Ausgeschlafen und voller Energie startete ich in den zweiten Tag auf den Seychellen.
Der erste Gang führte natürlich gleich zum Fenster um mich zu vergewissern, dass ich wirklich hier war und nicht nur geträumt hatte. 🙂 Travis, der Besitzer der Villa hatte schon am Abend das Frühstück vorbereitet und während noch alle schliefen machte ich es mir mit einer Tasse Tee und einem Obstsalat aus frischen Papayas und Mangos auf der Veranda bequem. Das Obst kam direkt aus dem Garten und war super lecker! Anschließend bekam ich Besuch von den nächsten Villa Gästen, einem deutschen Paar, die gerade von einem Segeltörn zurück kamen. Sie waren genau mit den Booten unterwegs, die wir am Nachmittag beziehen würden. 😀 Zufälle gibt es.. So unterhielten wir uns gleich über das Revier, das Wetter der vergangenen Tage und ich bekam viele Tipps zu Ankerplätzen, tollen Inseln und kleinen Restaurants. Das ging doch gut los.
Als der Regen aufgehört hatte und die Sonne ihr Bestes gab, spazierte ich ein wenig durch die Bucht von Anse Boileau, in der „meine“ Villa lag. Sie war rundherum von dichtem Dschungel eingerahmt und im Wasser schaukelten die kleinen Boote der Fischer. Durch den Regen wurden leider viel Seegras und Dreck an den Strand gespült, aber ich wollte ja eh nicht baden gehen. Besonders überrascht war ich von den vielen Einwohnern, die mich einfach mitten auf der Straße grüßten. Ob Kinder, Männer oder Frauen, alle lächelten freundlich und so lächelte ich natürlich zurück. 🙂
Mittags wurde ich von Travis, zur Marina auf „Eden Island“ gefahren. Dort lagen die ganzen Yachten der Vercharterer und hier sollte ich zum ersten Mal die anderen Segler kennen lernen.
Die Marina war für afrikanische Verhältnisse super aufgebaut. Neben Geldautomaten, einem Supermarkt, Waschräumen und verschiedenen Shops gab es alles, was für einen Törn nötig war. Am besten war natürlich der Blick auf die Bootsstege, an denen Unmengen an Yachten aller Art und Preisklassen standen. Ist doch immer wieder spannend, über die Stege zu spazieren und die ganzen Boote zu begucken. Mit einem Haufen Gepäck und einem frischen Mangosaft in der Hand wartete ich also in der großen Eingangshalle bis ich etwas später die ersten beiden Seglerinnen kennen lernte. Tanja und Barbara waren wie ich schon früher angereist und hatten durch einen Urlaub auf den Inseln schon etwas Erfahrung mit den Gegebenheiten. Stunden später trafen endlich die anderen ein, die alle zusammen direkt vom Flughafen zur Marina gefahren waren. Außer Andreas, einem der Skipper, und Dani, meiner „Segelfreundin“ vom letzten Törn, kannte ich noch niemanden. Aber wir machten uns schnell bekannt und auf den ersten Blick waren wir eine bunt gemischte Truppe aus 22 Seglern und Skippern, die darauf warteten, ins Abenteuer zu starten.
Es dauerte jedoch noch eine ganze Weile bis unsere Skipper im Büro gebrieft wurden und wir die Boote beziehen konnten. Da es bereits um 18:00 Uhr dunkel wurde, beeilten wir uns mit den obligatorischen Einkäufen und versuchten Unmengen an Proviant in den Stauräumen unterzubekommen. Leider sind die Seychellen auch ein sehr teures Pflaster und so haben wir echt 1.400€ für den Einkauf ausgegeben!! Viel zu viel, auch was die Auswahl der Lebensmittel betrifft, aber es hieß ja, wir bekämen nur selten die Möglichkeit frisch einzukaufen und auf den Inseln würde es noch teurer sein… Nagut. Super müde und geschafft vom Tag kamen wir schließlich beim Inder am Steg zusammen, wo wir vorher zum Glück reserviert hatten. Die meisten Mitsegler kannten sich schon über die Hamburger Segelschule, welche den Törn veranstaltete und waren zum Teil auch schon auf anderen Törns zusammen gesegelt. Ich hatte jedoch Müh‘ und Not mir Namen und Gesichter zu merken, aber nach dem Tag war das eher nebensächlich. 🙂 Zum Glück war das Restaurant auf uns vorbereitet und das Essen wurde schon nach kurzer Zeit gebracht. Die Teller wanderten über die Tische und so konnte sich jeder mal durchprobieren und die indischen Leckereien testen. Einen Regenschauer gab es auch noch dazu und dann hatten wir nur noch ein Ziel: Duschen und ab ins Bett. Gesagt getan, wäre da nicht das Problem mit den undichten Luken… Das Seitenfester unserer Kabine ließ sich leider nicht dicht schließen und so regnete es schön hinein. Nur eins der vielen Probleme auf unseren Booten… Notdürftig stopfte ich ein Kissen davor und versuchte so das Schlimmste zu verhindern. Wir saßen noch ein wenig an Deck zusammen und wurden zum Abschluss des Tages mit einem Geschenk überrascht. Barbara und Tanja hatten für unsere Crew T-Shirts mit unseren Namen und einer Seychellen Schildkröte gedruckt – nun konnte uns jeder als Team Andreas erkennen – eine super schöne Idee!
Tag 3
Der nächste Tag bestand aus Warten. 😀 Die Boote wurden uns zwar übergeben, aber eine Abnahme war noch nicht erfolgt.
Und da schon beim Vorabendcheck klar wurde, dass es so Einiges zu bemängeln gab, warteten wir auf die Mitarbeiter des Vercharterers. Wir beeilten uns extra mit dem großen Adventsfrühstück aber wie erwartet, kam natürlich keiner zur vereinbarten Zeit. Der Techniker kam dann zwar irgendwann, konnte unsere Probleme aber nicht wirklich lösen und so hieß es weiter warten. Mit undichten Luken und einem Rettungsboot mit Platten wollten wir nicht unbedingt starten… So schliefen wir ein wenig an Deck während neben uns die Regenschauer durchzogen, quatschten mit den anderen Crewmitgliedern und versuchten den stark böigen Wind einzuschätzen. Eins unserer Boote traute sich zwar aus der Marina heraus um die Bedingungen zu checken, aber der starke Wind, hoher Wellengang und der Regen obendrauf, ließen die Crew nicht unbedingt glücklich bei ihrer Rückkehr aussehen. 😀 Bei einem Spaziergang zum Ende der Stege entdeckten Dani und ich sogar eine Meeresschildkröte, die das Moos und Seegras abknabberte. 🙂
Neben unserem Skipper gab es nur noch einen weiteren Mann an Bord. Fitti servierte uns zum Sonnenuntergang spontan einen leckeren Aperol Spritz und war von da an für die Drinks an Bord zuständig. Eine gute Entscheidung. 🙂 Ein leckeres Currygericht, einige weitere Drinks und viele Gespräche später war der erste Tag an Bord schon vorüber. Ein Techniker war bis zum Abend nicht mehr gekommen, aber ehrlich gesagt, hatte daran auch keiner mehr geglaubt.
Tag 4
Eine weitere, unruhige Nacht in der Marina liegt hinter uns. Regen und Sturm haben weiterhin ihr Bestes gegeben und die Seile am Steg zerren lassen. Die Wettervorhersage änderte sich beinahe stündlich. Der Stand am Morgen war, dass es auch an diesem Tag zu heftig sein würde und am kommenden Tag sogar noch zunehmen soll – bis 9 Bft waren angesagt. Ich startete schon, eine Inselrundfahrt als Alternativprogramm für den nächsten Tag zu organisieren. Doch unsere Skipper wurden hibbelig, also versuchten wir irgendeinen Weg aus der Marina heraus zur Meeresseite zu finden, um Wind und Wellen auf See zu checken, aber abgesehen von den Bootsstegen war der Rest der künstlichen Insel für uns nicht zugänglich.
Kurz zur Erklärung: Die Marina befindet sich auf einer künstlich angelegten Insel namens Eden Island. Da man die Natur der Insel nicht in Mitleidenschaft ziehen wollte und durch die vielen Berge auch begrenzt Platz zum Bauen hatte, wurde ein Megaprojekt gestartet und eben diese Insel geschaffen. Neben der Marina gibt es dort auch ein Luxushotel, mehrere Hundert Privathäuser und Apartments und ein paar Restaurants und Shops. Alles zu einem entsprechenden Preis natürlich. Von Weitem betrachtet sieht Eden Island echt interessant aus. Alle Häuser sind im ähnlichen Stil gebaut und haben neben den weißen Wänden ein rotes Dach und viel Grün drumherum. So ist sie schon von Weitem zu erkennen.
Da unsere Suche nach einem Platz zum Checken der Konditionen nicht gerade erfolgreich war, wurde nun beschlossen, dass ein Boot zum Testen rausfahren sollte. Wer wollte, konnte sich also in die Wellen stürzen. Als kleiner Schisser hatte ich mich aus dem Kreis der Freiwilligen schnell zurück gezogen bis es auf einmal hieß: Boot klar machen zum Auslaufen. Whaaat?? Mit undichten Luken?? Skipper Karl vom Nachbarboot kam mit Panzertape um die Luken abzudichten und ehe ich nachdenken konnte, waren wir schon auf dem Weg aus der Marina heraus. Natürlich habe ich kein Problem mit viel Wind und Wellengang – so habe ich schließlich meinen Lehrgang und auch die Prüfung absolviert. Allerdings hatte man dort einen Blick auf das Meer und kannte die Crew und ihre Möglichkeiten. Bei 5 Frauen an Bord, von denen keiner das Revier kannte, war mir jedoch mehr als mulmig zumute. Nichts gegen Seglerinnen, aber woher sollte ich wissen, ob sie bei den Bedingungen auch zupacken könnten?
Wir navigierten uns also zwischen den Untiefen hindurch aus dem Schutz der Marina und Eden Island und gelangten in den Bereich zwischen der Insel Mahé und den vorgelagerten Inseln des Ste-Anne-Meeresnationalparks. Hier wurden Wind und Welle schon merkbar stärker. Dann kam erstmals Hektik auf, als wir die Segel setzen wollten. Eigentlich kein schwieriges Manöver, doch die ungewohnte Position der Winschen (das sind die großen „Klötze“, um die man die Schot herum legt und damit das Segel setzen, bergen oder die Schoten führen kann) und der nicht besprochene Ablauf des Manövers, ließen Unsicherheiten aufkommen. Das Segeln an sich lief ganz gut und auch die Welle war schwächer als erwartet, vielleicht 1,5m. Doch so langsam häuften sich die Probleme mit den Winschen, einfache Manöver wie eine Wende wurden zum Stressakt, die Steuerfrau wurde unsicher und schnell wuchs daraus eine gereizte Atmosphäre, bei der recht ruppig miteinander kommuniziert wurde. Ich hielt mich aus alldem raus und wurde einfach nur unsicher. Seit gut einem Jahr war ich nicht mehr gesegelt und das ungute Gefühl im Magen beim Frühstück war auch nicht besser geworden.. Naja, es kam wie es kommen musste, Viola fütterte zum ersten Mal im Leben die Fische, 😀 die Crew fand keinen richtigen Draht zueinander und zum Boot und bevor das Boot ganz auseinander fällt, entschieden wir umzukehren statt wie geplant zur nächsten Insel zu segeln. Mein Gott war das ein Akt!
Zurück in der Marina ging es mir zum Glück wieder besser. Seekrankheit schließe ich mal aus, das wäre untypisch für mich.. Aber mein Magen scheint wohl etwas deutlich auf Stress und Unsicherheit reagiert zu haben. 😀 Ich versuchte noch einmal eine Tour für den Folgetag zu organisieren, bekam auch ein unschlagbares Preisangebot, doch nun sollten sich die Bedingungen für den nächsten Tag auf einmal gebessert haben. Noch immer hatten wir kein einsatzbereites Rettungsboot an Bord oder die Luken abgedichtet…
Den Rest des Tages nutzte jeder für sich um wieder etwas runterzukommen. Es folgte eine lange Teambesprechung über den ersten Segelversuch am Vormittag und ob wir am nächsten Tag nun Segeln oder die Insel erkunden würden und auch wenn es irgendwann ein wenig anstrengend wurde, war es doch ganz gut, mal Dampf abzulassen. So langsam lernte ich meine Mitsegler kennen. Nachdem wir nun mehr als spät zum Essen kamen, wollte ich aber einfach nur ins Bett. Mit einem ungewissen Blick auf den nächsten Tag blieb mein Magen weiterhin flau und während ich so in meiner Koje schaukelte, fing ich echt an, den Törn in Frage zu stellen bzw. ob meine Entscheidung dafür falsch gewesen sein könnte… Was für ein Start! Zum Glück besserte sich das in den kommenden Tagen!
Tag 5
So schnell sind 5 Tage um.. Und noch immer haben wir die Hauptinsel nicht verlassen. Wieder einmal konnte ich kaum schlafen. Auch, da wir am Abend zuvor beschlossen hatten, nun doch die Insel zu verlassen und endlich unseren Törn zu starten.
Nicht ganz überzeugt hatte ich meine Zustimmung gegeben, doch die Bedingungen schienen tatsächlich besser geworden zu sein. Diesmal stand ich auch am Steuer und fühlte mich direkt besser. Auch die gesamte Crew war deutlich entspannter. Bis zu unserem Ziel, der Insel Praslin waren es knapp 4 Stunden und etwas mehr als 30 Seemeilen. Am frühen Nachmittag erreichten wir schließlich die Insel und eine schöne Bucht in der wir ankern wollten. Durch das seitliche Riff und Niedrigwasser blieb dazu nicht allzu viel Platz, aber wir konnten unser Bötchen sicher verankern und nun endlich das erste Mal in den Indischen Ozean hüpfen!! Das Wasser war etwas frischer als erwartet, aber bei bestimmt 23°C wollen wir mal nicht meckern. 😉
Nach und nach machten wir uns auf den Weg zur kleinen Marina von Praslin, wo wir über Nacht bleiben wollten. Die Einfahrt war schon etwas spannend, denn auch hier gab es wieder viele Untiefen und Sandbänke und nur einen schmalen, ausreichend tiefen Kanal, den es zu treffen galt. Wir kamen als letztes der 3 Boote an und fanden leider keinen freien Liegeplatz mehr. Na das lief ja super mit der Reservierung über das Hafenbüro… Wir gingen also längsseits ins Päckchen mit einem Segelkatamaran und bekamen sogar Lob vom Chefskipper Karl für unser Anlegemanöver. Gerade als wir das Boot fertig gemacht und für den Abend vorbereitet hatten, brach ein weiterer Schauer samt Gewitter über uns herab. Ich wusste ja, dass wir in der Regenzeit auf den Seychellen waren, aber dass es soo oft regnen würde hatte ich nicht erwartet. 🙂 Meinem Magen ging es auch nach dem Abendessen immer noch gut, aber die Unsicherheit über die eigene Gesundheit blieb. War ich echt anfällig für Seegang geworden? Man klebte mir eines dieser Anti-Seekrank-Pflaster hinters Ohr und ob es nun daran lag oder nicht, hatte ich keine weiteren Probleme bis zum Ende der Reise.

Unsere Bootsnachbarn waren zufällig auch Deutsche und mit dem gleichen Vercharterer unterwegs. Technische Probleme an den Booten und ein lockerer Umgang mit Beanstandungen seien auch ihnen aufgefallen. Und dabei war das echt einer der größten Anbieter weltweit… Naja, die Nachfrage ist vermutlich so groß, dass es denen auf ein paar unzufriedene Kunden nicht ankommt. Immerhin wussten wir uns zu helfen. Für den nächsten Tag planten wir ein paar weitere Inseln zu besuchen und auch einen Landgang anzustreben – schauen wir mal, was daraus wird.
Bis dahin gibt es erst mal ein paar Bilder und die Aussicht auf den ersten Landgang samt Schildkröten, tollen Unterwasseraufnahmen und weiteren Abenteuern auf See!