Ja, ich konnte es mal wieder nicht lassen und habe mich für eine weitere Landrover Tour angemeldet. Die ganzen Routen sind aber auch einfach zu verlockend! Wie es der Zufall wollte, waren gleich noch 2 weitere Kolleginnen mit dabei, doch zum Glück konnten wir uns darauf einigen, einfach nur Touristen zu sein. Ich muss ja nicht an meinem freien Tag auch noch mit Fragen zur Arbeit gelöchert werden. 😉
Der Haken an der Sache kam gleich früh am Morgen, denn ich musste tatsächlich früher aufstehen als an einem normalen Arbeitstag um rechtzeitig am Treffpunkt zu sein. 😦
Aber da muss man eben durch … Wir sammelten die anderen Mitfahrer ein und dann ging es direkt los ins Landesinnere in Richtung Archanes. Praktischerweise war unser erster Halt einer der großen Punkte auf meiner ToDo Liste – der Jiuchtas Berg mit 811m Höhe, der als heiliger Berg gilt und der Mythologie nach das Grab von Zeus darstellen soll. Der Jiuchtas war der erste Berg, den die Minoer bei der Ankunft in Kreta von ihren Schiffen aus gesehen haben sollen. Sogar auf dem Ring von Zeus soll der Umriss eingraviert gewesen sein. Schon spannend diese Mythologie! Auf ca. 800m befand sich die kleine 4-schiffige Afendis Christos Kirche, die verschiedenen Heiligen geweiht worden war.
Spannender als die Kirche und die Mythologie war jedoch ohne Frage der unglaubliche Ausblick, den man von hier hatte! Die gesamte Bucht von Heraklion samt Hinterland erstreckte sich vor uns. Nur die Berge im Hintergrund grenzten die weiten Felder mit Olivenbäumen, Weinreben und kleinen Siedlungen ein. Ach ja, und da die Kirche direkt an der Kante des Berges gebaut wurde, ging es einfach mal mehrere hundert Meter steil bergab – was für ein Nervenkitzel! Ich hätte stundelang hier sitzen bleiben und die Aussicht genießen können!
Aber wir wollten ja weiterfahren. Zum Glück, denn im Dörfchen Loúkia kehrten wir zu unserer ersten Verköstigung ein. Das Frühstück war da schon sehr lange her und so freute ich mich umso mehr über leckeres Brot mit Salz, Oregano und Olivenöl und natürlich das Gläschen Raki. Um die Stimmung zu lockern, erzählten wir unseren Mitreisenden von der Wintermedizin der Kreter, dem Rakomelo. Und da gerade keiner zur Hand war, mixten wir einfach den Honig ins Rakiglas und zack waren alle Halsschmerzen vergessen oder vorgebeugt. 😀 Sonst war dieser Stopp eher unspektakulär. Ein Café am Straßenrand irgendwo im Nirgendwo.
Dann startete endlich das eigentliche Abenteuer, denn wir verließen die bequemen Asphaltstraßen und schlängelten uns über eine serpentinenreiche Schotterpiste in Richtung Südküste. Der Ausblick war nichts für schwache Mägen aber ich fand es genial! Wir fuhren an der Tripiti Schlucht entlang, hielten an einem Aussichtspunkt direkt am Abhang um tolle Fotos zu schießen und gelangten etwas später direkt in die Schlucht hinein. Hier stiegen wir aus und liefen ein kleines Stück zu Fuß durch die Schlucht. Klar, habe ich schon größere, beeindruckende Schluchten gesehen, aber die Tatsache, links und rechts von sich nichts als steile Felshänge zu haben, die durch die Kraft der Natur geformt und auseinander gedrückt wurden, ist immer wieder faszinierend. Nach einigen Metern passierten wir die kleine Kirche Panagia Tripiti direkt im Felsen und nach den letzten Minuten Jeepfahrt waren wir auch schon am Strand von Tripiti. Übrigens erhielt die Schlucht ihren Namen von dieser kleinen Höhlenkirche!
Entgegen aller Erwartungen war es im Süden fast windstill und kuschelig warm. Eigentlich hatten wir ja gehofft, der starke Wind an der Nordküste würde bis zur Südküste gelangen aber da hatten wir uns geirrt. Wir versammelten uns in der kleinen, von Tamarisken umgebenen Taverne und wie bei „Tischlein deck dich“ füllte sich der Tisch fast von alleine mit immer neuen, typisch griechischen Leckereien. Vorspeisen aller Art, eine große Fleischplatte mit saftigen Ofenkartoffeln und zum Abschluss noch einen großen Teller Wassermelone – war das lecker! Dazu durften natürlich Wein und Raki nicht fehlen und statt ins Meer zu hüpfen saßen wir noch lange am Tisch und unterhielten uns mit ein paar unserer Mitfahrer. Gar nicht so einfach, bei den ganzen Fragen nicht in Versuchung zu geraten unseren eigentlichen Job zu verraten. Bei 3 völlig verschiedenen Reiseleitern, jeder mit einer eigenen Geschichte und ohne wirklich große Verbindungen zueinander war es aber auch echt schwer, einheitliche Antworten zu finden. 😀
Dann endlich zog es uns doch noch an den Strand, der wie im Süden üblich, grau, grob kieselig und übertrieben heiß war.
Ohne Flip Flops oder einen kurzen Sprint war es unmöglich, ans Wasser zu gelangen. Doch dann folgte endlich die lang ersehnte Abkühlung im türkisblauen und super klaren Wasser. An einem Ende des Strandes hatten sich ein paar Camper versammelt, deren Bewohner ganz entspannt im Schatten saßen und die Ruhe genossen, am anderen Ende saßen nur hier und da ein paar Griechen unter ihren Schirmen. Für Ende August der perfekte Ort um gemütlich am Strand zu sitzen ohne Touristengewusel und Loungebars im Hintergrund! Eigentlich hatte ich auch meine Unterwasserkamera dabei und eine Menge Filmchen gedreht.
Aber zu meinem großen Ärger hatte ich doch immer genau auf „Aufnehmen“ gedrückt, wenn ich dachte, die Aufnahme zu stoppen und umgekehrt… Heißt im Klartext, es gibt viel Rumgebaumel zu sehen und eine Viola, die auf die Linse pustet, aber keine Steinchen am Meeresboden oder im Wasser treibende Kollegen. Maaaan und das als ehemaliger Strandtester. 😀 Beim Baden entdeckte ich aber eine Höhle am westlichen Ende des Strandes und zusammen mit meiner Kollegin schwammen wir hinüber und ich kletterte hinein. Praktischerweise hing ein Strick am Felsen, mit dem man sich aus dem Wasser in die Höhle hochziehen konnte. Im Innern zeigte sich noch ein weiterer, viel größerer Ausgang, durch den leichte Wellen in die Höhle schwappten. Schon cool aber aus erklärten Gründen gibt es davon leider keine richtigen Aufnahmen…
Während sich die anderen am Strand ausruhten, nutzte ich die verbleibende Zeit für eine Reihe Strandfotos und immerhin ein Minischläfchen bevor es wieder weiter ging. Wir fuhren zunächst durch die Schlucht zurück und die staubigen Kurven bergauf, bis wir nach langer Zeit wieder eine „normale“ Straße und damit Zivilisation erreichten. Schade eigentlich. Schon nach kurzer Zeit hielten wir im Dorf Vassiliki für einen weiteren Obstteller und einen Kaffee und die letzte Toilettenpause vor der Rückkehr. Und dann zogen wir quer über die Insel zurück an die Nordküste. Dabei entdeckte ich sogar einen neugebauten Tunnel bei Agia Varvara, den es bei meiner letzten Fahrt in Richtung Matala irgendwie noch nicht gegeben hatte. Obwohl ich jetzt auch weiß, warum es auf der Strecke jahrelang eine Baustelle mit verengter Fahrbahn gab – ahhhh!
Gegen Nachmittag erreichten wir die Nordküste, setzten unsere Gäste ab und ließen uns von Fahrer Vangelis zu unserem Treffpunkt nach Hersonissos fahren.
Zum Fahrer habe ich diesmal nicht viel erzählt, fällt mir gerade auf. Er hat seinen Job wirklich gut gemacht, vor allem, was die Fahrerei anging. Aber entweder war er an dem Tag nicht soo gut drauf, oder er ist einfach ein typischer Kreter, immer ein wenig brummig und kurz angebunden und obendrein mit einem seltsamen Musikgeschmack. 😀 „Griechischer Wein“ wechselte sich ab mit „99 Luftballons“ und „Männer sind Schweine“ um mal ein paar Beispiele zu nennen… Aber der Tag war trotzdem sehr schön und erlebnisreich. Ich war mal wieder an der Südküste, habe eine neue Schlucht gesehen, wenn auch nicht durchwandert, und war endlich auf dem Jiuchtas gewesen.
An den Zauber der Nida Tour vom Frühjahr kommt die Tour allerdings nicht heran. 🙂
Also viel Spaß mit den Bildern und bis zum nächsten Abenteuer!
Und hier kommen die Bilder 🙂
Warum ist der Musikgeschmack komisch???
😂