für den Abend abkauften, auch wenn er uns am liebsten den gesamten Fang verkauft hätte. 🙂 Immerhin wurden die Fischchen gleich ausgenommen und versprachen ein leckeres Abendessen.

Nach dem Mittagessen machten wir uns auf zur Nachbarinsel La Digue. Vor Ort wurde jedoch festgestellt, dass der Hafen ja viel zu flach für unsere Boote ist – Überraschung – also drehten die anderen Boote spontan ab, wir folgten einfach mal. Über Funk wurde schließlich geklärt, dass es wieder zurück nach Praslin geht, jedoch in eine größere Bucht an der Westseite. Gesagt, getan und nach „nur“ 2 Versuchen hatten wir unser Boot verankert. 🙂 Um sicherzugehen sprang ich gleich als Erste ins Wasser und tauchte dem Anker hinterher. Nachdem alles für schick befunden und auch vom Käpt’n abgenickt war, genossen wir ganz entspannt den Indischen Ozean und den Blick auf die Bucht von Anse Volbert.

Für die nötige Action am Tag sorgte schließlich das Abendessen IMG_8573aund zwar höchstpersönlich. Der erste vorbereitete Fisch hatte es sich gerade auf dem Außengrill an der Reling bequem gemacht und die erste Grillkohle geschnuppert, da schaffte es doch tatsächlich eine Welle, unseren Grill umzukippen und den Inhalt samt Grillkohle UND Fisch über Bord zu werfen. War das ein Aufschrei! 😀 Zum Glück war der Fisch gut in Alufolie gewickelt worden und schwamm nun im Mondschein an der Wasseroberfläche. Ohne lange zu überlegen sprangen Vera und ich ins Dinghi und paddelten dem Fisch hinterher – das Abendessen war gerettet! Immerhin hatten wir ja noch einen funktionierenden Ofen, der nun als Alternative dienen sollte. Angeheizt war er ja, man hätte aber vielleicht den Fisch hineinschieben sollen. 😀 😀 Schlussendlich landeten beide Fische zwar spät aber vollständig auf dem Tisch und was soll man sagen? Das Warten hatte sich gelohnt! Erstaunlicherweise schmeckte der doppelt gefangene Fisch sogar etwas besser. Beim gemeinsamen Abwaschen mit Fitti war mal wieder Zeit für ein paar philosophische Gespräche und natürlich auch für ein Gläschen Wein. 🙂

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Tag 10

Ich hatte es tatsächlich mal wieder geschafft, zum Sonnenaufgang aufzustehen, wenn auch nur sehr knapp. Generell startete der Tag für uns alle sehr früh, denn wir hatten Einiges vor. Noch vor dem Frühstück lichteten wir den Anker und machten uns noch einmal auf den Weg nach La Digue. Frühstück gab es unterwegs wo wir bereits morgens um 8:30 Uhr mit fast 30°C beglückt wurden. Wir hatten uns zwar inzwischen an die Temperaturen gewöhnt, doch der Übergang von angenehmen 20°C zum Sonnenaufgang zu fast 30°C nur wenige Minuten danach, war immer wieder ein kleiner Schock.

Heute sollte es also endlich nach La Digue gehen, wo wir mit dem Fahrrad die Insel erkunden wollten. Barbara und Tanja, die bereits hier gewesen waren, hatten alles durchgeplant und organsiert. Für die meisten Mitsegler war das kein Problem, da sie sich eh nicht viel mit der Destination beschäftigt hatten. Mir persönlich war die ganze Gruppenbewegung inzwischen zu viel geworden. Als jemand, der fast ausschließlich alleine reist und sich dementsprechend viel mit der Reiseplanung beschäftigt, musste ich mich einfach abkapseln um ganz unvoreingenommen und ohne Erfahrungsberichte die Insel erkunden zu können.

IMG_8303aLa Digue ist für Viele die schönste Insel der Seychellen. Zahlreiche Buchten mit feinsandigen Stränden und riesigen Granitfelsen bilden Traumkulissen, die nicht ohne Grund Drehort vieler Werbespots waren. Auch im Landesinneren tauchen zwischen tropischen Wäldern immer wieder die grauen Felsen auf und irgendwie scheint hier alles mindestens 2 Gänge langsamer zu laufen. Der Name der Insel stammt übrigens von einem französischen Forschungsschiff. Das Hauptverkehrsmittel der knapp 2.500 Einwohner ist das Fahrrad, Haupteinnahmequelle neben dem Tourismus vor allem die Landwirtschaft. Die Insel besitzt extrem fruchtbaren Boden und neben verschiedenen Gewürzpflanzen wie Vanille, Zimt und Muskat werden natürlich auch Kokospalmen und sämtliche Obstpflanzen von Bananenstaude bis Papayabaum angepflanzt. All das auf gerade einmal 10 km².

DIMG_8260aa der Hafen von La Digue immer noch zu flach für unsere Boote war, ankerten wir kurzerhand vor der Küste, ließen unsere Skipper an Bord zurück und fuhren mit den Dinghis zur Insel. 🙂 Direkt am Hafen war auch schon die Bikestation, an der wir uns mit schicken, bunten Fahrrädern versorgten. Zunächst setzte sich die ganze Truppe von fast 20 Mann auf einmal in Bewegung doch schon nach einigen Metern verlief sich das Ganze und mit Vera und Axel vom Nachbarboot bildete ich das kleine Schlusslichtgrüppchen. Das kam uns natürlich ganz recht, denn so konnten wir ganz entspannt über die Sandwege cruisen, spontan auf kleinen Nebenstraßen zum Strand fahren und in aller Ruhe ein kühles Getränk samt Traumausblick in der hübschen Old Pier Beachbar genießen. Wir besuchten die Hauptkirche „Notre Dame“ am Strand von Anse Reunion, entdecken ein paar Traumhafte Luxusvillen direkt am Strand mit tropischem Garten und sogar den alten Friedhof der Insel sowie eine schöne Holzvilla im Kolonialstil, das Union Estate. Am Giant Union Rock, einem riesigen Granitfelsen etwas entfernt vom Strand, kümmerten sich Riesenschildkröten gerade um ihre Arterhaltung 😀 und etwas später erreichten wir endlich den großen Sandparkplatz, wo wir unsere Räder zu den vielen anderen stellten. Von hier an ging es nur noch zu Fuß weiter.

Was nun folgte, war eine Aneinanderreihung von Eindrücken, die sich in ihrer Einzigartigkeit überschlugen. JIMG_8296aaa, wir waren am langen Strand von Anse Source d’Argent angekommen. DEM Strand, der schon so oft in Werbefilmen oder exotischen Kalendern aufgetaucht war. Wider Erwarten waren es eher viele kleine Strandabschnitte, die immer wieder von großen grauen, vom Meer geformten Granitfelsen unterteilt wurden. Stellenweise lief man sogar durch Steintore hindurch. Und noch erstaunlicher war, dass keiner der Abschnitte von Touristen überfüllt war, man teilweise sogar ganz alleine im Sand stand. Lediglich an der plötzlich auftauchenden Saftbar mitten im Dschungel fanden wir ein paar Menschen. IMG_8338aNach und nach trafen wir auch die anderen Segler wieder, die sich inzwischen gut verteilt hatten. Das hatte echt schon viel paradiesisches mit dem Puderzuckerweichem und hellen Sand zwischen den Zehen, dem türkis leuchtenden Wasser und den Felsen und Palmen, welche die Szenerie einrahmten. Ich hätte noch Stunden hierbleiben können! Dafür blieb jedoch etwas zu wenig Zeit, also machten wir uns nach viiiielen Fotos wieder auf den Weg zu unseren Fahrrädern. Unterwegs kamen wir auch noch an ein paar schicken Souvenirständen mit Schmuck aus Muscheln und Perlen oder Fläschchen mit Vanilleextrakt vorbei. Natürlich nicht, ohne ein paar Mitbringsel für die Familie zu besorgen. 🙂

Unsere Fahrt führte uns nun etwas abseits vom Strand in eine Plantage mit vielen Gewächshäusern, Maisfeldern, Papayabäumen und natürlich Kokospalmen. IMG_8423aIrgendwie gerieten wir dabei mitten in eine grasende Kuhherde hinein, die sich aber wenig für uns interessierte. Etwas später lockte uns eine kleine Holzhütte am Wegesrand, die sich als Gewürzparadies entpuppte. Die freundliche Besitzerin erzählte uns alles Mögliche über Vanille, Zimt und Curry, erklärte die Unterschiede in der Verarbeitung und zeigte uns auch gleich die Palmen und Vanillepflanzen im Garten, aus denen sie ihre Extrakte und Essenzen gewonnen hatte. Ein paar frisch geerntete Minibananen gab es umsonst dazu und natürlich shoppten wir auch hier wieder was das Zeug hält. Weihnachten war schon mal gerettet! 😀

Auch wenn wir noch stunden- ja sogar tagelang über die Insel gecruist wären, war es Zeit zum Hafen zurück zu kehren. Das Postoffice dort hatte leider geschlossen, die Briefmarken von la Digue sollen nämlich einen sehr hohen Sammlerwert haben. Na dann eben beim nächsten Mal. 😛 Generell hat mich La Digue mehr als umgehauen. Die Menschen waren so wunderbar entspannt, wie sie mit ihren Dreadlocks auf gepimpten Fahrrädern über die sandigen Wege cruisten. Bei so viel Gelassenheit und positiver Energie waren die schwitzigen Klamotten und nervigen Diskussionen an Bord auf einmal sowas von egal. Ich fühlte mich auch fast ein wenig „benebelt“, als wir mit dem Dinghi zurück zu unserer „LAGAN“ fuhren und unseren Blick einfach nicht von der Insel abwenden konnten. Da wir nur ein Bötchen hatten, fuhr uns kurzerhand Rasta Harry mit seinem Boot und verabschiedete sich freundlich von uns. Das Leben kann so einfach sein. 🙂

Noch viele Tage lang versuchte ich die Erinnerungen an barfuß Spaziergänge im weichen Sand oder Fahrradtouren auf Sandwegen lebendig zu halten. Ob die TUI auch Reiseleiter auf La Digue braucht? 😛 Naja Schluss mit Träumen – zurück zur Realität! Wir tuckerten noch ein Weilchen an der Westseite der Paradiesinsel entlang und setzten etwa 6 km weiter nördlich nach Grand Soeur über. Grand Soeur und Petit Soeur werden auch als Schwesterninseln bezeichnet und haben sogar zusammen nur eine Fläche von 2 km². Die Inseln sind privat und bieten nur teuer zahlenden Übernachtungsgästen die Möglichkeit für einen Besuch. Aber wir wollten ja eh nur vor Anker gehen.

IMG_8506aDas Ankern wurde wie immer eine langwierige Geschichte da 3 Boote gleichzeitig versuchten, den besten Platz zu bekommen und sich dann auch noch ein Jetski Fahrer so ungünstig positionierte um Baden zu gehen, dass wir unseren Plan wieder ändern mussten. Das Anker Abtauchen wurde für den Tag gestrichen. Zum einen hatten wir schon bei der Anfahrt einen großen Rochen aus dem Wasser springen sehen und zum Anderen meinte einer der anderen Segler, beim Tauchen einen kleinen Hai gesehen zu haben. Später bekamen wir sogar Unterwasserbilder zu sehen! Mehr als große Fische konnten wir vom Boot jedoch nicht erkennen. Dann muss das Haare waschen eben warten … 😀

Nach dem Essen war ich so müde, dass ich noch auf der Sitzbank eingeschlafen bin. Das Schaukeln der Wellen ist aber auch sehr einschläfernd. Unter Deck ist das schon wieder ganz anders, denn in der Koje liegend, hört man nicht das Wellenrauschen, sondern wie sie gegen den Rumpf schwappen. Und das ist dann wiederum nicht sehr entspannend. Irgendwie wurde ich dann aber doch noch wach und hockte mal wieder mit Fitti auf dem Deck und philosophierte über Gott und die Welt beim Blick auf den Sternenhimmel. Das scheint uns beiden wohl ganz gut zu tun. 😉 Als ich jedoch immer öfter wegnickte, verabschiedeten wir uns in unsere Kojen und ließen uns in den Schlaf schaukeln. In der Hoffnung, dass die Wellen abnehmen und der Anker halten würde.

2019-12-07-08 Praslin-La Digue-Grand Soeur

Und damit gehen zwei aufregende Tage mit wunderbaren Landausflügen zu Ende. Viel Spaß bei den Bildern mit den traumhaften Eindrücken der vergangenen Tage!

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Kategorien: SEYCHELLEN 2019 | Hinterlasse einen Kommentar

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