SEYCHELLEN 2019

Roundtrip Mahé und die letzten Tage im Paradies

Das war sie also, die letzte Nacht vor Anker und vor einer kaum besuchten Insel! Der kurze Regenguss am Morgen hatte den Tag eingeläutet und ein letztes Mal genossen wir unser Frühstück beim Blick auf den menschenleeren Strand von Silhouette. Etwas später kam wie immer die Idee auf, mit dem Dinghy an Land zu paddeln/ fahren und die Insel zu erkunden. IMG_9361aDank Achim vom Nachbarboot war auch schnell ein bereitwilliger Dinghyfahrer gefunden, doch leider sah die Brandung vom Wasser mal wieder harmloser aus, als sie es eigentlich war. Plötzlich waren wir mitten in der Brandungszone gefangen. An Land kommen passte nicht und beim Versuch wieder aufs Meer zu fahren wurden wir nur so von den Wellen überrollt. Mit 6 Leuten war das kleine Bötchen eh schon ordentlich belastet, aber durch die ganzen Wassermassen, die auf einmal im Boot waren, hatten wir echt zu kämpfen aus der Zone herauszukommen. Zum Glück schafften wir es irgendwann, wenn auch mit nassen Füßen und wasserschöpfend. Für die meisten war der Tag damit gelaufen. 😀 Klar, ganz ungefährlich war das nicht, aber so dramatisch fand ich das nun auch nicht. Beim Schulen auf Fuerte hatte ich schon öfter mit vollgelaufenen Booten zu kämpfen, ob durch die Wellen oder den Regen. Allerdings hingen da auch 40 PS am Boot statt 10…

Das Thema Landgang war also abgehakt. Da meine Füße und Badesachen aber eh schon nass waren, schnappte ich mir einfach Kamera und Taucherbrille und erkundete die Unterwasserwelt. 100_2192cNeben den kleinen, gestreiften Fischen tauchten diesmal auch die relativ großen Batfish oder auch Fledermausfische auf. Riesige Fische, die sehr schmal sind, dafür aber fast 50 cm breit und hoch und irgendwie alles andere als scheu. Statt wegzuschwimmen, kamen sie auf mich zu und waren überall um mich herum. Das war zwar schön für die Kamera, aber für einen Schnorchel Anfänger dann doch etwas viel. Also verzog ich mich zurück aufs Boot und die Badeplattform und hielt die Kamera ins Wasser. Und da legten die Ganoven erst richtig los! Ohne Zögern schwammen sie unmittelbar vor der Linse vorbei, tauchten sogar aus dem Wasser und gingen dann auch noch auf die Kamera los. Vielleicht spielten sie auch.. wer weiß. Im Video könnt ihr euch ja ein eigenes Bild machen.

Nun hieß es also Abschied nehmen vom gemütlichen Segler-Entdecker-Dasein. Die Rückfahrt zur Hauptinsel stand kurz bevor. Noch konnten wir das Ganze aber etwas herauszögern, indem wir die Insel Silhouette umkreisten und den einzigen Hafen der Insel auf der Ostseite besuchten. Auch hier war die Insel von Bergen und Dschungel dominiert. Optisch war dies definitiv die schönste Insel der Seychellen!

Die Fahrt zurück nach Mahé führte uns durch spiegelglattes und tiefblaues Wasser, das ölig schimmerte, so ruhig war das Meer. IMG_9439aGemütlich schipperten wir dahin, vertrieben uns die Zeit mit Schlafen, Lesen und Fotografieren und bekamen sogar ein paar Delfine zu sehen. Lediglich das Motorengeräusch störte, aber wie soll man sonst ohne Wind vorankommen? In Mahé angekommen, mussten wir zunächst die Tankstelle in Victoria, der Hauptstadt ansteuern. Ein separater kleiner Hafen, mit dreckigem und stinkendem Wasser, einem nicht gerade motiviertem oder kommunikativem Tankwart und einem „Hafenimbiss“, in dem tatsächlich Menschen saßen. Unverständlich, wie man beim Anblick von toten Fischen und Müll im Wasser sein Essen genießen kann.

Als das auch endlich erledigt war kam die Idee auf, die letzte Nacht im vorgelagerten Ste-Anne-Meeresnationalpark zwischen den Inseln zu verbringen. Die anderen beiden Boote folgten dieser Idee, wir bevorzugten es dann aber doch, im sicheren Hafen von Eden Island zu liegen. Über Mahé hatte sich nämlich in den letzten Stunden eine beachtliche schwarze Wolke zusammengebraut und wer weiß schon, was das zu bedeuten hat? Abgesehen davon, versuchte ich immer noch verzweifelt die Inselrundfahrt für den nächsten Tag zu organisieren und brauchte dazu einen Internetzugang. Ach ja und eine richtige Dusche mit fließendem Wasser konnten wir auch nicht ausschlagen. 😀 Wir legten am erstbesten Steg der Marina an wo ich von Bord sprang und in voller Montur zum Eiscafé rannte – Sonnencreme verschmiert und durchgeschwitzt, nicht der schönste Anblick aber gut. Das Café hatte zum Glück noch länger offen! Zeit also, etwas runterzukommen, die Tour für den Folgetag zu organisieren und endlich ein paar Nachrichten und Fotos in die Heimat zu schicken. Etwas später saßen wir dann mit der gesamten Crew im Café und genossen unser hart verdientes Eis, welches uns Captain Andreas für die gewonnenen „Wettfahrten“ versprochen hatte.

Die Stimmung am Abend war ausgelassen und fröhlich. Ein letztes Mal in drückender Hitze kochen! Wir versuchten noch ein paar der Dosen zu vernichten, die wir gehortet hatten, aber wie erwartet blieben einfach viel zu viele Lebensmittel übrig. Ein trauriger Anblick und das bei den Kosten hier! Da hätten wir uns einiges an Geld sparen können, aber hinterher ist man immer schlauer. Frisch geduscht – welch schönes Gefühl – und Wein besudelt fielen wir müde ins Bett.

Tag 15

Wie vereinbart wurden wir am Morgen von meinem „alten Bekannten“ James an der Marina abgeholt. BIMG_9502aeim Tourenanbieter hatte ich extra nach ihm gefragt und es dauerte nicht lange, da waren alle von ihm begeistert. Unser „Stammgrüppchen“ von 8 Leuten hatte sich für den Ausflug wieder zusammen gefunden um die Hauptinsel bei einer Tagestour kennen zu lernen. Auch wenn ich die Tour schon vor 2 Wochen gemacht hatte, war es eine ganz andere Erfahrung mit bekannten Leuten um mich herum, einem ausgezeichneten Reisewetter und damit einer ganz anderen Atmosphäre. James freute sich über die bunte Truppe und beantwortete all unsere Fragen zur Insel und den Bewohnern. Die Stopps ähnelten sich im Grunde der ersten Tour, wenn auch die Reihenfolge verändert war. Im Botanischen Garten hatte James vorgesorgt und eine geführte Tour organisiert. Wahrscheinlich, damit ich nicht wieder ewig lang durch die Beete renne und Fotos mache. 😀 Die Riesenschildkröten kamen diesmal nicht so gut an, dafür hatten wir einfach zu viele freilebende Exemplare in den letzten Tagen gesehen.

Die Mittagspause machten wir wieder am Beau Vallon Beach im Norden. Typisch Deutsch stellten wir uns hinter ein paar einheimischen Kids an einem Foodtruck an um bestellen zu können. Das störte jedoch die kommende Großfamilie nicht, die sich einfach am Tresen verteilte, ihre Bestellung aufgab und nun erst einmal 10 Personen versorgt werden mussten. Wir nahmen es gelassen und freuten uns über die vielen Kids um uns herum mit ihren lustigen Frisuren und bunten Klamotten. 🙂

BIMG_9746aeim Aussichtspunkt der Queen, der Mission Lodge, bekam ich auch endlich die volle Schönheit dieses Plätzchens zu sehen. Der Ausblick auf die Westseite der Insel war einfach umwerfend! Auch nach 2 Wochen habe ich mich am leuchtenden Blau des Meeres und dem saftigen Grün des Dschungels noch nicht satt gesehen. Von der Teefabrik gab es diesmal beste Sicht. Unsere Gruppe war zum Glück deutlich interessierter als meine indischen Engländer letztens… So besuchten wir nun auch die Teefabrik von innen, bestaunten alte Geräte und neue Maschinen und kauften gefühlt den halben Teeshop leer. 😀 Auch in der Hauptstadt Victoria musste ich mich wieder zurückhalten, nicht in jedes Geschäft zu rennen. Ein paar Postkarten und ein schönes Shirt sind aber doch noch rausgesprungen.

Ein besonderes Highlight war selbstverständlich die Rumverkostung in der Takamaka Destillerie. IMG_9854aDiesmal war alles tropisch-weihnachtlich geschmückt und wir bekamen eine wunderbare Verkostung von einem sympathischen Seychellois geboten. Der Typ hätte einem fast alles verkaufen können mit den Augen! 😀 Mit jedem Glas stieg die ohnehin gute Stimmung, auch weil Fitti uns die gesamte Verkostung spendiert hatte. Eine wunderbare Idee! Reichlich angetütert, mit Rum und anderen Andenken ausgestattet, traten wir langsam die Rückfahrt an. Wir hatten ja bereits einige schöne Strände gesehen, doch einen wollte uns James unbedingt noch zeigen – seinen Lieblingsstrand, die Anse Intendance.IMG_9930a Er hatte wirklich nicht zu viel versprochen! Als wir durch den Dschungel zum Strand gelangt waren, breitete sich ein riesengroßer Strand mit hellem Puderzuckersand vor uns aus. Eine chillige Beachbar samt strahlendem Rastafari gab es natürlich auch. Hach war das schön! Ich wäre am liebsten hiergeblieben! Hier machten wir auch ein schönes Gruppenfoto zusammen mit James, der wieder einmal einen super Job gemacht hatte. Zurück in der Marina bedankten wir uns ausgiebig bei ihm und hinterließen neben einem sehr guten Trinkgeld auch viel positives Feedback. Ich freute mich wirklich für ihn, dass er eine so entspannte und interessierte Gruppe in uns erwischt hatte, die offen, lustig und begeisterungsfähig war.

Den letzten Abend in großer Runde verbrachten wir im Italienischen Restaurant in der Marina. Nicht die beste Idee, wenn man den Service betrachtet.. Gleich eine ganze Reihe an Bestellungen wurde vergessen, die einen aßen schon, als die anderen noch nicht mal ihre Getränke hatten. Und generell waren die Leute hier einfach nicht so fit und mitdenkend wie beim Inder Tage zuvor in der selben Marina. Aber was solls, das Essen war lecker und wir hatten einen schönen Abend, den wir bei einem letzten Drink auf unserem Boot ausklingen lassen wollten.

Tag 16

Bereits um 5:30 Uhr war die gesamte Crew auf den Beinen, da ein Großteil der Segler bereits die Heimreise antrat. Wir verabschiedeten uns so gut es ging, versuchten noch ein wenig vom übrig gebliebenen Proviant unterzubringen und plötzlich war das Boot nur noch halb belegt. Nach ein paar weiteren Stunden Schlaf fanden wir uns also zu fünft beim Frühstück – Drei Prüssilas von der LAGAN und Jochen und Sarah vom Nachbarboot MLJET. Schon sehr komisch, wenn auf den Booten kaum noch Betrieb ist. Wenig später verließen auch wir unsere schwimmenden „Hotels“, stellten das Gepäck bei unserem tollen Italiener vom Vorabend unter und fuhren mit dem Linienbus in die Stadt. Das war schon ein kleines Abenteuer wie wir mit dem erstaunlich modernen Bus durch steile Kurven fuhren und er bei jeder Bremsung stark zu quietschen begann. Die Zugluft während der Fahrt war auch nicht ohne. Aber wir erreichten Victoria sicher und schnell und teilten uns in 2 Grüppchen auf. Jetzt war endlich mal Zeit genug, sich die Stadt in Ruhe anzusehen.

BIMG_9721aei 30°C im Schatten hatte ich doch glatt vergessen, dass wir uns mitten in der Adventszeit befinden! 😀 Irgendwie war das ein ganz besonderes Gefühl in Shorts über den Markt zu schlendern und dabei amerikanische Weihnachtslieder zu hören und Plastiktannenbäume zu bewundern. Zusammen mit Jochen habe ich mich auch überwunden und getrockneten Fisch probiert. Super salzig und nicht wirklich mein Geschmack, aber die Seychellois scheinen es zu mögen. In der Stadt selbst war alles dekoriert und mit Lichtern versehen, die laut James mit Solarenergie betrieben werden. Und generell war es mal schön, ganz entspannt durch die Straßen und Geschäfte zu schlendern. Auch wenn wir uns diesmal wirklich Zeit beim Spazieren ließen, hatten wir nach ein paar Stunden gefühlt die gesamte Stadt gesehen. In knapp 10 Minuten ist man von Ost nach West durch die Stadt gelaufen. 😀 Nicht ohne Grund munkelt man, Victoria sei die kleinste Hauptstadt der Welt! Auf jeden Fall ist sie die einzige Stadt der Seychellen mit knapp 30.000 Einwohnern, was mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist.

IMAG5916aZurück in der Marina gönnten wir uns ein letztes gemeinsames Eis, ließen unsere Meilenbücher abstempeln und verabschiedeten uns schließlich voneinander. Tschüss Marina, Tschüss Yachtleben! Für die letzten zwei Nächte hatte ich eigentlich eine schöne Unterkunft im Dschungel gebucht. Die erste davon ließ ich bereits verstreichen, um noch eine Nacht mit der Crew an Bord zu verbringen. Doch irgendwie erreichte ich seit Tagen niemanden in der Unterkunft. Als ich nun auf gut Glück einfach hingefahren war, stellte sich doch echt heraus, dass ich überbucht worden war!! Da schreibt man tagelang Nachrichten, versucht anzurufen und dann sowas. Dabei war das echt eine wunderschöne Location mitten im Dschungel, mit Obstbäumen herum und aufgeweckten Vögeln in den Bäumen. 😦

Man entschuldigte sich schließlich und bot mir an, in ein anderes Hotel direkt am Strand zu ziehen. Was blieb mir auch übrig? Also zum nächsten Hotel. Ja es war neu und es lag am Strand. Aber es war einfach mal mitten im Bau, eine Ecke im Zimmer war komplett offen und das Klimaanlagenwasser der Zimmer über mir rauschte vorbei. Nebenan schrien ein paar kleine Kinder durch die hellhörigen Wände und das Hotel lag direkt an der Hauptstraße des Orts. Ohje – aber es war ja nur eine Nacht.. IMAG6026aImmerhin konnte ich jetzt endlich mal vom Strand aus im Meer baden gehen und im warmen Wasser schwimmen. Vom Boot aus war das irgendwie erfrischender! Zum Abendessen spazierte ich einfach an der Straße entlang bis ich ein kleines Hotel mit offenem Restaurant fand. Das Essen war ganz gut und man hatte hier seine Ruhe, ich war aber einfach so müde, dass ich noch am Tisch mehrmals wegnickte. 😀 Also marschierte ich lieber zurück zur Unterkunft, wo ich noch einmal mit dem Gepäck kämpfte und schließlich müde ins Bett fiel.

Die Nacht war wieder kurz und super warm. Die einzige Lüftungsmöglichkeit war die Terrassentüre, die ich auf Anraten der Besitzer in der Nacht geschlossen lassen sollte und Klimaanlage beim Schlafen geht einfach nicht. Was soll’s? IMG_0017aIch genoss die letzten ruhigen Minuten am Strand, fotografierte noch einen letzten Sonnenaufgang und wurde schließlich vom Taxi abgeholt. Das Gute an dieser Überbuchungsaktion war, dass das Taxi die erste Unterkunft umsonst gestellt hatte und beide Unterkünfte glaubten, ich hätte bei der jeweils anderen bezahlt. Auf jeden Fall hat mir die Buchungsplattform bei keiner Unterkunft eine Nacht berechnet. 😀 Seltsam.. Am Flughafen schaffte ich es nun endlich mal meine Postkarten zu schreiben und abzuschicken und noch ein paar Souvenirs zu kaufen. Und dann war der Moment gekommen, in dem ich vom Paradies Abschied nehmen musste. 😦 Dabei schaffte ich es mal wieder, als Letzte in den Flieger zu steigen… Bei einem Abflug pro Tag sahen die das aber nicht so streng am Flughafen. 😀 Bei allerschönstem Wetter flogen wir noch einmal über den Meeresnationalpark mit seinen Inseln und dem strahlend blauen Wasser. Über Afrika konnte man sogar die Wüsten, Seen und Siedlungen erkennen und zum krönenden Abschluss flogen wir sogar genau über Kreta hinweg und wenn man der Anzeige trauen kann, sogar genau über „mein Dorf“!! 🙂

2019-12 Tour Gesamt

Ein Überblick über unsere „besuchten“ Inseln

Tja und damit geht mal wieder ein großes Abenteuer zu Ende. Die kleinen Inselchen eingerechnet haben wir 8 oder 9 Inseln angesteuert und besucht, um die 300sm zurückgelegt und von Sonne und Flaute bis hin zu Gewitter und Sturmböen alles erlebt. Landschaftlich sind die Seychellen einfach nur ein Traum und ich hoffe, irgendwann mal zurückkehren zu können! Auch kann ich jedem nur empfehlen, die Insel mit einer Schiffsreise zu erkunden, sofern man denn seefest ist. Es gibt keine bessere und günstigere Möglichkeit, an die vielen traumhaften Strände und Inseln zu kommen, morgens auf menschenleere Strände zu gucken und abends die tollen Sonnenuntergänge auf dem Meer zu genießen!

In diesem Sinne viel Spaß mit den letzten Bildern und Videos der Reise!

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Und hier die letzten bewegten Bilder!

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