… 700 km in 2 Tagen bis auf 800 m Höhe
endlich hat es mal geklappt und ich konnte mir zwei freie Tage am Stück sichern und meine große Westkreta Tour starten. Nach mehreren Recherchen in meiner Reisebibel und Tipps von Andi, stand die Route fest. 2 knackige und voll gepackte Tage standen also vor mir.
Los
ging es früh um 9 mit dem Auto erstmal gute 3 Stunden Richtung Westen vorbei an Heraklio und Rethymno. Unterwegs gab es schon den ersten Halt an einem kleinen Strand unterhalb der Autobahnbrücke, wo sich ein Fluss durch den Strand schlängelt und ins Meer fließt. Auf der anderen Seite gab es die griechische Version vom „Blue Window“ zu sehen. (Das Original steht als Azure Window in Malta 😛 )
Weiter ging es an der Küste entlang über Georgioupoli nach Chania. Kleine Zwischenstops gab es an den Stränden von Kokino Chorio und Almerída, die aber einfach nur schöne Strände waren und keinen großen Aufenthalt verlangt haben. In Chania wollte ich eigentlich die Akrotiri Halbinsel abfahren und ein paar Strände sowie das Grab von Venizelos besuchen.
Zum Grab von Eleftherios Venizelos, Premiermenister und einer der bedeutendsten griechischen Politiker im 19./20. Jh, hab ich immerhin gefunden. Das Grab wurde, auf seinen Wunsch, 1936 auf der Akrotiri Halbinsel vor Chania errichtet und direkt daneben eine Freiheitsstatue aus Stein gesetzt, die die Kämpfe der Kreter für die gewünschte Freiheit symbolisiert. Aha! Venizelos ist übrigens auch der Typ, den man auf der griechischen 50 ct Münze findet 😉
Anschließend wollte ich eigentlich auf der Halbinsel herumfahren, hab mich dann aber mitten in Chania in der Shoppingstraße wiedergefunden und bin schließlich durch die ganze Stadt durch und weiter Richtung Westen gefahren.
Nachdem ich in Maleme an einem Soldatenfriedhof vorbeigefahren bin, auf dem 4465 deutsche Opfer vergraben liegen, (die Deutschen hatten 1941 den dort vorhandenen britischen Feldflughafen angegriffen und waren scheinbar nicht erfolgreich..) fuhr ich bis nach Kolimbari und erkundigte nun die nächste Halbinsel Rodopos. Ganz im Norden dieser Halbinsel befindet sich der nördlichste Punkt der Insel. Leider kann man diesen aber nicht ganz erreichen, sondern nur bis nach Menies, einem kleinen Ort mit noch kleinerem Strand vordringen. Die Fahrt dorthin führte über Schotterwege wie ich sie noch nie gesehen hab!! Also ganz ehrlich, nach der Fahrt dorthin kann ich locker bei der Rally Dakar mitfahren. Erstaunlich, was mein kleiner Chevi wieder mitgemacht hat und das, obwohl ich mehrmals dachte, den Unterboden durch Steinschlag geschrottet zu haben…
Am Strand hab ich einen Deutschen getroffen, der jedes Jahr für eine Woche dorthin fährt und zeltet um sich zu entspannen. Auf seine stark esoterisch angehauchte Art zu reden gehe ich mal lieber nicht ein 🙂 Von ihm habe ich die tollsten Geschichten und Sagen über den Ort gehört. Der Strand soll wohl als Schutzfestung der Deutschen gedient haben (die waren auch überall..) wovon die wenigen noch vorhandenen Mauerreste zeugen. Außerdem soll sich Diktina, eine Griechin in einen griechischen Gott verliebt und weil sie ihn nicht bekommen hat, von den Klippen gestürzt haben. Dort haben sie die Nymphen aufgefangen und gerettet. Auf den Klippen wurde später ein Tempel errichtet, welcher dieser Ditkina gewidmet wurde…
Auch wenn ich das Angebot, dort am Strand zu Zelten sehr verlockend fand, wollte ich die einstündige Fahrt über die Schotterpiste lieber noch am selben Tag vor Sonnenuntergang hinter mich gebracht haben und fuhr wieder weiter.
Unterwegs musste ich ständig anhalten, weil ich durch eine Ziegenherde ausgebremst wurde. Entweder sprangen sie von den Felsen und spazierten auf der Straße herum, oder sie wurden in riesigen Herden von ihren Hütern zum nächsten Ort getrieben. Die Griechen haben jedesmal Panik geschoben um die Ziegen beisammen und am Straßenrand zu halten, ich dagegen hatte meinen Spaß und trottete der Herde langsam hinterher. 🙂
Der Tag neigte sich langsam dem Ende zu und genau zwischen den beiden nordwestlichen Inselvorsprüngen fand ich kurz vor Kastelli eine kleine Fischtaverne, die auch noch Zimmer vermietete. Für einen unschlagbaren Preis bekam ich ein riesiges Zimmer direkt am Meer mit unschlagbarem Ausblick, dem Sonnenuntergang auf der einen und dem Sonnenaufgang direkt auf der anderen Seite vom Balkon. Leckeren Fisch und Saganaki Käse sowie einen Ouzo gab es auch noch dazu. Ziemlich fertig von der ganzen Fahrerei fiel ich schon gegen 10 Uhr ins Bett und ließ mich vom Wellenrauschen in den Schlaf wiegen.
Der nächste Tag startete früh, denn ich hatte viel geplant. Nach einem einfachen Frühstück in der Taverne fuhr ich weiter Richtung Westen über Kastelli nach Balos. Balos liegt am nordwestlichsten Punkt und ist unbeschreiblich schön. Schaut euch am Besten die Bilder an, ich werde es wohl nie so gut beschreiben können, wie es tatsächlich aussieht, Auf jeden Fall ist so viel türkises Wasser und weißer Sand einfach nur traumhaft. 🙂 🙂
Von Balos ging es nun nach Süden zum Strand von Sfinari. Im Internet hatte ich tolle Bilder von Felsformationen im Meer gefunden, die vor Ort aber nur noch halb so spektakulär aussahen. Also weiter nach Süden bis nach Chrisoskalitissa zum gleichnamigen Kloster mitten auf einem Fels über dem Meer. Das Kloster wurde in seiner Geschichte oft aufgegeben und unter Anderem von den Deutschen 1944 zerstört (wo waren die eigentlich noch überall?). Mittlerweile wurde es wieder hübsch aufgebaut und mit einem kleinen Museum versehen. Der Name sagte mir eigentlich nichts, aber als ich in der kleinen Kirche des Klosters stand, kam die Erinnerung zurück. Und wenn mich nicht alles täuscht, stand ich vor gut 10 Jahren mit meinen Eltern schon einmal in genau dieser Kirche. Papa, falls du dich dran erinnerst, das war die Kirche in der du mehrmals von einem Mönch angesprochen wurdest, damit du mal dein Basecap abnimmst 😀 Die Kamera hat den Mönch scheinbar nicht gestört 😀
Eigentlich hatte ich noch überlegt, einen kurzen Abstecher nach Elafonissi zu machen, aber auf Grund von Zeitmangel und der Tatsache, dass ich schon 3 oder 4 Mal dort war, das letzte Mal vor gerade einmal 2 Jahren, entschied ich mich doch für den direkten Weg nach Paleochora an der Südküste. Dabei ging es wieder ewig lang durchs Gebirge und Mini Ortschaften. Bei einem Griechen, der am Straßenrand selbstgemachtes Olivenöl, Liköre und Honig verkaufte, staubte ich unterwegs noch für gerade einmal 5 Euro ein riesiges Glas handgelesenes Meersalz ab, welches schon beim Probieren unglaublich lecker war. Nichts im Vergleich zum herkömmlichen Speise- oder Supermarkt Meersalz.
Paleochora ist ein kleiner Küstenort am Lybischen Meer, welcher wohl erst Abends mit seinen ganzen Tavernen und Bars auflebt. Ich hatte das Gefühl, dass hier viele Aussteiger lebten und nur auf den Abend warteten..
Nach einem Päuschen trat ich nun die Heimfahrt an. Es ging eine Stunde lang quer über die Insel von Süd nach Nord und weitere 2 Stunden an der Nordküste entlang Richtung Heimat. Erstaunlich, wie ich die Strecke in nur 3 Stunden geschafft hab, aber wer sagt denn auch, dass man über die Autobahn schleichen muss… ? 🙂 Keine Sorge, ich bin heile und sicher angekommen…
Letzter Halt war meine Fischtaverne in Sissi direkt am Hafen, wo ich mal wieder unverschämt wenig für mein Essen bezahlen durfte und das Mittag- und Abendessen in einem Rutsch nachholte. Irgendwie bleiben solche Sachen wie Mittag oder Snackpausen bei so langen Touren immer auf der Strecke..
Zu Hause angekommen fiel ich, wie immer am freien Tag, fix und alle ins Bett und träumte von Bergen und Serpentinen und Schotterpisten.
Zusammengefasst hatte ich in 2 Tagen mal eben 700 km Fahrtstrecke hinter mich gebracht und bin dabei bis auf 800 m Höhe unterwegs gewesen und fast in den Wolken verschwunden. Die Tage waren super abwechslungsreich, erlebnisreich aber trotzdem anstrengend. Hier mal eben meine Route:
Viel Spaß bei und mit den Fotos, auch wenn es diesmal etwas mehr sein werden 😉
Sonnige Grüße von der Insel

wo war der Wind ???